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Die Wahrheit · 1902-06-27 · Heft 25 (27.6.1902) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 25 (27.6.1902)
Date
1902-06-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 26. Seite 4. Oie Dohrhett. brütguug seiner Interpellation biangt ihn eine Zeituugemelduug, wonach mau die Absicht habe, sich mit der Pester israelitische» Gemeinde wegen Durchzuges von hunderttausend rumänischen Juden in Verbindung zu setze» und dass gegen diese Invasion keinerlei Verfügung getroffen wurde. Seine Interpellation au den Minister - Präsidenten als Minister des Innern lautet folgendermaßen: 1. Nachdem der Herr Minister aller Wahrscheinlichkeit nach Kenntnis davon hat, dass von Galizien und Rumänien her eine so starke Einwanderung von Juden in unser Land begonnen hat, welche in ihre» Wirkungen alle bisherigen Einwanderrutgen bedeutend übertrifft, Frage ich: Welche Maßregeln hat er getroffen, oder gedenkt er unverzüglich zu treffen, damit dieser, die wirthschastlicheu Jtttereffeu unseres Vaterlandes gefährdenden Invasion sobald als möglich ein Damm gesetzt werde? 2. Hat er nunmehr schon die Absicht, das auch iit der Thronrede iu Aussicht gestellte Einwanderungsgesetz dringlich dem Hause vorzulegen? Minister-Präsident Koloman S z e 11 ist in der Lage, die Interpellation sofort zu beantworteu, da es sich um eine Angelegenheit handelt, mit der er sich vor Kurzem zu befassen hatte, als die ersten Nachrichteit darüber auftauchten, dass eine Auswanderungsbewegung der rumättischen Inden nach Ungarn im Zuge sei. Der Abgeordnete Buzäth hat iu seiner Interpellation unter Anderem gesagt, dass auch vor zwei Jahren zur Verhinderung der Eiuwaitderung der rumänischen Juden nichts geschehen sei. Das ist eine Entstellung, das ist nicht richtig und nicht gerecht. Es ist etwas geschehen .... Nikolaus Zboray: Hatte es aber Erfolg? Minifter.'Pläsident Koloman Szell: . . . und es hatte auch Erfolg. Hinsichtlich der Einwanderung der rumänischen Juden hat der Mruister-Präsident dieser Tage eine Verordnung erlassen, iu welcher er die Verwaltungsbehörden anwies, sich strengstens an die in dieser Angelegenheit ausgegebette Verordnung vom Jahre 1900 zu halte» und daraus zu achten, dass Niemand die Grenze überschreite, der den in dieser Verordnung umschriebenen Anforderungen nicht entspricht. Was das Historikum dieser Verordnung betrifft, so erwähnt der Minister-Präsident, dass diese Verordnuitg zu Stande gekomniett sei, als die rumänischen Juden sich zum ersten Male in größeren Massen Ungarn zuwaudten. Die Betreffeudett hatten weder Pässe noch Reisegeld und konnten von hier nicht weiter. Es wurden mit der rumänischen Regierung langwierige Verhandlungen augeknüpst und schließlich - wurde eine Verordnuttg erlaffen, laut welcher das Uebertreten der Grenze blos denjenigen gestattet wird, die, wenn sie mehr als 10 Jahre alt sind, über 400 Kronen, wett» sie weniger als 10 Jahre alt sind, über 200 Kronett Reisegeld verfügen, oder mit einer Legitimation seitens einer Transportunternehmung versehen sind, welche sie befördert. Außerdem müssen sie einen regelrechten Pass haben, und Nachweisen, wohin sie reisen wollen. Die Controlle war sehr streng, es wurden den Betreffenden sogar ihre Reisebillets abgenommen und erst beim Verlassen der Grenze tvieder eingehändigt, damit sie ihre Route nicht ättdern und sich auch hier nicht ttiederlaffen können. Es wird also mit der größteit Strenge darüber getvacht, dass unbefugte Elemente nicht ins Land kommen. Es mag sein, dass ein, zwei Leute doch hier bleibett, das lässt sich auch bei der strengstetl Coutrolle nicht vermeiden. Die Controlle war also vorhanden uttd es ist Alles gescheheti, um das Einströmen der bezeichueten Elemente zu verhindern. Viktor Pichler: Zwingen Sie Rumänien, diese Leute zu behalten. Auf Gruttd ves Berliiter Vertrages ist es dazu verpfiichtet. (Lärm.) Präsident ersucht Pichler, den Minister-Präsidenten uicht zu unterbrechen. Viktor Pi chler: Aus Grund des Berliner Vertrages kann Rumänien gezwungen werden! Präsident ruft Pichler zu Ordnung. (Zustimmung rechts.) Minister-Präsident Koloman Szell erklärt, dass er sich mit der Einwanderungsfrage — wie er es erst jüngst dargelegt hat — eingehend belasse, beim er theilt die Ansicht, dass die Einwanderung dieser Elemente nicht wünscheuswerth sei. Nicht einmal unsere jüdischen Kompatrioten hegen diesen Wunsch. Der Minister-Präsident vertheidigt also das Land gegen die Einwandernng unzuverlässiger Elemente, aber er wird es nicht gestatten, dass man seinen Maßregeln einen antisemitischen Anstrich gebe. (Zustimmung rechts.) Das ist nicht nöthig, nicht richtig und nicht statthast. Aber solche Elemente müssen serngehalten werden, ob es nun Inden sind oder Christen. Besonderes Gewicht legt der Minister-Präsident, der auch das Gemeindegesetz zu modifiziren wünscht, auf die strengere Einrichtung des Grenzdienstes. Man kann die besten Verfügungen treffen, wenn es keine Organe gibt, die diese Verfügungen durchführen könnten. Die Aussicht ist schon jetzt sorgfältiger, sie könnte aber noch viel besser sein, wenn es entsprechende Organe zur Durchführung der Verfügungen geben würde. Dafür soll auch gesorgt werden. Nach alldem bittet der Minister-Präsident das Haus, die Antwort zur Kenntnis zu nehmen. (Zustimmung rechts.) Franz Major: Mau mussdie Eingewanderteu auf zehn Jahre zurückgehend per Schub hinausbesördern. Der Interpellant und das Haus nehmen die Antwort zur Kenntnis. Wahrheit über Äües. Die Confir mation in Lemberg. Wie faul muß es im modernen Staate Juda sein, wenn die jüdischen Fortschrittsrabbiuer immer wieder nach Mitteln ausspähen, um den letzten fliehenden Aihem ihrer Heerde noch auszuhalten. Ich fürchte, vergebens! Schauspieler, und wären sie auch die beliebtesten und selbst ernster Natur, werden von Niemandem ernst genommen. So unternahm vor kurzem auch unser Prediger, Herr Dr. Caro, der Capo aller Oberaffimilanten, einen Feldzug gegen den Abfall mit dem bewährten Geschütz der Confirmation. Am zweiten Schwuothtage marschirten weißgekleidete Backfische aus den Almemor des Tempels, um sich allda zu guten Jüdinnen einzuschwören. Dr. Caro war ganz Pole und die jugendliche Schaar der Confirmandinnen'Polinen reinsten Wassers, leistete den Eid der Treue dem Gotte Israels und seiner heiligen Lehre. Leider sind aber beide unbekannte Größen für die zarten Backfische. Prediger Dr. Caro ist nicht der erste Chatau Thora, welcher den jungen Geschöpfen den Schwur der Treue abnimmt. Schon im Jahre 1846 hat der erste unglückliche Prediger der Cultusgemeinde, Herr Abraham Kohn, ein gleiches Wunder seiner Reformarbeit vollzogen, jedoch nicht am Scheivuoth, sondern am Rosch-Haschana des genannten Jahres. Der Selige hob das ausgerollte Sefer Thora in die Höhe, wies es den Mädchen als den edelsten Rest unserer Herrlichkeit, und beschwor die Kinder, dem Glauben ihrer Eltern und Ahnen treu zu bleiben. Schade, dass alle Statistiker sich darüber ausschweigen, wie viele von jenen in ihrer späteren Lebenslaufbahn sich noch ihres Schwures erinnern mochten. Wie erst heutzutage, wo in unserem glorreichen Piastenlande alle Wege zum Taufbecken führen, wo ferner an der Thüre jedes Klösterchens die starke Hand und der a.tsgestreckte Arm der k. k. Regierung erlahmt, da erscheint uns dieses religiöse Backfischspiel als ein sehr harmloses Beginnen. Ob daher der Brautwerber Israel auf den Treuschwur der unbesieckten Backfischstandhastigkeit' auch in späteren Tagen etwas geben kann, das muß die Zukunft lehren. O, wäre ich ein falscher Prophet! Die leidige Praxis lehrt uns leider, dass wir uns ans sehr trostlose Erscheinungen einrichten müssen. Mit dem Aufgehen der Jungfrauensonne erbleichen die traumhaften Ideale des Schulbackfisches, und lüstern schielen so manche unserer Töchter nach dem Lebensglücke, dasselbe im arischen Lager suchend und findend. Vergessen, verschollen und versunken sind

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