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Die Wahrheit · 1902-08-08 · Heft 31 (8.8.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 31 (8.8.1902)
Date
1902-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit. Seite 5. Nr. 31. Rb. Zehuda — der Lehrer des Mifchuahredactors — und die ' Weisen über deren Sinn getheiltr 'Ansicht *) auistellen.! In Peßachim Fol. 43 werden eine Anzahl von Stoffen; namentlich anfgeführt, welche unter das Verbot des Gesäuerten i «inzubegreifen sind. Es folgt darauf die allgemeine Regel, auf j Grund welcher auch die vorangehenden Einzelheiten hätten be- > stimmt werden können. S.bou Rabbi Jehauschua — der, wie oben bemerkt, dem Zeitalter augehörte, welches die Zerstörung des Tempels miterlebt hat — erörtert die Frage, weshalb der Miichnahtext diese umständliche Art der Darstellung gewählt hat. Das beweist jedoch, dass derselbe ihm bereits in der uns vorliegenden Form aus viel älterer Zeit überkommen war. In gleicher Weise bestand über den Sinn der Bestimmung *jma2 rtfW W in Peßachim I, 1 bereits zwischen dem Lehrhause Schammais und dem Hillels eine Meinungsverschiedenheit. Es ist daher ohne weiteres einleuchtend, dass die diesfällige Mischnah um Gellerationen älter sein müsse als diese. Tanijoih II, I liefert eine Darlegung über diese Ordnung, nach tvelcher der Gottesdienst bei einem öffentlichen Fasten abzuhalie» ist. Unter anderem wird dort erlvähnt: "ioy D’2ni21 i"2x wm\ iwn wnsi naw '22 by nbpa „dass Al che auf den Thoraschi ein, wie auch ans das Haupt des Nassi und des Vorsitzenden im hohen Rathe gestreut werden solle." Schemaja und Abtaljon waren aber die letzten, welche nebeneinander diese beiden Würben bekleidet haben. Zn späterer Zeit würde ein Lelrtext nie Würdenträger aufführen, die es bei dessen Abfassung nicht gab. Die Abfassllng der hier in Rede stehenden Gruppe von Mischnoth ist demnach spätestens um 80—100 Jahre vor Beginn unserer bürgerlichen Zeitrechnung auzusetzeu. Beiläufig sei hier erwähnt, dass im Zusammenhang dort nicht blos unser tägliches „Achtzehngebel", 'sondern auch die großen und wahrhast erhabenen Hymnen, welche den besonderen Einschlag des Neujahrsgebetes bilden, unter dem Namen 12V rmrDlIni'oSö als allgemein bekannte Dinge erwähnt lverdeil. Die diesbezüglichen Gebete müssen demnach damals ^bereits allgemein verbreitet, ihre Abfassung jedoch weit älteren Datums gewesen sein. Zn Kethuboth I,! lesen wir ln D’*?m2 fl2J?ö b '\1 DXti> doilselbst II, 4 my by jaxj dtk fw; Erub. IV, 3 bw ■'121 bvnb D'XXI’n; Bezog I, 2 Sin pia m'3 -QXlf; Zodajim I, 2 O'Sd aba Din bs TO ffwca J'Xfc* Zn all den gena,Ulten Fällen handelt es sich nur eine Erweiterung des vorangegangeneu Gedankens. Der Satz hätte daher folgerecht unter Gebrauch der Eonjuction „r angejchlossen werden müssen, es geschieht jedoch sondei barer Weise unter dem ein begründendes Satzverhältnis einführenden — tp. Es kann dies nur daher rühren, dass der Redaclor unserer Mischnah diese Sätze einem älteren bestimmt gefügten Texte entnommen, dieselben jedoch absichtlich unangetastet in der ursprünglichen Gestalt belassen hat. Dies wird auch durch andere Thatsachen, ans welche Halevi *) in seinen nettesten bahnbrechenden Forschungen hingewiesen hat aufs glänzendste erhärtet. Schon Rb. Zebnda hanassi hat sich, wie >m Jeruschalmi zur Stelle berichtet wird, 'Veranlasst gesehen, besondere Erhebungen darüber zu pflegen, ob in dem Lehrtext des V. Cap. in Maassei* scheiii von 212 Hder von '3)21 3?a2 die Rede fei, was für die Auffassung und Anwendung des betreffenden Gesetzes von der allergrößten Tragweite ist. Es ergibt sich daraus, dass die Aufgabe des Rabbi Zehuda hanassi llicht sowohl darin bestand, neue Lehrtexte zu schaffen, als vielmehr die ihm i'ibeifommeiien zu sichten und nach bestimmten Gesichtspunkten zu größeren Ganzen zu vereinigen. Der gleiche Sachverhalt obwaltete bei Feststellung des Textes der Mischnah Grübln Fol. 53. Wenn wir nach dem Berichte, der sich hierüber in dem Sendschreiben des Gaon Rb. Scherira findet, die fehlerhafte Leseart in unserer Gemara verbessern — so ergibt sich, dass bereits den Redaktor der Mischnah die Frage beschäftigte, ob in dem überlieferten Texte p2ya oder |'i2«a *) Bergl. hierüber Jsak Halevi's vorotd dorisolrouim H. Bd., L Theil, Cap. 22 u. ff., wo zahlreiche Nachweise der gleichen Art aufgesührt werden. *) A. a. O. S. 82 und 97. zu lesen sei. Wie sich aus dem Berichte des Zerufchalmi zur Mischnah am Anfänge des Capitels Hamaphkid im Traktate Baba meziah ergibt, wurde dieselbe bereits von Rb. Zehuda — dem Lehrer des Mischuahredaktor — in öffentlicher Lehrerversammlung erörtert. Unter den Anwesenden befand sich auch letzterer, und es entspann sich aus diesem Anlasse ei,re lebhafte Discussion zwischen Lehrer und- Jünger über derelr Auslegung. Ueber den Mischnahtext Zebamoth Fol. 81 verhandelte bereits, wie daselbst Fol. 84 berichtet wird Rb. Zehuda hanassi mit seinem Lehrer Rb. Elasar b. Schamua. Rabbi Simeon b. Gamaliel — der Vater der Mischuaredaktors — beweist aus dem Umstände, dass die Mischnah Kelhubokh Fol. 52 in ihrem Texte den Ausdruck Jini' „erben" und nicht p2jr „nehmen" bietet, dass in der iu Baba batbra zwischen den Weisen und Rb. Jochanan b Baroka stritigeu Frage die Eutscheidnug nach der Ansicht des letzteren zu treffen sei. Jochanan aber war ein Jünger des Rb. Johauschua. dessen bereits öfter gedacht worden ist. Wenn von Rb. Simeon b. Gamaliel der Lehrtex: der erwähnten Mischnah in Kethuboth als entscheidende Instanz herau- , gezogen worden ist, so war dies nur dann zulässig, toeitu deren | Text bereits einer früheren Zeit augehorte. Es ergibt sich uns! demnach, dass in der Mischnah in Kethuboth ein rechtskräftiger i. Beschluss des jerusalemüischen Synhedriums vorliegt. (Fortsetzung folgt.) Die jüdische Auswanderung nach Amerika. Zu der Generalversammlung der „Gesellschaft zum Schutze; der jüdischen Einwanderer", die im vorigem Monate in i Philadelphia flattfand, wurde wie alljährlich vom Präsidenten i ein eingehender Rapport über die jüdische Einwanderungs-! bewegung nach Amerika erstattet, der für die weiteste jüdische! Oeffentlichkeit von hervorragendem Interesse ist und nach eitlem! Berichte der „Jnd. Presse" iu Berlin im Nachfolgenden aus-; züglich wiedergegebeu werden soll: Die Gesammteinwanderung betrug vom 1. Juli 1900; bis znln 30. März 1901: 562.868 Seelen, darunter 58 098 j 10y4 pCt. Jlldett, vom 30. März 1901 bis 1. April 1902: 313.935 Seelen, darunter 22.250 7l/3 pCt. Juden. Z,n vorhergehendem Jahre (1899/1900) belief sich der Antheil oer Juden an der Einwanderung auf mehr als 12 pCt., nämlich auf 67.000 Seelen. Es ist also eine nahmhafte Abnahme zu constatiren. Am gellauesten sind natürlich die Ziffern, die sich auf die Einwanderung über den Hafen von Philadelphia beziehen. Dieselbe fiel im Jahre 1900 1901 gegen das Vorjahr ' um 11 pCt., iu absoluten Ziffern von 3870 auf 2223 Seelen. In den sechs Monaten vom 1. October bis 30 März d. I. l stieg die allgemeine Einwanderung um 42 pCt die jüdische fiel! um 20 pCt. auf 915 Seelen. Von den 2253 Glaubeusgenossen! die iu Philadelphia landeten, kamen 76 pCt. aus Russland.! 10 pCt. aus Rumänien, 8 pCr. aus Galizien, je 3 pCt. aus Ungarn, England und Deutschland. Aber fast alle aus den! beiden letztgenannten Ländern Gekommenen stammen tharsächlich! aus Russland, Rumänieuoder Galizien. Rach einer Regiernngs-! staliftik, welche indessen nicht sehr zuverlässig erscheint, bildeten | die Juden einen Bruchtheil von 11 '/2 pCt. der österreich-nnga-! rischen Einwanderung, 4 pCt. der russischen, 13 pCt. der | deutschen Einwanderung. Dagegen waren im Jahre 1900—1901 I unter 7155 Rumänen 95 pCt. Judeli. 3 pCt. Rumänen, 2 pCt. Deutsche, in den letzten 10 Monaten von den 5871 ans Rnmäuien Jmmigrirten sogar 99^2 pCt. Juden. Die jüdische Ans vandernng aus Russland nach den Vereinigten Staaken hat im Durchschnitt der letzten Jahre, verglichen mit der Ziffer der jüdischen Bevölkerug des Czareureiches, etwa 2/z pC. erreicht; das gleiche Verhältnis gilt auch von der jüdischen Emigration aus Oesterreich-Ungarn und der israelitischen Bevölkerung dieser Staaten Dagegen sind in den Jahren 1899—1900, 1900—1901 rurd 1001—1902 je 3 pCt. der Jiraeliten Rumänien nach der gaftliche»t Union ausgewanoert, ungerechnet die zahlreichen Juden arrs den Oonauländeru, welche

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