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Die Wahrheit · 1902-07-25 · Heft 29 (25.7.1902) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 29 (25.7.1902)
Date
1902-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wahrheit. Nr. 29. Letheuert er, dass er np n^'aa niemals außer Acht gelassen. Kein Geringerer als der große Taschbatz sagt von einem — langst nicht dem bedeutendsten Werte unseres Maimonides — dem rraron "ec —: „Beider Aufstellungen — sowohl die des Verfassers, wie die seines Gegners Nachmanides — sind kostbarer, als alles Gold, ein Jeder von ihnen bewährte sich hierbei in seiner gewaltigen Größe bezüglich des umfassendsten Wissens, denn beide Talmude standen vor ihnen bereits wie ein gedeckter Tisch. Ich habe mich mit diesem Werken befasst und erkannt, dass sie dem Eiusälligen geistige Ueberlegenheit verleihen. Wer verstälidig ist und den Talmud kennt, wird nach dem Studium dieser Werke erkennen, dass sein früheres Wissen ein Senfkorn nur bedeutete im Vergleiche zu dem durch das Studium dieser Werke erworbenen. Wenn Jemand jedoch tiefer in die Gegenstände, die Jeder von ihnen aus dem Talmud heranzieht, eindringt, — der muß sich alsdanrt wie ein neugeborenes Wesen vorLommen, er wird sich gleichsam wie von einem anderen Geiste beseelt fühlen, von dem Geiste nämlich, der von jenen auf überging u. s. w." Auch moderne Rabbiner sollten sich doch ein wenig mehr der Ehrfurcht besteißigen, wenn sie von unseren Größen reden. Durch ihre Rücksichtslosigkeit verurtheilen sie nicht diese, — sondern sich selbst nur. Es ist aber nicht Jedermanns Sache, ihnen hierbei mildernde Umstände — auf die sic nur auf Grund ihrer hervorragenden Unwissenheit Anspruch haben — stets zuzudilligeu. Wenn Herr Dr. Jakob meint, ein Satz wie der im Synhedriil p o’riön nmn pK aaiKn rt'iryh phn arh fw i*?ki B'Dtfn p min s'Kl minn müsse schon deswegen aus dem Lehrinhalte des Judenthums ausgeschieden werden, weil er im Munde eines Propheten ganz unmöglich wäre, so kann ich das durchaus nicht sinden. Zunächst stellt doch der gedachte nur eine Folgerung des ersten: Kan zbrjb pSn dhS SkiP’ hl. dar. Warum hat er denn seine Entrüstüllg nicht recht eigentlich gegen diesen gekehrt? Allem Anscheine nach scheint der seinen Beifall wohl zu sinden. Nun, wem der eine recht ist, dem muß der undere — billig fein. Tatsächlich sind beide Sätze in jenem Geiste gehalten, von welchem die Grundüberzeugungen unserer Propheten getragen sind. Es sei hier nur an jenerr Auftritt erinnert, den nach Kön. XII, 2 der Prophet aus Juda mit Jerobeam hatte, als dieser eben im Begriffe war, den Götzen seine Opfer darzubriugen. Er verkündete damals, dass dereinst aus dem Hause Davids ein "Mann hervorgehen werde, der auf eben diesem Altäre „Menschengebeine" verbrennen werde. Thatsächlich hat auch Josias nach Kön. XXIU, 16 mit den Gebeinen der Baalspriester nach dieser Anordnung verfahren. Bedenkt man, dass das Judenthum sMst dem Verbrecher, der srevlerisch sein Leben verwirkt hat, — nachdem er die Strafe über sich hat ergehen lassen, im Geiste der Versöhnung begegnet. Daher wird 5. B. M. XXI, 23 befohlen, seinem Leichnam jede Schändung zu ersparern und ih,n «och außerdem die Fürsorge einer menschenwürdigen Bestattung dnrch besondere Vorschrift gesichert. — Es erscheint somit jene Androhung um so unbegreiflicher. *) Verständlich wird die Sache nur, wen»! erwogen wird, dass der Verbrecher, nachdem der irdischen Gerechtigkeit Genüge geschehen, wieder in seine ursprüngliche Menschenwürde eingesetzt erscheint und demgemäß auch der ewigen Seligkeit theilhaft wird. Berräther der gedachten Art jedoch, welche die Heiligthümer Gottes um schnöden Soldes willen preisgegeben, — das jüdische Volk in Folge dessen zerrüttet und der innern Zersetzung wie nicht minder der äußerer» Auflösung zugeführt, — stehen moralisch viel tiefer, ols jene und haben für ein ewiges Leben keinerlei Berechtigung. Das sollte durch die rücksichtslose und gewaltsame Vernichtung ihrer letzten irdischen Ueberreste zum Ausdrucke kommen. *) Ausführlich habe ich mich über diesen Punkt * in meiner Abhandlung : „Die Leichenverbrennung vom Standpunkte des Judenthums gewürdigt"- welche im Jahre 1900 erschienen ist. geäußert. In gleichem Sinne lehrt Jes. LYI, 24 von derartigen Auswürflingen seiner Zeit vn naan ah dipki man ah anySin '3 itP3 W? fiKii «dass ihr Gewürm nicht ersterben, ihr Feuer nicht erlöschen und dass sie ein Entsetzen für alle Kreatur sein werden." In demselben Geiste Daniel: XII, 2ixp' iay naiK d'311 ohiy ps'i'ih nisifih nbai ahty »nb nhs. „Viele von denen die im im Staube des Erdreiches schlummern, werden erweckt werden — die einen zum ewigen Leben, die andern wiederum zur Schmach und zu ewigem Grauen." Wen er in dem einen und wen in dem anderen Falle im Auge hatte, das lässt sich nur aus der Gegenüberstellung im vorangehenden Kapitel V. 32 erschließen, Dort spricht er einestheils von nip^pS.ia spm mia Ttina t„der Bundesverrüthern, die durch gleißnerische Rede zum Abfall verführen," andererseits von it6k 'yip ay „dem Volke, das der Gotteserkenntnis zugethau ist." Ans den hier geäußerten Gedanken, ergab sich unseren Weisen mit vollem Recht die allgemeine Regel: nawn nwyS m stpsov s'K mam na K'vn.11 Kam? 72 hi „Wer sündigt und andere zrim Bösen verleitet, — dem wird der Weg zur Buße abgeschnilten," oder was damit gleichbedeutend ist, „er wird des ewigen Lebens nicht theilhaft." (Sotah, 47.) Besagt nun der Satz p* iaiK.i y'niyb'pbn anb jw i^'Ki matttt p min ]'Ki mmn p aran r mn etwas anderes^ Enthalt er doch nichts als eine Anwendung dieses Grundsatzes an s diejetzigen, welche ihre geistigen und ewigen Grundlagen zerstörend, der jüdischen Religion den Boden unter den Füßen abgraben und unser Volk in Folge dessen dem Abfall und dem Verderben in die Arme treiben. Wenn Herrn Dr. Jakob sich nun gar zu der Behauptung erkühnt, der gesummte Talmud stelle eine auf den Einfluß des Christenthums zurückführende Geistesrichtung dar, so waren es keinesweges Beweise irgendwelcher Art, die ihn dazu befähigt hatten. Eher dürfte für ihn die Erwägung maßgebend gewesen fein, dass er sich damit auf ein historisch sehr dunkles. Gebiet begeben, wo man vor Anfechtungen sich ziemlich gesichert glauben darf. Solche Ungeheuerlichkeiten jedoch sollte man sich auch hier nicht erlauben. Glücklicherweise besitzerr lpir in den 131 N'" nil'tl von welchem (Sabbat 13 b ff. und im Jeruschalmi z. St.) ausführlich berichtet wird, eine Handhabe zum Verständnis der damaligen Zeitbewegungen. Diese Verodnungen bilden in der That nicht nur, was ihren Inhalt, sondern mehr noch, was die Art ihres Zustandekommens betrifft, eine der^ räthselhaftefteu Erscheinungen in der gesammten Geschichte unserer Religion. Es genügt, an zwei Momente zu erinnern, um alle unsere Begriffe in die peinlichsten Verlegenheiten zu verwickelri. Auf der einer Seite die scheinbar unbegreifliche Rücksichtslosigkeit : ar ha Kr711 dmii man maa am uty* „Das Schwert wurde im Leyrhause aufgepflauzt und zwar mit der .Weisung: es darf ein Jeder hereinkommen — aber Niemand sich entfernen." (Sabb 17 a.) Wo ist es im Judenthum je erhört worden, dass man bei religiösen Anordnungen die Bajonette zur Hilfe gerufen hätte?! Andererseits wieder dieser einestheils verwegene und doch so vorsichtige Gebrauch derselben! Man wollte im Grunde, nur verhütet sehen, dass man sich gemächlich ans dem Staube mache, den Auseinandersetzungen, den Einwürfen jedoch mochten sie kommen von welcher Seite £ immer — war damit aus dem Wege zu gehen, keineswegs gemeint. Wenn man nun glauben sollte, diese gewaltsame Art des IZustandekommens jener Verodnungen wäre nur dazu angethan, ihre ^Berechtigung und demzufolge ihre Geltung in ein höchst zweifelhaftes Licht zu rücken, so belehrt uns Rabba bar Ghana im Namen Rb. Jochanans genau vom strikten Gegentheil: htolb Ta Sia* Saa b pyairj'K p"ai in^K Kia' i^ökp iai ipy miatip prr li'aVi Ta „Alle religiösen Anordnungen können unter gewissen Umständen von einer späteren Behörde wieder aufgehoben werden, mit Ausnahme der gedachten achtzehn Verordnungen. Selbst wenn der Prophet Elijahu mit seinem Rathe erschiene, um sie auszuheben, — darf ihnen keine Folge gegeben werden." (Aboda sara kol. 37.)' Hier muß doch entschieden irgendwo ein Knoten stecken, der noch nicht gelöst wurde! Es zeigt sich jedoch alles sofort in

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