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Die Wahrheit · 1902-08-01 · Heft 30 (1.8.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 30 (1.8.1902)
Date
1902-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30. Die Wahrheit. Seite 5. -er überlieferte Lehrstoff hier und dort sowohl was den Inhalt, -als auch was die Form betraf, von ganz gleichmäßiger Beschassenhenheit gewesen sein musste. Nun wird doch wohl Herr Dr. Jakob selbst nicht euva zu behaupten wagen, dass in Babylonien ein Einfluss des Christenthums auch nur im Bereiche der Möglichkeit lag. War doch der Parsismus dort die herrschende Religion und das Christenthum «roch vollkommen unbekannt! In der Thal finden sich auch in beiden Talmuden zahlreiche Hinweise ans den regen Wechselverkehr zwischen den babylonischen und palästinischen Lehrhäusern in der Zeit, die noch weit vor der Entstehung unserer Mischnah lag. So berichtet Rabbi Akibä, von einer Reise nach Nehardea in Babylonien zurückkehrend, dass er dort von Nehemia ans Betdeli, der sich seinerseits wieder ans Rabban Gamaliel den I. — der noch zur Zeit des Tempels das Präsidium im hohen Rathe führte — berief, dass die Bekundung blos eines Zellgen hinreiche, um eine Frau der Ehepflichten für ledig und der Rechte der Wittwe für theilhaft zu erklären. (Jebauwth 115.) Chananja der "Brudersohn des berühmten Rabbi Josua den Chananja, beruft sich aus eine religiöse Ueberlieserung, die er kurze Zeit nach der Zerstörung des Tempels in Babylonien von einem greisen Gelehrten empfangen hatte, und welcher sein Onkel hinterher zugest mmt (Suceah 20.) Derselbe gründete daselbst in späterer Zeitf unmitttelbar nach der Zerstörung Bethars ein berühmtes Lehrhaus, lvelches während der noch immer fortdauernden Wirren in Palästina die Befugnisse des hohen Rathes in Bezug aus Feststellung des Kalenders vertrat. Zu gleicher Zeit wirkte Rabbi Jehnda den Berhara zu Ritibis (Berachoth 63, Synhedriil 32 und Jernschalmi Ep. I.'-*) Ebenso begegnen wir in der Umgebung des Rb. Elasar b. Schamua eines der ältesten Tanaim einem Gelehrten mit Namen Josef, „der Babylonier." Weiter lesen wir im Bablia Giltin 146 YiöK jsai „hier aber (b. h. in Babylonien) wurde gelehrt" u. s. w. Ebensd verrweist der Jeruschalml Anfangs Baba mezia .INE sVN .Tin NVN2 navl. „Dort (d. h. in Babylonien) wurde gelehrt." Wiederum wird in Jernschalmi Anfangs Rosch haschana darauf verwiesen, dass in 'Babylonieil der Brauch verbreitet sei, den Versöhnungstag gleich den übrigen Festtagen, zwei Tage hintereinander zu begehen. Einem ähnlichen Hinweis begegne»» wir im Jernschalmi Anfangs Makkoth. Endlich wird im Babli Kiduschin 656 rille Boraitha ailfgeführl werden, deren Ollelle der Jeruscyalmi Anfangs Baba mezia bildet. In Tanioth 15a werden Erörterungen über die Grundlage eines religiösen Brauches angestellt, dessen ausschließlich im jerusalemischen Talmud gedacht wird, wie dies schon Raschi zur Stelle bemerkt. Ebenso nimmt unser babylonischer Talmud (Rafir 206) auf eilte Lehrmeiuuug Rabs Bezug, die ihrerseits — wie Raschi z. St. bereits bemerkt — nur im jerusalemischen Talmud sich siudet. In Nedarim Fol. 3 findet sich eine ausdrückliche Bezugltahnle auf -en jerusalemischen Talmud, wie dies im Commentare des Ran zur Stelle des Näheren nachgewiesen wird. Das allein lväre schon hinreichend, um die Bermessellheit des Herrn Dr. Jakob gebührend zu kennzeichnen, die es ihn unternehmen lässt, mit; Dollständig aus der Lust gegriffenen Behauptungen das ganze - Judenthum einfach aus den Angeln zu heben. Es hieße denselben demnach zu viel Ehre erweisen, wollte ich nur in Rücksicht auf sie llnsereu Gegenstand weiter erörtern. Gs geschieht dies vielmehr — das sei hier behufs richtiger Würdigung meiner Steüungsnahme erklärt — um der Sache selbst Willen, welche die Aufmerksamkeit weitester jüdischer Kreise verdient «nd die ganz im Gegentheil nur dazu angethan ist, die geschichtj Jidje Treue und Zuverlässigkeit unserer religiösen Ueberlieserung! in dem aUergünstigen Lichte erscheinen zu lassen. > f Schon einige Jahre nach der Zerstörung Jerusalems, etwa j um 80 der üblichen Zeitrechnung — zu einer Zeit also, wo es; iloch keine einzige der gegenwärtigen neutestameutliche Schriften Aab — wurde aus Anlass der Einsetzung des Rb. Eliefer b. Asarja zum Nassi eine große Akademie veranstaltet, in welcher 2) Vergleiche auch hierüber die Ausführungen Jsak Halevis re. rc.; O. S. 190—204. der ganze Traktat Edujoth und die letzte Partie des Traktates Jodajim zu endgiltigem Abschluss gebracht wurde. J,t Ansehung ihres Inhaltes bilden die gedachten Lehrpartien eine Ausnahme gegenüber allen sonstigen Mifchnatraktaten. Dieselben erstrecken sich über die verschiedenartigsten Stoffe, so dass hier Fragen aus fast iammtlichen Lehrgedieteu des weitverzweigten Ueberliefernngsstoffes mindestens gestreift waren. Würden uns beispielsweise durch irgend einen außer aller Berechnung liegeden Zufall alle anderen Traktate der Mischnah bis auf die erwähnten verloren gegangen fein, so wäre jeder Forscher auf Grund dieser im Stande, deren einstiges Vorhandensein mit aller Sicherheit zu erweisen. Was jedoch die Herkunft des Stoffes betrifft, so werden hier Lehrsätze verzeichnet. deren Formulirung theilweise auf Schammai und Hillel (I, 1 u. 2), theilweise auf Akabja b. Mahalallel (Y, 6—7), der vor den erstgenannten anzusetzen, theils ans Schemata und Abtaljon (I 3. wobei sogar die besondere dialektische Färbung ihrer Aussprache feftqehakten wurde), theilweise auf Jose b. Joeser aus Zereda (VIII, 4), zum Theil endlich auf die Nachfolger Schammai und Hillel's (I, 7—14 u. IV, 1—Yf 5). Diese Aufstellung zeigt, dass wir hier mit Jose b. Joeser in unserer Tradilionsreihe bis auf'die vormakkabäische Zeit zurückgreifen. Betont muss jedoch ausdrücklich werden, dass es sich hierbei nur um die Formulirung der betreffenden Lehrsätze und den Gewährsmann ihrer Zuverlässigkeit handelt. Was den Inhalt betrifft, so ist er von den genannten Weisen keineswegs erst neu ermittelt, oder gar aus den Fingern gesogen worden, — sondern im Wege der Ueberlieserung auf sie gekommen. Derselbe ist demnach weit älteren Ursprungs. Wie weiters ans dem Berichte in Horijoth Fol. 13 hervorgeht, war der Traktat Ukzin bereits zur Zeit des Rb. Schimeou b. Gamliel — des Vaters des Rb. Jehuda hauassi, der die Mischnah eudgiltig redigirt — abgeschlossen. Der umfangreiche Traktat Ketim schließt mit der Lobpreisung des Rabbi Jose: .Tinea nxm nrwiva nojaitp n^a naoö -pttw „Heil dir. Traktat Kelim, der mir »Unreinheit" eingesetzr und auf „Reinheit" hinausgelaufen." Der hier erwähnte Rb. Jose war einer der Lehrer desvMiichnahredaktors, der in Reoe stehende Traktat muß demnach schon ihm in der gegenwärtigen Form Vorgelegen haben. Rb. Eliefer d. Jakob, der noch zur Zeit des Tempels lebte, har. wie aus Joma 16a berichtet wird, den Traktat Middolh abgefaisl. welcher die Anlage und Einrichtung des Heiligkhums zu Jerusalem eingehend beschreibt. Wie aus Joma 146 zu entnehme»», »var Rb. Simeon aus Mizpah Versager des Traktates Joma. Ebenso rvie eine kritische Untersilchuug des Stoffes dieie Ueberlieserung a»»fs glänzendste recht'ertigt, ebenso ergibt sich jedoch ans diese»»» Wege, dass das letzte Capitel eine Ausnahme hiervon bildet. Dasselbe bezieht sich nicht »vie die übrige» aus den heiligen Dienst im Tempel, sondern au» die allgemein am Verjöhnungstage zu beobachtenden religiösen Bo.schrifteu. In der uns vorliegenden Form dürfte dasselbe erst von dem Redaktor der Mischnah unserem Traktate augefchlosseu worden fein. Jene aber »varen, wie eine aufmerksame Beobachtung des Textes zeigt, ursprünglich äazu bestimmt, den Juden der Diaspora an der Hand der Beschreibung des heiligen Dienstes einen geeigneten Gegenstand zu frommen Betrachtungen a»n Bersöhnungstage zu bieten. Der hier genannte Verfasser »var ein Zeitgenosse . des Rb. Gamaliel des Aeltereu — dies ergibt sich a»ts Peah 11, 6 — und lebte geraume Zeit vor der Zerstörung des Heiligth»»ms. Der genannte Simeon batte aber, »vie 'aus der ungezogenen Stelle in Joma hervorgeht, seinerseits eine» abgeschlosse- »ten Text des Traktates Tamid bereits vorliegen und hat denselben bei der Abfassung des seiuigeu auch schon ben»»tzt. Wir werdell kaum fehl gehen, wen»! wir dessen Abfassung spätestens auf das Jahr 30 vor der üblichen Zeitrechnung ansetzen. Aelter als beide ist der Traktat Schekalim. J»n A»tfa»tde des 5. Kapitels werdem nämlich die einzelnen Oberen für gewisse Dienftzweige erwähnt, »velche zur Zeit der Abfassung des hier in Rede stehende Traktates fungirt haben. Unter ^diesen erscheint auch

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