Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 42 (7.11.1902)
- Date
- 1902-11-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit. Seite 7. Nr.742 Jähresziffen von 108 auf 231 gestiegen ist. Die Mischeheu machten im letzten Jahrfünft bereits 16972 pro Mille der rein' jüdischen Ehen aus, gegen 98.3 pro Mille im Jahrfünft 1875/79 Das ist also eine sehr beträchtliche Zunahme der Raffenvermischung. Das Judentum als solches hat dabei insofern Abbruch erlitten, als die Kinder aus Mischehen meist Christen geworden sind und sich später fast ausschließlich mit Christen verheiraten. Eine Statistik von 1895 ergab, dass nur 24,47 Prozent der Kinder aus Mischehen jüdisch waren; von diesen tritt erfahrungsgemäß später auch noch ein Theil züm Christentum über. Ehescheidungen sind bei Mischehen nicht sonderlich häufiger als bei anderen Ehen. Als unrichtig verweist die Statistik auch die Annahme, dass die Mischehen weniger fruchtbar und die vou ihuen erzeugten Kinder weniger lebensfähig seien. Ruppin gibt dann noch Ziffern über die Stellung der Juden im Erw erbslebeu, welche die bekannte Thatsache bestätigen, dass unter dem Milfluß des Mittelalters die Juden, die früher ein vorwiegend ackerbautreibendes Volk gewesen waren, hauptsächlich in Handel und Industrie thätig find. Die Summe aller jüdischen Erwerbsthätigeu beträgt nach der deutschen Berufszählung von 1895 244586 gleich 1,01 Prozent der erwerbsthätigeu Christen. Im Ackerbau machen die erwerbsthätigen Juden nur 0.04 Prozent, im Handel jedoch 5,71 Prozent der erwerbstätigen Christen aus. Es entfallen aus den Handel 54,56 Prozent aller erwerbsthätigen Juden, aus die Industrie 18,80 Prozent.. Von den übrigen sind 16,30 Prozent selbständig ohne Beruf, 5,95 Prozent sind im öffentlichen Dienst und in den sogenannten freien Berufsarten thätig, während 2,61 Prozent als häusliche Dienstboten und 0,36 Prozent mit Lohnarbeit ihren Erwerb finden. In ziemlich starkem Maße sind die Juden in den letzten zwei Jahrzehnten in die gelehrten Berufe eiugeströmt. In der Verwaltung und Rechtspflege ist ihre Prozentziffer von 0,78 auf 1,14, in der Gesuudheits- und Krankenpflege von 0,78 auf 1,53, im Handels¬ und Flottendienst von 0,68 auf 1/ 4 gestiegen, was auf ihre erhöhte Tauglichkeit für den Militärdienst schließen lässt. Bon besonderem Interesse ist die sehr starke Zunahme der erwerbsthätigen Mädchen und Frauen bei den Juden, von 15,94 pCt. aller weiblichen jüdischen Personen in 1882 auf 21,97 pCt. in 1895; die veränderten sozialen Verhältniße haben darnach allgemein zu einer vermehrten Theilnahme der Frau am gewerblichen Leben geführt. Mit der Stellung der Juden im Erwerbsleben hängt es zusammen, dass sie hauptsächlich in Städten, und insbesondere in großen Städten wohnen. In Berlin hat sich ihre Zahl seit 1861 verfünffacht (92 206 gegen 18 859), und ihr Autheil an der Berliner Gesammtbevölkerung ist von 3,79 aus 4,88 Prozent gestiegen und betrug 1895 sogar 5,14 Prozent. Berlin bleibt mit seiner jüdischen Bevölkerungsquote unter den Großstädten nur hinter Frankfurt a. M. mit 9,7 Procent, Posen mit 8,8 Prozent, Mannheim mit 5,7 Prozent, Breslau mit 5,3 Prozent Juden unter der Bevölkerung (am 1. Dezember 1890) zurück. Was die Schulbildung betrifft, so sind die Juden bestrebt, ihren Kindern möglichst eine höhere Schulbildung zu verschaffen; daher besuchen 41,34 Prozent aller jüdischen Kinder höhere Schulen. Entsprechend hoch ist auch der Antheil der jüdischen Studierenden in Preußen 9,32 Prozent aller Studireuden. In Bezug aus Kriminalität der Juden tritt natürlich entsprechend ihrer starken Vertretung in Handel und Industrie hauptsächlich ihre Betheiliguug au Delikten hervor welche in diesen Berufen am meisten begangen werden. Mord und Totschlag wird von ihnen außerordentlich selten verübt; dagegen sind sie infolge ihrer exponierten Stellung als Angehörige einer vielfach befeindeten Minderheit verhältnismäßig stark an Belei ügungsdelikten betheiligt. Fr. Z. Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. Bon Rabbiner Dr. Daniet Fink—Wien. XVII. „Es ist noch immer die alte Misere, die gleich nach Meudelssohn's Auftreten zum Vorscheine kam und diesen Mann selbst oft genug schmerzlich berührte. Denn schon zu Lebzeiten Meudelssohn's tauchten jene „Neumodischen" auf, die ihren Bildungsgrad nach dem Grade ihres Abfalles vom Judenthume ermessen und zuletzt in einem „Taufschein ihr Zeugnis der Reife für Staatsstellen empfangen." Aus jenen ersten Zeiten der jüdischen Aufklärung zirkulirt eine i Anekdote, die bezeichnend für diese (und noch für unsere gegen- I wärtige, Vers.) Epoche ist. Ein Jude kam zu Meudelsiohn! und rühmte ihm die philosophischen Anlagen seines Sohiles. z Auf die Frage des Berliner Philosophen, worin denn die! Leistungen des jungen Mannes bestanden, antworte der glücki liche Vater, sein Sohn lege schon seit Monateil ke.ue „Thephillin" mehr." (Das. S. 50)! „Weit aktueller sind die Bestrebungen derjenigen Fnsio- : nisten, welche sich, wie mein Freund Hirsch aus Luxemburg,; des Freimaurerthums bedienen möchten, um die verschiedenen ' historischen Kulte,i zu verschmelzen. Der Luxemburger Rabbiner, der Antipode seines Frankfurter Namensvetters, hat in den trefflichen Vorträgen, die er in der Luxemburger Loge hietc ' und unter dem Titel: „Die Humanität als Religion" herausgab, die Idee der Fusion so gründlich entwicke.t, dass mit seiner Arbeit diese Richtung als abgeschlossen betrachtet werden : kann. Die jüdischen Geistlichen haben nun nichts Besseres : mehr zu thun, als ihre Reforrmempel zu schließen und ihre jüdischen Pfarrkinder in den Tempel der Freimaurer zu führen. Dahin haben in der That die Conseqnenzen der Reform schon längst diejenigen geführr. welche die Predigten der südlichen Geistlichen — gegen die Absicht der letzteren — au serieux nehmen, wie S,e als Frankfurter Kind am besten wissen müssen, — und mit welchen talmndischen Redeblumen man auch nachträglich, als es zu spät war, die Fnsionsrhelorik ansgeschmückt hat, man lnnsste es sich gefallen lassen, vor leeren Bänken zu predigen. Unsere jüdischen Rationalisten, öte so : wenig Grund für ihr Verbleiben im Jnbenthnm, als die christ-! lichen Nationalisten im Cbristenthume haben, sind ebenso er- ' finderisch, wie diese letzteren, um Scheingründe für den Forlj bestand einer Religion zu entdecken, welche für sie keine raison I d’etre mehr hat." (A. a. O. S. 53.) > Mau bedenke, das har ein hellsehendec Kopf im Jahre j 1862 geschrieben, wo die Dinge noch im ersten Keime lagen.! Damals harte die Reform bei ihrem planmäßigen Vorgehen,! das Judenthum der Auslösung zuzufühcen, es nur erst zuwege gebracht, den Abfall des Einzelnen von der jüdischen Denknnd Lebensart zu erwirken. Das Leben der Gemeinde und; ihre öffentlichen Einrichtungen waren noch zum großen Theile unangetastet. Die vier Jahrzehnte, welche se,l dem Erschetnen der Schrift Dr. Moses Heß verstrichen, haben aber auch auf diesen Gebieten, mit wenigen Ausnahmen, alles der Verheerung und Verwüstung zugetührt. Auf dein Wege zum Abgrund j gibt es eben keine Ruhestalionen' Was würde ein Mann wie Heß, der das Judenrhum im Grunde doch nur mehr j instinklmäßig noch fühlte, erst heute zu sagen haben? i - Wir kommen nun zu dem letzten Punkt, der schon an! sich hinreichend wäre, um die ganze Art des Resormjuden-! thums in das gebührende Licht zu rücken. Herr Dr. Jakob i hat bisher uets nur die Richtung nach dem negativen Pole eingeschlageu. Als ein entschiedener Umschlag nach dem entgegengesetzten Pole hin muß es angesehen werden, weun er aus einmal mn der Behauptung herausrückr, dass der Glaube an ein ewiges Leben, „eine nicht abzuweisende Couseguenz des Judeuthums sei." Dieses Zugeständnis ist wirklich von nicht zu unterschätzender Bedeutung! Allein wir können uns hier der Frage nicht entschlagen: warum gerade in diesem Punkte l sich durchaus aus die äußerste Folgerichtigkeit steifen, iudeß