Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 37 (19.9.1902)
- Date
- 1902-09-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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i i : i! h [ t i? I: l- ... ' \ ( l t; Seite,4. Die Wahrheit. Nr. 37. macht ja sein Amt zu einer. Fanx, ihn Mst Hn WgesteÜte», oft Handlanger der reichen Familien, E deis^-Wn WMk, Gesellschaft und Reform durch Dick und Dünn Wt. Wipviele energische Rabbiner gibt cs, die den asiimilatorischen Gelüsten und Plänen der Kahalgrößcn ihr entschiedenes Nein entgegenzusetzeu wagen? Muth der Ueberzeugung, Festigkeit derGesiunung rühmt man den Rabbinern — wer könnte es auch leugnen? — längst nickt mehr nach Nur eine Minderheit hält noch aus Manneswürde und Ueberzeugmigstrcue. Im Lager derer, die beständig mit „Priester"-Aint und „Priester-Würde" kokettieren, ist sie nicht zu suchen. Tie in Brünn jetzt forzierten Probeprgigten vergrößern das Uebel. Die Brunner Juden lernen in den fremden Vertretern des Rabbinerstandes diesen nicht immer achten, während letztere sich meist ohne Erfolg bemühen, dem „Publikum" zu gefallen. Feste Gesinnung und klare Richtung ist dabei Nebensache. Es ist zu bezweifeln, ob durch solches Aus-Probe - Pred i g eu der Rabbiner stand in seinem Streben nach Unabhängigkeit. Freiheit und Autorität unterstützt wird. Dem Unfug sollten die Rabbiner in ihrem eigenen Interesse endlich an den Leib rücken." Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink—Wien. xiv. Von meiner Seite ist daraf zu entgegnen: zunächst sind hier eine Menge Dinge ans dem Gebieten der Dogmatik einfach fallen gelassen worden, welche in den Evangelien von entscheidendstem Gewichte sind. Man wird sich daher billig fragen muffen, ob ein solcher Standpunkt im Siirne der neutestamentlichen Bekcuntnisschristen noch als ein christlicher angesehen werden kann. Es kann selbstverständlich meine Aufgabe nicht sein, auf diese Dinge, die jedem Kundigen ohnedies bekannt sind, hier des Näheren einzugeheu. Dasjenige aber, was von der christlichen Dogmatik noch beibehalteu ist, wird wiederum als ein — Geheimnis ausgegeben. So weit ich sehe, ist das ein Geheimnis ganz eigenartiger Natur. Während mau sonst von einem solchen eist dann zu reden sich berechtigt sieht, wenn man selbst die Sache ganz genau weiß und sie nur dem andern nicht mitiheilcn mag, besteht dasselbe in unserem Falle darin, dass diejenigen, die es zu wiffen vei meinen, bezw. glauben, es ebensowenig kein en, wie die andern, bei denen dies rlicht der Fall ist. Nach allgcuitinem Sprachgebrauch müsste man hier von einem mystischen Dunkel, reteiT, was doch eigentlich mit Verschleierung seiner Unwissenheit — gleichbedeutend ist. Wie man angesichts dessen gar noch von einem „Tiessinn der christlichen Ethik" reden kann — ist mir vollends unbegreiflich. Unser Theologe fährt weiter fort: „Also die Liebe ist das Prinzip der Ethik. Alle Gebote laffcn sich da: aus zurrckzusühien. Würde ein Mensch stehlen, verleumden, lobten, habsüchtig, den Eltern ungehorsam sein, wenn er seine Miimci-schen liebt? Weiter : würde ein Mensch, der Liebe zu Gott hat, andere Götter anbeten, den Feiet tag entheiligen, oder Gottes Namen mißbrauchen? Wie aber der Tekalog die Sun me des ganzen Gesetzes bildet, also die Liebe die Summe des Dekalogs, darum ist die Agapapä to pläroma ton nomon. Sie werden fragen: Ja, aber die Liebe zu den Menschen und die Liebe zu Gott ist zweierlei? Ich sage: Wenn ein Mensch Gott von ganzem Heizen und von ganzer Seele liebt, so kann er gar nicht anders, als diese Liebe, die er als ein Geschenk Gottes empfindet, in Liebe zu bechätigen, nach dem Worte: das that er für uns, was thuft tu also für ihn?" — Auch diese Auslassungen kann ich nicht ohne Entgegnung meinerseits hiunehmen. Zunächst findet sich keine Stelle in den evangelischen Grundschristen, welche die gesammte Ethik von dem einzigen Prü^ip der Liebe zu Gott abzuleiten versucht hätte. Wohl über wird an allen Stellen (Math XXII, 37 ff., Luc. X, 25—27, Mar. XII 28—34) neben der Liebe zu Gott die zu dein Nächsten gefordert. In Math. XIX, 16 ff., daneben .,iH^^Heobachtnng der Zehn-Gebote. Wo kan» also hier von Wne^^Wheitlichkeit, oder gar von einem einzigen, geschloffen PM^M noch, die Rede sein?1 Was aber den vorstehenden Ausführungen völlig den Boden entzieht, ist, dass sie in einem Athemzüge sich selbst widersprechen. Soeben wurde ein „beseligendes Geheimnis" als das Grundprinzip der christlichen Ethik ausgcgebeu, auf einmal soll es nun gar die Liebe zu Gott sein!' Fassen wir jedoch dieses Geheimnis selbst iu's Auge, so wird es sich bald: zeigen, dass es-etwas ganz anderes als die Liebe zu Gott ist. Dasselbe lautet: „Alle Dinge jtiib mir übergeben von meinem Vater. Und Niemand kennt den Sohn — denn nur der Vater; und Niemand kennt denn Vater — denn nur der Sohn und wem es rer Sohu will offenbaren. (Math. XII,. 27; Luc. XXII.) Thatsächlich wird ja auch dieses Motiv ausschließlich von Paulus und zwar in allen möglichen Variatioueu geltend gemacht. (Vergl. Röm. VI, 4-7-11.) Als unabweisbare Folgerung des gedachten Anspruches ergiht sich die dem Petrus ertheilte Vollmacht: „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und ich übergebe Dir die Schlüssel des Himmelreiches; was du auf Erden bindest, soll im Himmel gebunden sein, was du auf Erden lösest, soll im Himmel gelöst sein." (Math. XVI, 18—19 liiib XVIII, 18.) Dem gegenüber formuliert Rabbi Akiba Ende Joma den Standpunkt des Judenthums in den diesbezüglichen Fragen dahin:? annt? rnaa 'öi o'nnao nns 'v ':zh oantMt D'öfctttP „Heil Euch, Israel. Wer ist es, vor dem Ihr Vergebung Eurer Sünden nachsuchet, und wer ist es, der ausschließlich Eure Sünden zu vergeben vermag? Keiner sonst, als Euer Vater im Himmel." Das will sagen: weder ist ein Mensch, — er sei auch wer immer, weil selbst sündhaft — ermächtigt, von uns Israeliten ein Süudeubekenntnis abzunehmeu, noch viel weniger gar — solche zu vergeben. Hier steht der Israelit unmittelbar Gott gegenüber zur Rechenschaft und bat von Ihm ausschließseine Rechtfertigung zu erwarten. Auch der Hohepriester macht darin keine Ausnahme. In dem Maße, als es uuzuläffig ist, Gottes Heiligkeit mit menschlicher auch auch nur zu vergleichen,, in dem Maße ist der Gewissensstandpunkt des Israeliten jedem audereu überlegen. Angesichts dessen hätte Nb. Akiba allen Grundgehabt, nicht blos einmal, sondern dreimal „Heil Euch Israel" zu rufen! Weiters wird hier von der Liebe zu Gott unter andermauch die Pflicht, den Feiertag zu heiligen, nicht zu stehlen, den Eltern gehorsam zu sein, u. s. w. abgeleitet. Was das erstere betrifft, so frage ich zunächst: welche Feiertage? Unsei e Kalender verzeichnen heutigen Tages protestantische, röm-katholische, griech.- katholische, jüdische, mohammedanische ja selbst sozialdemokratische?? — Mit welchem Rechte darf denn der Feiertag gerade ein Vorrecht vor allen übrigen mosaischen Geboten beanspruchen.? Was hier bezüglich des Feiertages behauptet wurde, ließ sich hinsichtlich aller anderen ebenso gut geltend machen. Diese Folgerung, so unbeweisbar sie auch ist, wird unserem Theologen jedenfalls sehr wider den Strich gehen. Paulus hat allerdings die Sache nicht so verstanden, anderseits aber die Consequeuzen seines Standpunktes richtig gezogen, indem er gleich den anderen mosaischen Geboten auch den Feiertag verwirft; denn er schreibt an die Kolosser II, 16): „So lasset nun Niemand Euch Gewissen machen über Speise, oder über Trank, oder über bestimmte Feiertage, oder Neumonde, oder Sabbate." Die christliche Kirche hatauf Grund dessen sich auch für ermächtigt gesunden, den im Zehngebot verordneten wöchentlichen Feiertag abzuschaffen, bzw. auf einen Wochentag zu verlegen. Sie scheint hierbei jedenfalls von der Ansicht ausgegaugen zu sein, dass diese Angelegenheit mit der Liebe zu Gott, nicht im Zusammenhänge stehe und daher dem Belieben des Menschen ausschließlich anheimgegeben sei. Wir dagegen betrachten die Stiftung des Sabbgts ganz im Gegensätze dazu als eine Folge der Liebe Gottes zu uns. Dieser Gedanke kommt schon in dem Gebete des Rh. Zydok, der noch vor Untergang des jüdischen Staates lebte, so rührend schön zum Ausdrucke: fjsy na ronst? 'i ■jna.Tjfa ÜÜÜÜÜjBÜ