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Die Wahrheit · 1902-09-19 · Heft 37 (19.9.1902) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 37 (19.9.1902)
Date
1902-09-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Die Wahrheit. **' NÄ 37. diesbezügliche Stellen vor: ^Jn deine Hand empfehle ich meine« Geist, du erlösest mich, Ewiger, Gott der Wahrheit." Psalm 31, 6. Ferner: Idiä. 16, 10—12; 17, 15 und noch viele -Stellen in den Sprüchen Salomos, so 10, 7; 20, 27; 28, 18; desgleichen Jjob. 3, 19; 12, 10 und Pred. Sal. 12, 7.) „Viele von den im Staube Schlummernden werden erwachen; die Esten mm ewigen Leben und die Anderen zur steten Schmach und Schande. Auch du, Daniel, wirst ruhen und dm der Tage wieder auferstchen." Die vielen einschlägigen Lehren aus den Apokryphen wie auch die auf der Bibel basireuden Talmudstellen wollen wir aus Raummangel hier nicht «»führen. Dass wir gedachte Lehre nicht von den Griechen übernommen haben, ist schon daraus genügend ersichtlich, dass Sokrates (460 v. Ehr.) der erste griechische Weise war, der die Unsterblichkeit der Seele öffentlich lehrte. Und dieser wurde zur Strafe dafür den Giftbecher zu trinken verurtheilt, so neu war noch damals diese Lehre in Griecheuland. Hingegen lebte Daniel, der letzte der in der Bibel die gedachte Lehre lehrte, schon 480 v. Ehr. Aber selbst die verschiedenen Wissenschaften insbesondere die Philosophie haben die griechischen Weisen, wie Pythagoras (570) Plato (429) und Aristoteles (384 v. Ehr.) aus jüdischen Quellen geschöpft. Dies lehrt Josefus in seinem Buche gegen Apion (I. B. 22), so auch der Kirchenvater Origenes in seinem Buche gegen Celsus. Nachdem wir bisher die gegen die Juden erhobenen, speziell verzeichneten Beschuldigungen auf Grund jüdischer Quellen genügend widerlegt haben, wollen wir nun deren Unrich ligkeit auch an der Hand von Anssprüchen hervorragender christlicher Gelehrter und Theologen Nachweisen. In seinem inhaltsreichen Buche „Judenthum und Heidenthum in ihrem Vechältniße zu einander" schreibt der Lic. der Theologie, Doctor der Philosophie I. W. R. Chlebens, Privatdozent an der Berliner Universität und Mitglied der historisch-theologischen Gesellschaft zu Leipzig, nachdem er die vom , udenthum und von allen Heiden, von den Phöniziern bis zu den Römern, durchgemachten Phasen mit großer Fachkenntnis speziell dargelegt hat, S. 170—76 Folgendes: „Nach allem Bisherigen ist das Verhältnis von iJudenthum und Heidenthum folgendermaßen anzugeben. Im Judenthum ist die echte Offenbarung zu finden. Der Begriff Gottes bleibt heilig und erhaben stehen, man erkennt, wie Gott die Well durch seinen freien Willen geschaffen hat und den Menschen nach seinem Bilde. Im ganzen Verlauf des Judenthums wird die Strafbarkeit des Abfalls festgehalten. Gottes Rathschlnss ist in der ganzen Leitung seines Volkes zu erkennen; bei der gnädigen Führung und auch bei der Strafe. Wenn so nach innen das Wesen des Judenthums als Offenbarung, als ewige Wahrheit, somit auch als echte Wirklichkeit dasteht, stellt dieses sich nach außen auch im Verhältniße zum Heiden thum dar. Aussonderung des jüdischen Volkes, Entfernung alles Götzendienstes, Umgestaltung und Heiligung aller Gebräuche, die dem Heidenthum verwandt sind, entschiedene Fest- Haltung an dem echten Grunde der Offenbarung; dieses alles gehört zusammen, um zu zeigen, dass Jehovah auch der Gott der Heiden ist. Er zeigt sich als solchen, indem er Israel immer wieder von seinen Feinden befreit, indem auch deren Siege seinem Ralhschluffe der Erwählung von Israel dienen müssten. Dem gegenüber löst das Heidenthum den Begriff Gottes auf in der Naturanschanung und in der menschlichen Sündhaftigkeit. Hier ist kein Gott, der regiert, denn das Ver hängnis und die bösen Götter stehen dem entgegen, es gibt kein Ziel der Gnade. Im Judenlhum ist Offenbarung uud Geschuhte, im Heidenthum ist eitler Wahn, deshalb hat d:s erstere unvergängliche Dauer, und das andere löst sich auf." Einer unserer rühmlichst bekannten gegenwärtigen Th.ologen, Doctor der Philosophie und Theologie Carl Heinrich Eornill, ordentl. Professor der Theologie an der Universität Königsberg, z. Zeit in Breslau, äußert sich in seinem Buche „Der israelische Prophetismus"' (Seite 176—77) folgendermaßen : »Wir sind mit unserer Aufgabe zu Ende. ' Von seinen Anfängen bis zu seinen Ausgängen' 'haben' wir den israelitischen Wophetismus verfolgt, nnd es sollte michffreuen, wenn es mir gelungen ist, den Eindruck hetvörzurufen,- -dass es sich hier um eine organische Entwickelung eiwir der größten geistigen Mächte handelt, welche die Geschichte' der Menschheit je gesehen hat, um das wichtigste und herrlichste Stück der vorchristlichen Religionsgeschichte. Wenn Israel das Volk der Religion für die ganze Welt geworden ist, so verdankt es das dem Prophetismus, der zuerst den Begriff einer Wellreligion klar erkannt und ihn in allen seinen Grundlagen ftstgestellt hat. So weit der Einfluss des Ehrtstenthums reichtso weit reichen auch heiste noch die Wirkungen der israelitischen Prophetie; und wenn schon der älteste der israelitischen Propheten, Amos, die Prophetie als die herrlichste Gnadengabe bezeichnet, welche Gott Israel und nur Israel gegeben-hat, so hat eine Geschichte von zweieinhalb Jahrtausenden dies Wort nur bestätigt. Tie Geschichte der gesammten Menschheit hat nichts hervorgebracht, was sich auch nur entfernt mit dem israelitischen Prophetismus vergleichen ließe: durch seinen-Prophetismus ist Israel der Prophet der Menschheit-geworden. Möchte das. doch niemals übersehen und vergessen werden: das Köstlichste uud Edelste, was di Menschheit besitzt, sie verdankt es Israel und dem israelitischen Prophetismus". (Fortsetzungfolgt.) verschiedene Nachrichten. Wie«. Dienstag, den 30. September, 3 Uhr Nachmittags,-findet int Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Lili Lieben, Tochter des I. Secretärs der Wiener Cultusgemeinde, kais. Rath Dr. Theodor Lieben, mit Herrn Francois Breitmann statt. Wien. Sonntag, den 28. September, 3 Uhr -Nachmittags findet in der Vereinssynagoge im X. Bezirk die Trauung des Fräulein Jda Seligmann, Tochter des allgemein beliebten und geachteten Vorstehers, Herrn Carl Seligmann, mit Herrn moä. Dr. Philipp Schwarz statt. Wien. Am 2. October feiert Bezirksrath Ludwig Waldstein sein beendigtes 60. Lebensjahr und den Antritt seines 35. Dienstjahres als Directionsbeamter der Ferdinands-Nordbahn. Derselbe wurde 1842 in München als Sohn des bayerischen Hofoptikers Jacob Waldstein geboren, welch Letzterer 1843 von der Kaiserin Carolina Augusta tvegen ihres Augenleidens nach Wien berufen, hier die erste und einzige Crowngläsfabrik erbaute und betrieb. Nach Absolvirnng des Gymnasiums in Wien und der Commercialakademie in Mrnberg, sowie nach größeren Änsbildungsreisen trat Ludwig Waldstein in die Dienste der Nordbahn, erfreute sich bald unter seinen College» einer besonderen Beliebtheit und betheiligte sich 1876 als Präses und Ehrenmitglied des Wiener Eisenbahn- und Dampfschifffahrtbeamtenvereines in hervorragender Weiie an der Gründung des Clubs der österreichischen Eisenbahnbeamten' in Wien. Im Jahre 1864 veranstaltete er mit Carl Höflmayr und Ferdinand v. Manuffi in den Redoutensälen der Wiener Hofburg jenes glänzende Ballfest, dem der Kaiser und der gesammte Hof beiwohnten und "dessen überaus reiches Bruttoerträgnis zur Gründung der-Erzherzog Älbrecht-Jnvalidenstiftung bestimmt wurde. Als Erzherzogin Gisela - heiratete, war er mit den Söhnen der Minister Hasner, Herbst und Anderen Führer jener Huldiaungsdeputation, welche Namens der Jugend Wiens von der Erzherzogin Abschied nahm. Anlässlich der Hochzeitsfeier des Kronprinzen Rudolph überreichte er in Laxenburg mit einer großen Anzahl Industrieller die Gratulationsadresse der Wiener Bürger mit einem Prachtgeschenk. Der;, Jubuar, der auch als einer der entschiedensten Bekämpfer der antisemitischen Strömung gilt, erfreut sich durch sein bescheidenes und gefälliges Wesen, auch als Begründer und Förderer vieler patriotischer und humaner Vereinigungen in allen Schichten der. Bevölkerung! allgemeiner -Beliebtheit, die am obigen Tage mannigfachen Ausdruck finden dürfte. Wien. Bergrath Mäx Ritter v. Gutmann hat aus Anlass des Bombenattentats in Selzthal, dem er glücklich entronnen ist, 400.000 K. zu wohlthätigen Zwecken gespendet, die im Einzelnen in folgender Weise festgesetzt wurden: 100 000 K. als Stiftung' für zu'gewährende Unterstützungen an dürftige Wckwen und Waisen von Forstleuten und! Jägern in Obersteiermark; 80.D00 K. als Stiftung für Hilfsbedürftige: welche in den Gemeinden im Bereiche der. Güter Gföhl, Droß, Jmbach und Rehberg ansässig sind; 50.000 K. für das von den Herren Wilhelm und David v. Gutmann errichtete israelitische Mädchrnweisenhaus in ' Oberdöbling; 20.000 K. für das Witkowitzer Waisenhaus; 20.000 K. für den Waisensonds des Steinkohlenbergbaues Orlau-Lazy in Witkowitz; 20.000 K. für das Kaiserin Elisabeth-Asyl für verkrüppelte Kinder in Ober-Lanzendorf; 10.000 K. für die Armen der Stadt Rottenmann; (

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