Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 42 (7.11.1902)
- Date
- 1902-11-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 41 Die Wahrheit. Seite 5. letzterem durch Erheben vom Sitze die ihm gebührende Ehrenbezeugung zu erweisen. Das moderne Leben wird von den heftigsten Kämpfen anfgerührt, ihn denen die Arbeit um ihren gebührenden Lohn und die ihr zukommende sociale Stellung aus allen Kräften ringt. Im Zudenthume sind die meisten der hierbei auftauchenden Probleme bereits längst zur Lösung gekommen. Wer recht modern sein will, wird daher gut thun, das Judenthum vorher gründlich zu befragen, bevor er es vornehm verleugnet. _ Dr. D. Fink. Iudrnmissio». Zweig um Zweig sehen wir vom Stamme des Judenthnms brechen, Gelehrte, denen die Wissenschaft höhere Bahnen vorgezeichnet, verlassen im Taumel ihres Wahnsinnes die gebahnte und geebnete Straße unseres Glaubens und eilen hin, vom Sturme der Zeit getrieben, in den Abgrund des allvernichtenden Unglaubens. Weil sie aus Erden sich nicht mehr zurecht finden, binden sie sich Jkarusflügel an und vermeinen in den Lüften zu schweben, um sodann die Sterne vom Himmel zu reißen und sie nach eigenem Gutdünken zu eigenen Zwecken zu verwerthen. Wie sehr sie sich auch bemühen, den Unmündigen und Unwissenden in Israel zu beweisen, dass sie allein den Goldschlüssel gesunden, um die verschlossenen Thüren des Himmelreiches zu erschließen: wir wissen trotz alldem — denn jeder Herzschlag verkündet es uns laut und lauter — dass unser Heil nicht in dem Lager zu finden ist, wo man die Lockspeise bereitet, um jüdische Seelen zu ergattern. Ein vom Stamme des Judenthums abgefallener Renegat war der im Jahre 1821 im schlesischen Groß-Glogau geborene P. S. Cassel. Sein Streben war daraus gerichtet, viele Juden mit dem christlichen Liebesmantel zu umhüllen, dessen bunte-Stickerei in der von ihm gegründeten Missionsschule verfertigt wurde. Gar Viele haben es versucht, falsche Lehren dem Glauben einzuimpfen, gar Viele haben auf dem Wege der Mission einige losgelrennte jüdische Glieder an sich gekettet, doch in das Herz des Judenthums konnten üe nicht dringen, weil die Reinheit unseres Glaubens das trübe Sumpfwasser nicht zu vertragen vermochte. Cassel allein ist der unselige Gedanke eingefallen, das allbezaubernde Mittel der Menschenliebe hervorzuholen, das Licht der Liebe denen anzuzünden, die dem Judenthume ewigen Hass geschworen. Vor allem will er den Boden im eigenen Heim rein fegen, dort ihn urbar machen, um die neuen Seelen für die neuen Lehren empfänglich zu machen. Sie, die wir in den Schoß der allein seligmachenden Kirche aufnehmen, müssen in dem Christen den wahren Freund erblicken, der kein Opfer scheut, wo es sich um die Wahrheit des Glaubens handelt. Wie behutsam unser Missionär zu Werke ging, mögen einige markante Sätze aus einem Sendschreiben, betitelt: „Wie ich über Judenmission denke", beweisen. Das Hauptgewicht legt er auf die zu haltenden Vorträge, damit den Juden der Jrrthum aufs klarste bewiesen wird, in dem sie seit Jahrtausenden befangen sind, doch," sagt er weiter, „dürfen dieselben nicht den Missionscharakter an der Stirne tragen, sondern sollten derart gehalten sein, dass sie gleichmäßig das Interesse der Christen und Juden erweckten." Unser Missionsprediger wusste wohl, dass man vorerst die Sonne am jüdischen Himmel verdunkeln muß, um zu seinem Innern zu gelangen. Wie die gleißnerische Schlange der heiligen Schrift glattzüngig sprach: „Hat denn Gott Euch verboten, von allen Bäumen des Gartens zu essen?" so sollte dem störrigen Juden aufs Genaueste gezeigt werden, dass die genießbaren Früchte nur im christlichen Garten zu finden sind, dass nur dort ihre Augen sich aufthun werden, um die Gottheit in ihrer wahren Gestalt zu begreifen, wo das Gute vom Bösen leicht zu unterscheiden ist. Aber so vorsichtig ist er, ja um alle Welt nicht zu verrathen, dass die Mission bereits das Retz gesponnen, um die verirrte Seele zu bestricken; denn „die Missionen sollten — um sich leichter auf dem Meere zu bewegen — mit der Sprache, Bildung, Geschichte und den Bräuchen der Juden wohl bekannt sein. Dazu aber bedürfen sic eines weltgeschichtlichen Studiums, einer lebendigen Kenntnis des alten Testamentes und der jüdischen Litteratur." Ja, die so schnöde unserem Glauben den Rücken wandten, die sich um Goldflitter von der Gemeinschaft Israels trennten, wie konnten sie nur so blind in das Verderben rennen, das ihnen gleich einem Irrlichts vor Augen schwebte! Sie verstanden es nur zu gut, wie man auf die leichteste Art dem Judenthum an den Leib rücken kann. Vor Allem sollte»! seine Sprache, seine Geschichte, seine Litteratur, seine Bräuche die Handhabe bilden, um mittelst der eigenen Lehren den Glauben des Judenthums ad absurdum zu führen. Und dass sie es mit der Auslegung unserer Heiligen Schrift nicht so genau nehmen, »oer kann es ihnen verargen, zumal sie einzig und allein darauf Bedacht nahmen, die Verbreitung der neuen Lehren zu bezwecken, die theils als Ergänzung unserer Lehren galten, theils die alten ganz über den Haufen warfen, wo sie augenfällig den Widerspruch darlegren. Also mit den eigenen Waffen »nusste man den Feind besiegen, das macht Eindruck. Der Weg führt zwar durch Gestrüpp und Steingerölle, denn die Juden sind nicht so leicht zugänglich für Lehren, die »nan »nit klaren Sinnen nicht faffen kann, sie sind von Haus aus gervohnt, zu klügeln und nachzudenken, darum sollte der Missionär ein Gelehrter sein von echtem Schrott und Korn; denn wie die Erfahrung lehrt: „Auf Juden mache Bildung und Gelehrsamkeit stets Eindruck, und durch dieselbe finde man oft bei ihnen Eingang." Der Judenstäiilmling Cassel, der mit der Muttermilch den inneren Kern des Judenthums eingesogen, kennt unsere Stärke nur zu gut, er tveiß. dass alle Verfolgungen und Anfeindungen nichts fruchteten gegenüber den Säulen, »velche das hart angeschofsene Gebäude des Judenthums vor Umsturz schützten. Diese Säulen sind: Lehre und Gesetz, diese wurden in unserer Mitte zu alle»! Zeiten stets gepflegt und mit Wällen umgeben, und so wir diese Lehren verkannten, \ geringschätzten, so wir dem Gesetze den Rücken kehrten, wich von uns die Kraft, und das festgefügte Gebäude konnte leicht von Feindeshand unterwühlt werden, und mit einem Male stürzte es krachend ein und unter seinen Trümmern sank die Herrlichkeit, der Glan; des Judenthums. Gar spät kamen wir zur Besinnung, wir waren an allen Gliedern gelähmt, konnten uns nur schwer und mühselig aufraffen, wir blickten uinher und siehe, tiefe, dunkle Nacht herrschte überall, kein Lichtstrahl, der uns beu rechten Weg zeigte. Zu spät kam uns die Besinnung, wo sie uns nicht »nehr helfen konnte, und das Hohnlächeln unser Feinde drang in die Tiefe »»nserer Seele, aus der jeder göttliche Funke gewichen »var. So erging es uns gar oft, so »vir auf den Shrenengesang der Missionäre hörten, sie wussten die Mittel und Wege sich zu erschleichen, um die Juden zur Abtrünnigkeit zu bewegen. Legt doch selbst Cassel großes Gewicht darauf, mit der allbeseligenden Liebe den Kainpf für die Wahrheit auszunehmen; „vor allem — so räth er wohlmeinend denen, die sich in den Dienst Gottes (?) stellen — „sollten die Juden bei allen Missionsunternehmungen es eulpfinden, dass man sie liebe." Hier liegt des Pudels Kern. Bislang haben wir die Ueberzeugung gewonnen, dass kein Volk mehr Hass, mehr Verfolgung erduldet, als wir Juden, und »vir sollten u»ts blindlings in die Arme unserer Hasser werfen, wir sollten »»nser Heim, unseren altbewährten Glauben verlasse»», uin der Liebe willen, die man erst denen predigen muß, die voller Hass, voller Geiser sind gegenüber denen, die zu allererst Menschenliebe nicht nur verkündet, sondern in vollem Maße bethätigt haben? Rein, wir kennen die Maske, uns wird sie nicht blenden, wie sehr sie auch den Schein der Liebe trägt, u»»d wenn die dürren Zweige an unserem Lebensbaume rascheln, wenn sie auch von Wetter und Sturm gebrochen dahi»» welken, der jüdische Stamm hat schon größere Stürme überlebt, und die Miffion muß doch nur