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Die Wahrheit · 1902-06-06 · Heft 22 (6.6.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 22 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 22 Die Wahrheit. Seite 7. sogar Familieiiseparationeu im strengsten nationalen Sinne, indem sie Fronen und Kinder halbjüdischen Ursprungs, obwohl sie schon lange im Bunde Israels ausgenommen waren, aus der neuen Gemeinde entfernten. Vorüber waren die Zeiten, da ein Chiram Abif mit einer ganzen Schaar phönizischer Arbeiter am Bau des Tempels sich so eifrig betheiligen konnte; vorüber auch die Zeit, da selbst der König heidnische Frauen in seinem Harem ungestört aufnehmen konnte. Eine solch rigorose Familienpurification konnte die Geschichte des alten Zudenthums nicht aufweisen; sie wäre auch der alten Conception des Iudenthums unmöglich gewesen. (Fortsetzung folgt.) LMeralur. 2it2 hzv t?TiD Sechei Tob- Commentar zum ersten und zweiten Buch Mosis von Rabbi Menachem ben Salomo, zum ersten Male herausgegeben nach den beiden Handschriften cod. 165 u. 166 in der Bodlejana, kritisch bearbeitet, commentirt und mit einer ausführlichen Einleitung versehen von S a l o m o n B u b e r. Berlin, I (1900); II (1901). In Commission bei I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Der bekannte Spruch unserer Alten: „Die Gelehrten nehmen, je ülter sie werden, an Weisheit zu" darf mit Recht auf den Nestor der Midrasch-Forschung, Herrn Salomon Buber, besonders angewandt werden, denn dieser in seiner unermüdlichen Forschung ergraute Gelehrte ist ein unversiegbarer Quell, welcher je mehr er fließt, desto reineren und labenderen- Sprudel gibt. Mehr als dreißig Werke, deren größter Theil unter dem Staube der Jahrhunderte in den Bibliotheken schlummerte, hat Herr Buber der jüdischen Wissenschaft gerettet. So reiht sich besonders die schön ausgestattete Edition des „Sechel tob“ den vorangegangenen Arbeiten des Herrn Buber würdig an. Eine meisterhafte in zwölf Ab, schnitre sich gliedernde Einleitung gibt mit einer staunenswerthen Akribie über den Verfasser und den Organismus seines Werkes eingreifenden Aufschluss. Dieser Commentar, der sich ursprünglich über den ganzen Pentateuch erstreckte,, erhielt sich blos als Fragment in zwei Handschriften, deren letztere eine Copie der ersteren ist, und zwar von Genesis 15, i bis Exodus 19, 10. Ein drittes Fragment dieses Commentars zum dritten Buche Mosis hat sich mit einem Proömium zu Lev. 1, 1 — 3 in der Staatsbibliothek zu München Cod. 131 erhalten, das der Herausgeber am Schluffe des zweiten Bandes mit Anmerkungen und Conjekturen veröffentlichte. Herr Buber führt den Beweis, der Verfasser habe seinen Commentar „Sechel tauw‘- genannt und stützt sich auf die Worte des Verf. im Proömium zu Exod. (II. Theil, S. 3): „Ich überlegte, den Exodus mit „Sechel tauw“ (vgl. Prov. 13, 15) einzuleiten und ihn 2iv bsv zu benennen zu Ehren meines Schöpfers, der der „Sechel“ der Welt ist rc.“ In seinem zweiten Werke „Eben bochan“ nennt R. Menachem b. Salomo den uns vorliegenden Commentar bald „8efei- Maskil“ bald „Sechel tauw“. Da der Anfang zum ersten Buche Mosis fehlt und wir ' nicht mehr wiffen, was für ein Proömium er seinem Commentar voransetzte, so wäre es meiner Ansicht nach zu vermuten, dass R. Menachem seinen Commentar im allgemeinen mit dem Titel „Sechel tauw“ bezeichnet habe, während er jedoch die einzelnen Bücher mit verschiedenen Benennungen versehen hätte. Dies geht auch ganz deutlich hervor aus den Worten des Verfassers (vgl. Theil I, Einleitung S. IX, Absch. I): ^2»a 1002 212 bzv nsD2 viern nc^to Unwiderleglich ist die Annahme des Herrn Buber, der Verfaffer sei ein Italiener gewesen, da er sich in seinen Werken italienischer Worte bediente. Das Geburts- und Todesjahr des Verfassers setzt Herr Buber zwischen 1090—1100 und die Abfassung dieses Commentars, nach der eigenen Angabe des Verfassers im Jahre 4899 — 1139. Neben halachischen und haggadischen Deutungen beabsichtigte der Verfaffer auch sprachliche und grammatische Exegese zu treiben. Er kannte weder den „Aruch“ noch den Raschi-Co mmentar und außer den vielen talmudischen, midraschischen und halachisch en Quellen benütze er sehr häufig das „Macdbereth" des Menachem ben Suruk, zu dessen geistigen Jüngern er sich zählt. Bezeichnenswerth ist die Benennung des Midrasch Bereschith rahha mit Vipn I'p (vgl. Einl. XXIX, 13). Auffallend ist es, dass er sich des Midr. Schemoth rabba nicht bediente (vgl. ibid. Note 45). Außer dieser genialen Einleitung, wovon der 11.Abschnitt alsein Herrliches Meisterwerk anzusehen ist, verdienen auch die „Noten und Lerbefferungen", die gleichsam einen goldenen Schlüffel zur Midrasch- Forschung bedeuten, anerkennend hervorgehoben zu werden. Möge Herr Buber außer dem gegenwärtig unter der Presse sich befindenden Werke „Midrasch Agadath Bereschith“ die jüdische Wissenschaft mit noch vielen Werken beschenken. Rabb. Dr. M. Mangel. Dar Laddischgebet. Bon Bernhard Soewenthal. (24. Fortsetzung.) Die Mutter schien heute nicht bei ihm zu sei»». — Wie eine längst verklungene Melodie tönte es zu ihm herüber „Bete zu Gott und er wird Dir helfen!" Die Melodie aber verklang und er — er konnte nicht beten. Er lachte grell auf — „Ich kann nicht — ich kann ja nicht mehr beten." Wie zwei glitzernde Perlen rannen zwei Helle Zähren ihm die gebräunten Wangen herab, dann setzte er sich ans Clavier und eine brausende, wildbewegte, fremde Weise eutjchwoll, als Widerhall seiner eigenen Seele, den Tasten des Instruments. — — Dieses war seine Sprache — so konnte er deten und klagen, aber die Ruhe brachte seine Kunst ihm nicht — die war dahin. Nach einigen Stunden erst hatte sich der Sturm in seiner Seele gelegt, und ruhiger wie vordem dachte er darüber nach, ob es nicht das Beste wäre, wenn er die Residenz verließe; dann gab er den Gedanken aber, schneller wie, er ihm gekommen war, wieder auf. Weshalb sollte er fliehen, weshalb die Künstlerin meiden? Was konnte Elfe Munk dafür, dass er sie so liebte. Er musste sich eben fügen — ruhiger werden und dann — daun würde es vorübergehen — dann würde er wieder Lust habe» zur Arbeit, zum Schlafen — und daun — würde er wieder ein — - Anderer sein. Er erhob sich vom Klavier und ging langsam hinüber zum Fenster. Sinnend schaute er auf die weißbetupften Aeste der hohen Bäume, welche im Sommer die kühle, schattige Allee des Parkes bildeten und jetzt so schrecklich kahl ihre Aeste zum grauen Winterhimmel emporstreckten. Alles grau in grau. Nach einer Weile zerriss die hervorbrechende Sonne hellaufleuchtend das Gewölk. — Zwei Gestalten kamen eben die Allee herauf und wurden immer mehr sichtbar. Leon strengte seine Augen an. — Es waren David Regun und Alice, die ruhig nebeneinander hergeheud den irisch gefegten Weg auf dem festgefrorenen Schnee auf und ab promenierten. Als sie ihn am Fenster bemerkten, winkten sie ihm zu — langsa m drehte er sich um und verließ sein Zimmer. Sie hatten Recht die Beiden da unten, die Luft würde ihm vielleicht gut thun und das Alleinsein ist auch nichts für bedrückte Herzen.- Die Beiden da unten aber, die scheinbar so ruhig nebeneinander hergingen, hatten sich eben im leisen Tone ganz leidenschaftslos, aber doch so lieb und innig ausgesprochen. Sie hatten sich gefunden. Die Sorge um den gemeinsamen Freund hatte dem Doktor das, was er längst dem von ihm innigst geliebten Mädchen hatte sagen wollen — leichter gemacht. Als er mit Alice die breite Allee hinaufging, herrschte zwischen Beiden erst eine drückende Stille. Alice wusste, was da kommen würde. Der Blick Davids, als er vom Entsagen sprach, hatte ihr mehr verrathen als die glühendsten Worte des feurigsten Jünglings es je vermocht hätten. Sie wunderte sich über sich, selber, dass sie so ruhig und gelassen war und dass ihr so wenig bange war vor dem Augenblick, der da jetzt kommen würde, kommen musste. War es ihr doch längst zur Gewissheit geworden, dass David Regun sie liebe», und auch über ihre eigenen Gefühle täuschte sie sich nicht. Sie verehrte in dem Doktor mehr als nur den Lehrer und Freund, er schien ihr der gute Engel zu sein, unter» dessen Schutz sie sich so sicher, so geborgen fühlte. David hingegen konnte sich lange nicht über seine eigenen Empfindungen Rechenschaft ablegen. (Fortsetzung folgt.)

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