Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 30 (1.8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Die Wahrheit. Nr. 30. ein gewisser Mordechaj, der den Beinamen Petachja führte, i Wie aus Menachoth 64 d ersichtlich, griff derselbe bei dem Bru-! -erkämpfe zwischen Harkanus und Aristobulos ein. Die Abfaffung ' des Traktates Schekalim muß daher spätestens auf die Zeit 70 j vor der üblichen Zeitrechnung angesetzt werden. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Renaissance. Es ist wahrlich hoch an der Zeit, dass die liebe Borj sehung uns neue Ziousredner bescheert, denn wir leiden förmlich j au Reduerdürre und deshalb liegt auch das zionistische Gefilde > gariz brach. Seit kurzer Zeit weilt nun hier in Lemberg Her: Dr. Rüben Knopping, ein hervorragender Zionist, welcher seine Liebe zu Zion nicht aus modernen Zeitschriften, sondern aus dem Urquell des Judenthums, der heiligen Lehre und der talmudischen Wissenschaft, geschöpft hat. Selbst von dieser Erlösungsidee durchdrungen, spricht erauch zum Bruderherzen so warm überzeugend, dass man ihm gern und willig folgt.! Herr Dr. Vierer vermochte nun den genannten Gast zur Ab-! Haltung eines Vortrages im Vereine Dorsche Schlom Zion : zu bewegen, wobei der Redner das lehr- und inhaltsreiche j Thema „Die Renaissance des Judenthums" eingehend be-! handelte. Ein knapper Auszug aus diesen hochinteressanten Ausführungen dürfte den Lesern dieses Blattes gewiss willkommen sein. Mit einer Charakteristik des Judaismus im historischen Sinn-' einleitend, stellte Dr. Knopping zunächst die Fmge, ob! das Judenthum überhaupt den Anspruch auf eine Renaissance! erheben dürfe. Nach entschiedener Bejahung dieser Frage i legte der Redner nun dar. dass die Renaiffance in folgenden! Punkten bestehe:! 1. In der Belebung des jüdischen Ideals in echt biblisch i prophetischem Sinne. 2. In der Belebung des jüdischen Gefühls. 3. In dem Abstreifen des physischen und geistigen Galuth- - joches. ' 4. n der Wiederjudaisirung der Lebensart aller) Schichten! _ unseres 'Volkes in allen Situationen; dies sei um so dringender,! als die Assimilation jedes jüdische Bewusstsein und Gehaben aus den jüdischen Häusern zu verdrängen sucht. 5. In der Hebraisirung unseres Volkes, als einzig denkbares Bund aus jüdischem Geiste gewoben und geeignet, die zerstreuten Glieder Israels zu einigen. 6. In der Solidarisirung oder Weckung der Gemeinbürgschaft, als unseren uralten jüdischen Rettungsanker. 7. In der Cent!alrsirung aller unserer geistigen, physischen und finanziellen Kräfte, 'die allein im Staude sind, unsere nationale Einheit hervorzuzaubern. 8. In der Schaffung eines neuen, sozusagen altprophetischeu Typus (Urtypus). — Und als Resume aller dieser Gedanken stellt Redner die Hebung des nationalen Bewusstsein hin. Den Charakter des jüdischen Renaiffance schilderte Herr Dr. Knopping folgeudermaßey: Sie darf nicht ein Abklatsch dev europäischen sein, d. h. ein Flickwerk aus fremden Cultureu, sondern -sie muß auf ihren eigenen Ursprung (Bibel und Talmud) zurückgehen. Also in echt jüdischer Weise, durch jüdische Quellen zur jüdischen Renaiffance. Was ist jüdische Renaiffance? Jüdische Renaiffance ist somit jüdischer Nationalismus und das Streben nach Erreichung aller kosmopolitischen Weltideale auf Jesaja'irischer Basis. Echte Gleichheit, beglückende Freiheit, wahrhaftige Nächstenliebe. Zur Erschöpfung seines Themas warf der Redner noch die Frage auf: „Wo und wie soll jüdische Renaiffance stattfinden?" Die Antwort auf die erste Frage konnte selbstverständlich nicht anders Lauten, als Zion mit seinem vom Blute unserer Vorfahren geheiligten Boden. (Donnernder Applaus.) Die zweite Frage beantwortete Dr. Knopping dahin. dass im Herzen unseres Volkes ein Heiligthum Mikdasch m«at zu errichten sei. Die Antwort auf die Schlussftage: „Was lehrt uns die jüdische Renaiffance?" lautete kurz und bündig: Arbeit und Selbsthilfe. Unter allgemeinem Applaus des dichtgedrängten Auditoriums, das trotz der großen Hitze durch fünfviertel Stunden gespanm lauschte, schloß der Redner seine Ausführungen und musste dem Publikum versprechen, wenn möglich, nächstfolgenden Sabbath über Zionismus zu sprechen. Ihr Referent theilte die Ovation mit dem Redner, weil er es verstanden hat, nach so langer Zeit endlich einen jüdisch durchgebildeten Redner auf das Podium zu bringen. Der Wunsch, dass unser Gast seinen Wohnsitz in Lemberg nehme, wurde allgemein laut und wollen auch wir das Möglichste hiezu beitragen, um Herrn Dr. Knopping in Lemberg zu bannen. Um aber doch auch die Recensentenpflicht in partibus Unberufener zu erfüllen, möchte ich die Renaissance nicht blos als Mikdasch meat in der kleiner Klause der Vierkammer und nicht allein in dem engen Kämmerchen des Oberstübchens festsetzen, sondern auch in den Bureaus geldstrotzeuder Cassen und schließlich — achron achron chowiw in den Gefilden unseres gottgesegneten Judäa Lemberg, im Thamnß 5662. D r. Rüben Vierer. Zur Presshefe-Erzeugung. (E i n g e s e n d e t.) Goisern, den 28. Juli 1902. Löbliche Redaction! Zur Richtigstellung der in Nr. 28,. Seite 5 Ihres geschätzten Blattes gebrachten Notiz über Presshefe erlaube ich mir folgendes zu bemerken. - ' " Bei der neuen Methode der Hefesabrikation kommt cs durch die starke Lüftung der Würze zu einer reichlichen Schaumbilduug, und würde der Schaum trotz des großen Steigraumes der Gährbottiche überfliegen, wodurch Verluste eutständen. Durch Aufspritzen vou Oel oder Zugabe minimaler Mengen von geschmolzenem Fett wird diese Schaumbildung verhindert, resp. der Schaum zum Sinken gebracht. Diese Wirkung ist eine physikalische und har mit der Ausbeute nichts zu thun. Man verwendet nur vegetabilische Oele und Fette, zumeist Cocosfett. Das Fett wird von der. Hefe nicht ausgenommen, schwimmt vielmehr aus der Oberfläche der Würze, während die Hefe zu Boden sinkt uud nach Abziehen der vergohreueu Würze gepresst wird. Ferner wird manchmal, um das Pfunden der gepressten Hese zu erleichtern, derselben ca. */4 o]0 Fett, aber immer nur Cocusfett, beigeiügt. Thierische Fette haben alle einen specifischen Geruch, welche der Hefe auhasteu würde, und man verwendet daher, ganz abgesehen von.den sehr ins Gewicht fallenden geschäftlichen Gründen, des jüdischen Publicums halber auch, aus diesem Grunde nur vegetabilisches, geruchloses Fett. Hochachtungsvoll A. M a r b a ch Techn. Consulent für Presshefe- und Spiritus-Fabrikation. Die Juden und der Talmud. Bon Israel Singer, emerit. Lehrer in S. A. Ujhely. IV. Von den vielen Stellen im Neuen Testamente, in denen die Lehren des Talmud zum Ausdruck gelangen, dürfte hier eine anznführen genügen. Der Apostel Paulus, der sich wiederholt einen- Pharisäer nannte, schrieb an Timotheus (I., 5,17) t ,,Die Aeltesten, die wohl vorstehen, die sind der Ehrung doppelt werth, besonders die da sich abmühen im Worte und im Lehren. Denn es spricht die Schrift: Du sollst dem Ochsen, wenn er drischt, nicht das Maul verbinden (V, B. M. 24, 4) und ein Arbeiter ist seines Lohnes werth. (S. I. Cor. 9, 9 uud Luk.