Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 25 (27.6.1902)
- Date
- 1902-06-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Rr. 25. Die Wahrheit. Seite 5. jüdische Lehren, am Altäre geleistete Jugendschwüre und Caro'sche j Predigten. Die Jungfrau rast über alle jüdischen Heiligthümer! hinweg, weil unsere jüdischen jungen Leute für die große Schaar! seingebildeter, echt poluisch-assimilirter Heiratscandidatiunen nicht! genug passende und wohlsituirte Lebensgefährten bieten. Da i liegt der Stein des Anstoßes, ja die schier unübersteigliche und! unüberwindliche Mauer. Verfitzen und vertrauern, oder bespritzen | und lustig gnädige Frau werden — das ist schreckliche Alter-! native, die Viele zu Falle bringt. > Würde man mich um' meine Ansicht über' diese ernst traurige Erscheinung, ja den todten Punkt unseres Volkes, befragen — 712 T2'TV DV2 wnmA M no „Was macht es unseren Schwestern am Tage, davon ihnen gesprochen" wird? — würde ich! Folgendes antworten: Zwei Confirmationsweisen sind nöthig, die eine heißt die Confirmation der Lehre der Schulmädchen, : D’pJl’l ’öö und die Confirmation des Traualtars der Jungfrauen. Aber nicht die blöde, unjüdische Religionskatechetik, sondern jüdisches Wissen nnd jüdische Geschichte müsste als ernstes j Studium auch für die Mädchen vorgetragen werden. Solche Lehren würden den Mädchen unausrottbaren, echt consirmirten jüdischen Geist und jüdisches Fühlen und Denken fürs spätere? Leben einimpsen. Und ebenso erwachse in der Trauungscon- ' firmation allen jüdischen Gemeinden die heilige Pflicht nwsn Heiratsgelegenheiten zu schassen, insbesondere für verlassene und; verwaiste Mädchen. Diese Confirmation würde Wunder wirken ° und die Lockeren an unser Volk binden mit Banden von Blut und Eisen. Dies in großen Umrissen die Säulen und Grundfesten,! auf denen das moderne nationale Judenthum ausgesührt werden soll. Doch diesen so überaus wichtigen Gegenstand in so knappen Umrissen abthun, hieße die hohe Bedeutung jüdischer Fragen . verkennen, und wir wollen uns ein andersmal viel ernster und; eingehender mit demselben befassen. Für heute kehren wir wieder! zu unserer Lemberger Confirmation zurück.; Wiewohl alle Betheiligten ihr möglichst Bestes geleistet haben, könnet: wir dennoch die Frage nicht unterdrücken, wes-; halb denn die polnische Assimilation immer in so burlesker Weise hervorgekehrt werden muß und die Confirmandinnen z. B. einen Psalm eines polnischen Autors uud nicht einender heiligen! und einzig schönen Psalm unseres königlichen Sängers David im Tempel vorgetragen haben. Schätzt vielleicht der Prediger und Rabbiner Dr. Caro das Polnische höher als unsere höchsten j nationalen Geistes- und Herzensergüsse? Und welche Gedanken! sollen sich da die Backfischverschwörerinnen über ihren Geliebten! — Judenthum genannt — machen, wem: die viel jüngere! Polenlitteratur über Alles erhoben wird? ' Besonders lobend muß der Religiouslehrer Schipper er-! - wähnt werden. Dieser veranlasste seine Schülerinnen, die am! Schewuothtage das Joch des ewigen Judenthums auf sich ge-! nommen, von der Frucht ihrer Hände und, ihrer weiblichen J Geschicklichkeit dem Tempel ein Opfer zu bringen.. Diese Mädi chen stickten Jahre hindurch ein Parocheth in Gold und spendete»!! dasselbe dem Tempel. Das nenne ich praktisches Judenthum.; Das Parocheth war wohl einfach in der Ausführung, aber trotzdem geeignet, dem Confirmationsacte besonderen Nachdruck zu verleihen. _ Samuelsohn. Äu« der Wiener Cultusgemeinde. Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 22. Juni 1902, unter dem Vorsitze des Präsidenten, kais. Rath Kling er. Beginn der Sitzung um halb 11 Uhr Vormittags. ' Anlauf. Aus dem Einlaufe werden bekanntgegeben an Spenden: Bon „Ungenannt" für die Israelitische Armen-Anstalt K. 3000'—, für die »Israelitische Allianz" zu Gunsten der armen rumänischen Juden K. 2000'—, von „Ungenannt" für Arme K. 1000.—, für das Israelitische Mäachen-Waisenhaus K. 500'—, für das Israelitische Siechenhaus K. 500'—, von Anonymus für Arme K. 50'—, für den Israelin scheu Waisenverein K. 15'—, für die Chewra-Kadischa K. 15'—, 'ür bis „Israelitische Allianz" zu Gunsten rumänischer Auswanderer K. 20'—, von Frau Elsa Abeles, für den Fond eines zu errichtenden israelitischen Kinderspitales. K. 4'—, von Herrn Ernst Löwy. für rumänische Auswanderer K. 3'—, Entnahme aus den Sammelbüchsen im Gemeindebethause des XV. Bezirkes zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder in Fünshaus K. 141'72, von Herrn Dr. Jakob Engel, für das israelitische Siechenhaus K. 50'—, für den Verein „Ferienheim" K. 50.—, von Herrn Gottlieb Bettelheim, Spende von 100 Flaschen Karmel-Wein für das israelitische Siechenhaus. Spenden im Gemeindebethhause I., Seileiistetlengasse: Von. Herrn Leopold Sachs, für die „Israelitische Allianz K. 36'—, für die israelitische Armenaustalr K. 36'—, für das israelitische Blindeninftitut K. 20'—, für die Chewra-Kadischa K. 36.—, für den israelitischen Handroerkerverein K. 36.—, für den Verein zur ulrentgeltlicher! Verpflegung armer Brnsrleideiider aus dem Lande K. 36'—. von Herrn Moritz Schreier, für das israelitische Siechenhaus K. 20'—, von Herrn Dr. Alfred Stern, für die „Jsraelisische Allianz" K. 150'—, für die Spitals- Aushilsscassa K. 50'—, von Herrn Heinrich Weiß, für die „Israelitische Allianz" K. 10'—, von Herrn Jakob Moor, für das israelitische Siechenhaus K. 20.—, von Herrn Moritz F. Rainer, für verschiedene Wohlthätigkeits-Anstalren K. 100'—, von Herrn Jakob Singer, für das israelitische Allersversorgungshaus K. 10'—, für die „Israelitische Allianz" K. 10'—. Spenden im Gemeindebethause II., Tempelgasse: Von Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl, für die Chewra-Kadischa K. 20'—, von Herrn Rector Dr. Adolf Schwarz, für den Studenten-Unterstützungs-Verein K. 20.—, für die Dr. 'Adolf Schmiedl-Stistung K. 10'—, von Herrn Peter Boschan, für das israelitische Altersversorgungshaus K. 20'—, sür die israelitische Armen-Anstalt K. 20.—, sür die Dr. Adolf Schmiedl- Stistlmg K. 20'—, von Herrn Jakob Kann, für die „Israelitische Allianz" K 20'—, sür das israelitische Blinden-Jnstitut K. 20.—, sür das israelitische Taubstummen-Jnstitut K. 20'—, für den israelitischen Haudwerkerverein K. 20.—. von Herrn Joses Fuchs, sür das israelitische Altersversorgungshaus K. 10.—, von Herrn Wilhelm Stern, sür das israelitische Altersversorgungsbaus K. 25'—, von Herrn Bsta Guttmann, für den Talmud-Thora-Berein K. 5.—. sür die Dr. Adolf Schmiedl- Stistung K. 5'—, von Hern Arthur Flaschner, sür verschiedene Wohlthätigkeits-Anstalten K. 100'—. Im Ein lause gelaugt ferner zur Verlesung ein Dankschreiben des Vorstandes der Israelitischen Cultusgemeinde in Franzeusbad sür die dem „Kaiser Franz Josef-Jubiläums- Hospital für arme Israeliten" gewährte Subventions-Erhöhung. Z^räfidiakverichL. Im Präsidialberichte erwähnt der Vorsitzende, dass infolge derMandatsriiederlegung des Vorstandsmitgliedes, Herrn Docenten Dr. Joses Grünseld, welcher nicht zum Widerrufe feiner Demission zu bewegen war, der Cultusvorstand im Sinne des §7 des Statutes über den Zeitpunkt der Ersatzwahl zu beschließen habe, und beantragt namens des Vertreter-Collegiums, diese Ersatzwahl gleichzeitig mit den im Herbste stattfindenden Neuwahlen vorzunehmen. Der Antrag wird angenommen. Der Präsident bringt ferner zur Kenntnis, dass er Herrn Dr. Joses Breuer ersucht habe, im Hinblicke aus die für längere Zeit bevorstehende Abwesenheit des Cultusvorstehers, Herrn Wilhelm Kussner, die demselben als Obmann der Spitals-Commission zukommenden Agenden unter Mitwirkung des Obmann- Stellvertreters der Spitals- Commission,'Herrn Emanuel Hoffmann, zu übernehmen, wozu sich Herr Dr. Breuer gerne bereit erklärt hat. (Zustimmung.) lieber Aufforderung des Vorsitzenden erstattet Herr Vertreter Baurath S t i a ß n y Bericht über eine am 10. Juni 1902 »bgehaltene commissionelle Verhandlung, betreffend das Project für die Regulirung des Gebietes nächst der ehemaligen Nuß»