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Die Wahrheit · 1902-11-07 · Heft 42 (7.11.1902) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 42 (7.11.1902)
Date
1902-11-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit, Nr. 42. Loch in allem Uebrigeu nur die Folgewidrigkeit als maßgebend erachtet und ihr das Wort geredet wird? — Der Vater dieses Gedankens war hier wohl jedenfalls der Wunsch, es dem Ehristenthume gleichthun zu könne», das sich auf seine diesbezüglichen Lehren nicht wenig zu Gute hält. Dieser Umstand bringt es auch von selbst mit sich, dass man von jener Seite aus den Unsterblichkeitsglauben dem Judenthume glaubt streitig machen zu müffen. Andernfalls blieben doch zu wenig -er neuen Errungenschaften für die eigene Rechnung zurück! Ueber die Verunstaltungen, welche das Judenthum dort eigens zu dem Zwecke erfährt, um auf Grund dessen die eigene Religion desto besser in die hellste Beleuchtung rücken zu können, — darüber soll hier nicht gerechtet werden. Wenn das auch nicht gerechtfertigt werden kann noch soll, — so erscheint es doch zum mindesten begreiflich. Wohl aber muß es im höchsten Maße verblüffen, wenn ein jüdischer Gelehrter sich dieser Art der Auffassung, oder eigentlich der berufsmäßigen Verunstaltung unserer eigenen Religionsquellen vorbehaltlos ausliefert! Glaubt er, durch derlei Zugeständnis seinem wissenschaftlichen Ruf auch im jenseitigen Lager einen Geltungsbereich zu verschaffen, so befindet er sich entschieden auf dem Holzwege. Schon dass er dem Judenthume nur eine derartige Eons quenz zugesteht, muß seinen Namen dort um jeden Anklang bringen. Wäre jedoch Herr Dr. Jakob im Stande, mit eigenen Augen in unsere Bibel hineinzuschauen, ohne überall durch den Reflex des Zerrspiegels, der von christlicher Seite ihm vorgehalten wird, sich blenden zu lassen, müsste er nicht die Lehre der Unsterblichkeit an unzähligen Stellen unserer Thora über allen Zweifel klar und deutlich ausgesprochen finden? Müsste ihm diese Zuversicht nicht aus den Stimmen zahlreicher Psalmen auf die eindringlichste Art herausklingen? Gewiss, wer da glaubt, von einer Unsterblichkeit könne nur dort die Rede sein, wo die sinnlichen Freuden eines Paradieses in den üppigsten Farben die Phantasie berücken, oder wo die fürchterlichste irdische Pein, wie „Heulen und Zähneklappern", als Schreckbild der Hölle erscheinen, der wird, dem Judenthume gegenübergestellt, sich in Verlegenheit fühlen. Allein gerade die keusche Zurückhaltung, die es in diesem Punkte bethätigt, zeugt von der Hoheit seiner diesbezüglichen Auffassung. Auf all diese Dinge im Einzelnen einzugehen, kann hier nicht der Ort sein. Das müsste wieder eine eigene umfangreiche Abhandlung abgeben. Doch soll wenigstens auf einige Punkte verwiesen werden, welche die Lehre der Unsterblichkeit über allen Zweifel klar und zugleich auf eine so erhabene Weise zum Ausdrucke bringen, wie dies sonst bei keiner Religion der Fall ist. Dass die Unsterblichkeit von jeher zu den allgemeinsten und geläufigsten Ueberzeugungen des Glaubens im Judenthume gehörte, darüber kann kein Zweifel bestehen. Wenn der Prophet im Hinblick auf den erhofften Wandel zum Bessern ruft: 'vi Trip ntpyc mtr vraro '2 rurr wd nny rr^ apjr vnr nny ab „Nicht soll Jakob sich fürderhin schämen, nicht sein Gesicht erbleichen müffen; denn wenn er erst sehen wird, wie seine Nachkommen, die Frucht meiner Thätigkeit, den Namen Gottes heiligen" u. s. w. Hier sehen wir deutlich, wie der Prophet Jesaja von dem Erzvater Jakob so spricht, als wäre er unter seinen Zuhörern anwesend. (Jes. XXIX, 22—23.) Kräftigere Züge kann doch wohl diese Ueberzeugung nirgends annehmen. — Oder, wenn in der Vision des Propheten plötzlich der Geist der Rahel auftaucht, den er mit folgenden Worten einführt: by 0nsb nrrrv n-22 by ros» *?m o'-iron '22 '.tj yotw noT2 Sip «72T nxvl *pyi '220 xblp 'JOD ‘1 TD« N2 UJ'K '2 .TO „Horch, in Rama wird ein Klagen und bitteres Weinen vernommen, Rahel betrauert ihre Kinder, will sich um ihrer Kinder wegen nicht trösten lasten, denn es ist aus mit ihnen. So spricht der Ewige: „Lass „ deine Stimme nicht weiter klagen, deine Augen nicht ferner in Thränen sich ergießen" u. s. w. (Jerem. XXXI, 15 u. 16), so frage ich : was sollen wir, was die Zeitgenoffen der Propheten sich unter einer solchen Szene denken, wenn die Unsterblichkeit nicht die sicherste und allgemeinste Ueberzeugung wäre? Allein nicht darauf kommt es in erster Linie an, sondern vor allem auf die unerreicht dastehenden hoheitsvollen Vorstellungen, welche das Judenthum über diese Frage uns bietet. (Fortsetzung folgt.) verschiedene Nachrichten. Men. Sonntag, den 2. d. M. fand unter großer Betheiligung das Leichenbegängnis der Frau Mathilde de Majo, geb. Tausky, auf dem Döblinger Ortsfriedhofe statt. Die Verblichene war durch ihre große Frömmigkeit und ihren vielbethätigten Wohlthätigleitssinn in allen Kreisen sehr geschätzt. Die Funttionen versahen Rabbiner Papo und Obercantor Bauer. Men. (Toynbee-Halle.) Samstag d. 18. October wurde'die diesjährige Wintersaison der jüdischen Toynbee-Halle, XX., Karajangaffe 20, die hiemit in das dritte Jahr einer wahrhaft ersprießlichen, segensreichen Thätigkeit tritt, in Anwesenheit eines überaus zahlreichen Auditoriums eröffnet. Unter den Anwesenden befanden sich die Mitglieder deS Cultusvorstandes Baurath Stiaßny, Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Dr. Stein, dann Secretär kais. Rath Dr. Lieben, die Rabbiner Abeles, Bach, Schor, Rosenmami, Taglicht, die Professoren Dr. Büchler und Antscherl. Der verdienstvolle Obmann, Professor Dr. Ad. Schwarz, Rector des Wiener theologischen Seminars, führte in seiner mit großem Beifall ausgenommen, formvollendeten Eröffnungsrede aus, dass die Toynbee- Halle dem Namen nach woh l eine moderne Institution sei, dass aber die Juden schon von mehr als dreitausend Jahren gleiche Einrichtungen, die den Zweck verfolgten, die breiten Volksschichten geistig zu heben, intensiv und extensiv pflegten. Derzeit, wo das Judenthunl und dessen Bekenner in vielen Staaten Zurücksetzung, Bedrückung und Anfeindung erdulden müffen, sei es eines jeden Glaubensgenoffen, der es mit dem Mosaismus aufrichtig und ehrlich meine, heilige Pflicht, die von wahrer Menschenliebe getragenen Ziele und Zwecke der Tohnbeehalle nach Kräften in geistiger und materieller Richtung zu fördern. Der einen tiefen Eindruck hinterlaffenden Rede des Dr. Schwarz folgten musikalische und gesangliche Vorträge der Herren Prof. Ignaz Brüll, ‘ Josef Sulzer und S. Auber, des Obercantors Bela Gutmann und 1. Cantor Fuchs, die ein äußerst dankbares Publicum fanden und von reichlichem Beifall begleitet waren. Das Mitglied des Vorstandes der Toynbeehalle, Vice-Präsident des Cultusvorstandes und Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, appellirte zum Schluffe in einer warmen Ansprache an die Versammlung, nicht nur persönlich für die Toynbee-Halle nach Kräften zu wirken, sondern auch für diese Institution in weitesten Kreisen Propaganda zu machen, damit es möglich gemacht werde, Zweiganstalten der Toynbee-Halle auch in anderen Bezirken Wiens zu errichten. Der rauschende Beifall, der diesem Appell folgte, berechtigt wohl zu dem Schluffe, dass der segensreich wirkenden Institution der Toynbee-Halle in Hinkunst diejenige Beachtung und Würdigung seitens unserer Glaubensgenoffen zugewendet werden dürste, auf die Anspruch zu machen sie im Hinblick auf ihre bisherigen Erfolge und ihr wohlthätiges Wirken Anspruch machen darf. — Den Reigen der theologischen Vorträge eröffnete Herr Dr. I Löwenstein Freitag den 31. October^ indem er in leichtfasslicher und gewählter Rede über den 1. und 2. Wochenabschnitt gegen eine Stunde sprach und die Schöpfungsgeschichte mit der Wiffenschast als Prineip der Entwicklung in Einklang zu bringen suchte und im zweiten Theile der Ansprache zwischen Noa und Abraham eine gelungene Parallele zog. Verdienter Beifall lohnte den Vortragenden. Von den vorwöchentlicheu Abenden wäre noch besonders rühmlich zu erwähnen ein Vortrag des Dr. Sadger über Kunst und den claffischen Abend des Prof. Dr. Keller über Julius Cäsar vom Standpunkte der Geschichte und Shakespäres. Der Vortrag verdiente Wohl, gedruckt zu werden. Wien. Am Sonntag d. 19. October fand im Sitzungszimmer der Cultusgenleinde die constituirende Versammlung des Mädchen und Frauenvereines .Bikur-Chaulirn" statt. Der Verein macht es sich zur Aufgabe, arme, kranke Juden, die in den hiesigen Krankenhäusern Ausnahme gefunden, mit Trost und Labung zu versehen, sowie ihnen in jeder Weise an die Hand zu gehen. Nach der Eröffnung durch die) Präsidentin richtete die Vice-Präsidentin warme, zu Herzen gehende Worte an die zahlreich erschienenen Gäste, welche ihren Eindruck auf dieselben nicht

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