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Die Wahrheit · 1902-09-19 · Heft 37 (19.9.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 37 (19.9.1902)
Date
1902-09-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr. 87. Die Wahrheit y'svn dv nK TjpS« 'i wb rvu “jms '33 by n*?LNV 133*?V "jn^anDi N2NX3 ntn ttmpi Srun „Aus Liebe, mit welcher Du, Ewiger, unser Gott Dein Volk, Israel geliebt, aus Erbarmen, mit welchem Du, unser König. Dich der Träger Deines Bundes erbarmt, hast Du uns diesen großen und heiligen Sabbat als ein Unterpfand der Liebe gegeben." (Tosest« Berachoth III, 11.) Wer ein Unterpfand der Liebe besitzt, der muß durch dessen treue Wartung sich dessen würdig erweisen, hat aber am wenigsten das Recht, nach eigenem Gutdünken damit zu schalten. — Im Uebrigen ist es doch allgemein bekannt, dass Andere gerade aus der Liebe Gottes zu den Menschen die Rothwenbigkeit für die Abschaffung des Eigenthums und in weiterer Folge die Aushebung aller Familienbande abgeleitet haben und noch heutigen Tages ableiten. Die Logik kann demnach für die erwähnten Behauptungen nicht in's Treffen geführt werden. Unser Theologe wendet sich nun zu dem Problem von den zwei Wanderern. Er schreibt hierüber Folgendes: „Jetzt komme ich auf das Problem der zlvei Wanderer in der Wüste zurück. Wie zeigt sich doch in der Lösung, die der scharfsinnige Talmud gibt, so recht seine kasuistische Begriffskünstelei! Ist denn der Sinn des Wortes: ,,Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" der, dass mein Nächster gerade genau so viel wiegt an sittlicher Qualität wie ich? Nein, das wollte Moses sagen: Weil ein Mensch erfahrungsgemäß sich selbst über alles liebt, so dass er, wenn's nach seinem Willen ginge, lieber die ganze Welt untergehen sähe, um nur sein Leben zu retten, darum sage ich, Moses, euch: „ihr sollt's gerade umgekehrt halten, ihr sollt in eurem Nächsten euch selbst sehen und also, wenn's sein Leben zu retten gilt, euch hingeben!" Also ist dies mosaische Wort ein Beweis der Wahrheit der christlichen Ethik! In dem Nächsten sich selbst sehen!! Und jetzt bin begierig, ob Sie wohl einen sittlichen Konflikt ausfindig machen können, wo ein Mensch der solche Liebe hat, in Verlegenheit kommt." Es wird hier zunächst dem Talmud mit dem Borwurfe kasuistischer Begriffskünftelei begegnet. Je häufiger und allgemeiner derselbe erhoben tvird, desto entschiedener muß demselben, weil er unbegründet ist, entgegen getreten werden. Dies wäre berechtigt, wenn hier mit mythischen, oder phantastischen Begriffen gearbeitet würde, welche der uns bekanten'Welt der Erscheinungen völlig fremd sind, oder derselben gar schnurstracks zuwiderliefen. Von alldem findet sich aber auch nicht die geringste Spur. Wenn es sich um die Aufhellung eines Problems ans dem Gebiete der Erkentnißtheorie, der Mathematik, oder Physik handelte, so würde man die Anwendung solcher scharf einschneidenden Gedankenoperationen nur für selbstverständlich finden. Denjenigen,^ der an die Behandlung derartiger Dinge heranträte, ohne-mit deren Handhabung vertrant zu sein, würde man ganz einfach einen Stümper schelten. Nur wo es sich um religiöse, oder ethische Probleme handelt, da scheint die Oberflächlichkeit alle Rechte, die ihr sonst nirgends zngestanden werden, für sich ausschließlich in Anspruch nehmen und jeden anderen Stand' Punkt im vorhinein abweisen zu wolloe. Wir jedeoch theilen diese Anschauung keineswegs. Dies vorausgeschickt, muß ich erklären, dass mir die voranstehende Auseinandersetzung rrach jeder Richtung einfach unverständlich erscheint. Die Annahme, dass Moses den Menschen von solch' verwegener Selbstsucht, als ihm hier unterstellt wird, beherrscht hielte, erscheint mir zunächst völlig unzulässig Wie weit seine persönliche Auffassung von pessimistischen Stimmungen getrübt war, ist für uns schwer nachznweisen. Abuein Gesetz,- welches für die Forderung der Nächstenliebe den Maßtab der Selbstliebe-anlegt, kann doch unmöglich von dem Menschen annehmen dass er von Hans ans nur für letztere die Fähigkeit besäße. Würde es denn etwa irgend einem Menschen einfallen, die räuberischen Instinkte des Thierreiches durch ein derartiges Gesetz entwaffne r zu wollen. (Fortsetzung folgt.) Die Juden und der Tatmud. Von I s r.a e l Singer, emerit. Lehrer in S. A. Ujhely. IX. Wir werden jetzt die Reihenfolge der Empfänger uud Verbreiter der schriftlichen und mündlichen Lehre aufzähleu: Moses empfing die Lehre am Sinai und übergab sie dem Josna, dieser übergab sie den Aeltesten; diese überlieferten sie den Propheten, und diese übe lieferten sie den Männern der großen Synode. (S. weiters Tr. Ab. 1,1.) Der erste unter den Propheten, der eine Lehrschule errichtete, war Samuel (1080 v.). Von da weiter wurden diese Schulen, in welchen nebst der; schriftlichen und mündlichen Lehre Moses, auch Poesie, Musik j auch viele andere weltliche Wissenschaften gelehrt wurden,! bis ans Baruch, Sohn Rerjahus, den Schüler des Propheten! Jereutia, ununterbrochen sortgeführt. Baruch reiste von Egypten, wo Jeremia lebte, nach Babylon und übergab die! mosaische Lehre dem Esra. Chauanja, Michael und Asarja j lernten beim Propheten Ezechiel. Unter dem König David : und Chiskia herrschte schon ein so ergiebiger Jugendunterricht : dass die Kinder beiderlei Geschlechter im Alter von zwül, ■ Jahren in den Reinheitsgesetzen heimisch waren. (Sanhedrf \ 94 und 105) [ Esra, ein zweiter Mose, der würdig war, dass durch ihn! die Thora gegeben werden sollte (Megill. 16 u. Sanh. 21), sorgte nach seiner Ankunft tu Jerusalem tut Vereine mit den j Männern der großen Synode durch einige wichtige Ber- I fügnngen für die Reinhaltung und Verbreitung der reinen Lehre j Mose. Er zwang das Volk zur Entfernung der heidnischen! Frauen sammt deren Kinder. (Esra 10, 3.) Er ordnete an,! dass die Thora am Montag, Donnerstag und am Samstag! öffentlich vorgelesen und erklärt werde, was schon Moses! befohlen hatte, um nicht drei Tage ohne Thora zu sein s (Megil. 31), und verfügte, dass die Thora nur in assyrischen! ^chriftzeichen geschrieben werde, aber nicht, wie bisher, in! hebräischen Schriftzeiche», weil in dieser Schrift die halb-! heidnischen Samaritaner seit 200 Jahren die Thora mit! Fälschungen geschrieben haben. (Sanhedr. 21 u. Mcgil. 21.)! Diese wichtige Absonderung Esra's und seiner gelehrten Ge-! sellschaft, sowie andere spätere Einrichtungen waren höchst! uöthig, um die Lehre und Religion Israels von jeder fremd-! artigen Beimischung ferne zu halten. Esra und die Männer i der großen Synode ordneten und sichteten auch die ganze! Bibel. (B. Batr. 15.) Rach den Männern der großen Synode (250 v. CH.) pflanzten die reine Thora weiter die Tanaim (Mischnahtehrer), hernach die Amraim (Mischnaherklarer), dann die Saduräer und Gaonäer — Talmuderklärer — (von 130—1040), hernach die Rabbiner bis ans die Gegenwart. Die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele und der Auferstehung haben wir weder von den Egyptern. noch weniger aber von den Griechen übernommen, sondern sie wird in allen - drei Bibeltheilen gelehrt. Diese Lehren basiren auf der biblischen Lehre, dass Gott dem Menschen einen Lebensodem einhauchte, und unterscheiden sich demnach vortheilhaft von den diesbezüglichen Lehren der Heiden. Zum Beweise hiesüc seien nachiolgendeinige Bibellstelleu citirt: „Und Hanoch wandelte mit Gott und Gott hat ihn zu sich genommen." (I. M. 5. 24) „Du, Abraham, wirst ein-- kehren zu deinen Vätern in Frieden." (I. M. 15, 15.) Diese Worte können sich nur auf die Zeit nach dem Tode beziehen, beitu Abraham ist nicht neben seinen Vätern in Chaloäa, sondern in Palästina begraben worden. „Der Ewige tödtet mit) belebet, er senkt i.. die Gruft hinab und führt wieder herauf." (I Sam. z, 6) „Samuels Geist rief zu Saul: Morgen bist du und deine Söhne bei mir." (Ibiä. 28, 19; ferner II. Sam. 1, 23; 12, 23; Jesaia 25, 8. und26, 19.) Ueberdies die Mittheiluug von der Todtenbelebung durch die Propheten Elia und Elisa. (I. Kön. 17, 17; II. KÄr. 4, 8 Ui 13, 21 und Ezechiel 37.) Auch in den HagiographeN kömmen

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