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Die Wahrheit · 1902-11-07 · Heft 42 (7.11.1902) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 42 (7.11.1902)
Date
1902-11-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 42. ZLeilage zur Zeitschrift „Zie Wahrheit." 22. Ial>rg. Wir ersuchen die geehrten Herren College« um Einsendung der Aboiiiieitieulsgebülir für das am 1. Oktober begonnene 4. Quartal und um Begleichung der Rückstände. Di« Redaction. Vierzigjähriges Änitsjubiläum. Kanisza, im November 1903. Die Festlichkeiten des vierzigjährigen Amtsjubiläums unseres zweiten Cantors, des Herrn Sam. G o l d m a n n, am 25. Oktober haben sich in solch erhebender und ehrender Weise abgespielt, dass eine detaillirte Darstellung derselben für den ganzen Cultusbeamtenstand von Interesse sein dürfte und der Veröffentlichung besonders würdig und werth zu sein scheint. Schon am 24. Abends, als nach dem Gottesdienste der Jubilar im Kreise seiner Familie und Verwandten ahnungslos weilte, erscholl eine Senerade, geleitet vom Chordirigenten, Herrn Moritz Eckstein, und glänzend ausgeführt von sämmtlichen Personen des gemischten Tempelchores, nach deren Beendigung Herr M. Eckstein begleitet vom Chorpersonale in die Wohnung trat und den Jubilar mit herzlichen Worten der wahren Freundschaft begrüßte. In gleichen Ausdrücken der Freundschaft dankte der Jubilar für diese ihn besonders ehrende Aufmerksamkeit. Am Morgen beim Vormittags-Gottesdienste wurde der Jubilar, deffen Tempelsitz mit Blumen reichlich geschmückt war, mit vollem Namen als Maftir zur Thora gerufen, wo er vor der Thora die Benediction Lirchath schefeechejonu mit voller Stimme, wohl sehr erregt, recitirte. Nach volleudeter Thoralection sprach der Obercantor, Herr Leon Kartschmaroff, einen von ihm selbst verfassten, dem Umstande entsprechenden Mi scheberach für den Jubilanten und seine Familie, diesem folgte wieder ein vom Jubilanten verfasster Mi scheberach, von diesem selbst recitirt, für die Gemeinde, Vereine und sonstigen wohlthätigen Anstalten. Sodann wurde vom Obercantor mit gewohnter Bravour und künstlerischer Virtuosität der von ihm componirte Dankespsalm Mismor lethoda unter Begleitung von Chor und Orgel executirt. Hieraus recitirte der Jubilant einen Iß scheberach für die Cultusbeamten, bei welcher Gelegenheit er mehrere Wohlthätigkeitsanstalten mit gewissen Svenden bedachte. Nach Einhebung der Thora bestieg der Oberrabbiner, Herr Dr. E. Neumanu, die Kanzel und hielt eine dem Jubilanten und seinen Verdiensten gewe hte Festrede. Ausgehend von dem Haftörah-Verse: sAni *Adonaj kerothicho bezedek veachsek bejodecho, veczorcho“ — schilderte er den Fleiß, die Pünktlichkeit, die Berussliebe und Treue des »von Gott berufenen, geleiteten und geschützten" Jubilars. Die treffend gewählten Worte der Herzlichkeit, die rhetorisch kunstvolle Ausführung derselben wirkten auf die zahlreich versammelten Tempelbesucher entzückend. Nach dem sehr erhebenden solennen Gottesdienste versammelte sich der im Tempel anwesende Gemeindevorstand vollzählig mit den übrigen Tempelbesuchern im Sitzungssaale zur Festsitzung. Eine Deputation, geführt vom Herrn Dr. M. Ollop, bestehend aus Mitgliedern der Gemeinde, des Franenvereines — Frau Oberrabbinerin an der Spitze — und der Ehewra Kadischa, holte den Jubilanten jammt Familie und Verwandten von seiner Wohnung ab. Im Sitzungssaale an gelangt und mit jubelnden Eljen-Rufen empfangen, nahmen Jubilant und Gattin neben dem Präses-Stellvertreter, Herrn Heinrich Grünhut, welcher in Abwesenheit des Präses die Sitzung leitete, ihre reservirteu Plätze ein. — Hier überreichte 'der Präses-Stellvertreter in gewohnter eleganter Weise, mit der ihm eigenen Eloquenz die vielen Verdienste des Jubilanten anerkennend, eine Gratulationsadrefse und Geschenk, lein Paar silberne Girandols. Hierauf folgte die Präsidentin des Frauen - Vereines, Frau Hedwig Vidor geb. Gutmann de Gelse, mit Gratulationszuschrift und einem mächtigen, werthvollen Becher. Mit dem Herrn Oberrabbiner traten sodann die Gemeindebeamten heran, mit Zuschrift und einer prachtvollen Salonuhr. Der Oberrabbiner betonte nachdrucksvoll die Pünktlichkeit einer Uhr und die Eigenschaft des Zeigers, welcher nach abgelaufenen Stunden feinen Lauf von neuem beginnt — eine geistreiche Anspielung auf die immer frische Arbeitslust und die weitere Thätigkeit des Jubilars. Sodann kam ' der Lehrkörper mit Zuschrift und goldener Brustnadel. Der Director, Herr Sam. Bun, würdigte den Jubilanten als Leiter des zweifachen Kinder- Gottesdienstes seit vier Decennien. Zum Schluffe die Chewra Kadischa mit einer großen silbernen Menorc, die den Jubilar als 40jährigen Secretär huldigie. Für alle diese Körperschaften hatte der Jubilar, mit Hinweis auf ihre Tendenzen, eine besondere Danksagung. Der Präses-Stellvertreter schloss sodann mit warmen Worten diese denkwürdige Festsitzung, eine erhebende Feier, wie sic die Nagh-Kanizsaer Gemeinde noch nicht gesehen. Der Löwenantheil an diesem Huldigungsseste, seinem Zustandekommen, seiner Darstellung und Ausführung gebührt in anerkennendster Weise, nebst dem Oberrabbiner und Obercantor, dem wackeren, verdienstvollen Secretär der Gemeinde, Herrn Ludwig Barta, Verfasser der von ihm prachtvoll ausgestatteten Zuschrifteu der verschiedenen Corporationen, der keine Mühe und Opfer scheute, die Feier zu einer der glänzendsten zu gestalten. Während des ganzen Tages liefen von Nah und Fern Gratulations-Telegramme, Zuschriften, Silber- und Goldgeschenke, Angebinde aller Art und Ehrenbezeugungen ein. Die Wohnung des Jubilars fasste kaum die Besucher alle, die während des ganzen Tages sich in Glückwünschen überboten. Der Präses, Herr Wilhelm Gutmann de Gelse, königl. Rath, entschuldigte in einer längeren Depesche seine Abwesenheit und gratulirte. Die Gemeinden Legrad, Pacsa, Z. Lövö, in welchen der Jubilar uls Cantor wirkte, die Logen Oedenburg-Kanizsa. der Vorstand des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" Obercantor Singer, Obercantor Bauer, Redactenr Dr. Löwy, die Rabbiner Dr. Kayserling-Budapest, Dr. Büchler-Kesthely. Schwarz-Csakathurn u. s. w., die Obercantoren Lazarus, Bachmann-Budapest, Bela Gutmann-Wien, Moor-Prag, D. Kohn- Arad, Löwinger-Kesthely, Propper-Zolyam u. s. w. sandten theils Zuschriften, theils Telegramme. Der I. Cantor am Seitenstetten - Tempel in Wien, Herr I. Schiller, gratulirte mit Zusendung eines prachtvollen silbernen Bechers. Dieser intime Herzensfreund des Jubilars scheute nach ermüdender langer Feiertags-Anstreugnng im schlechtem Herbstwetter Mühen uud Reisebeschwerden nicht, er besuchte mit seiner Gattin in der Jubelwoche den Jubilanten, eine seltene und zu tiefstem Danke verpflichtende Aufmerksamkeit. ' Doch wer kann alle die Ovationen, dargebracht von Kindern, Verwandten, Freunden nnd Bekannter im. In- und Auslande aufzählen? Sicherlich sind auch mehrere werthe Gönner und Freunde hier weggeblieben, die in Anbetracht des bereits voluminösen Berichtes entschuldigen wollen. — So hat die altberühmte Gr.-Kanizsaer israelitische Gemeinde ihren Beamten nach vierzigjähriger Thätigkeit. gefeiert.

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