Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 28 (18.7.1902)
- Date
- 1902-07-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion und Administration:! Wien, II/i. Novaragaffe 27.1 _ i K. k. östcrr. Poftsvarcassa Check-Conto Nr. 846.251 Juperste 20 Heller per, Nonpareillc-Zerie Abonnements, und Jnserations- I betrüge sind in Wien zahlbar 1 und klagbar. Mkhängige Aeiischrift für Mische Iniereflen. Erscheint jeden Freitag. Motto: „Das Siegel Gotten ist Wahrheit!" Brrugspreis: Ganzjährig. Halbjährig . K 12.— K. 6.— Für CultuSbeamte: Ganzjährig.... K. 10.— Für Ausland: Ganzjäurig . . .8 Mark. 6 Rubel oder 1« Fc» Nr. Mm, 18. Juli IM. Inhalt r Sammelkörbchen für die Ferienkolonien — Ein Appell an das öffentliche Gewissen. — Die Gesammtorganisation der deutschen Inden- — Kann man Presshefe in koscherem Haushalte verwenden? — Aus der Wiener Cultusgemeinde — Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. — Beitrag zur Geschichte der Judenverfolgungen in Oesterreich-Ungarn. — Die Entwicklung der synagogalen Liturgie bis nach der Reformation des 19. Jahrhunderts. — Verschiedene Nachrichten. Sammelkörüchm für die Ferienkolonien. i Unsere in der vorwöchentlichen Nummer an leitender Stelle reproduzirte Anregung, der Schuljugend armer mittelloser Eltern durch zu sammelnde Spenden und milde Gaben freien Landaufenthalt während der Ferien zu gewahren, scheint Anklang! gefuiiden und auf fruchtbaren Boden gefallen zu fein. Dem Schreiber dieser Zeilen sind nämlich von vielen Lesern dieses Blattes, insbesondere aber, seitens mehrerer in den Sommerfrischen weilender Familien sowohl mündliche als schriftliche Zustimmungserklärungen zugekommen, die denselben zu der Annahme berechtigen, dass das Wort, das er den Kindern der Armen und Hilflosen gesprochen, ein dowor beito, ein würdiges, geeignetes Wort zur Zeit gewesen ist. Da jedoch erfahrungsgemäß die öffentliche Wohlthätigkeit, so sie nicht saumselig geübt wird, oder gar auf Hinderniße stoßen soll, geebnete Wege und zielbewusste Directiven erfordert, sieht sich der Unterzeichnete veranlasst, die betreffenden Vereine, die bereits Feriencolonien veranstalten, und solche, die ähnliche Veranstaltungen in das Ressort ihrer Vereinsthätigkeit aufzunehmen gewillt sind, aufmerksam zu machen, behufs Entgegennahme von Spenden und Gaben aus den Sammelkörbchen, der Redaction dieses Blattes die Adresse ihres Vereinssitzes bekannt zu geben und gleichzeitig an die löbl. Redaction das Ersuchen zu stellen, im Interesse der guten Sache etwaige ihr zu dem genannten Zwecke von humanen Menschenfreunden übersandte Geldbeträge entgegennehmen, und die Summe der Spenden sowie die Namen j der Spender zeitweilig veröffentlichen zu wollen. Der rege, niemals erlahmende Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen, der sich in Fällen, wo es sich um die Förderung der Interessen der Jugend handelt, stets besonders glänzend bewährt hat, wird sicherlich auch bei diesem Anlasse, wo es gilt, Werke wahrhaft echter Humanität und Nächstenliebe zu fördern und ins Leben zu rufen, thatkräftigst zum Ausdruck gelangen und dem Mahnworte: hisharu biwne anijim, sche’mehem teze tauro, Nehmet euch der Kinder der Armen und Hilflosen an, auf dass auch von ihnen die Thora ausgehe und Verbreitung finde, volle Rechnung tragen. D a n i el Sku te z k y.! Ein Appell an das öffentliche Gewiffen. Der „Politische Volksverein" in Wien hat an den in Brüssel tagenden Kongreß „Pro Armenia" nachstehende Petition für die rumänischen Juden gerichtet:! «Hoher Congrefs! Mit freudigem Danke begiüßen die cioilisierren Völker jede öffentliche Regung ihrer hochgesinnten Söhne, welche bestimmt und geeignet ist, allen Nationen und Bekenntnißen die Lehre und das Evangelium ihrer einheitlichen, menschlichen Zusammengehörigkeit immer wieder zu verkünden, die internationalen Verletzungen dieses Fundamenralfatzes »der menschlichen Gesellschaft, und Gesammtdeit zu brandmarken und den um ihres Stammes oder Glaubens willen Bedrohten und Verfolgten mitfühlenden Beistand und faktische Hilfe zu gewähren. So begrüßt denn auch, geehrte Herren, der ftn Oesterreichs Metropole Wien bestehende und wirkende „Politische Volksverein" Ihre diesmalige Versammlung, welche, hervorgegangeu aus dem Solidaritütsgefühle menschlicher Nächstenliebe und Gerechtigkeit, sich die hohe Aufgabe gestellt hat, lauten, weithin vernehmbaren Protest zu erheben und Mitte! der Abhilfe zu suchen gegen die barbarische Bedrückung und Verfolgung, welcher noch immer und unter Misacktung der Ergebuiße der Berliner Conferenz vom Jahre 1895 die Christen in Armenien seitens der andersgläubigen Türkei hilflos preisgegeben sind, unter deren grausamer Mißhandlung | und Vergewaltigung sie geradezu der Vernichtung, dem Untergänge preisgegeden erscheinen. Wäre es aber billig und rationell, dass diese hohe erleuchtete Versammlung, welche so viele auserlesene Geisterund zahlreiche im Kampfe um die hehrsten Güter der Humanität und Gleichberechtigung erprobte Führer vereinigt, sich lediglich auf dieses eine erhabene Ziel beschränke und die Augen verschließe vor den Bitternißen und Leiden, denen seit Jahrzehnten in der Nähe der armenischen Schlachtfelder ein anderer Volks- und Glaubensstamm zu erliegen droht, dessen Anrecht auf menschenwürdiges Dasein, Frieden und Gerechtigkeit nicht minder alt und begründet, aber auch nicht minder verleugnet und unterdrückt ist, als jenes der armenischen Christen? Gedenken Sie, geehrte Herren, auch der rumänischen Juden, und Ihr Mitgefühl wie Ihre Weisheit werden Ihnen