Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1902-06-27 · Heft 25 (27.6.1902) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 25 (27.6.1902)
Date
1902-06-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063113-3063138--01982-3068619
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Dekerr -ungar. Lmttoren-Ieitnng. Nr. 25. ZLeilage zur Zeitschrift „Pie Wahrheit." 22. Iahrg. Zur Organisation. Zn der Donnerstag, den 26. d. M., unter dem Vorsitze des Präsidenten Singer stattgehabten Sitzung des Wiener Comites, an welcher die Herren Baßl, Hirsch, Schiller, Guttmann, Löwit, Bauer und Heimann rheilnahmeu, erstattete der Vorsitzende Bericht über die Fortschritte, welche die Organisation durch die in der Vorwoche abgehaltene Berathung der .r'ele- Hirten des mähr Cantorenvereines mit den Vertretern des österr.-ung. Vereines gemacht har. In Consequenz eines mir den Budapester Cantoren, resp. Herrn Obercamor Lazarus daselbst gepflogenen brieflichen Verkehres wurde vom Vereinssekretär der Text ernes Aufrufes au die ungarischen Cantoren in deutscher Sprache vorgelegt und genehmigt, dessen Ueberrragung in's Ungarische Obercantor Bela Guttmann übernommen hat. Ueber Vorschlag der Budapester Cantoren wird nämlich im heurigen Sommer eine Cantorenversammlung in Budapest geplant, um den corporativen Anschluss der ungarischen Cantoren an die Organisation herbeizuführen. Diesbezügliche Anmeldungen sind entweder an Herrn Obercamor Lazarus, Budapest, I. 2uAliA6t „Szep Johäszne“ oder an das Präsidium des öfterr.-ungar Cantoren- Vereines in Wien, k. Seitensteltengasse 4, zu richten. Weiters wurde beschlossen, an die Prager Cantoren neuerdings heranzutreten und sie zur Förderung der Organisation unter den Cantoren Böhmens zu veranlassen, gleichzeitig eine« Aufruf an sämmtliche Cantoren Oesterreich-Ungarns zu versenden und dieselben dringend zum Beitritt aufzufordern. Verschiedene Nachrichten. Wie». Dienstag, den 24. d. M. ist in Kaltenleutgeben, bei Wien' Herr Nathan Königsberger, Adjunkt der Wiener Cultusgemeinde, Sekretär des Bethausvorstandes und Armenrath im 2. Wiener Gemeindebezirke, im 46. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene kam vor 22 Jahren als ganz junger Mann in das Bureau der ^Wiener Cultusgemeinde und wusste^stch durch seine außerordentliche Verwendbarkeit im Dienste, wo er insbesondere die Agenden der Bethaussection mit großer Sachkenntnis führte, die Anerkennung und Werthschätzung des Cultus-Vorstandes zu erwerben. Liebenswürdig in seinem ganzen Wesen war er im Parteienverkehr überaus zuvorkommend und erlangte eine seltene Popularität unter den Gemeindemitgliedern, die auch dadurch zunahm, daß er zahlreiche humanitäre Vereinsbildungen anregte oder an denselben hervorragenden Antheil nahm. Auch von seinen Amtscollegen, denen er sich jederze it als treuer, aufrichtiger und stets hilfsbereiter College erwies, wurde er allgemein geschätzt, und so wäre der Mann gewiss mit allen Gaben ausgestatte t gewesen, um bei der Vergrößerung des Gemeindebureau's in eine leitende Stellung zu gelangen, wenn ihn nicht vor Jahren eine tückische Krankheit befallen hätte, die ihn körperlich und geistig herunterbrachte und auch seinen^ amtlichen Wirkungskreis immer mehr einengte. So wurde der arme Königsberger in den letzten Jahren zum Schatten von einst, und als der Tod an ihn herantrat, erschien er ihm als Erlöser von einem schweren unheilbaren Leiden. An seiner Bahre trauern seine Gattin, Frau Pauline Königsberger, geb. Langsam, 3 Kinder und eine große Schaar von Freunden, denen der kleine, bewegliche in' stetiger Geschäftigkeit dahineilende und. über Alles orientirte Königsberger lange in Erinnerung bleiben wird. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 26. d. M. 3/44 Uhr nachm, am Centralfriedhofe unter großer Betheiligung statt. Unter den Trauergästen bemerkte man den Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Dr. GustavMohn, mit den Vorstandsmitgliedern Baurath Ritter v. Goldschmidt Baurach Stiaßny, Bezirksschulrath Dr. Spitzer, die Bethausvorsteher Moor, Teltscher und das ehemalige Mitglied des Bethausvorstandes, Herrn Wasservogel, fast sämmtliche Beamte der Cultusgemeinde unter Führung des I. Secretärs Kais. Rath Dr. Lieben, die Obercantoren und Cantoren Singer, Schiller, Blatt, Bauer, Jurberger, Löwit, Pekarnik, König, Smotritzky, Schleifer, Seiffert, eine Deputation des Bethaus-, Kranken- und Witwen und Waisenvereines „Montefiore", geführt von den Herren Josef Pollak und Weinwurm, den Vorstand des Vereines „Mikdasch meat", Bezirksrath Mensch, Vertretungen zahlreicher humanitärer Vereine und viele Freunde des Verblichenen. Die cantorale Function versah mit besonderer Innigkeit und Ergriffenheit, die auch die Zuhörer erfasste, Obercantor Guttmann unter Assistenz des gesammten Tempelchores, und Rabbiner Dr. Schmiedl hielt dem Verblichenen einen sinnigen Nachruf. An der Bahre und am Grabe sprachen noch Adjunkt Braun namens der Beamten der Cultusgemeinde, Rabbiner Rosenseld für den Verein „Montefiore^, ein Vorstandsmitglied des Vereines „Mikdasch meat" und Professor Nascher im Namen der persönlichen Freunde des Verblichenen. .-1'2'2'2'n Wien. (Goldene Hochzeit im Versorgungshause.) Am 21. Juni 1902 beging das Jnsaffen-Ehepaar Simon und Josefa Nenmann in der isr. Versorgungsanstalt IX, Seegaffe 9, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlässe wurde demselben nach dem Sabbath- Gottesdienste von dem Verwalter Rudolf Koditschek ein Glückwunschschreiben des Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn kais. Rath Heinrich Klinger, nebst einem vom Cultus-Vorstande bewilligten Ehrengeschenk überreicht. Die Vorsitzende des Ehrendamen-Comitos, Frau Jda Diamant, hielt an das Jubelpaar eine Ansprache, woraus dasselbe von den Insassen und Freunden beglückwünscht und beschenkt wurde. Dcr Jubelbräutigam ist 77, die Jubelbraut 70 Jahre alt. Stocüerau. Freitag, den 20. d. M. ist die durch Frömmigkeit und Wohlthätigkeit ausgezeichnete Frau Amalia Fleischmann im Alter von 80 Jahren unter zahlreicher Betheiligung zu Grabe getragen worden. Am Friedhofe hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. M. Rosenmann aus Floridsdorf eine ergreifende Trauerrede, und die cantorale Function versah der hiesige Cantor und Religionslehrer, Herr I. S. Werdisheim, in erhebender Weise. Warienöad, 18. Juni. (Der Priestersegen.) Dieser Tage machte ich einen Ausflug nach Franzensbad und hörte von einem Zwischenfall, der es verdient, in einem jüdischen Blatte registrirt zu werden. . Am zweiten Tag des ni^ü'-Festes wollten zwei 2^.12, die derzeit als Schächter in Franzensbad fungiren, die Thorapflicht des Duchenens ausüben. Es wäre auch alles glatt abgelaufen, wenn nicht der anwesende Chef einer rituellen Restauration, der sonst wackere Herr A., dagegen protestirt hätte. Das Duchenen ist auch unterblieben, die besonnenen Kohanim wollten größeren Skandalen Vorbeugen. Abgesehen vom religiösen Standpunkt — und ein jüdischer Gastwirth sollte auch diesen nicht ganz außer Acht lassen — hat es sich nicht gebührt, die Weihe des Gottesdienstes zu beeinträchtigen und die Synagoge zum Tummelplatz persönlicher Auslassungen herabznwürdigen. Auch die religiösen Gefühle der dona Me vorgehenden Schächter hätten manche Schonung verdient. Herr A . . . . halte ja Gelegenheit gehabt, bei einer Vorstandssitzung für die Abschaffung dieses jüdischen Brauches zu plaidiren, oder er hätte ganz einfach, um sein Ohr nicht beleidigen zu lassen, nach Keduschah sich entfernen können. Dass das Duchenen in Wahrheit eine heilige Pflicht der Aharoniden ist, konnte Herr A. aus der Thorasatzung, die gerade am jüngsten Sabbat verlesen wurde, deutlich genug entnehmen. Herr A. hat aber offenbar eine geringschätzende Meinung von dem Segen solch zugereister Kohanim: das beweist aber nur, dass er und diejenigen, die so denken, keine blaffe Idee vom Geiste dieser.herrlichen Satzung haben. ^xis" '22 Hy nx lautet das Thorawort. Die (Kohanim sollen legen meinen'Namen auf die Söhne Israels, d. h. sie haben den Segen thatsächlich auszusprechen, das ist ihre religiöse Aufgabe, aber ooi2X '2x1, den faktischen Segen schafft Gott. Jüdische Priester ertheilen keinen Segen, der Kohen ist blos Organ, den Segen ertheilt Gott selbst, und auf diesen Segen wird auch Herr A. — besonders in der Cursaison — schwerlich verzichten wollen. A. S. Warienöad, 22. Juni. Die Saison ist in voller Entwicklung begriffen. Auf der Kreuzbrunn-Promenade entfaltet sich jenes in'teresfante Bild, welches der Beginn der Hochsaison so trefflich markirt. Auch sonst herrscht in den Straßen ein lebhaftes Gewühl, das dem Curort Marienbad den Stempel eines Weltcurortes aufdrückt. Marienbad selbst hat fein Totalbild in der Weise geändert, dass die obere Kaiserstraße verbreitert wurde, so dass dem hier herrschenden, ganz bedeutenden Wagen«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.