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Die Wahrheit · 1902-09-05 · Heft 35 (5.9.1902) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 35 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 35 Ltabiliruug der Judenschafft auß angeführt vielfältig erheblichen Ursachen mit mehrerm weitläuffig allerunterthänigst angebracht, und gebetten, solches gibt der Einfluß ausführlicher zuvernehmen. Wann dann allerhöchst ernent Jhro Kayserl. Majestät hi-rauff allergnädigst rssolvirt, daß auß denen angebrachten wohlbedencklichen Notiven so wohl dem statum publicum, als auch ßeligionis betreffend, wie zumalen auch zu kraczu- -äitz und Schaden der Ofnerischen Burgerschafft: sonderlich noch vermahlen, und biß es zur Haubt Einrichtung kommet, allwo so dann ohne diß viel mehr anders zuberathschlageu, und zu resolviren Vorfällen werde, der Judenschafft daselbst zu Ofen kein weiters Unterkommen, noch ftabiliment verstattet werden solle. Als hat man solches der Hoff Cammer zur Nachricht, und gehöriger Beobachtung hiemit erinnen wollen. 22. Augusti 1699. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Mir«. Am 31. August ist in Mauer bei Wien Herr Ingenieur Gustav Bettelheim, Sohn des Präsidenten des Bethausvereines im LL Bezirk, Herrn Gottlieb Bettelheim, nach längerem Leiden im 23. Lebensjahre gestorben. Der Tod des hoffnungsvollem begabten jungen Mannes hat in den weitesten Kreisen aufrichtige Theilnahme für die tieftrauernde Familie erweckt, die auch in der zahlreichen Betheiligung an dem am 3. d. hier stattgehabten Leichenbegängnis zum Ausdruck kam. Der Verblichene war auch ein feinsinniger Musiker, der feine Kunst sehr oft in den Dienst der Wohlthätigkeit und des - allgemeinen Wohls stellte. ZSaden. In der Nacht zum 29. d. M. verstarb hier die wegen ihrer ausgezeichneten Tugenden weithin bekannte Frau Klara Berger, Gemahlin des am 8. August 1899 gleichfalls in Baden verstorbenen edelherzigen Wohlthäters und Philantropen Heinrich Berger. Das Leichenbegängnis dieser wahrhaft fronunen Frau fand am 31. August unter großer Theilnahme statt. Die Bahre der im 71. Lebensjahre Heimgegangenen, geliebten Mutter umstanden ihre Söhne, Dr. Alfred Berger, Vorsteher der Wiener Cultusgemeinde, Dr. Emil und Ernst Berger, und die..e»>»^»«' Tochter der Verblichenen mit ihrem in der Gelehrtem' ll oeruymien Gemahl Professor Guido Adler. In der er** a Schaar von Bekannten der trauernden Familie, die der Heimgegangenen das letzte Geleite gaben, befanden sich der I. Vicepräsident der Wiener Cultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, die Vorsteher der Badener Chewra Kadischa, Anton Schneider, Sigmund Rausnitz und August Edenburger, Professor Dr. Büchle und viele andere vornehme Mitglieder der Wiener und Badener Judenschaft. Nach Recitation des „Hazur tomim" durch Cantor Jakob Schäfer hielt Rabbiner Wilhelm Reich einen ergreifenden Nachruf, in welchem er die hervorragenden Tugenden und ausgezeichneten Eigenschaften der Verstorbenen schilderte. Von ihrer Mutter hatte sie eine Lebensdevise überkommen, die sie auch ihren Kindern als edles Erbgut einprägte. Dieselbe lautete: „Die schönste Eigenschaft des von Gott mit irdischen Gütern gesegneten Menschen ist der grenzenlose Wohlthatigkeitssinn." Diesen Sinn bethätigte die Heimgegangene zu allen Zeiten, und groß ist die Zahl der Bedürftigen, die in ihr eine mütterliche Helferin und Unterstützerin verloren. Nach Schluss der Trauerrede recitirte Herr Cantor M. Seifert das „Joschew beseffer eljow', worauf die Bahre gehoben, zum Grabe getragen und dort zur ewigen Ruhe bestattet wurde. n'a'atwi Ischl In der „Villa Dirsztah" fand hier Dienstag, den 2. September die Trauung des Fräulein Lotte v. Dirsztay, Tochter kaiserl. ottomanifchen Generalconsuls in Wien, mit dem Banquier Hary Baron Menaffe aus Cairo statt. Unter den zahlreichen Hochzeitsgästen, die den vornehmsten Gesellschaftskreisen angehörten, befanden sich die Präsidenten der türkischen Cultusgemeinde in Wien, Marcus M. Ruffo und Licco I. Adult, sowie der Präsident der Budapester Cultusgemeinde S Kohner. Den Trauact vollzogen Rabbiner Friedmann aus Linz und Obercantor Bauer aus Wien, der, da der Bräutigam ein Sefardi ist, mit dem Cantor und Chordirigenten I. Löwit und einem Männerquartette zur Function hieher berufen wurde. Aikoürbnrg. An: 18. August l. I. sind 10 Jahre seit dem Amtsantritte unseres allverehrten Herrn Rabbiners Dr. D Feuchtwang versioffen, und die Sympathien, deren er sich in Folge «seiner ausgezeichneten Amtswirksamkeit erfreut, haben an ^diesem Tage solennen Ausdruck gefunden. Ohne dass Dr. Feuchtwang eine Ahnung von der ihm zugedachten Ehrung hatte, erschien am 18. August die Cultusvertretung in seiner Wohnung, um ihn im Namen des Gesammtvorstandes und der Gemeinde zu beglückwünsche«, und überreichte ihm als Zeichen der Anerkennung eine prachtvolle Silberschale mit kunstvoll gearbeiteter Verzierung und folgender Widmung: »Ehrwürden, Herrn Rabbiner Dr. D. Feuchtwang in dankbarer Anerkennung verdienstvollen Wirkens <18 August 1892 — 18. August 1902). Cultusgemeinde Nikolsburg.- Dr. Feuchtwang war über diese Ueberraschung höchst erfreut und dankte frchtlich ergriffen für die ihm erwiesene Ehrung. Im Laufe des Tages sprachen zahlreiche Gratulanten vor und auch Glückwünsche liefen von vielen Seiten ein. Wrag. Am 19. August fand hier die Beerdigung des Herrn Ignaz Schönberger statt, der im 74. Lebensjahre gestorben ist. Der Verblichene war Vorsteherstellvertreter der Cultusgemeinde in Karolinenthal, Mitglied der dortigen Beerdigungsbruderschaft, des Vereines für Krankenpflege und Vorstands-Mitglied vieler anderer bumanitärer Vereine. Srag. Am 20. August verschied in der Sommerfrische Königssaal im 71. Lebensjahre Herr Marcus Redisch, der tiefes talmudisches'Wissen besaß und sich ob seiner Rechtschaffenheit allgemeiner Werthschätzung erfreute. Das Begräbnis fand hier in Prag unter zahlreicher Betheiligung statt. — Des Kaisers Geburtstag wurde im Neuen Tempel in der Geistgaffe in solenner Weise gefeiert. In Vertretung des Rabbiners sprach Herr Cantor Leo MirSky das Kaisergebet und executirte unter Assistenz des Chores die Gesänge. Auch in allen anderen Synagogen Prags fanden Festgottesdienste statt. Stanisla«. Anlässlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fand am 18. August auch im hiesigen Choraltempel ein Festgottesdienst statt, dem die Spitzen der Behörden, die Honoratioren der Stadt und der Cultusvorstand mit dem Gros der Gemeindemitglieder beiwohnten. Die schwungvolle Rede des Herrn Rabbiner Dr. Broude und die vom Obercantor Löwensohn und seinem tüchtig geschulten Chore ausgezeichnet executirten Festgesänge erhöhten die Weihe der Feier. Knnfüirchen. Bischof Samuel Hettyey von Fünfkirchm hat zu dem in der israelitischen Gemeinde zu Vaißlö zu erbauenden Tempel eine Spende von 50 Kronen beigetragen. So unbedeutend diese Spend: an und für sich auch ist, verdient sie in unserer Zeit des Antisemitismus dennoch mit Genugthuung registrirt zu werden. Ksposvsr. Unser Obercantor. Herr Armin Liebermann, welcher bereits in Z. Egerszeg acceptirt war, hat infolge der ihm angebotenen definitiven Anstellung in der hiesigen Gemeinde die Berufung nach Z. Egerszeg abgelehnt. In der ganzen Gemeinde herrscht allgemeine Freude darüber, dass ihr dieser tüchtige und beliebte Functionär erhalten bleibt. Neu erschienene Bücher gesammelte Schriften von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s. A- I. Band. 1902, Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Preis: Mk. 4.50 brosch., Mk. 5.50 gebund. Kragment eines Heöetvuches aus Jemen. Beitrag zur Geschichte der jüdischen u. jüdisch-arabischen Synagogalpoesie und zur Kenntnis des arabischen Vulgärdialectes in Jemen. Bearbeitet und herausgegeben von Dr. Pinkas Heinrich. Wien, 1902. Verlag Carl Gerolds' Sohn. pflichte» des Marmirwa Handbuch für ^deu Israel. Konfirmanden von Leopold Katz, Waisenhaus-Direktor in Rybuik. 2. Auflage. Frankfurt a. M. 1902. Verlag I. Kauffmaan. Auron Kalender für das Jahr 5663 (1902-1903) Preis K. 1.50. Zu beziehen durch das Bureau der Oesterr. israel. Union Wien, I. Dorotheergaffe 12. Jüdischer Aolks-Katender für das Jahr der Welt 5663 (1902l 903) I. Jahrgang. Preis 70 Heller. Eigenthum und Verlag: „Jüd ische Volsstimme" Brünn. Der Aionismus im Alenste der ßivilifation. Volkswirthschaftlichen Studie von Chaim Ben Josua Schai. Verlag von Osias Geher, Budapest, Königsgasse 20. Vor dem sranMschen Kriegsgericht. Episode aus dem deutsch-französischen Kriege, nacherzählt von I o s. E p p st e i n. I. Einem Heuschreckenschwarm gleich, so ließen sich die Theile der französischen „Armee du Rhin" im dein Streifen Landes von Metz bis Forbach und Saargemünd nieder; in großen Lagern campirten die Soldaten aller Waffengattungen, und immer neue Heerhaufen kamen hinzu, um sich zu einem Ganzen zu formiren und alsdann über Saarbrücken hinaus in die preußischen Lande zu ergießen. Schon am 22. Juli ständen die Vorposten auf den Höhen nahe vor Saarbrücken, beschossen die offene Stadt, einzelne kamen auch über die Grenze, um sich Lebensmittel zu kaufen, verweilten aöer nicht lange, da eine gewisse Scheu vor den Pruffiens sie abhielt, sich allzuweit vorzuwagen. '

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