Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 42 (7.11.1902)
- Date
- 1902-11-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Die Wahrheit. Seite 9. verfehlten. An die Ausführungen der Bize-Präsidentin schloß sich eine lebhafte Discuffion, an welcher sich hauptsächlich die Herren Dr. Martin Engländer, Dr. Heinr. Kohn, Herr Banquier Fischer u. Herr Buchwald betheiligten und - welche den Beweis lieferten, dass der neue Verein von allen Anwesenden sympathisch begrüßt wurde. Der einstimmig wiederge» wählte Vorstand constituirte sich aus folgenden Damen: Frl. Gisela Kohn Präsidentin, Fr. Han na Korall Vice-Präfideniin, Frau Erna Bienenfeld. Fr. Leo Bondi Schriftführerinnen, Frl. Paula Schollinger, Frau Frieda Wittmann Caffierinnen, Frl. Mimi Berliner, Frl. Helene Goldbaum, Frl. Helene Halberthal, Frl. Regine Kauftheil, Frl. Malwine Korall u. Frl. Therese Kornmehl ohne Functionen. Von Zeit zu ,Zeit finden Vorträge über Hygiene, Prophylaxis und Krankenpflege statt. Der erste Vortrag fand am Sonntag d. 2. Nov. im Schulzimmer der Cultusgemeinde I. Seitenstettengasse statt. Als Re» serent hatte die Vereinsleitung Herrn Dr. Isidor Sadger gewonnen, welcher über das Thema „Hygiene des Nervensystems" sprach. Obgleich der Vortrag noch nicht öffentlich bekannt gemacht war, hatte sich doch ein zahlreiches Publikum eingefunden, um den Worten des verehrten Redners zu lauschen. In seiner Einleitung betonte Dr. Sadger die verschiedenen Arten der Nervosität, wie Neurasterie, Histerie u. s. w., welche als geistige Ueberanstrengung bezeichnet werden und ja leider bei uns Juden am meisten verbreitet sind. Wie, der bekannte Arzt und Menschenfreund Vineenz Prißnitz schon jvor 80 Jahren seinen Patienten Lust, Licht und Wasser als die drei besten Heilmittel verordnte, so kenne auch, führte Redner aus, die moderne Wiffenschaft noch keine verlässlicheren Mittel, um der Krankheit vorzubeugen und abznhelsen. Zum Beweise dessen verwies der Redner auf die palästinensischen Colonisten, die, zumeist aus Rumänien und Rußland stammend, sich aus schwächlichen Individuen zu wetterfesten Menschen entwickelt haben. Es sei dies lediglich dem Lande zuzuschreiben, ^wo Li ht und Luft nicht nur die geistigen, sondern auch die physischen Fähigkeiten zur Reife bringen. Anhaltender Beifall belohnte den Redner für seinen gelungenen Vortrag. Mit herzlichen Worten des Dankes an den Vortragenden und an die Gäste schloß die Präsidentin den Nachmittag. M. B. Wien. Im festlich beleuchteten Bethanse des Vereines „Mikdasch Meat" fand am Hoschanorabbo-Abend die feierliche Einweihung eines neuen Sefer-Thora statt. Das Festgottesdienst, zu welchem sich gesammte Vorstand des Vereines mit dem hochverdienten Obmanne und zahlreiche Mitglieder und Gäste eingefunden hatten, begann mit einem „Hallelujah", den der neuengagirte Cantor, Herr Marcus Einfeld, jmit verstärktem Chore wirkungsvoll vortrug, worauf Herr Adolf Biber im Namen des Somit« die Festrede hielt. Die Einweihung der neuen Sefer vollzog Rabbiner Dr. Max I. Bach, welcher eine äußerst wirkungsvolle Rede hielt, in welcher er das allgemeine und ersprießliche Wirken dieses Vereines hervorhob. Erwähnt fei noch, dass der bekannte Cafetier Frais, Große Pfarrgaffe, die Silbergeräthe für die neue Thorarolle gespendet hat. Wien. Das seit mehr als 30 Jahre hier bestehende Etablissement, Restauration u. Hotel M. G u t h, erfreut sich sowohl in der Residenz als auch , , in der Provinz des besten Rufes. Am 6. d. übersiedelt dasselbe in das neu- ' erbaute Haus, II., S t e f a n i e st r a ß e 14, und wird als „Hotel 'und R e st a u r a n t G u t h" weitergeführt. Sämmtliche Lokalitäten sind elegant ausgestattet und allen Anforderungen der Neuzeit entsprechend eingerichtet. Der Besitzer des Etablissements, Herr M. G u t h, ist in. allen Kreisen als tüchtiger und liebenswürdiger Gastgeber außerordentlich beliebt und seine vorzügliche Küche seit jeher als rituell verlässlich auerkannt. ' Wien. Die vom „Vereine jüdischer Arbeiter" Samstag, den 1. d., Abends im Weilandhof, 20. Bez., Brigittenau, veranstaltete Wählerversämmlung war zumeist von jungen Leuten, Studenten und solchen Mitgliedern besucht, die noch kein Wahlrecht besitzen. Herr Nathan Groß begrüßte die Erschienenen und ertheilte dem Referenten, Herrn Dr. L. L - Kahon das Wort. Derselbe sprach, wenn auch sehr scharf, so doch relativ ruhig und sachlich gegen die Zustände in der Cultusgemeinde, namentlich Min Bezug aus den Religionsunterricht, der sehr viel zu wünschen lasse; -auch sollte für den Gottesdienst an den hohen Feiertagen besser vorgesorgt und in mehreren Bezirken eine Toynöee-Halle errichtet werden. An der Discuffion betheilrgte sich Herr Plaschkes, der die Schechita- Wirthschast in sarkastischer Weise kritisirte, ebenso für allgemeines directes Wahlrecht und für Errichtung von Filialen der Chewra Kadischa in mehreren Bezirken plaidirte, damit die ärmere Bevölkerung wegen eines RecepteS nicht den weiten Weg in die Seitenstettengaffe machen müsse, falls ein antisemitischer Armenrath sein Amt zu Ehicaoen mißbraucht. Herr Groß sprach noch in Sachen der moralischen und materiellen Unterstützung der jüdischen Arbeiter und schloß gegen 11 Uhr die Versammlung. Wie«. (Verein zur Hebung, der Gewerbe.) Am Montag den 10. o. M., halb 8 Uhr Abends, findet in Kuhner'S großen Saallocalitäten, I., Adlergaffe 6, eine Plenarversammlung statt. Tagesordnung: Stellungnahme der jüdischen Gewerbetreibenden und Kaufleute zur bevorstehenden CultuSwahl (vom wirthschaftlichen Geschichtspunkte) und eventuelle Interpellationen der Mitglieder an die Candidaten. Gäste willkommen. Wien. Sonntag, den 9. November findet im litterar. Geselligkeitsverein jüdischen Mädchen »Moria" im ReligionSsaale der isr. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 2, II. Stock, ein Bortrag des Herrn Dr Hermann Rand über „Das geltende österreichische Recht und die Frauen" statt. Beginn 3 Uhr. Gäste, Damen, herzlichst willkommen. Wien. (Verein für jüd. Geschichte und Litteratur.) Sonntag, den 9. November findet die Eröffnung der Wintersaifon statt. Im Festsaale des ,.Jüd. Volksverein", II., Leopoldsgaffe 49, der seine gastlichen Räume abermals zur Verfügung stellt, wird Herr Wolf Pappenheim die Eröffnungsrede halten. Referent Herr M A. Fürst über: „Die Sabbathäer-Bewegung". Beginn 8 Uhr Abends. Gäste willkommen. Wien. Die hiesige Bereinssynagoge (Rembrandtstraße) besitzt ein geschmackvoll eingerichtetes Bethaus und zählt zu seinen Besuchern viele angesehene Persönlichkeiten. An der Spitze des Vorstandes stehen die verdienstvollen Herren Simon und Dr. Werner, sowie die Herren Seid, Kemach, Robitschek als Bethausvorsteher. Der Gottesdienst wird nach alter Weise abgehalten. Als Obercantor fungirt Herr Regner, welcher sich in Folge seiner Leistungen und seines würdigen Auftretens allgemeiner Beliebtheit erfreut. Als Anerkennung seiner bisherigen Thätigkeit erhielt derselbe vor Kurzem ein Ehrengeschenk seitens des Vorstandes. Wien. Sonntag, den 16. November, 2/48 Uhr Nachmittags, findet im Tempel IX. Müllnergaffe 21 die Trauung des Freulein Ottilie Rubin, Tochter des bekannten Musikdirektors David Rubin in Prag, mit Herrn Philipp M. Horrwitz statt. Wie«. Frl. Lisa Smotritzky, Tochter des Cantors der isr. Cultusgemeinde im XVI. Bezirk, Herrn Julius Smotritzky, hat sich mit Herrn Bernhard I l m e r verlobt. Aungönnzka». Letzten Sabbath, am 1. November, feierte der Lehrer und Chordirigent, Herr Siegfried Glaser, das Jubiläum seiner 25jährigen Wirksamkeit an der hiesigen isr. Volksschule. Die Gemeinde und mit ihr der Verein „Harmonie" nahmen Beranlaffung, den beliebten Lehrer in finniger Weise zu ehren und veranstalteten im Tempel einen sollennen Festgottesdienst. Herr Rabbiner Dr. Hoch beleuchtete mit treffenden Worten die ersprießliche Thätigkeit des Jubilars und zeichnete in großen Zügen die Licht- und Schattenpunkt e im Leben eines israel. Lehrers. Er sagte: „Die Thätigkeit eines Lehrers ist eine stille, seine Leistungen dienen nicht zu Reclamzwecken, sie sind aber um so segensreicher; er rennomirt nicht mit seinem Wissen, sondern legt dieses in die Herzen der ihm anvertrauten zarten Jugend. Und wenn ihm durch der Parteien Hader in seinem mühevollen Dasein Gefahr droht, so bleibt er gleich Noah in seiner Arche, in seiner Schule, in seinem Berufe, damit er von vem Unwetter des Zankes und Streites befreit bleibe." — Obercantor Singer bemühte-sich, dem Feste durch den gesanglichen Theil jene Weihe zu geben, die eben durch die Macht des Gesanges möglich ist und eine befriedigende Ergänzung des gesprochenen Wortes bildet. Der Chor glänzte durch vollendete Wiedergabe zweier Festtagsgesänge. Abends fand eine gesellige Unterhaltung und ein Kränzchen im Hotel Beranek statt, das die tanzende Jugend bis zum Morgengrauen zusammenhielt. WalaHSa. Am 28. October fand hier in Anwesenheit zahlreicher Gäste die Trauung des Frl. Rosalie Reis, Tochter des Hoteliers Herr» Jonas Reis, mit Herrn Adolf Berger statt. Die cantorale Funktüm versah der hiesige, sehr beliebte langjährige Cantor K. Rosenstein und die Trauungsrede hielt Bezirksrabbiner Dr. Lewin. Hfen. Die hiesige Cultusgemeinde (Reustift) hat Herrn 2» Abrahamovicz, der mit seinen Vorträgen an den hohen Festragen alk» gemeine« Beifall erntete, als Obercantor aceeptirt.