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Die Wahrheit · 1902-08-15 · Heft 32 (15.8.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 32 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32 Die Wahrheit. Seite 7. Verschiedene Nachrichten. Wien. Aus Anlass des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph I. findet am 18. August 1902 im Stadt-Tempel um 9 Uhr Vormittags und im Leopoldstädter-Tempel um 1v Uhr Vormittags ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. (Synag o gen-Bere in ,8« th-Isv ae 1“, II., Leopoldsgasse 29.> Anlässlich des Geburtstages Sr. Majestät findet Montag, den >8. August um 9 Uhr Vormittags in der Synagoge des Vereines „Lstd-Inrnol" ein Festgottesdienst statt. Wien. Wir erhalten folgende Mittheilung: Bei einer Waisenstiftüng, welche von dem Cnltüsvorstande zu verleihen ist, kam es letzthin vor, dass für zwei erledigte Stiftplätze thatsächlich nur zwei Bewerber einschritten. Allerdings sind die Stipendien selbst mit je K. 5L — dotirt, nur gering, auch sind die Bedingungen des betreffenden Stiftbriefes, dass nur doppeltverwaiste Kinder von Angehörigen der Cultusgemeinde kompetenzfähig find, ziemlich erschwerend. Nichtsdestoweniger ist kein Zweifel vorhanden, dass auch an Bewerbern, welche jenen Bedingungen entsprechen und denen auch das geringe Stipendium sehr zustatten käme,! leider in Wien kein Mangel ist. Es zeigt sich eben hier, was sich bei! vielen ausgeschriebenen Stiftungen der Cultusgemeinde im Laufe des Jahres gar oft wiederholt, dass den durch die jüdischen Zeitungen, durch Anschlag an den Gemeindebethänsern und sonst auf geeignete Art veröffentlichten Kundmachungen nicht die gehörige Beachtung geschenkt wird. Wien. Samstag den 9. d. M. ist einer der hervorragendsten österreichischen Publicisten, Moriz Szeps, der Gründer und langjährige Leiter des „Neuen Wiener Tagblatt" und spätere Herausgeber des „Wiener Tagblatt", gestorben. Der Verblichene entfaltete besonders in früheren Jahren eine äußerst fruchtbare schriftstellerische und organisatorische Thätigkeit und gehörte zur Schaar jener Auserlesenen, die der österreichischen Presse von dem Tiefstände der einstigen Einflusslosigkeit zur jetzigen achtunggebietenden Stellung verhalfen. Das Leichenbegängnis fand Montag den 12. ds. unter großer Theilnahme der Journalisten- und Schrifistellerwelt am Centralfriedhose statt. Nach Vortrag der üblichen Trauerliturgien durch Obercantor Singer widmete das Vorstandsmitglied der „Concordia", Dr. Gustav Kolmer, dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Saaz. In einfacher und würdiger Weise hat kürzlich die Uebergabe der von dem hiesigen Fabrikanten, Herrn Leopold Bechert und dessen Gattin Sophie geb. Kellner, für den hiesigen israelitischen Friedhof getvidmeten und aus deren Mitteln erbauten monumentalen Zeremonienhalle stattgefunden. Dieselbe wurde nach den Entwürfen des hiesigen Architekten und B aumeisters, Herrn W. Fuchs, in modernem Style hergestellt, und nach Vollendung des Baues nahm die hiesige isr. Beerdigungsbrüderschaft, die Eigenthümerin des Friedhofes, Veranlassung, an der Stirnseite der Halle die lebensgroßen Reliefbilder der Eheleute j und eine Marmortafel, auf welcher diese Widmung verzeichnet wurde, anbringen zu lassen. Ebenso wurde aus diesem Anlasse Herr Bechert zum Ehrenmitgliede des isr. Beerdigungsbrüderschaft-Vereines ernannt und ihm das bezügliche Ehrendiplom durch eine Deputation des Vereinsj Vorstandes überreicht. i Wudapelt. Von mehreren Blättern war behauptet worden, dass , dem Reservecadetten Ernst Szäss auf die Bitte um Activirung von dem Oberstlieutenant Heinrich Daempf bedeutet wurde, er muffe sich taufen, wenn er im Verbände der Armee bleiben ivolle. Darauf erließ das Honved-Ministerium nachstehende amtliche Berichtigung: „Thatsache ist, dass, der Reserveofficier-Stellvertreter Ernst Szäss bei der königl. Ungar. Landwehr activirt werden wollte. Sein Gesuch konnte aber auf Unterbreitung des Regiments-Commandos darum nicht erfüllt werden, weil Ernst Szäss schon in der Freiwilligenschule zu den schwächsten Schülern gehörte und auch practisch sich als für den Militärdienst nicht geeignet erwies. Von Antisemitismus kann bei Honved schon deshalb keine Rede sein, da es ja Oberste und Stabsofficiere israelitischer Confeffion (Oberst Gabriel Steiner, Sectionsrath Moriz Szechy u. A.) gab und auch derzeit gibt. Was aber den Umstand betrifft, dass es in den Militär-Akademien keine Zöglinge israelitischer Confeffion gibt, so ist dies einfach darauf zurückzuführen, dass solche sich um die Aufnahme nicht beworben haben". ZSndapest. Bei der Beerdigung des dieser Tage verstorbenen Vorstehers der jüdischen Gemeinde in Läbod, Josef Herman, läuteten die Glocken der evangelischen Kirche und Pfarrer L. Nagy widmete dem Verblichenen im Sterbehause und auf dem Friedhofe herzliche Nachrufe, in denen er ihn als einen Wohlthäter seines Heimatsortes rühmte. Dresden. Eine Deputation der jüdischen Gemeinden Dresden, Leipzig, Chemnitz und Plauen, welche aus den Herren Rabbinern Dr. Winter-Dresden und Dr. Porges-Leipzig, sowie den Gemeinde-Borstehern Salzburg-Dresden, Magnus-Leipzig, Bergmann-Chemnitz und Gottheil- Plauen bestand, ist von Sr. Majestät König Georg empfangen worden. Die Huldigungs-Ansprache hielt Herr Rabbiner Dr. Winter UerNn. (Jüdische Statistik.) Ein vor kurzem zusammengetretenes Comitö hat soeben einen Verein für jüdische Statistik mit der Centrale in Berlin gegründet. Der Verein beabsichtigt, zunächst alle vorhandenen Angaben über Berufswahl und die Lebensverhältniße der über die ganze Erde zerstreuten jüdischen Bevölkerung zu sammeln, hieraus dieselben durch eigene Erhebungen zu ergänzen. Ferner wird geplant, ein ständiges Bureau für jüdische Statistik zu errichten, dessen Publikationen die Veränderungen inr ^Zustand« der jüdischen Bevölkerung fortlaufend zu registriren hätten. Ein solches Unternehmen erscheint nicht nur vom Stande der Juden nützlich und ersrrebenswerth, da es bis jetzt für alle zur Sanirung der jüdischen Berhältniße ins Werk gesetzten philantropischen und kolonisatorischen Actionen an der nothwendigen statistischen Grundlage gebricht, sondern auch vom allgemein buffen* schaftlichen, demographifchen Standpunkte, da die Biothik der Juden infolge der Vernachlässigung der Rubrik „Confeffion" in den officiellen statistischen Publicationen bis jetzt nicht genauer verfolgt werden konnte. Seine Thätigkeit eröffnet der Verein mit der für den Herbst d. I. geplanten Herausgabe des ersten Bandes feiner Publicationen. Derselbe wird neben methodologischen Aufsätzen und einer Bibliographie der jüdischen Statistik hauptsächlich monographische Arbeiten bringen. Der Verein erfüllt feine Aufgaben durch Organifirung von statistischen Arbeitsgruppen. Vier Arbeitsgruppen dieser Art find zur Zeit in Berlin thätig, überdies haben sich bis jetzt Arbeitsgruppen in Wien, Odessa, Warschau und Krakau gebildet. Zum Vorsitzenden des Vereines wurde Dr. Alfred Niffig. zum Secretär 21. I. Kastelianski gewählt. London. (Für die rumänischen Juden.) Während sonst im ganzen gesitteten Europa keine der erleuchteten Regierungen oder ein Parlament auch nur einen Finger für die rumänischen Juden rührt, hat man in England sich in letzter Zeit in Parlawentskreisen mehrfach bemüht, die englische Regierung zu einer Intervention zu Gunsten der rumänischen Jud.n zu veranlassen. Ein Mitglied des englischen Unterhauses, Mr. Hayter, stellte an die Regierung die Anfrage, ob das im März in Rumänien erlassene Gesetz, welches die Beschäftigung jüdischer Arbeiter verbietet, in Uebereinftimmung mit den Bestimmungen des Berliner Vertrages sei, und ob die britische Regierung gegen dieses Gesetz Einspruch erhoben habe. Der Uuterstaatssecretär Cranborne erwiderte, das in Rede stehende Gesetz beziehe sich auf alle 2lusländer in Rumänien und erwähne nicht besonders die Juden, doch wenn das Gesetz lediglich gegen die Juden angewendet werde, so gehe die 2lnsicht der Regierung dahin, dass das Gesetz mit Artikel 44 des Berliner Vertrages unvereinbar sei. Der englische Gesandte in Bukarest habe über diesen Punkt bei der rumänischen Regierung in freundschaftlicher Weise Vorstellungen gemacht und werde fortfahren, im Jnter/sse der Juden zu thun, was er könne. — Man kann der englischen Regierung nur Dank wiffen, dass sie sich der Sache der rumänischen Juden, einer Sache der Humanität und Gerechtigkeit, annimmt. Einen Erfolg wird aber die Einwirkung Englands allein auch nicht haben können. Die rumänische Regierung wird erst dann eine gesetzliche Behandlung ihrer Juden bethätigen, wenn die übrigen Großmächte des europäischen Continents sich dem löblichen Schritte Albions anschließen. Aew Jork Rew-Pork hat nie zuvor eine derartige religiöse Kundgebung gesehen, wie sie sich bei dem Leichenbegängnis des verstorbenen Oberrabbiners Joseph, des Hauptes der Judenheit (Jewish church) 'Amerikas ereignete. Einhunderttausend Juden versuchten zu der kleinen Synagoge „Schaare Zedek" in der Hem-y-atreet; wo der Gottesdienst abgehalten wurde, Zutritt;u erlangen, und die Polizei war gezwungen einzuschreiten, um die benachbarten Straßen für den Verkehr freizuhalten. Die Juden nahmen das Eingreifen der Schutzleute übel auf und es entstand für kurze Zeit ein kleiner 'Aufruhr. Die Polizisten mussten, um sich zu schützen, von ihren Clubs (Gnmmistöcken) Gebrauch machen, sodass viele der Theilnehmenden erheblich verletzt wurden. Die Juden begannen Nachts sich in der Henry-street und Umgebung zu versammeln, und bei Tagesanbruch waren volle sünfzigtausend zugegen. Die Zahl nahm beständig zu, und um 8 Uhr Morgens waren es einhundertausend Männer, Frauen und Kinder, Alle in Schwarz gekleidet, welche näher und näher zu dem Gotteshause zu dringen versuchten. Die Henry-street ist nicht mehr als eine halbe Meile - lang und sehr eng, sodass ein großer Theil die Bowery einnahm und daselbst die Wagen der electrischen Straßenbahn zum Stocken brachte. Die Juden sangen Klagelieder in hebräischer Sprache warfen sich auf die Erde nieder, schlugen sich gegen den Kopf und beteten im Chorus. Es wahr das rührendste und zugleich malerischste Ereignis, welches die Rew-Porker wahrscheinlich je gesehen haben. Es war eine ganze Stadt, welche ihren erlauchten Toten begrub. Tausende von Zuschauern waren in den benachbarten Straßen zusammengeströmt. Fast unmöglich war es, den Leichenwagen durch die Menge zu führen. Endlich gelang es, denselben hindurch zu schaffen, aber erst mit Hilfe der Polizei, welche um diese Zeit herbeigerufen worden war und die Trauertheilnehmer zerstreute. Fast jeder Jude in „Klein-Israel" („Little Israel") — der Name der jüdischen Niederlassung in New-Pork — war bei dem Leichenbegängnis zugegen, und sie verrichteten den ganzen Tag keine Arbeit. Es waren lauter arme Leute, indem die reichen Juden sich damit begnügt hatten, einen Trauergottesdienst in ihren eigenen Synagogen in anderen Theiien der Stadt abzuhalten. Sr^lärung! Infolge an mich gelangter zahlreicher Anfragen von ehrwürdigen Rabbinen und Kaufleuten des In- und 2luslandes sehe ich mich zu der Erklärung veranlasst, dass die Untersuchungen bezüglich der Verwendung von verbotenem Fett bei der Erzeugung von Hefe noch nicht abgeschloffen find und das Resultat seinerzeit bekannt gegeben werden wird, ebensy wie die ju treffenden Maßnahmen. Wien, im Monate 2lb 5662. S. Fürst, Rabbiner der „Adass Jbroel- (Schiffschule).

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