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Die Wahrheit · 1902-08-22 · Heft 33 (22.8.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 33 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Die Wahrheit. Leite 7. Wien. Im orthod. Bethaus ll., Gr. Schiffg. (Schiffschule), fand Samstag zur Vorfeier des kaiserlichen Geburtstages eine Festpredigt statt, die stehend angehört wurde. Herr Rabbiner Fürst feierte in schwungvollen Worten unfern allverehrten Monarchen, für dessen Wohl und langes Leben er ein heißempsundenes Gebet verrichtete. Montag fand im hellerleuchteten Bethause nn feierlicher Gottesdienst statt. Obercantor Wittmann celeörirte in meisterhafter Weise und Cantor Löwy trug die „Königs- Psalmen" mit Innigkeit vor. Auch im affilirten Beth-Hamidrasch fand eine Festfeier statt. Wie«. Der Vorstand des „Allgem. österr. israel. Bundes" versendet soeben einen Rechenschaftsbericht über seine bisherige Thätigkeit, auf dessen Inhalt wir in nächster Nummer ausführlicher zurückkommen werden. Wien. Fräulein Sophie Heit, Tochter des ob seines humanen Wirkens bestbekannten Qrtsschulrathes, Herrn S. Heit in Wien, verlobte sich in Baden mit Herrn Emil Reinitz, Beamten des Wiener Bankvereines. Wien. (Judenauswanderung aus Rumänien.) Wie aus Bukarest gemeldet wird, ist in den nächsten Wochen eine starke Zunahme der dortigen Auswanderungsbewegung zu erwarten. Aus Bukarest allein wird eine aus 2710 Personen bestehende Gruppe auswandern, aus Jassy eine Gruppe von 1800 Personen, aus Braila eine Gruppe von 1500 Personen. Ferner werden noch zwei Gruppen aus der Provinz abreisen, so dass die Zahl der Auswanderer in einem Monate auf mehr als 8000 Seelen steigen wird. Alle diese Gruppen werden, von der «Jca" unterstützt, sich nach den Vereinigten Staaten (Philadelphia, Chicago, San Francisco und New-Pork). nach Argentinien und zum geringen Theile nach Canada tegeben. Der größte TheU der Auswanderer nimmt seinen Weg über Wien, wo sie von der . Israel. Allianz zu Wien" empfangen und weiterbeiördert werden. Hiedurch werden die beschränkten Mittel der hiesigen .Allianz" stark in Anspruch genommen, und eine thatkräftigere Unterstützung vieler Hilfsaction seitens unserer Glaubensgenossen ist nicht nur vom Stnndpunkte der Menschlichkeit geboten, sondern auch im allgemeinen jüdi'chen Interesse gelegen. Aloridsdorf. Montag den 18. August, am Geburtstage Se. Majestät fand in unserem Tempel ein feierlicher Gottesdienst statt, an welchem auch der Gesammtvorstand, mit dem Präses Herrn König an der Spitze, theilnahm. Die Feier begann mit dem vom Obercantor Löwy unter Chorbegleitung wirkungsvoll vorgetragen Ma Towu, sodann wurde der 21. Psalm abgesungen, worauf Herr Bezirksrabbiner Dr. Rosenmann die Festrede hielt. Mit einem Gebet für den Landesvater und der Absingung der Volkshymne schloß die schöne Feier. Baden. (Kaiserfest.) Montag den 18. August um 1 Uhr Vormittags fand im Tempel der Badener israel. Cultusgemeinde anlässlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef l. ein solenner Festgottesdienst statt. Der hellbeleuchtete Tempel war von Andächtige» dicht gefüllt, die mit gespannter Aufmerksamkeit auf die von Patriotismus durchglühte Festrede Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Wilhelm Reich lauschten. Der Redner hob das Gerechtigkeitsgefühl des erhabenen Monarchen für alle seine Unterthanen ohne Unterschied der Confession und Nationalität hervor und verglich ihn mit der Sonne, die ihre belebenden und erwärmenden Strahlen ohne Classenunterschied auf alle Erdemvesen gleichmäßig wohlthuend wirken lässt. Zur Erhöhung dieser allerhöchsten Geburtsfeier dienten die ausgezeichnet ausgeführten Executionen des Obercantors, Herrn M. Seifert. Die mit dem exact geschulten Chore zum Vortrage gebrachten Psalmen 111 und 150 waren erhebend und wirkte insbesondere der letztere durch die Fülle von packenden Melodien als ein wahrer Seelengenuß auf die Anwesenden. Mit Absingung der Volkshymne bei offener Bundeslade schloß die würdige Feier. Liefing. Während die meisten Vororte in der unmittelbaren Peripherie der Reichshauptstadt vom Wiener Antisemitismus durchseucht sind, sind unsere südlichen Vororte, wie Atzgersdorf, Mauer, Liesing :c. von dieser Landplage fast unbehelligt geblieben. Mag das aufgeklärte Wesen der hiesigen Umgebung die glänzende Errungenschaft der gediegenen Schulbildung sein, wie hier allgemein behauptet wird, oder dem talmudischen Grundsätze entsprechen: „W:r klug sein will, wohne s.idlich", genug an dem, dass die alljährlich zunehmenden glaubensgenössischen Sommerparteien ihren Aufenthaltsort Mauer geradezu als Paradis bezeichnen, und dies darum, weil sie sich nebst den herrlichen Naturschönheiten des größten Entgegenkommens seitens der Ortsbevölkerung erfreuen. Leicht begreiflich ist es unter diesen Umständen, wenn die hiesige Judenschast auch den Liesinger und Atzgersdorfer Bürgermeistern, den Herren Franz Par sch e und Johann Höbinger, überzeugungsvoll huldigt, wie sie anderseits auch in ihren Mitbürgern die treubewährten „Tempelfreunde" erkannte, weil sie sammt und sonders, vorn Kleingewerbetreibenden angefangen bis hinauf zum Großindustriellen, zur Erbauung des hiesigen Jubiläumstempels lpacker beigetragen haben. Dass alle unsere Glaubensbrüder überall, wo und wann es sich nur um gemeinnützige Bestrebungen handelt, ebenfalls in diesem zuvorkommenden Geiste wetteifernd in Aetion treten, ist selbstverständlich. Vornehmliches leisten aber in dieser Richtung die Herren Brüder Hugo und Arthur Weiss, Villenbesitzer und Weingrosshändler in Mauer, allenthalben unter „Edelroth" bekannt. So hat dieses Brüderpaar im Vereine mit ihrem ebenfalls biederen Schwager, dem Südbahnbeamten Herrn Kaskalowitfch, vor zwei Jahren den Atzgersdorf-Mauerer Wohlthätigkeitsverein „Edelsinn" gegründet, der stch vermöge seiner gemeinnützigen Tendenzen eines allgemeinen interconfeffionellen RenommeS erfreut. Hervorragendes leisten sie auch als Vorstandsmitglieder der Mödlinaer Cultusgemeinde, indem sie trotz ihrer weitausgebreiteten geschäftlichen Unternehmungen die ihnen karg zugemepene freie Zeit unverdroffen dem culturellem Gedeihen und Erblühen ihrer Gemeinde widmen. Besondere öffentliche Anerkennung verdienen die Herren Brüder Weiss als treubewährte Anhänger der Religion, denn als sie vor zwei Jahren ihren prachtvollen „Billa Edelroth-Tempel", würdig so mancher Gemeinde^ erbauten, verfolgten sie damit einen mehrfachen religiösen Zweck, indem sie ihren Tempel dem Atzgersdorfer Tempelverein als Filiale zur Verfügung stellten und hiemit ihrem eigenen religiösen Bedürfniße, dem der Sommörparteien, die im „Edelroth" wohnen, welche eine kleine Gemeinde in Miniatur bilden, und dann allen sonstigen Mauerer Sommerparteien Rechnung trugen. In dem Leben, Wirken und Denken dieses Brüderpaares spiegelt sich wieder der Kiddusch haschem, den ihr seliger Vater Ferdinand Weiss so oft glaubenseifrig und gottesfürchtig bethätigt hat. M. G. Allenberg. Burgstal!. Anlässlich des allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers fand Montag den 18. d. M. um 2 Uhr Nachmittags im Cultustempel zu Amstette» ein feierlicher Gottesdienst statt. Das im Hellen Lichtergl nz erstrahlei.de Gotteshaus war aus diesem Anlasse voll besetzt. Als Regierungsvertreter war Herr Statthaltereirath Freiherr v. Lederer, k. k. Bezirkshauptmann, erschienen. Unser allseits beliebter Tempelvorsteher und Cantor, Herr Alexander Deutsch, sang mit klangvoller Stimme das Ma towu nach der Melodie der Bolkshymne und recitirte hierauf Psalm 21 und das Mincha-Gebet. Bezirksrabbiner Dr. D. Spitzer hielt hierauf die Festrede, m welcher er die weise Regierung un' die hohen Tugenden unseres Monarchen verherrlichte, und schloss dieselbe mit einem innigen Gebete für Kaiser und Vaterland. Rach Absingung der Volkshymne fand diese wahrhaft patriotische Feier mit dem Olsnu-Gebet ihren Abschluss. Religionslehrer M. Mandl. Inaim Der alljährlich im hiesigen Tempel anlässlich des kaiserlichen Geburtstages veranstaltete Festgottesdienst siet Heuer besonders glänzend aus, imdem der bei seinem Schwiegersöhne Rabbiner Dr. Kahan hier zu Gast weilende Obercantor Bauer aus Wien sich über Einladung des Vorstandes bestimmen ließ, die cantorale Function zu übernehmen und sie unter Assistenz von Chor und Orgel mit gewohnter Vollend»».'. durchführte. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Kahan. Der gesammle Vorstand, viele Honoratioren und Geineindemitglieder wohnten dem Feftgorresdienste bei Brag. Frt Ottilie Rubin, Tochter des Componisten und Regenschori am Reuen Tempel in Prag, hat sich mit dem Privatbeamten Herrn Philipp Horowitz verlobt. Die Braut, die seit einigen Jahren in Wien lebt, hat sich dort als Gesang- und Clavierlehrerin eine geachtete Stellung erworben und erfreut sich in der Gesellschaft großer Beliebtheit. Brag. Am 11. d. M. starb hier Herr H. Reustadkel, Granatwaarenfabrikant. im 6:>. Lebensjahre. Bon der Achtung, die sich der Verstorbene erworben hatte, gab die zahlreiche Theilnahme am Leichenbegängnis Zeugnis, welches ohne jeglichen Pomp stattsand. Bardubitz. Am tl. d. M. starb hier Herr Jakob Winternitz, Realitätenbesitzer, Mitglied der Sradtvertretung, Verwaltungsrakh der Pardubitzer Actien-Zuckerfabrik. Vorsteher der iirael. Cultusgemeinde, Obmann der Beerblgungsbrüderschaic und Mitglied vieler humanitärer Vereine im 65. Lebensjahre. Brzemysk. Am 12. d. M., 9 Uhr Abends, veranstaltete der Verein „Zion" zum Andenken an die Tempelzerstörung seine Tranerandacht, welche einen würdigen Verlaus nahm. Hcrvorzuheben ist die ausgezeichnete Mitwirkung unseres . antors, Herrn M. Singer, mit seinem gutgeschulten Chore, welche bei den zahlreichen Zuhörern allgemeine Anerkennung fand. Budapest. Die Pester israelitische Relgionsgemeinde veranstaltete anlässlich des Geburtsfestes Sr. Majestät Montag, den 18. d. M., Vormittags um 11 Uhr, im Tempel in der Tabakgasse einen Festgotresdienst, dem zahlreiche Andächtige beiwohnten. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Samuel Kohn, die Temvelgesänge trug Obercantor Adolf Lazarus vor. Die Ofner israel. Cultusgemeinde veranstaltete um 11 Vormittags einen feierlichen Dankgottesdienst, an dem ungemein zahlreiche Andächtige theilnahme». Oberrabbiner Dr. Arnold Kiss hielt eine schwungvolle Festpredigt und sprach ein inbrünstiges Gebet für das Wohl des heißgeliebten Monarchen. Obercanter Weiß besorgte in trefflicher Weise den gesanglichen Theil des Gottesdienstes. Auch in der festlich beleuchteten Synagoge der Budapester aut. vrthodox-israel Gemeinde (Baron Orczy'sches Haus) fand ein solenner Dankgottesdienst statt. Im Altofner israel. Tempel wurde der Festgottesdienst schon Sonntag Nachmittags abgehalten. Hran. Herr Eantor Armin Weinberger aus Brod a. d. Save wurde hier nach beifällig aufgenommenem Probevortrage einstimmig zum Obercantor gewählt. Derselbe wird am 13. September seine Stellung antreten.

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