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Die Wahrheit · 1902-10-10 · Heft 39 (10.10.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 39 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Die Wahrheit. Seite 9. wird gefrört und zieht Vergehen nach sich. (Ab. II. 12.) Achtbarer ist derjenige, der von seiner Hände Arbeit sich ernährt, als ein Gottesfürchtiger, der von Almosen lebt." (Broch. 8.) Nach diesen den Werth und die hohe Achtung der Arbeit kennzeichnenden Maten dürsten auch einige Stellen über die pflichtgemäße intellectuelle Thätigkeit hier am Platze sein: Moses sprach zu Israel niemals:, „glaube", sondern : „begreife, wiffe, damit du eikeünest,^ u. dgl. »Beobachtet und übet diese Gesetze Gottes, denn sie sind eure Weisheit vor den Augen der Völkerdie alle diese Gesetze hören und sprechen werden.: wahrlich ein weises und verständiges Volk ist diese große Nation" (5. M. 6.) »Nicht soll das Buch dieser Thora von deinem.Munde weichen, forsche darin Tag und Nacht, damit du^Glück habest und verständig seiest in Allem, was du thun wirst,,(Jes. 1. 6) zu erkennen Weisheit und hohe Rede, zu verstehen Worte der Vernunft, der Thora."! (Spr. Sal. I. 3.)f »Vorzüglicher ist Weisheit als Silber,! denn sie belebt ihre Besitzers i(Pred. Sal. 7. 12.) „Wendet! euch zu. mir ihr Jünglinge, richtet euer Herz zu meiner Lehre. Bis wann werdet ihr Weisheit verlassen; wann wird eure Seele nach ihr lechzen k Vernehmet - meine Lehre in eurer Jugend, denn Goldschätze-werdet ihr durch sie — durch die Weisheit — erwerben." (Spr. B. Sira, 51. 23—29.) „Nur derjenige ist arm,' der keine Kenntniße besitzt. Wenn du Kenntniße besitzest, was fehlt dir? aber wenn Keuntniße dir Mängeln, was besitzest du I" (Nedorim, 41.) „Ein Gelehrter steht höher in einem Gesetzesstreite, als ein Profet." (B. Batr. 12. B. Mez. 58.) „Ein "gelehrter Bastard ist besser, ehrwürdiger, als ein unwiss ndar Hohepriester." (Horiot, 13 ) Ein Volk, dessen ryeilige Religionsquellen solche Lehren enthalten, muß körperlich und geistig thätig sein, und das find die nothwendigen Voraussetzungen •unö Bedingungen für Pflege der Kunst und Beschäftigung mit den Wissenschaften. Jedoch ganz abgesehen davon wird bereits im Pentateuch indirect und in späteren bibl. Schriften, wie auch im Talmud direct gelehrt, sich des Lebens mäßig zu freuen und es sich möglichst angenehm zu machen, was durch Erfindungen der Kunst sehr gefördert wird. „Und freue dich all des Guten, das der Ewige, dein Gott, dir und deinem Hause gegeben hat, du und der Levite und der Fremde, der bei dir ist?' (5. M. 27. 11.) „Der Edle thut sich wohl, und wer sich kasteiet, der ist hartherzig." (Spr. 12. 17.) „Ein fröhliches Herz erleichtert den Schmerz." (Jb. 17. 22.) „Hast du Honig gefunden, irdisches Gut, so genieße davon zur Genüge.« (Jb. 25. 16.) „Gut ist Weisheit mit irdischem Gute, insbesonders für die Klarschauenden, . weil diese wissen, von ihren Gütern dem Willen Gottes entsprechenden Gebrauch zu machen." (Pred. V. 11.) „Gehe, ’ iss mit Freuden dein Brod, trinke wohlgemuthet deinen Wein, . denn Gott hat längst an deinen Thaten gefallen. (Jb. 9. 7.) Freue dich, Jüngling in deiner Jugend und thue dir wohl in deinen Jugendtagen u. s. w., aber wisse, dass Gott dich Wer all dieses zu Gerichte bringen wird." (11. 9.) „Lass dix wohl sein, vergnüge dich und verscheuche Traurigkeit von dir; Heil dem Reichen, der reiner Hände ist und durch Gewinnsucht sein Auge nicht blenden lässt." (B. Sira, 30. 28., 31. 1Z.) „Wer erlaubte Genüsse sich ganz versagt, der ist ein Sünder." '(Nedorim, 8.) ' Tiefe Stellen, welche bedeutend vermehrt werden könnten, stehen in - direktem Widerspruch mit nachfolgenden Lehren Jesus: „<Zeliä sind die GeistesärMen, denn ihrer ist das tzimMelrM" '(Matth. V. 3.) »Kein Mensch kann Gott und dem Geld^dienen, darum sage ich euch: sorget nicht um eueru Leib, was^ihr essen werdet, und Wegen eures Körpers, was ihr ankleiden werdet. Sehet -auf die Vögel des Himmels, die nicht säen, nicht ernten- und nicht einsymmeln, und doch nGxt' fie euer Vatrt-im Himmel: wahrlich ihr seid ja mehr 24-30.) ' Diese und viele ähnliche. Lehren Jesus übersteigen noch die einschlägigen Lehren des damaligen Effäerordens, dem Jesus angehörte, von dem er sehr geliebt und für dessen erhabene Zwecke er sorgfältig erzogen wurde. Ausführlich hierüber in der Schrift: „Wichtige, historische Enthüllungen über die wirkliche Todesart Jesu." Von einem Zeitgenossen Jesus aus dem heiligen Orden der Effäer. Seite 4 und 65. Leipzig, bei Ernst Kollmann, 6. Auflage, 1849. Neben den pädagogischen und ethischen Werth dieser Lehren sprechen wir ausführlich an anderer Stelle. (Fortsetzung folgt.) Rabbiner Etijahu Menachem Goitein. Einige Tage vor n'i starb nach längerem Leiden, 65 Jahre alt. Rabbiner Elijahu Menachem Goitein, Rabbiner von H ö g y e s z in Ungarn. Geboren im Jahre 1837, wurde der Verblichene, nachdem er in Preßburg beim Rabbiner Benjamin, Sofer seine rabbinische Ausbildung erhalten hatte, als 23-Jähriger der Nachfolger seines Vaters und Großvaters in seinem Heimatsorte und diesem ererbten Rabbinerfitze blieb er treu, obwohl er nicht nur die Fähigkeiten besaß, sondern auch die Versuchung öfter an ihn herantrat, den bescheidenen Wirkungskreis mit einem größeren zu vertauschen. Durch 42 Jahre hat er mit begeisterter Hingebung und unverdro ffenem Eifer im Interesse seiner Gemeinde und seines Berufes gewirkt; aber seine Thätigkeit ging darin nicht auf. So hat er in den 70er Jahren für die nothleidenden Juden in Persien, in den 80er für die in Bagdad Sammlungen in Ungarn eingeleitet und war stets bereit, für die Allgemein heit zu wirken. Er war einer der wenigen streng orthodoxen Rabbiner in Ungarn (freilich nicht im ungarischen Parteistnne des Wortes), der jederzeit für die Verbindung von Thora und allgemeiner Bildung eintrat und seine Kinder in diesem Sinne erzog. Er selbst war nicht nur als tüchtiger Talmudist, sondern auch als Redner in weiteren Kreisen geschätzt und vor allem wegen der Lauterkeit seines Characters und der heiteren Liebenswürdigkeit seines Wesens beliebt. Sein ältester Sohn, ein Schüler des Hildesheimerischen Seminars, ist derzeit Rabbiner in Kopenhagen, ein zweiter Rabbiner in Burgkunstadt, ein dritter Arzt in London, während der jüngste wahrscheinlich dem Vater im ererbten Rabbinate folgen wird. Auch der Schwiegersohn M. Dusch ins ky ist Rabbiner. Unter ungewöhnlichen Ehren und außerordentlicher Betheiligung aller Ortsbewohner fand die Beerdigung statt; aber über seinen engeren Wirkungskreis hinaus werden Rabbiner Elijahu Menachem Goitein Alle, die ihn kannten, ein ehrendes Andenken bewahren. n'2'2'3'r! Ljtteratur. Hedächtnisfeler-Lied, für gemischten Chor von Obercantor Benedikt Singer in Jungbunzlau, Text von Dr. M. Grünwald in deutscher und czechischer Sprache. Da? Lied, leicht ausführbar, melodiös und wirkungsvoll, ist zu den bevorstehenden Gelegenheiten bestens anzuempfehlen. Der Componist, durch verschiedene litterarische Arbeiten den Fachkreisen bestens bekannt, hat auch die „liturgischen Gesänge" in Heften herausgegeben und hiemit die Synagogenlitteratur bereichert. Den Verlag des Gedächtnisfeierliedes hat der Gesangsverein „Harmonia" in Jungbunzlau (Böhmen) übernommen. Kadaffa. Kurz vor der Festzeit wurde der religiös-litterarische Büchermarkt mit einem Gebet- und Andacht sbuch bereichert, das wir unseren Lesern bestens anempfehlen können. Es ist dies „Hadaffa", Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen von Oscar Sachariasohn, unter Mitwirkung der Rabbinen: Dr. M. Kayserling in Budapest, Dr. M. Güdemann und Dr. A. Schmiedl! in Wien und $r! Julius Fischer in Prag. Budapest 1902. Verlag von Osias Geyer. VI., Königsgaffe 20. Dem Bersaffer dieses guten Buches begegneten wir bereits in dem religiös gehalten Werke : „Tal-Orot". Trauer-Album. daS die weiteste Verbreitung gefunden und noch immer findet. — „Hadaffa" bedarf wahrlich keiner befferen Empfehlung als den Hinweis darauf dass; die ersten und anerkanntesten Größen des heutigen Israel daS gute Buch mit ihren, werthpollen Beiträgen bereichert haben. Trotz der reichhaltigen Sammlung von Gebeten für den Tempel und fürs Haus —• das Buch ist in 14 Abschnitte eingetheilt und ist 223 Seiten stark — und trotz tadelloser Ausstattung kostet das gut gebundene, mit Metallschnitt versehene Buch blos l 80 Kronen. In eleganterem Einband« 2.40'Kronen.

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