Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 24 (20.6.1902)
- Date
- 1902-06-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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leflcrr.-ungar. Cantoren-Zeitnng. Nr. 24. Beilage zur Zeitschrift „Zie Wahrheit." 22. Iahrg. Zur Grganisatiou.! lieber Einladung des Vorstandes des „Oesterr.-ungar. Cautoren-Vereines" sind die Delegirten des mähr. Cantoren- Vereines, Präsident Obercantor Heller-Brünn, Obercantor j Slößler-Neurausnitz und Odercantor Kohn<Lnndenbnrg, Dienstag j den 17. d. in Wien eingetroffen, um die in vorletzter Nummer? angekündiate Berathung bezüglich corporativen Anschlusses der > mährischen Cantoren an die Organisation zu pflegen. Die Besprechung, an welcher ansier den genannten Delegirten seitens; des „Oefterr.'ungar. Camoren-Vereines" Präsident Odercantor Singer, Vicepräsident Odercantor Bauer, Cassier I. Camor Blatt, I. Canror Schiller und Vereinssecielär Dr. Löwy lheil- ' nahmen, fand um 5 Uhr Nachmittags im V.reinslocale, I.. Seitenstettengaffe 4, 4. Stock, statt, und das Ergebnis derselben kann unbedingt als ein höchst erfreuliches bezeichnet werden. Eiumüthig gelangte seitens der mährischen Delegirten die Anschauung zum Ausdrucke, dass sie den Beitritt sämmtlicher mährischen Cantoren zur neuen Organisation sympathisch begrüßen, ihn mit allen Kräften fordern wollen, und dass sie überhaupt den Zusammenschluss der gesammten .Collegenchaft in einem großen CoUcgenbunde für unbedingt nothwendig halten. Divergirende Ansichten traten nur bezüglich der Art und Weise der Anglitderung des mährischen Canloren-Bereines an die Organisation zu Tage, jedoch wurde am Schluffe der Berathungen eine Annäherung der beiderseitig vertretenen Standpunkte onstatirt, und gewiss wird es gelingen, auch diese Frage zu allseitiger Befriedigung zu lösen. Im Nachstehenden der Bericht: Der Vorsitzerlde. Odercantor Singer, begrüßte mit herzlichen Worten die erschienenen mährischen Collegen und, dankte ihnen namens des Vereinsvorstandes für die Opfer, die sie durch ihr Eintreffen in Wiett dem großen Gedanken der coüegialeu Einigung gebracht haben. Hierauf richtete er au Odercantor Heller die Frage, ob er namens des mährischen Cautoren-Vereines Mittheilungeu über die Stellung desselben , zur Organisationsfrage zu machen habe.! Obercantor Heller wünscht vorerst Aufklärung seitens! des Vorstandes des »Ocsterr.-ungar. Cautoren-Vereines", wie i sich derselbe die Vereinigung organisilt denke. Nicht über Tendenz I und den prakliichetl Werth der Organisation, die jedem Cantor i einleuchten müssen, sondern über die Details der inneren Orgaj nisation sei er nicht genügend informirt. Odercantor Singer erwidert hierauf, dass er das Ideal! der Vereinigung in einer möglichst großen Anzahl der Mitglieder i erblicke. Das Cantorar gehe immer mehr zurück, weil die Canloren nicht Zusammenhalten, und eine Besserung der jetzigen tristen Verhältniße könne nur dann eintrelen, wenn die gesammte Collegcnschafl unter eitlen Hut gebracht wird und in geschlossenen Reihen für ihre Interessen eintritt. Zn diesem Behufe halte eres für nothwe:rdig, dass die jetzt bestehenden collegialen Vereine in einem großen Vereine aufgehen. Die Details der Organisation seien in den Statuten enthalten, die nunmehr zu Ende berathen sind und in nächster Zeit der Oeffentlichkeit übergeben werden. Obercantor Heller verweist ans den Beschluss der letzten Genei alversammlniig des mährischen Cautoren-Vereines, die sich strikte gegen die Auflösung des Vereines anssprach, und er glaubt nicht, dass ein Mitglied auch heute der Auflösung und dem völligen Aufgeheu des mährischen Vereines in der neuen ' Organisation zustimmeu werde. Nichtsdestoweniger feien sowohl er als alle Collegen in Mähren von der Nothwendigkeit eines große» Vereines durchdrungen und entschlossen, demselben beiznreteu. Die Organisation desselben stelle er sich irr solgender Weise vor. Es wird ein Centralverband der österreichisch ungarischen Cantoren mit dem Sitze und der Centrale in Wien gegründet und Ziveigvereine in den einzelnen Kronländern. Dem Centralverbande obliegt der moralische Schntz und die soziale Hebung des gesammten Crntorenstandes, den Zweigvereinen die materielle Förderung. da nach der letzten Richtung eine Thätigkeit in engerem Kreise ersprießlicher sei. Jeder Cantor, auch wenn er nicht Mitglied eines Zweigvereines ist, soll dem Centralverband angehören und, abgesehen von der Beitragsleistung zu dem Ziveigvereine einen kleinen Beitrag zur Administration des Ceiitraloerbandes leisten. Dadurch werde es nicht nur nicht nothwendig sein,' die jetzt bestehenden Vereine, öftere.- .ungar. Cantoren Verein und mährischer Cantoren-Verein, auszulösen, sondern der Centralverband müsse vielmehr darnach nachten, auch in den anderen Kronländern Ziveigvereine zu errichten. Als ein geistiges Band, das sich um die gesammte Collegenschaft : schlingt, müsse die „Oesterr.-nngar. Cantoren-,Zeitung" als Fachzeitung ausgedehnt und das Abonnement desselben für die - Mitglieder des Verbandes herabgesetzt werden. Erst nach einigen! Jahren, wenn sich die Thätigkeit des Verbandes bewährt hat, j möge man dann an die Verschmelzung der einzelnen Vereine; schreiten. Obercantor S t ö ß l e r - Neuransnitz und Obercantor K o h n ■■ Lnndenberg unterstützen unter Anführung einzelner Daten über die bisherige Thätigkeit des mährischen Cautoren-Vereines die Ausführungen des Vorredners. Obercantor Bauer ist der Ansicht, dass der soeben entworfene Organisationsplan des Collegen Heller nicht ganz zu verwerten sei, er habe maneyes Besiechenoe für sich, aber trotzdem scheine er ihm nicht geeignet, die angestrebte Organisation herbeizuiühren. Von der Ueberzeugung durchdrungen, dass nur ein großer und durch seine Zahl imponirender Verein etwas Bedeutendes leisten kann, hat sich der Vorstand des „Oesterr.-ungar. Cautoren-Vereines" für das völlige Anfgehen in dem großeil Verbände entschlossen. Freilich dürfen nicht die materiellen Rechte der alten Mitglieder tangirt werden, und es ist bei der Statutenäiiderniig dafür gesorgt worden, dass das Vereinsvermögen zur Deckung der statutarischen materiellen Rechte der bisherigen Mitglieder, die allein ans dasselbe einen Anspruch haben, sichelgestellt werde. In gleicher Weise möge auch der mährische Cantoren-Verein Vorgehen, aber bezüglich des Ansgehens in der Organisation dem Beispiel des „Oesterr.-ungar. Cautoren- Vereines" solgen. Soivohl den mährischen Cantoren als auch der Gesammtheit würden dadurch nur Vortheile erwachsen. Vereinscassier I. Cantor,Blatt vertritt im Gegensätze zu Obercantor Heller die Anschauung, dass ein großer Verein auch in materieller Beziehung viel mehr leisten könnte, als die! einzelnen kleineil Ziveigvereine, jeder für sich in seinem Wirj kungskreise, es vermöchten. Zudem habe die Erfahrung gelehrt^ dass die Mitglievsbeiträge für einen Verein sehr schlecht ein-! gehen, und dieser Uebelstand würde noch zuuehme», wenn die i Collegen doppelte Zahlungen an den Centralverband und den! Zweigverein zu leisten hätten. Nur an der Indolenz der Cantoren j ist die Bildung eines großen Vereines, wie er schon vor zwanzig j Jahren hier geplant wurde, gescheitert, und der Anfang dieser j Indolenz war die Separation. Aus diesen Gründen appellirt j er an die Collegen in Mähren, dasselbe zu thun, wozu sich der P „Oesterr.-ungar. Cantoren-Verein" entschlossen hat.' I Vereinssecretär Dr. Löivy vertritt in längerer Aus-! sührung den Starldpunkt des Vorstandes des österr. Ungar.! Cantoren-Bereines. Oie Geschichte der, Gründung dieses Ver-