Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 31 (8.8.1902)
- Date
- 1902-08-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 31 Die Wahrheit. Seite 7. -gnädigsten Herrns wegen der Jl. O. Regierung hiemit anzu-! zeigen. Es seye Dorgetommen: daß Juden dahier Garkuchel j -haben, deren eine im Ofen loch, und theils in Vorstädten seyn? solle, und daß sonsten viel bemeldter Juden ohne gnädigster; Verwillignng sich dahier auffhalteu Wann rinn dieses Ihrer! Kayserl. Majestät allerguädigften Befehl zuwider lauffet; Als ^olle Regierung verordnen, daß die Garkuchel abgestellet, die! Juden und Jüdinen so ohne Paß herumb vagiren, mit dieser. CJommmatiou hinweg geschasset werden, daß sie auff weiters : Betreten sich der Leibs-Straff unterwerffen wurden. Im übrigen ist an dem Kayserl. HoffKriegs-Rath ergangen, daß man bemeldten Juden zur vermeinten Sicherheit keine i Soldaten aäfungiren solle. Wird solchemnach Regierung ihres Orths das gebührende zu verfügen wissen. ' 29. Julii 1699, Anden gefangene. Von der Rom. Kaiser!, auch zu Hungarn und Böheim König!. Majestät Ertz-Hertzogeu zu Oesterreich rc. unsers allergnädigsten Herrs wegen, durch die N. O Regierung Herrn Land-Marschallen biemit anzuzeigen. Es seye Herrn Stadt- Obristen allhier auffgetragen worden, daß derselbe alle von Ofen hicher gebrachte Juden, so wohl Mannals Weibs- Perfohnen, in ein gewisses Hauß vor der Stadt zusammen dringen, biß auff weitere Ihrer Kayserl. Majestät, oder deß löblichen Hoff-Kriegs-Raths Verordnung in Verwahrung halten lassen, dessen kossessores aber mit ihren etwa habenden kraetensionen an crst-vermeldten Hoff-Kriegtz-Rath verweisen solle. Wann nun gedachter Herr Sladt-Quardi-Obrister darauff erinnert, daß derley Juden und Jüdilmeu sich auch zum theil in Häusern, so dessen Jurisdiction unlerworsfen, befinden tchäten, und mehr höchst erneut Jhro Kayserl. Majestät unterm 16. diß allergnädigst anbefohlen, gehöriger Qrthen . die Verordnung ergehen Massen, damit, wo dergleichen Juden und Jüdinen sich etwa in dessen Jurisdiction untergebenen Häusern befinden, selbige auff Begehren mehr besagten Herrn Stadt-Quardi-Obristen, oder dessen bestelten, welchen derselbe hierzu verordnen wird, zu dem Ende unverweigerlich außgefolgt werden sollen. Als hat man ihne Herr Land-Marschallen dessen zu Fürkehruug deß weitern hiemit nachrichtlich erinnern wollen. 18- Octobris 1686- Auden Iahrmärckt 1?i'6^u6ntii'uuK. Daß vw Mährisch-Schlesisch- und Boheimische Juden^ schafft die Oesterreichische Jahrnrärckt jenseits der Donau Euchen und treyuentireu mögen. Resolutlo. Der R O. Regierung und Cammer widrMüd zuzustelleü, und haben Jhro Kays. Majestät gnädigist resoiVitt und bewilligt, daß die ausländische Juden so von der Stadt ÄRelni und dem Land Oesterreich unter der Ennß nicht weggeschafft worden, die Iahrmärckt zu Krembs, Laa, Rötz und Mistelbach, biß auff Ihrer Majestät gnädigigstcs Wohlgefallen besuchen, und ihre Handlungen alldorten nach Kaussmanus-Art auffrichtig treiben mögen; jedoch dergestalt und mit folgend außdrucklicheu Bedinguuffen: daß Erstlich auff selbige Jahrmarckt koulmende Juden, alldorten sich länger nicht als von Anfang biß zu Ende deß Marckts auffhalten: Andertens, Jud für den andern tu seinen Handlungen zusteheu, uud also die Repressalien o^itc Uulerschied gegen dieselben gebraucht werden möchten: Drittens, keinem Juden, so hierüber nicht absonderlich prrrilegirt, erlaubt seye. nach Elen und Gewicht zuverkauffen, sondern allein Stuckwe ß und all ingrosso zuhandeln; Worüber nun sie Reglern» Z und Cammer dre weitere gehörige Nothdurfft zuverodueu. ' 28. Jstnü 1673. (Fortsetzung folgt.) Vas LadWchgeder. Bo« Bernhard ZKoeweathak. (31. Fortsetzung.) „Ich bin sremd hier — " kam es dann stoßlveise von seinen Lippen — „ich bin —- das heißt — mein Rame ist 2üild das hier", er wies mit einer leichten Bewegung gegen das kleine Häuschen — „das hier ist mein Elternhaus^. Der weise Alte begriff und verstand vollkommen die Bewegung des jungen Mannes und die Situation sofort erfassend, sagte er zu Leon: „Sie sind also sremd im Orte und bekannt im Hause hier, wenn Sie also mit der Gastfreundschaft eures alten Mannes zufrieden sind, so bitte ich Sie, bei mir zu bleiben!" „Ich danke Ihnen, Herr"- R-ihbl Eli Feith, ist meine Name", lächelte der Grers, MIHI füjte ev hin-«: ,®*SS«n Si- '»ich aber >!«r. wie all- Anderst T?*i Orte, Reb Eli l' Eine ältere Magd trat aus dem Hause. „Marnschka". ries ihr' der Rabbi zu, „der Herr ist unser Gast, sage Esther, dass wir Besuch bekommen haben!" Dann gingen die beiden Männer ins Haus hinein. Wie wunderten sich Jacob Gntkind und auch Frau Erua, als sie hlötzlich aus einem kleinen Nestchrn „da in der Provinz* mit einemmal einen vier Seilen langeir Brief erhielten, der im Großen und Ganzen ihnen sagen sollte: „Ich bin seit 14 Tagen in Europa, habe das Grab meiner Eltern besucht, will von der Großstadt nichts wissen, und wenn Ihr mir einen großen Gefallen thnn wollt, so sendet mir mein Instrument, meine Noten, Bücher und auch wolverpackt das Bildnis meiner Mutter. Ich freue mich, dass Alice und David so glücklich sind, wie sie es verdienen, und bitte Euch, beide ans das Herzlichste zu grüßen. Ich wohne im Hanse meiner Eltern, P. Adresse Rabbiner Elias Feikh." , Unterzeichner war das Schreiben mit „Leon Wild" und j zwischen den Zeilen lag nicht mehr solche Zerrissenheit und Unruhe wie in den früheren Brieten ans den asiatischen Wildnißen! oder den sonnigen Gefilden Italiens. Als Erna Gutkind den B'.ies zu Ende gelesen hatte, sah j sie ihren Gatten an — als ob sie sagen wollte: „Päh! Bei > einem Rebbe wohnt er und dieser Rebbe ist noch nicht einmal! Doclor — nu, mög' er glücklich werden, hier hätte er berühmt i werden können". _ Jacob Gntkind aber sagte lächelnd zu seinem Schwiegersöhne: „Jetzt wird er gesunden, und wenn wir nach langer Zeit ihn einmal Wiedersehen werden, wird er ein Anderer sein an; Leib und Seele". „Gebe Gott, dass er auch glücklich wird", erwiderte David j Regun, „dann erst werden auch wir es ganz sein können!" - Alice fasste die Hand ihres Galten; hast recht! Davids sägte sie leise, erjl dann kann mau ganz zui frieden sein, wenn Man alle diejerngen. die ntan wahrhaft gerne; hat, ebenfalls glücklich weiß!" 1 * I Einige Monate schon wärest vergangelt. Der Sommer mit - feinest glur^ißen^ Tagen, mit seinen lauen Rächten, dem! Schwirrest und Surren, dem Dust und' L-rchenwirbel in dett! Lüsten, war dem jugeudsrischen Lenze gefolgt. Eine satte Reise lag ans der herrlichen, üppigen Gottesnatnr und überall sah j man schwankende gelbe Felder und schwerhängende Aeste. Leon Wild' dächte gar nicht daran, das kleine Städtchen zu verlassen. Im Hanse des Rabbi, in dessen Gesellschaft un> derjenigen der schlanken Esther fühlte der Componist sich ruhiger und wohler, als seit langer, langer Zeit. Wie ein schwerer Träitm lag nur noch die Erinnerung an jene Tage in der Residenz auf seiner Seele und auch mit seinem Gott und Glauben hatte er noch nicht ganz Frieden! gemacht. (Fortsetzung folgt.)