Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 26 (4.7.1902)
- Date
- 1902-07-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion und Administrativ l: Wien, II/i- Novaragasse 27. K. k. österr. Pojrtvsrcäsja Check-Conto Nr. 846.251 Inserate. 20 Heller per Nonpareille-Zelte. Abonnements- und Jnserationsbeträge sind in Wien zahlbar! und klagbar.! ^abhängige Heitschrift für Mische Interessen. Bezugspreis: Ganzjährig. . . . K- 12.— Halbjährig . . . . K. 8.— Für Cultusbecnnte: Ganzjährig. ... St. 10.— Erscheint jeder» Freitng. Uatio: „Das 8!«A«I Oottss ist 'Wakrüsit!" Für Auslands Ganzjährig . . - 3 Mark. 6 Rubel oder 16 FcS Nr. 26. Wien. 4. Iuii IM. Inhalt: Ein Landaufenthalt für die Kinder der Armen und Enterbten des Glückes. — Rumänische Auswanderer. — Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. — Moses und die jüdische Gesetzgebung. — Die Jude» und der Talmud. — Das Kaddischgebet. — Organisation der Cantoren in Deutschland. — Die Entwicklung der synagogalen Liturgie bis nach der Reformation des 19. Jahrhunderts. — Verschiedene Nachrichten. 5tw untere Leier! Unentwegt hat unser Blatt an seinem Programme, das Interesse für die erhabenen Ziele des Iudenthnms in alten AevMerimgsfchichLen zu wecken, sestgehalten und dabei die Anerkennung der maßgebendsten Kreise des Judenthunls gefunden. Unser Bestreben wird auch fernerhin daraus gerichtet sein, jüdisches Leben in alten seinen Erscheinungen zu pflegen, die innere Organisation mit alten Kräften zu fördern, die Anfälle im Kemeinde- und Wereinsteven mit maßvoller und objectiver Kritik zu beurtheiten und den Kampf nach Küßen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Solches Streben verdient gewiss die vollste Unterstützung aller Glaubensgenossen und wir richten an dieselben .die dringende Bitte, diese ehrliche pnblicistische Thätigkeit durch Kbonnierung unseres Blattes und durch möglichste Verbreitung desselben zu fördern. Bei Einsendung des Abonnementsbetrages für das am 1. Juli begonnene III. Kuartal wolle man sich beiliegender Kostaniveifung bedienen. Probenummern stehen zur Verfügung. Oie Redaction. Ein Landaufenthalt für die Kinder der Armen und Enterbten des Glückes. Nur mehr wenige Tage trennen uns von dem diesjährigen Schulschluss, nur noch eine kurze Spanne Zeit, und die Pforten der Bildungsstätten unserer Jugend tverden sich schließen, um derselben einerseits für eine kurze Spanne Zeit Raft und Erholung zu gewähren, damit sie neue Kräfte zur Fortsetzung ihrer Studien sammelt, und andererseits um den n mmebr der Schule und den ersten Kindesjahren Entwachsenen ernsten Anlass zu bieten, an die Zukunft zu denken und Vorkehrungen für die Wahl ihres Lebensberufes zu treffen. Ist einmal die so sehr ersehnte Ferienzeit eingetreken, dann kommr auch lebhafie Bewegung in jene Familienkreise, die bislang infolge des Schulbesuches ihrer Sprößlruge gezwungen waren, in der Stadt zu weilen und den Landaufenthalt binausznschiebei:. Nun gilt es, den Staub der Großstadt so rasch als möglich von den Füßen zu schütteln, die schwüle, drückende Arhmosvbäre der Metropole mit der reinen, würzigen Landluir zu vertauschen und mir den Seinen, namentlich aber mit der .so erholungsbedürftigen Schuljugend, ungesäumt nach der ersehnten Sommerioylle zu übersiedeln. Freilich ist nicht jedes Stadtkind io glücklich, wohlhabende Eltern zu besitzen, nicht jedes jugendliche Großstadtgeschüps ist in die angenehme Lage versetzt, die Ferienzeit in einer Sommerfrische, in der schönen, herrlichen Gotlesuatur zu verbringen, und so manches hoffnungsvolle Söhuchen. io manches vielversprechende Töchterchen, das die Schulzeit über sich redlich um den Fortgang in feinen Studien gemüht und geplagt hat, muß, mangels eines Landaufenthaltes, in den dürftigen Garten- und Parkanlagen der Stadt Zuflucht nehmen upd dort die so dringend ilöthige Erholung und Zerstreuung nach der langen, erfchöpsenden Schnlcampagile suchen. Diesen zarten Geschöpfen, diesen schon in ihrer ersten Jugend zu den Enterbten der Gesellschaft Zahlenden, diesen Aermsten der Armen, die schon so frühzeitig die rauhe Wirklichkeit, den Ernst und die Schattenseiten des Lebens kennen und fühlen lernen mussten, diesen wollen wir diesmal das Wort reden, für sie wollen wir mit diesen Zeilen die Oeffentlichkeit interessiren. Es ist männiglich bekannt, dass oft selbst die fürsorglichsten Eltern, insbesondere aber die Familienväter, insolange sie mit den Ihren in der Stadt weilen, in ihrem Schaffens- und Erwerbseiser, in ihrem Hasten und Jagen nach Verdienst den Sprößlingen der Familie in nur geringem Maße ihre Aufmerksamkeit zuwenden, aber sobald sie dem geschäftlichen Getriebe und dem Getümmel der Großstadt entrückt sind und in der Sommerfrische Aufenthalt genommen haben, für die körperliche Entwicklung eines jeden einzelnen ihrer Lieblinge ein besonderes Interesse bekunden und eine fast rührende Thätigkeit und Sorgfalt an den Tag legen. Da wird alles aufgeboten, was dem physischen Gedeihen des jugendlichen Kindes zuträglich und förderlich erscheint, und kein Mittel und kein Opfer wird gescheut, das in ihm die Luft und Freude am Leben in der freien Gottesnatur erwecken und rege erhalten soll.