Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1902-06-27 · Heft 25 (27.6.1902) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 25 (27.6.1902)
Date
1902-06-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063113-3063138--01977-3068614
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i Redaktion uns Sldiiiiilistratio r: | 'jSBien, II/i. Novaragasse 27. K. k. österr. Po.'vrrcissa Check-Como Nr. 846.25'. Inserate 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements. und Jnserationsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. -«abhängige Heitschnft für Mische Interessen. Bezugspreis:! Ganzjährig.; . ff. 12.— . Halbjährig . ... ff. 6 — j Für Cultusbeamte: Ganzjährig.... ff 10.— Erscheint jeden Freitng. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Für Ausland:! Ganzjährig . . .8 Mark, j . 6 Rubel oder 16 FcS j tlr. 25. Men. 27. Juni IM. Inhalt r Die rumänische Judenauswanderung im Ungar. Abgeordnetenhause. — Wahrheit über Alles. — Aus der Wiener Cultusgenreinde.— Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. — Moses und die jüdische Gesetzgebung. — Zur Organisation. — Verschiedene Nachrichten. — Das Kaddischgebet. Än nnlrrr Leier! Unentwegt hat unser Blatt an seinem Programme, das Interesse für die erhabenen Ziele des Judentums in allen Mevölkerungsschichren zu wecken, festgehalten und dabei die Anerkennung der maßgebendsten Kreise des Judenthums gesunden. Unser Bestreben wird auch fernerhin daraus gerichtet sein, jüdisches Leben in allen seinen Erscheinungen zu pflegen, die innere Organisation mit allen Kräften zu fördern, die Borfälle im Kemeinde- und Aereinsleben mit maßvoller und oöjectiver Kritik zu beurth eilen und den Kampf nach Küßen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Solches Streben verdient gewiss die vollste Unterstützung aller Glaubensgenossen und wir richten an dieselben die dringende Bitte, diese ehrliche publicistische Thätigkeit durch Köonnierung unseres Mattes und durch möglichste Verbreitung desselben zu fördern. das Land bedrohenden rumänischen Judeileinwauderung. Kolomann Szell reagirte sofort auf die Anfrage und verwahrte sich gegen die in der Interpellation enthaltenen Vorwürfe, die zum größten Theile den Thatsachen nicht entsprechen. Erfreulich war die entschiedene Erklärung des Ministerpräsidenten, dass er niemals gestatten werde, den Maßregeln, die er im Interesse des Landes zu treffen gezwungen sei. einen antiseimnschen Anstrich zu geben. Das mag für die ungarischen Juden immerhin sehr beruhigend klingen und gleichzeitig auch den sudenfeindlichen Elementen in Ungarn als deutlicher Fingerzeig dafür dienen, dass sie für ihre Aspirationen bei der gegenwärtigen Regierung keine Förderung erhoffen dürfen. Bedauernswerth ist nur der eine Umstand, dass der Zwischenruf des Adgeordneten Pichler, warum denn die ritmünische Regierung nicht zur Einhaltung des Berliner Vertrages gezwungen werde, seitens des sonst in auswärtigen Angelegenheiten nicht so überaus zurückhaltenden ungarischen Ministerpräsidenten keinerlei Beachtung gesunden hat. Dieses Schweigen ist leider bezeichnend sür die Haltung sämmtlicher Siguatarmächte des Berliner Vertrages gegenüber den allem Völkerrechte hohnsprechenden, von Rumänien an den Inden geübten Brutalitäten. Im Nachstehenden ein ausführlicher Bericht über die betreffende Sitzung des Ungar. Abgeordnetenhauses Bei Einsendung des Abonnementsbetrages wolle man sich beiliegender Uostanweisung bedienen. Probennmmern stehen zur Verfügung. Die Redaction« Die rumänische Iudemmswanderung im Ungar. Äbgeordnetenhause. Die werkthätige Unterstützung, die den rumänischen Juden von Seiten ihrer ungarischen Glaubensgenossen zu Theil wird, und das menschlich gewiss gerechtfertigte Mitleid, das diese Armen und Bedauernswerthen auch bei einem großen Theile der andersgläubigen ungarischen Oeffentlichkeit während ihres Durchzuges durch Ungarn finden, ist den Antisemiten jenseits der Leitha natürlich ein Dorn im Auge, und um ihrem Unmuthe hierüber Luft zu machen, interpellirten sie durch einen ihrer Wortführer in der Schlusssitzung des Abgeordnetenhauses den Ministerpräsidenten Kolomann Szell wegen einer angeblich Franz Buzäth interpellirt in Aligelegenheit der Einwanderung der Juden. Er erinnert daran, dass er in der Angelegenheit der Einwanderung aus Galizien schon einmal interpellirt hat. Er weiß, dass die Frage ftudirt wird, doch lässt der Gesetzentwurf zur Regelung dieser Frage noch immer aus sich warten. Inzwischen hat die jüdische Invasion große Dimensionen angenommen, auch aus dem Grunde, weil es eine große Judenauswanderung aus Rumänien gibt. Diese ansgewanderlen rumänischen Juden finden in Ungarn eine gastliche Ausnahme. In Budapest sammelt man Geld für sie. Die Grenzcomitate gegen Rumänien und Galizien sind schon voll mit eingewanderten Juden; ob sie von der Hauptstadt weiterziehen, weiß man nicht. Die großen Gefahren einer solchen Invasion will Redner gar nicht ansmalen; er sagt nur, dass sie die Persons- und Bermögenssicherheit gefährden. Diese Auffassung wird von den ungarischen Inden selbst getheilt. Zum Beweise dessen führt er die letzte Munkacser Rabbinerwahl an, gegen welche die dortigen intelligenteren Juden bei dem Cultusminister reclamirt haben, indem sie gegen das Einströmen der fanatischen galizischen Juden protestirten. Zur Ein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.