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Die Wahrheit · 1902-09-05 · Heft 35 (5.9.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 35 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35 Die Wahrheit. Seite 7. Zweckes, davon nämlich, dass wir unseren Sündentrieb bezähmen und unseren Lebenswandel rein zu halten streben sollen. Laut Erklärung des Midr. E. 3. M., 22 Abschn., war die Einführung des mosaischen Opfercultus ein pädagogisch gutes Mittel, um die Israeliten vom egygtischen Götzendienst fern zu halten. Sie sollen nämlich daher während seines Aufenthaltes in der Wüste seine Opfer nur im Stiftszelte und in Palästina m»r im Tempelhof opfern, wo sie über Idee und Zweck richtig belehrt wurden, damit sie nicht, wie die Heiden, ihre Opfer den Waldteufeln oder auf den Höhen darbringen sollen. (3. M. 17,18.) Za, der mosaische Opfercultus hat nicht nur die Juden allgeniein vom heidnischen Opfercultus abgewendet, sondern er hat auch manche heidnische Regenten, persisch-medrsche (Darms), griechisch-syrische (Alexander) und römische derart begeistert, dass sie befahlen, für sie und ihre Familie im Tempel zu Jerusalem zu opfern und zu beten. (Esra 6, 7, 16. Josefus Alterthümer und Tr. Gittin 56.) Auf Grund dieser richtigen Auffassung des' mosaischen Opsercultnszweckes konnten die pharisärischen Lehrer, besonders aus der Schule Hillel's, ihre wegen der nach Zerstörung des Tempels ihnen mangelnden Opserversöhnungsmittel betrübten Glaubensgenossen damit trösten, dass anstatt der Opfer noch andere Versöhnungsmittel geblieben sind, nämlich: Wohlthätigkeit und Forschen in der Gotteslehre, weil unsere Beschäftigung mit denselben an ihren Zweck erinnere. Fernere Ersatzmittel, so lehrten sie, sind Buße und Gebete. Diese Ersatzn,ittel wurden mit Recht noch höher als die Opfer selbst gestellt. „Denn." so spricht Gott, „an Wohlthätigkeit habe ich Gefallen und Erkenntnis Gottes ist werthvoller als Opfer." (Psalm 50, 8.) „Wahrlich," sprach der Prophet Samuel, „Hören auf Gott ist besser, als Opfer, Aufmerken ist vorzügl.cher, als Fett gemästeter Lämmer." (I. S. 15—22.) „Wer Buße thut, der ist so, als wenn er den heiligen Tempel erbaut und alle Opser dargebracht hätte." (Midr. R. Levit. 8. Abschn.) Alle diese und ähnliche Lehren sind ganz vernunftgemäß und entsprechend der Idee des mosaischen Opfercultus. Sie beruhigten die Juden auch gegen die ihnen von Seiten der Juden- Chriften eingejagte Angst, dass es nach Aushebung des Opferdienstes für Israel keine Versöhnung mehr gäbe, während sie durch den Glauben an das Dogma der Versöhnung dnrch Jesus Tod ruhig leben und sterben könnten. Mächtig wirkte hierin der Ausruf des Rabbi Akiba im I. Jahrhundert: „Heil euch, Israeliten, wer reinigt euch und vor wem reinigt ihr euch? vor eurem Vater im Himmel, dem Ewigen." (Jona 85, 14.)*} Dieses deutete Moses in seinem Abschiedssegen von Israel mit nachfolgenden Worten an: Und dies ist der Segen, womit Moses, der Mann Gottes, gesegnet hat Israel vor seinem Tode. Und er sprach: Der Ewige kam vom Sinay und erschien ihnen vom Berge Seir, er strahlt vom Berge Paran und kam von heiligen Mirjaden begleitet zu seiner Rechten ein Feuergesetz für sie. (Auch der Prophet Habakuk nennt diese Berge.) Er Gott, liebte alle Völker, alle seine Heiligen sind in deiner Hand und sie sind hingestreckt zu deinen Füßen, empfangen deine Worte. Die Lehre, die Moses uns geboten, ist ein Erbtheil der Gemeinde Jakob. Und er, Gott, ward in Jeschurun, Israel, König, als sich sammelten die Häupter des Volkes insgesammt die Stämme Israels. (V. M. 33, 1. 6.) Die Tradition erklärt auf historischer Basis den ersten Satz auf Israel, den zweiten ans Rom — die Christenheit (denn Seir ist bekanntlich Edom), den dritten 'auf Arabien — Mahomedanismus, und den vierten auf Syrien — Griechenthum. Diese Civilisation verbreitenden Völker haben ihre guten Religions- und Sittenlehren aus der Lehre Mose geschöpft (1. die in griechischer Sprache abgefasste Septuaginta, 2. die Evan¬ *] Noch jetzt werden bei uns nach Reinwaschung der Leichen gedachte Worte Rabbi Akiba's wiederholt reeitirt, um, wie ich glaube, eben die Anwesenden zu belehren und zu beruhigen, dasder oder die Dahingeschiedene durch gute Werke, Gebete und Buße ohne Mittelperson rein zu Gott zurückkehrt. gelien und 3. der Koran. Also auch dies rechnet Moses zum Segen, dass die genannten Völker aus Israels Heilsquellen geschöpft haben. Jedoch nur der Gemeinde Jakobs bleibt sie als Erbtheil. (S. Midrasch zur Stelle und Tr. Joma 10.) (Fortsetzung folgt.) Beitrag zur Geschichte der Judenverfolgungen in Oesterreich-Ungarn. IV. Inden-WantHner Abzustellen. Entbieten allen und jeden unfern nachgesetzten Obrigkeiten Geistlichen und Weltlich n. auch allen andern unfern Laudsaffen, Unterthanen und Getreuen, was Würden und Stands die in unserul Ertz-Hertzogthumb Oesterreich unter der Eunß seß- und wohnhafft synd, unsere Gnad und alles Guts. Und geben euch benebens hiemit gnädigist zuvernehmen: wie daß Wir eilt gute Zeit herumb durch die Uns sürkommene Beschwörungen in glaubwürdige Erfahrenheit gebracht, welcher Massen etliche LandsMitglieder ihre habende Mäuth umb mehrern Gewinns willen zwar denen Juden in hohen Bestand verlassen, welche Hernachmahls die arme Unterthanen sehr uuChristlich und wider Brllichkeit stargern. Wann dann ein solche Lands-Beschwärung nicht allein Uns als Regierenden > Ertz-Hertzogen in Oesterreich zu sondern ungädigem Mißfallen sondern auch denen beuachtbarten Landsassen so wohl ihren armen Untherthanen, nicht weniger denen durchreisenden Kauff-! Handels- und Fuhrleuthen zu mercklichem Schaden, auch öffters! zu grosser Verhinderung gereichen thut; Als seynd Wir auß Lauds-Fürstl. Macht und befugten rechtmäßigen Ursachen dergleichen unChristliche gantz unnöthige Bestand-Verlaß, zumahl zu derley Verrichtungen an Christen-Leuthen und qualificirten Persohnen in dem Land kein Mangel erscheinet, auß Christlichem Eyffer zugestatten, oder auch unfern Landsaffen ohne sonderbahre von Uns oder unfern Vorfahren habende Freyheiten, eigenes Gefallens, Juden in ihren Gebieten halten und wohnen zulaffen nicht gesonnen. Haben demnach auß unserer getreuer Land-Standen derentwegen allergehorsambist eingereichte Beschwär derenselben gnädigist abzuhelffen Uns revolviri; Und ist solchem nach hierauff an euch alle und! jede welche Juden unter ihren Gebieten, es seye gleich mit eignen Häusern oder Jnwohnungs-weiß, bißhero zuwohnen geduldet, und auffgehalten, unser gnädigster auch ernstlicher Befehl, und wollen: das ihr dieselben, dem gantzen Land zum besten, gestracks nach Vernehmung diß unsers Osueral-Uanäats aus solch euren Gebieten hinweg schaffet, und ferner keinesweegs länger geduldet, noch ihnen Unterschleiff, viel weniger häußlichen unter euch zuwohnen gestattet, ihr die jenigen auch, so Juden zuhalten gar befreyet seyn möchten, kein derselben zu Mauth- oder andern Aembtern gebrauchet, noch weniger solche Aembter dergleichen schädlichen Leuthen in Bestand verlasset. Und damit diesem unfern Otzuvral-Nantlat umb so viel embsig und gehorsamber nachgelebt werde; So ist hiemit ferner auch unser ernstlicher und gnädigister Befehl, daß ihr alle und jede, welche der Juden halber zwar xrivilegirt, solche eure Privüegia, wie auch die Vectigalia, und Mauth-Freyheiten von äato inner Monaths-Frist gewiß und unfehlbarlich Uns zu Händen unserer N. O. Regierung und Cammer zum Ersehen erleget, und darüber unserer weitern Refolution erwartet. Das meinen Wir ernstlich, und beschiht auch hieran unser gnädigster gefälliger Will und Meinung. 1. Nartii 1627 Inden z« Men. Bon der Rom. Kayserl. auch zu Hungarn und Böheim Königl. Majestät unsers allergnädigsten Herren wegen, deroselben Hoff-Cammer hiemit anzuzeigen, was bey allerhöchst erneut Ihrer Kayserl. Majestät N. Bürgermeister und Rath ' der Königl. Haubt- Stadt Ofen, wegen nicht Einlaß und

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