Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 25 (27.6.1902)
- Date
- 1902-06-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Dte Wahrtzeu. nt. 25. Lorferlinie, bei welcher Herr Vizepräsident Dr. Stern und er — Bauratb Stiaßny — namens der Cultusgemeinde intervemrten. An den Bericht knüpft sich eine Debatte, an welcher sich die Herren Vicepräsident Dr. Stern, Cultnsvorsteher Emanuel -Hoffmanu, Vertreter Ober-Fiuanzrath Dr. Rappaport und. Herr LLerbaurath Taussig betheiligen; die Angelegenheit wird hierauf dem Vertreter-Collegium zur weiteren Berathung und ÄntragßteKung zugewiesen. Stiftungsaugetegenheiten. Erster SecretLr kaiserl. Rath Dr. Lieben referirt über Anträge des Vertreter-Collegiums in Stiftungsangelegenheiten. Im Sinne dieser Anträge werden folgende Beschlüsse gefasst : Es sei in das Ansuchen um Zustimmung zur Abänderung des Stistsbriefes der Dr. Ignaz Lcmberger'schen Heirats«Ausftattungsstiftung aus Grund der gutachtlichen Aeußerung des Stiftungscomite aus principiellen Gründen nicht einzugehen. Gleicherweise sei das Curarorium der Isaak Kuffler'schen Heirats-Ausstattungs-Stiftung, welches einen Präsentations- Vorschlag erstattete, in dem die Voraussetzung einer stinbrieflichen Bedingung mangelte, zu ersuchen, einen neuerlichen Präsentationsvorschlag zu erstatten. Zur Verleihung gelangen : Die Klara Kahane'sche Heirats- Ausstattungs-Stiftung an zwei verwaiste.Mädchen mit Betragen von je K. 425; ferner die Hermann Freiher von Todesco'sche Armen- und Waise,tstistung mit drei Plätzen a ft. 50D imö fünf Plätzen k K. 400 an tu Wien wohnhafte Waisenkinder. Serpflegskosterr im iftaet. gpitat. Eine längere Discnsiion fanden die Anträge des Vertreter- Collegiums, betreffend Renregeluttg der Verpflegsgebühren im israel.tischen Spitale. An verielben betheiligteu sich die Herren Vertreter Dr Steiner. Vice-Präsident Dr. Steril, Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Vice-Präsident Dr. Kohn, Eultusvorsteher Ellbogen, Eultusvorsteher Emanuel Hoffmann, kais. Rath Weil und der Vorsitzende. Letzterer betonte, dass die Regelung der Verpfiegsgedühreu, seil längerer Zeit von der Spitals-Commiffion angeregt, nunmehr mit Rücksicht auf die erfolgte Erweiterung des Spitales dringlich sei. Gleichzeitig bringt der Vorsitzende zur Kenntnis, dass mit der theilweisen Belegung der neuerrichteten chirurgischen und gynäkologischen Abtheilnngen bereits am 15. Juni d. I. begonnen wurde. Sohin werden nachfolgende Beschlüsse genehmigt: 1. Für das Spital der israelitischen Cultusgemeinde Wien werden provisorisch und bis auf Wideruf drei Verpslegs-Classen mit nachstehenden Tarifen festgesetzt: a) für die dritte Verpsiegsclaffe K. 3 — per Tag; d) für die zweite Verpsiegsclaffe >K.. 6'— per Tag; c) für die erste Verpsiegsclaffe K. 12'— per Tag; für eine Begleitperson, welche im Spital Unterkllnft und Verpsiegung findet, eine Gebühr von K. 6'— per Tag. Diese letztere Bestimmung bezieht sich nur aus die erste Verpsiegsclaffe. 2. Diese Taxen und Gebühren treten sofort in Kraft. Aus der' Debatte sei noch heivorgehoben, dass laut statistisch-n Ausweisen der weitaus größte Theil der Patienten im Spitale unentgeltliche Verpflegung findet und dass beispielsweise im Jahre 1901 von 995 Patienten 886 unentgeltlich verpflegt wurden. Statuterrärrderttug der Khewra Kadischa Einen weiteren wichtigen Gegenstand der Tagesordnung bildete das Ansuchen des Vorstandes der „Chewra Kadischa" um Lvstimmnng zu den von demselben beschlossenen Aenderungen der Vereinsfiatnten. Die wichtigste beantragte Aenderung besteht darin, dass von nun an ein Theil des Vorstandes aus der Wahl durch die Vereinsmitglieder in der Generalversammlung hervorgehen soll. In längeren Ausführungen präcisiren ihren Standpunkt zu den vorgeschlagenen Modificationen die Herren Vicepräsident 'Dr. Stern, Oberfinanzrath Dr. Rappoport, kais. Rath Weil, Dr. Spitzer und der Vorsitzende, welch letzterer hervorhob, dass es freUdigst zu begrüßen und anzuerkenuen sei, dass das Interesse für die „Chewra Kadischa," diese altehrwürdige Corporation, in den letzten Jahren in immer weitere Kreise der Gemeiudemitglieder gedrungen sei. ' Das vorgelegt Statut wird sohin mit einer vom Vertreter-Collegium vorgeschlagenen Abänderung mit großer Majorität angenommen. Zn Angelegenheit des zu günstigeren als den bisherigen Bedingungen erfolgten Abschlusses eines süufjährigen Uebereiukommens mit der Intel nationalen Elektricitätsgesellschaft, betreffend die Beleuchtung in Gemeindehäusern und Gemeindetempeln erstattet Herr Eultusvorsteher Oberbaurath Taussig das Referat; die von ihm-namens des Verlretercollegiums gestellten Anträge werden angenommen. Die Sitzung wird sodann um halb 2 Uhr Nachmittags geschlossen. * * «- ' * Dem Präsidenten der Cultusgemeinde, Herrn kaiserl. Rath Klinger. wurden übergeben Kr. 12 000, und zwar fl. 5800 in Staatsrenten und fl. 200 Pfandbriefe der österreichischen Bodencredit-Anstalt behufs Errichtung einer Bettstistung un neuen Spitalspavillon zum Andenkeli au den seligen Herrn Moriz Schmiedl, k. k. Gerichtsadjnucten, des verewigten Sohnes des Herrn Rabbiners Dr. Adolf Schmiedl und seiner Gattin Charlotte Schmiedl. Wijsenschast oder — Gelehrsamkeit. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink—Wien. II. Man kann ohne Weiteres zugeben, dass "unsere Religion in ihrer ursprünglichen Gestalt keine Glaubenssätze kennt. Es bekundet sich hierin zunächst ein Zug wunderbarer Ökonomie hinsichtlich der Form, En welcher die Offenbarung uns überkommen ist. Glaubenssätze hätten nothwendig ans die Begriffe jener Zeit des Alterthums eingehen müssen. Bei dem Stande der damaligen Welt- und Natnrerkenntnis waren dieselben unvermeidlich noch sehr beschränkt und unvollkommen. Bei dem Fortschritte, der in Bezug auf letztere unausbleiblich war, wären in der Folge die in solchen Erkenntnisformen niedergelegten Lehren der Offenbarung als veraltet angesehen worden uub hätten einer fortgeschrittenen Zeit als überwunden erscheinen wüsten. Wer jedoch auf Grund dessen die Behauptung wagte, dass die isr. Religion aller Glaubenswahrheiten bar sei, der hätte von dem, was ihren Kern und ihr Wesen ansmacht — keine Ahnung. Die Thora kennzeichnet Gruppe ihrer Gebote als NNP. Wie der Name schon sagt, liegt in ihrer Belhätigung eine Bezeugung, oder, wie wir uns modern ansdrücken würden — „eilt Bekenntnis". Hier gelangen alle Elemente des reinsten und erhabensten Gottesglaubens zur vollendetsten Ausprägung. Die Ueberzeugnng, dass Gott der Schöpfer des Weltalls ist, bekundet sich in der Feier des Sabbats. Jtt der Weihe der Erstgeburt .11122 verewigen wir das Wtlnder, welches unseren Vorfahren die Befreiung aus de.n Joche der Aegypter erwirkt hat. Dieses selbst war aber nichts anderes, als die greifbare Darlegung der Thatsache, dass Gottes Vorsehung nicht blos über die großen Fragen im Haushalte der Welt, sondern auch auf das Einzelne der Persönlichkeit sich erstreckt. In dem Gebote der Mazzoh, dem Hauptsymbole des Besreiungsfestes, bekennen wir, dass die Erlösung in jenem Augenblicke erfolgen mußte, den Gott dafür bestimmt hat. Keine Macht der Welt konnte jenen Moment auch nur um eine noch so kurze Spaune Zeit hinausschieben. Hierin wurzelt die Erkenntnis, dass Gott es ist, der die Geschicke der Volker und insbesondere die seines Volkes Israel lenkt. Das Omeropfer, welches unter Vornahme einer isun d. h. einer Schwingung nach allen sechs Richtungen des Raumes, zur Darbringung gelangt, bringt die Ueberzeugnng zum bekenntnismäßigen' Ausdrucke, dass Gott über alle Kräfte - der