Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 22 (6.6.1902)
- Date
- 1902-06-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Keüerr.-ungar CanNuen-Zeirnng. Nr. 22. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 22. I„l,rg. Wir ersuchm Hösiichst um freundliche Kinsenduug der Kßonnementsrückstände. ___Are AdministraLion. Zur Organisation. Dieusiag, Leu 3. d. M-, halb 5 Uhr nachmittags, fand im österr.-ungar. Cantoren-Vereine unter Vorsitz des I. Vicepräsidenten I. Bauer eine Sitzung des Wiener Organisations- Comite statt, an welcher die Kollegen Baßl, Blatt, Hermann, Hirsch, Gutlmann, Löwit, Schiller u. Zelluik theilnahmen und deren Verlaus die erfreuliche Perspeknve eröffnete, dass die Orgauisationsarbciten nunmehr in rascherem Tempo dem vom letzten Kantorlutage augeürcbteu Ziele, die gesamuue Kollegcnschaft in einem großen Bunde zu vereinigen, entgegengehen werden. Der Vorsitzende theilte zunächst mit, dass Präsident I. Singer in Folge Unwohlseins verhindert sei, an der Sitzung theilzuuehmeu, außerdeui haben die Kollegen S. Jurberger und M. Schorr ihr Fernbleiben entschuldigt. Darauf gelaugte ein au den Vorstand des österr.-ungar. Kantoren- Vereines gerichtetes Schreiben des Qbercantor M. Lazarus aus Budapest zur Verlesung, welcher bekannt gibt, dass am 26. Mai in Budapest eure Versammlung der dortigen Kantoren betreffs Anschluss au die Organisation stattgefunden habe. In derselben wurde beschloffeu, einen in ungarischer und . deutscher Sprache abgefassten Ausruf an alle Kantoren Ungarns zu erlaffen und dieselben zur Theilnahme an einem im Laufe des Sommers in Budapest abzuhalteudeu Kautorentag cinzuladen. Die betreffenden Znstimmungserklärungeu sollen an Obcrcantor Lazarus in' Budapest, der vom dortigen Komit« mit der Jnitiirnng des Organisationsplanes betraut wurde, gerichtet werden. In der erwähnten Budapester Versammlung wurde auch empfohlen, die Kollegen in größeren Städten zu ersuchen, die Kollegen in ihrer Umgebung zu einer Besprechung cinzuladen, ihre Zustimmung zu den geplanten Schritten einzuholen und sich mit der Vertretung am Budapester kantoreulage betrauen zu lassen. Der Beitritt zur Organisation soll allen Kantoren u.fb Vorbetern in Ungarn ermöglicht werden. Die Mittheilungen des Obcrcantor Lazarus wurden vom Wnner komite unter Danlesvotirung für die Mühewaltung des Budapester Kollegen zustimmend zur Kennmis genommen und gleichzeitig wurde das Präsidium des österr .- ungar kantoren-Vereines ersucht, im Sinne der erwähnten Beschlüsse möglichst bald mit Obcrcantor Lazarus schriftliches Einvernehmen zu pflegen. Gleich sympathisch wurde eine Zuschrift des Präsidenten des mährischen Kantoren-Vereines, Obcrcantor I. Heller in Brünn, au das Präsidium des österr.-ungar. Kantoren- Vereines zur Kenntnis genommen, worin Elfterer mittheilte, dass das von dem mähr. Cantoren-Vereine in der General- Versamrulung vom 2. März d. I delegirte dreigliedrige Co mit« einer Einladung des Wiener Organisations-Comites, belmfs Besprechung der Modalitäten des Anschluffes der mährischen Kantoren an die geplante Organisation, entgegensehe. Für diese in Wien projectirte Besprechung wurde die Woche nach dem Schewuothseste in Aussicht genommen und die diesbezügliche Verständigung durch den Vorstand des österr.-ungar. Cantorenveretnes beschloffeu. Uebergehend zur eigentlichen.Tagesordnung wurde dann die Berathung der Statuten der Organisation beendigt und hierauf allgemein der Wmisch ausgesprochen, die formellen Akte der Statutengenehmigung möglichst zu beschleunigen, damit die collegiale Organisatiou der Kantoren Oesterreich- Ungarns noch im heurigen Jahre ihre Wirksamkeit beginnen könne. Die Grundsteine für. den großen Cantoren-Bund sind somit gelegt, und an alle Kollegen in Oesterreich-Ungarn tritt nun die Pflicht heran, durch allgemeinen, massenhaften Beitritt ihm jenes Gewicht und jene Bedeutung zu verleihen, die ihm innewohnen muß, wenn jene Ziele erreicht werden sollen, die das Wohl und dic Interessen der Gesammtheit als uothwendig und erstrebenswerth erheischen. Verschiedene Nachrichten. Wien. Vor Kurzem ging durch alle Blätter^ die Meldung, dass die italienische Regiernng den Obercommaudanten in Genua, General- Lieutenant Ottolenghi das Kriegsportefeuille angeboten habe. General-Lieutenant Ottolenghi, der mittlerweile zum Kriegsminister ernannt wurde, ist nicht nur Jude, sondern auch ein überzeugungstreuer Jude, der aus seiner Zugehörigkeit zum mosaische» Glauben kein Hehl inacht und jeden Anlass freudig benützt, das Judenthum zu bekennen und äußerlich zur Schau zu tragen. Von General-Lieutenant Ottolenghi ist bekannt, dass er an jüdischen Feiertagen in Campagne-Uniform die Synagoge besucht und mir6 ist. Freilich ein bei uns bisher noch unbekanntes Schauspiel. 'Wien. Sonntag, bin 15. d. 12 Uhr Mittags findet im Seitenstettentempel die Trauung des Frl. Thilla Heller, Tochter des Herrn Director Heller vom Blindeninstitute auf der Hohen Warte, mit Herrn Alexander Klein statt. Hraz. Am 29. v. M. starb hier im Alter von 14 Jahren der frühere langjährige Präses der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Anton Schwarz. Das Leichenbegängnis, welches am 1. Juni um 11 Uhr vormittags stattfand, gestaltete sich in Folge ungewöhnlich großer Betbeiligung fast sämmtlicher hiesiger Gemeindemitglieder und einer großen Anzahl nichtjüdischer Mitbürger zu einer imposanten, ehrenden Kundgebung für den Verblichenen, welche von der großen Beliebtheit und den ungetheillen Sympathien, deren sich Herr Schwarz bei Lebzeiten erfreute, Zeugnis gab. Im Trauerhanse sungirte Obcrcantor Horn unter Assistenz eines Quartetts in gewohnter erhebender Weise, dann gab der Zug der Leidtragenden, des gesammten Vorstandes und zahlreicher Tranergäste, ge'olgt von einer schier endlosen Wagenreihe, dem selig Entschlafenen das letzte Geleite. Am Friedhohfe hielt unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Mühsam eine tief empfundene und ergreifend wirkende Trauerrede, in welcher er die Verdienste des Herrn Anton Schwarz um das hiesige Gemeindewesen pries. Zum Schlüsse brachte der anwesende Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Obcrcantor Josef Rendi aus Agram das ttarur-tvmim- Gebet zum Vortrag und erzielte derselbe mit seiner Meisterleistung eine herzerschütternde, alle Anwesenden zu Thränen rührende und unvergessen bleibende Wirkung. Am offenen Grabe hielt namens des Vorstandes der Präses. Herr Fabrikant Bernhard Biller, dem Verstorbenen einen warmempsundene» Nachruf, in welchem er die Verdienste des Heimgegangenen um das hiesige Cultuswesen rühmte. Brag- Die Erledigung einer k. k. Bezirkshauptmannschaft in Angelegenheit der Bestellung eines mit dem Doctordiplome einer ausländischen Universität versehenen Candidaten als Rabbiner in einer Cultusgemeinde Böhmens dürfte weitere Kreise intereffiren. Die Entscheidung hat folgenden Wortlaut: K. k. Bezirkshauptmannschaft. Nr. 6616. —, am 27. März 1902. An Herrn N. N. in N. Ueber die Anzeige der israel. Cultusgemeinde in N. vom 30. December 1901, Z. 194, und die hierüber gepflogenen Erhebungen, beziehungsweise über das Hieramts aufgenommene protokollierte Ansuchen des Herrn N. N. in N. vom 17. Feber 1902, wurde der Verhandlungsact betreffend die Bestellung des letzteren zum Rabbiner der isra.litischen Cultusgemeinde in N., bei dem Umstande, als derselbe trotz der zahlreichen über seinen Bildungsgrad vorgelegten Studienzeugniße weder den Besuch noch die Absolvierung eines öfter' reichischen Obergymnasiums nachzuweisen vermag, der k. k. Statthaltere *