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Die Wahrheit · 1902-07-25 · Heft 29 (25.7.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 29 (25.7.1902)
Date
1902-07-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29. Die Wahrheit. Seite 5. «Beleuchtung" etwas stärker beleuchtet. Zu dem Rundschreiben des Ausschusses sür die Gesammtorganisation der deutschen Juden heißt es ausdrücklich: „Die Gesammtorganisation will und wird das Bestehende währen, wohlerworbene Rechte nicht verletzen, wird die Befugniße der Einzelverbände nicht angreifen. Fragen des Cultus und des Ritus sollen ihrer Competenz überhaupt entzogen sein; grundlos ist die Befürchtnng, dass im Land der Zeiten ein Kirchenregiment sich entwickeln würde, welches die Strenggläubigen durch freigeistige Anschauungen oder die freiere Richtung durch den Geist starrer Rechtgläubigkeit bedrucken könnte. Dass etwa in Zukunst die Competenz des Gesammtverbandes auf religiöse, cultuelle und rituelle Fragen ausgedehnt werden möchte, kann durch Bestimmungen der Satzungen dauernd und wirksam verhindert werdend Für Jeden, dem das Wort in keinem anderen Sinne erscheint als in dem, in welchem es ausgesprochen ist, reder dieser Satz eine hinreichend deutsche Sprache; für Jeden auch, der hinter den Worten nichts anderes sucht, als das, was sie ausdrücken sollen. Ein aus dem Zusammenhang gerissener Satz, des Rundschreibens bietet der „Vereinigung" willkommene Gelegenheit, durch denselben ihren Gläubigen die Meinung beizubringen, dass es sich trotz der bestimmten und feierlichen Versicherung des Ausschusses, der sie „wenig Werths beilegen, ausschließlich doch um religiöse Fragen handeln könnte! Es heißt nämlich in dem Rundschreiben des Anschusses, dais .nicht blos die Roth der Zeit, foubcvn die natürliche Fortentwickelung aller geistige»» Institutionen verlange, dass alle Kräfte im Judenthum zusammengefasst werden, damit dasselbe seinen Bestand wahre und stärke und seine Mission erfülle". Nun meinen aber die Herren, dass eine solche Zusammenfassung aller Kräfte „im Hinblick auf die in der heutigen Jude,»heit bestehenden tief religiösen Gegensätze nicht denkbar ist". Gegen einen solchen Standpunkt ist kaum noch etwas zu sagen. Da gibt es weder eine Polemik, noch ist auch der Versuch einer Verständigung möglich. Haben wirklich orthodoxe und liberale Juden heute nichts mehr, was sie eint? Gibt es nicht tausend gemeinsame geistige Interessen, die durch den Gegensatz von Rechtgläubigkeit und Freigläubigkeit nicht berührt werden? Zum Glück sind die Auffassungen der „Freien Vereinigung" nur die einer kleinen Fracliou, der keine einzige Großgemeinde im ganzen deutschen Reiche augehört, die in Norddeutschland absolut keine Anhänger hat und die — was die Hauptsache ist — von dem ersten Tage ihres Bestehens an jede neue Idee, jeden neuen Vorschlag, jede neue Institution innerhalb des Judenthums hartnäckig und grundsätzlich bekämpft hat. Dieselbe Fraction ist gegen die Alliance ausgetreten, hat den Deutsch- Israelitischen Gemeindebund verketzert, den „Central-Berein" abgelehnt u. s. w. Demgegenüber kann man es nur freudig begrüßen, dass strenggläubige Gemeinden und Rabbiner der Begründung einer Gesammtorganisation im Princip zugestimmt haben, weil sie der Ueberzeugung sind, dass in der That jede Furcht vox einem „Kirchenregiment" ausgeschlossen unb die Existenz der Organisation geradezu davon abhängig ist, dass ihr alle religiösen Frage»! und - cultuellen Streitigkeiten fernbleiben. In dem Augenblick, wo sie sich mit solchen Fragen beschäftigen würde, hätte sie selbst den Keim zu ihrem Untergang gelegt. Genau so wie der D. I. G. B. heute und nun schon seit mehr als dreißig Jahren die Gesammt-Jnteressen der jüdischen Gemeinden und auch die geistigen Institutionen derselben in einer durchaus unparteiischen Weise vertreten hat, so dass Orthodoxe, und Reformer sehr wohl in diesern Bunde friedlich neben einander existiren und gedehilich Zusammenarbeiten können, genau so soll es auch in der Gesamintorganisation sein, der die Znsaminensassunz aller Kräfte innerhalb des Jndenthums obliegt. Nun könnte allerdings die Frage auftauchen: Warum übernimmt denn der D. I. G. B. nicht die Aufgaben einer Gesarnmwrganisation, indern er seilte Statutendeingemäß erweitert? T^e Frage lag nahe; sie ist auch von großen Gemeinden wie Königsberg und Stettin aufgeworfen und zu bestimmten Anträgen aus dem IX. Gemeindetag verdichtet worden. Auch in den. jüdischen Blättern fand die Idee Zustimmung. Sie ist aber undurchführbar, und die Verhandlungen des IX. Gemeindetages haben, dies am 24. Februar d. I. für Alle, auch für die Antragsteller, dargethan, so dass der Gemeindetag mit großer Majorität beschließen »nusste, den Antrag abzulehnen: „in Erwägung dass dieser Antrag die nach laugen Mühen erreichte Rechtsfähigkeit des Bundes in Frage zu stellen geeignet und auch in sich rechtlich undurchfühbar ist; in fernerer Erwägung, dass dieser Antrag bei Annahme den Bund zum Tummelplatz politscher, religiöser, socialer Meinungsverschiedenheiten machen und damit der ih»n seit seiner Begründnng innewohnenden Aufgabe der Förderung der Verwaltungs-, Bildungs- und Wohlthätigkeits-Angelegenheiten der israelitischen Gemeinden i»n deutschen Reich durchaus entfremden würde" Man kann dieser Begründung zustimmen, auch »venu inan nicht alle Erlvägungen theilt. Er wäre lebhaft zu wünschen gewesen, dass der Gemeindebund auch die Aufgaben einrr Gesammtorganisation zu übernehinen in der Lage gewesen wäre. Aber in diesern Beschl»»ß sind nicht alle Gründe anfgesührt, welche die Ausführung des Projekts verhinderten. Es ist z. B. ein sehr wichtiger Punkt »licht hervorgehobeu, nämlich die ausdrückliche Absage der süddeutschen Geineiuden, die in bestimmter Weise auf dem Geineindetag erklärten, nicht mehr mitzuthnn, wenn der Dr. I. G. B. seine Kompetenz nach dieser Rchitung hin erweitern »vürde. Der Geineindebuild würde dann nur noch ein nord-, deutscher bleiben, also eine Art Rumpfparlament. Aus dieser Absage darf man jedoch keineswegs annehmen, dass Süddeutschland sich einer Gesammtorganisation nicht anschließen würde. Es ist schon i»n ersten Aufruf des Ausschusses ausdrücklich gesagt worden, dass die staatlich geordneten Territorial-Bertetungen der Juden in einzelne»» Ländern Süddeutschlands durchaus kein Hindernis für ihre Theilnahme an der Gesammtorganisation aller deutschen Juden bilden können. War es doch gerade die badische Vertretung, die von Anfang an mit warmem Eifer für die Bildung der Gesammtorganisation eingetreten ist, und eben haben sich hervorragende Stirninen aus Bayern und Württemberg für diesen Plan ausgesprochen. (Schuluss folgt.) Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit, Bon RabbinerlDr. Daniel Fink—Wien. VI. Ganz im Einklänge hiermit steht es. wenn Maimonide^ elltscheidet, dass die Beschneidung auch an Kindern der Karäer a»n Sabbat vollzogen werden dürfe, vorausgesetzt, dasr sie sich dem überlieferten Jlldenthum gegenüber duldsam zeige», trotzdem innerhalb des J»»denthu»ns der Gegensatz in den Dingelr. des Glaubens nirgends so scharr hervortritt, wie gerade hier. (Siehe Schach Jore deah, Cap. 262, 12.) Es »nuß daher deu tiefsten Unwillen errvecken, we»»n Dr. Jacob es wagt, einem Maimonides gegenüber mit der Behauptung hervorzutreten, dass er einen großen Theil der Thora verlengnet. Wo ist das geschehen? Heraus mit den Beweisen! Was Maimonides von der Thora gehalten nuv »velche Gefühle er ihr gegenüber gehegt, zeigt am besten die Thatsache^ dass er sich eigenhändig eine Thorarolle geschrieben. (Hilchot Sefer Thora, IX, 9 »r. 10) Von ihm wird im Meor enajim des Asarja de Rossi berichtet, dass er eine weite und gefahrvolle Reise bis nach B»lrgund unternommen, um die von ihm geschriebene Thorarolle mit einer berühmten, dem Esra zugeschrie» denen Handschrift zu vergleichen.' Als er eine allseitige Uebereittstimtttung feststellen konnte, betrachtete er diesen Tag als den glücklichsten seines ganzen Lebens u»td beging ihn alljährlich als ein Familienfest. An anderer Stelle berichtet Maiinonides »vieder, dass er selbst am Vortage des 9. Ab nieinals arrch nur 'ein gekochtes Gericht, sondern stets >rur Brod und Wasser genossen. (Hilch. Tätlich Cap. V, 9.) In einem Briefe an den Dajan Rb. Pinchas

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