Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 26 (4.7.1902)
- Date
- 1902-07-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekte 4. Me Wahrheit. Nr. 26. Wie wäre es nun, wenn solchen genußreichen, ungetrübten FanüLeufrenden, zuweilen auch noch ein leiser Zug von Humanität und Nächstenliebe innewohnen, wenn solch glückliche Ellern oder Familienoberhäupter während der vergnügten Stunden, die sie gemeinsam mit ihren lieben Kleinen in der Sommerfrische verbringen, hie und da auch jener Kinder gedächten, die von der Vorsehung weniger begünstigt und durch das harte Los, das ihnen beschieden, den empfindlichsten Entbehrungen ausgesetzt sind? Wäre es nicht am Platze, wenn zu gewissen Gelegenheiten ein bescheidenes Geldstück in das eigens zu diesem Behuse in jedenr Familienhause aufgestellte Sammelkörbchen gelegt würde, um diese Liebesgaben, sobald sie zu einem runden Sümmchen anglwachsen sind, an die Vereine zur Veranstaltung von Feriencolonien für arme Schulkinder gelangen zu lassen? Um wie viel leichter könnten die bereits bestehenden Vereine für Ferienkolonien ihre segensreiche Thätigkeit entfalten, um wie viel reichlicher könnten ihre Segnungen der erholungsbedürftigen, armen Schuljugend zustießen, und wie viele neue j derartige Wohlfahrtseinrichtungen könnten noch ins Leben gerufen werden, wenn denselben in der angedeuteten Weise die angesammelten milden Spenden zugeführt würden?! Wie viele Thrazien armer, um ihre schwächlichen und kränklichen Kinder tief bekümmerter Eltern könnten da getrocknet werden? Wie viele von diesen bedauernswerthen, jugendlichen Geschöpfen, die mit bleichen, fahlen Gesichtern die Großstadt verlassen und eine Eolonie-Excursion antreten, tvürden mit erhöhter Lebenskraft, mit frischem Lebensmuth und mit voller Hoffnungsfreude zu ihren Angehörigen zurückkehren? Vielleicht genügt diese Anregung, um unsere mit Glücksgütern gesegneten, in den Sommerfrischen oder auf ihren ständigen Landsitzen weilenden Glaubensgenossen, die ja bekanntlich so gern ihre Thätigkeit in den Dienst der Humanität stellen, auch für diesen Akt der Mildthätigkeit zu erwärmen, sie für ein Liebeswerk zu begeistern, das nicht nur den Kindern der Armen u:.d Hilfsbedürftigen, sondern auch ihren eigenen Sprößlingeu zugute käme, indem dadurch in ihr jugendliches, für alles Gute und Schöne empfängliche Herz schon frühzeitig die ersten Keime des Mitgefühls und der Theilnahme für die dürftigen und enterbten Kreise der Gesellschaft gepstanzt würden, die daun späterhin aufgeheu und sich zu herrlichen Blüthen und zur reichlichen Saat entfalten. Daniel S k n t e z k y. Rumänische Auswanderer. Unaufhaltsam geht der Zug der auswandernden oder vielmehr ausgetriebenenGlaubensgenosien über die Gre>lzen Rumäniens, und allwöchentlich ein- oder zweimal langen hier in Wien Auswanderergruppeu an, die unter Intervention von Functionären der „Israel. Allianz" aus der Nordwestbahn nach Rotterdam befördert werden. Auch vorige Woche Mittwoch passirten zwei solche Gruppen unsere Stadt, und zwar waren es diesmal zumeist Frauen und Kinder, die mit begreiflicher Sehnsucht dem Lande der Knechtschaft enteilten, um zu ihren im Vorjahre nach Amerika ausgewanderten Gatten, Vätern und sonstigen Familienangehörigen zu gelangen. Die eine Gruppe, bestehend aus 26 Personen (2 Männer, 10 Frauen und 13 Kinder), die die Städte Tampa, Minneapolis, NewOrleans, Tylor, Pittsburg, Louisville, Chicago zum endlichen Reiseziel hatte, wurde auf Losten der „Jca" befördert, die zweite Gruppe, bestehend aus 28 Personen, bestritt aus eigenen Mitteln die Reisekosten. Die Auswanderer werden hier von der Allianz, resp. deren unrrmüdlich thätigem Vertreter, Herrn Emil Iellil! ek, in Empfang genommen, während des hiesigen Aufenthaltes reichlich verpflegt, mit Bahnkarten zur Weitersahrt versorgt, und dann wird ihre Abfahrt den Comitss in Deutschland, zunächst nach Leipzig, signalisirt, damit die dortigen Glaubensgenossen den «rmen Heimathslosen bei ihrer Durchreise hilfreich zur Seite stehen. Dieser Organisationsdienst verursacht der „Jsr. Allianz zu Wien" ganz bedeutende Kosten, und es wäre dringend zu wünschen, dass sie bei diesen» Liebeswerke in reichlichere»» Maße als bisher die Unterstützung unserer Glaubensgenossen fände. Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. Bon Rabbiner Dr. Daniel Fink—Wien. HI. ' Auf Grund des Dargethanen scheint die Vermuthung statthaft, dass diese Art, das Gesetz zu betrachten — deren Grnnozug darin besteht, dass seine Gedanken unter den Gesichtspunkt der Ewigkeit gerückt werden — es war, welche einen wesentlichen Lehrgegenstand in den Schulen unserer Propheten bildete. Wenn Gott den Propheten beauftragt: min vnin miyn TDt gewahre wohl die Bezeugung, lege die Thora unter isiegelverschluss bei »neineu Jüngern" (Jes. VIII, 16), so soll damit gesagt sein, dass er angesichts der Gefahren, die "der Zukunft drohen, darauf Bedacht nehmen müsse, nicht blos den Inhalt der Thora, sondern auch den Geist, von dem er getragen ist, wenigstens in dem engen Kreisen seiner Jüngersicher zu stellen. J»n Uebrigen äußert auch Maiinonides More nebuchim 2. B., Cap. 38, eine ähnliche Ansicht. Lassen »vir diese Annahine gelten, so erscheint damit eine andere Stelle unseres Propheten, an welcher sich die Auslegervergeblich abmühen, in ihrern wahren Lichte. In» Kap. 28. V. 10 und 13 macht der Prophet den geistlichen Führern den Vorwurf, dass ihnen das Wort Gottes DtP tjjt Dt? i'j?r lj?f? lp 12 2 als ein Gemengsel .erscheint „von Satzung um Satzung, Vorschrift um Vorschrift, bald ein wenig hierhin, bald ein wenig dorthin". Was will denn dieser Vorwurf eigentlich besagen?" Wer soll denn darnit getroffen »verden? Erst wenn wir zugeben, dass der Prophel selbst von einer höheren Auffassung getragen, begreifen wir, wenn er über die Rückständigkeit der berufenen Führer seines Volkes seinen Groll ausgoß. Aus der Erkenntnis, wie ans dev Betätigung der Tbora war damals selbst in bessergesinnten Kreisen der Geist geschwunden. Solcher Art koinite die Lehre der Thorä den Lockungen und Verführungen des Heidentums gegenüber kein entscheidendes Gegengewicht bieten. Daher käme»» selbst die auf den Wegen Gottes Einherschreitenden nicht aus den fortwährenden Schwankungen heraus. Sie ermangeltm derjenigen Festigkeitu»rd Geschlossenheit, die nur eine sicher gefügte Ueberzeugnng ZN verleihen vermag. Was hier über den inneren Gehalt nnserer Gebote ausgeführt worden, ist weit davon entfernt, einen der Sache srenrden, von außen in sie hineingetragenen Gesichtspunkt zu bedeuten. In diesen! Sinne sind sie ursprünglich verstanden worden. Darauf weist der Ausspruch hin: ddd rm p2 im *6 2 5. B. M., Kap. 32, 47.) „Denn nicht enthält sie (die Thora) gehaltlose Dinge, deren Sinn euch unfassbar bleiben müsste. Noch - mehr, Moses weist sogar ausdrücklich daraus hin, dass diese Gebote einen Inhalt in sich bergen, dein gegenüber alle menschliche Weisheit »veit in den Schatten zu rücken hätte. D'öyn ddju21 dddddh kvt 2 dwjji omDtPi „Habet in Acht und bethätiget — denn das bedeutet eure Weisheit und eure Einsicht vor den Augen der Völker." pyötP' ItPK ntn ^vwn 'im pji ron ny pi w rbxn D'pnn *2 nx. „Diejenigen, welche von diesen Satzungen hören werden, »nässen bekenne»!, ein durchaus weises und einsichtsvolles Volk bildet diese große Nation." (5. B. M., 4, 6.) Ein gehaltloser Werkdienst, über den kein Mensch Ausschluss und Rechenschaft geben kann, wird doch in solchen Worten nicht gefeiert werden. Welche Verblendung erst, wenn einer annehmen wollte, er werde die 'bewundernde Anerkennung aller Welt erlangen! Diese Auffassung theilt auch Maimonides un More nebuchim. (Vergib I. B., Kap. 70, II. B., Kap. 11 und III. B., Kap. 14.) Dass eine Religion, welche das Leben so entschieden an der Wurzel fasst, um es i»n Sinne der höchsten Erkenntniße zu verklären, einen schweren Stand unter Menschen, wie sie nun einmal sind, hat — ist ohne weiteres klar. Für die große Menge »vird der urwüchsige Trieb in seiner rohen Verfassung immer den Ausschlag geben. Ebenso klar ist es, dass sie wiederum in den Seelen, in welchen sie eiltmal gezündet hat, das geistige Leben zu einer ungeahnten Entfaltung zu bringen ver-