Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 28 (18.7.1902)
- Date
- 1902-07-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Vie Wahrheit. Seite 5. — lebhaften Anklang innerhalb der deutschen Judenheit gefunden. Kein Zweifel inehr, dass sie durchführbar ist und greifbare Gestalt gewinnen wird. Ein kurzer. Bericht scher die Eitgnete, welche nach dieser Richtung unternommen worden ist, mag dies bestätigen. Von 1553 Gemeinden haben 227 nnbedingt, 7 bedingt ihre Zustimmung gegeben. Au sich konnte dies Ergebnis als ein geringfügiges erscheinen, es wird aber dadurch bedeutsam, dass diese 234 Gemeinden in der That die wichtigsten und * größten in Deutschland sind, während mehr als 1000 von den im Statistischen Jahrbuch des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" verzeichneteu Gemeinden wegen ihrer geringen Mitgliederzahl kaum in Frage kommen. Wir neitnen von den Gemeinden, die zugestimmt haben: Berlin, Posen, Danzig, Thorn, Bromberg, Beuthen, Magdeburg, Augsburg, Chemnitz, Liegnitz, Glogan, Aachen, Essen, Trier, Mainz, Bonn, Leipzig, Wiesbaden, Schwerin, Darmstadl, Zabrze, Bochum, Halle, Cassel, Rawitsch ii. a. Wir haben absichtlich gerade diese Orte aus der großen Reihe der Znstimmenden ausgewählt, um zu zeigen, dass der Vorschlag der Gesammtorganisation in allen Theilen unseres Vaterlandes, im Norden wie im Süden, im Osten wie im Westen, und in allen Kreisen unserer Gemeinschaft, in freisinnigen, wie in strenggläubigen freudigen Anklang gesunden hat. In noch viel höherem Grade gilt dies von der Enquete, die bei den deutschen Rabbinern veranstaltet wurde. Von 219 Rabbinern haben 84 unbedingt und 8 bedingt ihre Zustimmung gegeben. Berücksichtigt man, dass bei allen Umfragen vielfach aus Nachlässigkeit und nebensächlichen Gründen nicht geantwortet wird, so wird man diesen Procensatz gewiss nicht zu niedrig bewerthen. Auch hier wiederholt sich dieselbe Erscheinung wie bei den Gemeinden, und zwar nach beiden Richtungen hin. Wir finden hier die liberalen. Rabbiner der Berliner Hauptgemeinden, ferner die von Aachen, Breslau, Stuttgart, Erfurt, Wiesbaden, Nürnberg, Bamberg, Leipzig, Karlsruhe, Mainz, Hamburg, Stettin neben den orthodoxen Rabbinern von Breslau, Emden, Hamburg, Jnowrazlaw, Kattowitz, Köln, Ratibor u. a. Man ersieht also daraus, dass selbst in einer Berussschicht, die doch naturgemäß das religiöse Element in den Vordergrund stellt, die Idee der Gesammtorganisation volle Zustimmung gesunden hat. Es mag der Vollständigkeit halber hinzugefügt werden, dass die Enquete auch auf Verbände, Vereine und hervorragende Männer der deutschen Judenheit ausgedehnt worden ist; von den Verbänden haben mehrere unbedingt zugestimmt, und ebenso haben viele hervorragende Glaubensgenossen sich persönlich für die Organisation ausgesprochen. Aber selbst die in Beantwortung der Rundfrage ergangenen Ablehnungen und bedingten Zustimmungen bestätigen den Eindruck, dass der Vorschlag einer Gesammtorganisation bei der Majorität unserer Glaubensgenossen in Deutschland einen lebhaften Widerhall gesunden hat. Entschieden ablehnend haben sich eigentlich nur zwei Hauptgemeinden ausgesprochen: Frankfurt a. M. und Dresden, und es ist nicht ohne Interesse, die Gründe kennen zu lernen, aus denen diese Ablehnungen erfolgt sind. In dem Schreiben des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. heißt es: „Unseres Erachtens besitzt die deutsche Judenheit in dem D. I. G. B. bereits eine Organisation, welche den größten Theil der deutschen Juden umfasst — mehr würde eine neue Organisation im günstigsten Falle auch nicht vereinigen — und die sehr wohl die Aufgaben übernehmen kann, welche der von Ihnen geplanten Gesammtorganisation zugedacht sind. Es würde sich nicht um ein allgemein politisches Werk dabei handeln, sondern nur um Bestrebungen, welche die jüdische Glaubensgemeinschaft als solche berühren. Soweit politische Interessen im engeren Sinne des Wortes in Betracht kommen, errachten wir eine Organisation der Juden nicht für empfehlenswerth, sondern für schädlich". Wir haben diesen Passus aus dem Schreiben der Frankfurter Gemeinde mit Absicht wörtlich wiedergegeben, weil gerade aus dieser Ablehnung die Nothwendigkeit der Organisation hervorgeht; denn die Meinung, dass der D. I. G. B. die Sache einer solchen Organisation vertreten könne, ist nach den Verhandlungen des letzten Gemeindetages gründlich zerstörtworden. Bedeutungsvoller sind die pri..cipiellen Einwände, die nicht von Gemeinden, sondern von einzelnen Richtungen innerhalb. Judenthums und von hervorragenden Persönlichkeiten gegen die Idee der Gesammtorganisation erhoben wurden. Wir beginnen zunächst mit denen, die unbedingt gegen jede Organisation sich aussprechen. Unter diesen steht in erster Reihe Herr Geheimrath Pros. Dr. Hermann Cohen in Marburg, ein Mann, dessen Einwendungen gehört und geprüft werden müssen, weil sie aus einem reichen Geiste und ans inniger Liebe zu dem Judenthum hervorgegangen sind. Cohen ist gegen jede Organisation, weil er fü'chtet, dass eine solche in den Fehler der Jateressenpolitik verfallen und den Eifer der uns günstig gestimmten politischen Parteien für unsere Sache abschwächen würde, ferner weil sie von der wahren Einheit, die nur eine religiöse ist, ablenken und die Verantwortung des Einzelnen, seinen Kamps und seinen Eifer vermindern könnte. Die Organisation erscheint ihm aber auch aus dem Gesichtspunkt' der Gemeinde-Verfassung formal bedenklich: „Unseren Gemeinden würde dadurch freiwillig eine Autoritär gesetzt werden, welcher die einzige Grundlage einer Autorität in religiösen Dingen nothwen'diger Weise fehlen müsste. Jede Organisation muss nur nach innen gerichtet werden. Für Verallgemeinerung der Bildung, für Vertiefung der Gesittung unter uns muß jede Organisation sorgen. . . . Die Organisation muß auf das Gefühl gerichtet werden, dass wir uns eins fühlen mit unseren Glaubensgenossen auf den Grundlagen der modernsten Weltanschauung, welche immer für die Sittlichkeit und deren 'nsammenhang mit der Gottesidee bleiben werden". (Fortsetzung folgt.) Kann man Presshefe in koscherem Haushalte verwenden? Wie wir vernehmen, wird bei der Erzeugung von Presshefe, um dieselbe geschmeidiger zu machen und eine reichere Ausbeute zu erlangen, Fette, und zwar in vielen Fabriken Schweinefette, verwendet. Da nun bisher die Preßhefe nicht als ein dem Kaschcuth unterliegender Artikel galt und viele gesetzestreue Juden durch Verwendung von Presshefe unwissentlich die rituellen Gebote verletzen, sehen wir uns veranlasst, das große jüdische Publicum und die ehrwürdigen Rabbinate auf diesen Umstand aufmerksam zu machen, in der sicheren Erwartung, dass in erster Reihe das ehrwürdige Rabbinat der Wiener Cultnsgemeinde zur Hintanhallung dieses Uebelstandes die ihm uöthig erscheinenden Maßregeln treffen werde. Aus der Wiener Cultus gemeinde. Plenarsitzung vom 10. Juli 1902, unter dem Vorsitze des * Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Aus dem Einlause werden zur Kenntnis gebracht an Spende» : Von Herrn Josef Siebenschein, an die „Israelitische Allianz" für die rumänischen Emigranten K. 200, von Herrn Julius Weiß, für den Verein „Chewra Kadischa" in Wien K. 50'—, von Herrn Emil Pollak in Palermo für die israelitische Armenanstalt K. 10—, von Frau Cilli Berger, für arme Waisenkinder K. 6. —, aus den Sammelbüchsen im Stadttempel für die israelitische Armen-Anstalt K. 173 42, für die Chewra Kadischa K. 11086. Spenden im Gemeindebethause, I., Seitenstettengaffe 4, von Herrn Dr. Philipp Türkei für die „Israelitische Allianz" K. 10-—, für das israel. Blindeninstitut K. 10'—, von Herrn Salomon Kohn für das israel. Taubst ummen-Jnstitut K. 25*—, für den israel. Waisenverein K. 25*—, von Herrn Bernhard