Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 43 (14.11.1902)
- Date
- 1902-11-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063113-3063156--02185-3068840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr.' 42 Die Wahrheit. Seite 7. meine eigenen- Geheimniße und nicht von andern^ und M weiß, dass wenn mich meine Frau demnächst mit dem zwölften Kinde erfreut, auch der zwölfte Sohn. ankomM." 3; Baruch Maycr wurde entlasten, und der PolizeiWpt- Härm schrieb nach Petersburg, dass der Theaterdirektor elf Kühne besitze und durch ein Geheimnis bald den zwölften Sohn erwarte. Der Zensor in Petersburg hielt es für seine den 7 Minister auf den berühmten Mann mit elf und das Geheimnis des kommenden, bestimmt erwartenden zwölften Sohnes aufmerksam zu machen. Nach wenigen Tagen schon kam die telegraphische Nachricht, Baruch Häher sofort nach Petersburg zu senden. Der Kaiser wünsche dMVäter von elf Söhnen kennen zu lernen. Die gesammte Hofgesellschaft interesfirte sich für den kleinen Theaterchef — er würde plötzlich zum berühmten. Manu. In Petersburg angekirmmen, wurde Mäher zum Minister geführt. Es entspann sich ^.folgendes Zwiegespräch: „Also Du hast elf Söhne?" > >Ja, und erwarte den zwölften, Excellenz." .„Bestimmt?" . ,.>,Ganz bestimmt!" . ^Und woher weißt Du das so genau?" L-Weil auch mein Vater zehn Söhne hatte." Was ist kein Grund." . . Woch, doch, denn ich lebe so wie mein seliger Vater." „Willst Du mir das Geheimnis nennen? Es soll nicht Dein Schaden sein." Was Geheimnis," entgegnete Baruch, „ist kurz: Die Ehegatten dürfen kein Salz genießen." „Ja! Nicht ein Körnchen Salz." „Hm.!" Der Minister sagte kein Wort, war aber nachdenklich ^geworden, reichte dann dem Theaterdirektor die Hand zum Abschied und befahl, dass derselbe gut behandelt und zu Befehl'W Kaisers zu halten sei. Als der Kaiser und die Kaiserin am nächsten Tag bei der Tafel saßen, bemerkte die Kaiserin zuerst, dass der Suppe das Salz fehle, sie hätte einen schauderhaften Geschmack. Sie langte nach dem Salzfass— es Mr verschwunden, der Braten erschien auf dem Tisch, er hatte einen noch schlechteren Geschmack. Die Kaiserin sandte um Salz> aber nicht das kleinste Körnchen war im ganzen Palast ünfzutreiben. Der Kaiser überhörte die Klage /der Gattin über den Koch, über die Dienerschaft, nur ein .'kaum merkliches Lächeln umspielte seine Lippen. Das Salz war und blieb von der Tafel verbannt. Schweigend fügte sich die Kaiserin in das Unabwendbare, sie gewöhnte sich daran. . Da kam vor einigen Wochen die frühzeitige Entbindung der Kaiserin. Sofort ließ der Minister den unter Aufsicht gestellten Baruch Mayer kommen und sagte kalt: „Du kannst abreisen!" — „Wieso äbreisen, Excellenz?" — „Die Kaiserin hat früh entbunden." „Dafür kann weder ich noch mein Mittel. Excellenz werden sich bald durch eine Großfürstin und: Fürstin, die beide nach meinem Geheimnis leben, die Ueberzeugyng verschaffen.^.— „Es ist gut. — Du kannst abreisen," unterbrach ihn der Minister. Baruch Mayer war in Ungnade gefallen und reiste ab. — Zu Hause angekommen, überraschte ihn seine Frau mit dem — zwölften Sohne. Er zeigte pstichtschuldigst die Geburt des zwölften Sohnes dem russischen Hausminister an. Mayer blieb in Ungnade, auch als. seine Klientin, die dem russischen Hofe, nahestehende Fürstin, welche vorher ihrem Gatten vier Töchter geschenkt, dem glücklichen Gatten einen Sohn bescherte. Endlich vor . einigen Tagen erMt der Polizeihauptmann den telegraphischen Befehl» den Thegürdirector Baruch Myer sofort nach Livadia. wo dtr Hof weilt M senden-— Seit dieser Zeit speist man au der kaiserlichensTafel wieder^-ungesalzene Speisen. Baruch Mayer ist wieder ein berühmter. Mann. Wer weiß, ob er nicht demnächstzu höhen Würden emporsteigt, fteilich wird erst die Wirkung seines Geheimnißes abgewartet werden müssen. Die Eingeweihten sind gespannt darauf. Wir auch. Verschiede«« Nachrichten. Wie». Anlässlich des Geburtstages Sr. Majestät des Sultans findet Sonntag den 16. b. SR., halb 12 Uhr Vormittags, im Tempel der türkischen Gemeinde ein FestgotteSdienst statt. Wien, (Jüdisches Museum.) Die „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst» und historischen Denkmälern des JudenthUms" eröffnet nächsten Mittwoch, d. IS. d., ihren diesjährigen CykluS mit einem Bortrage des ^Herrn Dr. Ernst Sellin, k. k. Professor der ev. Theologie: „Ausgrabungen in Palästina" (unter Vorführung von Skioptikonbildern). Der Borttag findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Bereines, I:, Efchenbachgasse S, statt und gelangen die Karten .hiefür Sonntag, den 16. und Montag, den 17. d. von 2—5 Uhr Nachmittags im Bureau der Gesellschaft (Jüdisches Museum), I., Krügerstraße 8, Mezzanin, zur Ausgabe. Das Museum selbst ist bekanntlich Samstag jeder Woche von 11—1 Uhr Mittags zur Besichtigung geöffnet. Ausnahmsweise ist auch diesen Sonntag zu oberwähnten Zeit der Besuch gestattet. Wie». Frl. Olga Back, Tochter des durch sein humanitäres Wirken bestbekannten Herrn Michael Back, hat. sich mit Herrn Pauk Klebinder, Sohn des Obmannes des OrtsschulratheS im zweiten Bezirke, Herrn Ferdinand Klebinder (Firma Klebinder und Deixner), verlobt. Wie». Montag, den 10. d. fand das Leichenbigängnis desH türk. Großhändlers, Herrn Benjamin Heskia, welcher im hohen Atter von 76 Jahren verschieden ist, unter großer Betheiligung statt. Im Trauerhause hatte sich die ganze türkische Gemeinde mit dem Gesammtvorstande eingefunden. Der Verblichene genoß in Folge seines biederen, edlen Charakters sowohl in weitesten Geschäststteisen alS auch in der Gemeinde allgemeine Hochachtung. Die Functionen versahen Rabbiner Papo und Obercantor Bauer. n'2'S'J'n. Wie». Die Religionsschule des Vereines „Adaaa Jisroel“ befindet sich vom 20. November d. I. ab II., Negerlegasse 2» I. Stock. Die Schüleraufnahme findet nur bis Ende dieses Monates statt. Der Vorstand. Wie». (Verein für jüdische Geschichte und Litteratur.) Sonntag, den 9. d. 8 Uhr Abends fand die Eröffnung der Wintersaison statt. Ein zahlreiches distinguirtes Publikum hatte fich im großen Saale des „Jüd. Volksverein" eingefunden. Herr Papvenheim begrüßte in Verhinderung des Obmannes Dr. Rosenthal die Anwesenden und setzte in kernigen Worten die Zwecke und Ziele des Vereines auseinander. Herr M. A. Fürst reserirte in fesselnder, übersichtlicher Weise über die Bewegung der Sabbathianer von ihren Anfängen bis zu den letzten Ausläufern, den Frankisten. Reicher Beifall lohnte beide Redner. Wie». Der humanitäre Geselligkeits verein „Die Szenitzer in Wien" hält am 15. d. seine Jahresversammlung im Cas« Lloydhof, Pratersttaße 11, ab. Auch in New-Pork wurde ein Verein der „Szenitzer" mit^ähnlicher Tendenz gegründet. Der Verein steht unter Leitung der Herren Dr. Sinnreich, Josef Back, Max Reichsfeld und Jacob Fröhlich. Wie». Die seit vier Jahren bestehende humanitäre Tischgesellschaft zur Bekleidung armer alter jüdischen Männer hat sich in der am IS. d. abgehaltenen Generalversammlung als Verein constituirt. Die Versammlung wurde von Herrn Cantor Isidor Löwit geleitet, der den Zweck der Aenderung ausführlich besprach. Die Gesellschaft hat seit ihrem Bestände bereits circa 130 alte Männer mit Winterkleidern betheilt, und an ihrer Spitze stehen durchaus Männer, welche bei jeder Gelegenheit ein warmsühlendes jüdisches Herz bewiesen haben. Es wäre zu wünschen, dass dieser Verein, welcher so humane Tendenzen verfolgt, und von Tag zu Tag an Mitgliederzahl zunimmt, auch seitens der Glaubensgenoffen eifrigst gefördert werde. Bei der in der Generalversammlung vorgenommenen Wahl wurde der bisherige verdienstvolle und allgemein geschätzte Obmann, Herr Isidor Schwarz, neuerdings einstimmig gewählt, ebenso die Herren Carl D. Boskowitz als Stellvertteter; Cantor I. Löwit und Ed. Hofmann als Schriftführer; L. Libeßny und Ignatz Beckmann als Caffier; Michael Back, Carl Fuchs und Dr. Em. Spitzer als Ausschussmitglieder. Das diesjährige Bekleidungssest wurde für den 7. December festgesetzt. Wie». (Theologischer Verein der Hörer an der isr. rheol» Lehranstalt in Wien.) In der Generalversammlung am 6. d. wurden folgende Herren in die Bereinsleitung gewählt: M. G. Mehrer, Präses -7- G. Sicher, Bicepräses; V. Kurrein, Caffier; M. Tauber, I. Schriftführer; H. Alperin, II. Schriftführer; S. Arje, I. Stößler und A. Beck Ausschüße. Wie». Den laufenden Thora-Abschnitt erklärte in der Toynbee- Halle am jüngsten Freitagabend Theol. Dr. G. M. Mehrer in sinniger, geistvoller Ausführung. — Bemerkenswerth waren noch die Vorträge