Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 22 (6.6.1902)
- Date
- 1902-06-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22. Die Wahrheit. Seite 9. n Prag behufs Verfügung nach § 4 der Verordnung vom 27. Dezember 1891, L.-G-Bl.Nr. 8. ex 1892, mit dem Aufträge auf Dispens von der Beibringung der strikte», im § I der zitierten Verordnung geforderten Nachweisung der erlangten allgemeinen Bildung unterbreitet. Die k. k. Statthalterei hat diesen Akt laut des Erlasses vom 7. März 1902, Z. 36.307, anher mit dem Bemerken zurückgestellt, dass die beantragte Verfügung nach § 4 der Ministerialverordnung vom 27. Dezember 1891 L.-G.-Bl. Nr. 8, bei dem Umstande, als die im § 11, vorletzten Absatz des Gesetzes vom 21. März 1890, R.-G -Bl. Nr. 57, bezeichneten zehnjährige ^rist bereits abgelaufen ist, nicht mehr eintreten kann. Nach diesem Bescheide bin ich nicht in der Lage, die Bestellung des N. N. aus N. zum Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde in N. bei Abgang des vorgeschriebenen Nachweises über die allgemeine Bildung desselben zur genehmigenden Kenntnis zu nehmen, sondern finde mich vielmehr im Grunde des § 30 des Gesetzes vom 21. März 1890, R.-G-Bl. Nr. 57, veranlasst, den dieser Bestellung zugrunde liegenden Beschluss des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in N. vom 16. Dezember 1901 als gesetz- und statutenwidrig, somit als rechtsunwirksam zu beheben. Gegen vorstehenden Bescheid steht dem Herrn N N. in N. die binnen 14 Tagen bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft in N. einzubringende Berufung an die t. f. Statthalterei in Prag offen. Krakau. Herr I. S. Fuchs, Redacteur der hier erscheinenden hebräischen Wochenschrift »Hamagid«, promovirte in Deutschland dieser Tage zum Dr. der Philosophie.! Krakau. »Das Los eines jüdischen Arbeiters^'. Unter dieser i Aufschrift veröffentlicht der „Naprzod" einen Bericht über eine beim! hiesigen Strafgericht stattgefundene Verhandlung. Es war am Verj söhnungstage des vorigen Jahres, alle Juden versammelten sich in den j Gotteshäusern, um zu beten, nur der arme Chiel Alter mui-te arbeiten, j denn Chiel war>Proletarier, der sich zum Sclavendienst beim Fruchthändler! Leon Anis verkaufte. Chiel hatte nie einen Ruhe- oder Feiertag, er! arbeitete Tag aus Tag ein vom frühen Morgen bis spät in die Nacht, z ohne zu murren, und auch am heiligen Versöhnungstage, von welchem! Chiel wusste, dass an ihm alle Menschin gerichtet werden und über jeden > das Urtheil gesprochen wird, musste er arbeiten, zur Bahn fahren, die! Früchte abholen und dieselben hüten. Während der Jude Anis dort im > Bethause im Büßerhemde sich auf die Brust schlug und um Sündenj Vergebung bat, musste der Jude Chiel auf seinen Befehl seine täglichen! Arbeiten verrichten. Das war für den armen gepeinigten Ciel zu viel,! seine religiöse Empfindung empörte sich, und als er die Früchte behob,! überließ er sie dem Burschen, welcher ihm den Wagen ziehen Helsen sollte, und lief selbst ins Bethaus. Da fügte es sich, dass von dem Obst etwas fehlte; das ließ sich der gute Herr Anis nicht gefallen und klagte seinen Sclaven auf Diebstahl. Bei der Verhandlung zeigte sich jedoch kar die Unschuld des armen jüdischen Proletariers, der auf Antrag seines Vertheidigers Dr. Heski freigesprochen wurde. München. Vor Kurzem fand unter dem Vorsitz des Herrn! Justizraths Gunzenhäuser-Fürth die Aüsschußsitzung des Landesvereines ( für israelitische Cultusgemeinde« in Bayern statt. Derselbe hat im abgej lausenen Jahre 1901 für 56 Gemeinden 7240 Mk. >insgesammc während! feines Bestehel.s 45732 Mk ), für Unterrichtszwecke 3390 Mk., für Svna-! gogenbauten 900 Mk., für Lehrerpensionen 1000 Mk. bewilligt. * Nach einem meisterhaften Referat des stellvertretenden Vorsitzenden,! Herrn Rechtsanwalt Ofner-München, über die Arbeiten derRechrsschntz-! Commission wurden 63 Unterstützungsgesucde kleiner Gemeinden durch! Bewilligung der erbetenen Beträge erledigt. Sodann erstatteten die j Herren Rabbiner Dr. Ziemlich und M. Lebrecht-Nürnberg den Bericht j der „Commission zur Regelung der Armenpflege^', deren Anträgen gemäß! nach angeregter Debatte beschlossen wurde: 1) das von Herrn Lebrecht i angelegte ,.schwarze Buch'- in de« bestehenden Caffen einzuführen, 2) zu j versuchen, die wenigen in Bayern beheimalheten jüdischen Wanderbetller! ansässig zu machen..Im Anschluss daran wurden für die Arbeiterkolonie > Weißensee 200 Mk. bewilligt, und der Vorstand und die Commissionen in! ihrer bishcrigen Zusammensetzung wiedergewählt. j Krankfurt a. M. Sonntag den 25. Mai fand in der „Loge j zur ausgehenden Morgenröthe" die Trauung des Musikdirectors Marco Großkopf, Sohn des Obrrcantors der hiesigen Hauptgemeinde, mit Fräulein Emma Ullmann, Tochter des Privatiers Herrn Jakob Ullmann, statt. Mit einem Psalme, welchen ein von der kgl. Hofoper in Wiesbaden entsandtes Männerquartett vortrug, wurde die Feierlichkeit eingeleitet. Als das Hochzeitspaar den Altar erreicht hatte, ließ der Bruder des Bräutigams auf der Violine die feierlichen Klänge des! »Largo" von Haendel unter Begleitung des Harmoniums ertönen. Herr Rabbiner Dr. Plaut hielt sodann eine erhebende Trauungsrede, in welcher er die Harmonie zwischen den Ehegatten als die zuverlässigste Grundlage für das Glück der Ehe bezeichnete. Es folgte ein Trauungsgesang, welcher für das junge Paar den Segen des Himmels herabfiehtc, gesungen von der Schwester des Bräutigams, der Herzog!. Hofopernsängerin Franziska Großkopf in Altenburg. Nachdem darauf das Gebet gesprochen war, sang das Quartett wiederum einen Chor, worauf j die Segnung des Brautpaares erfolgte. Bei dem nachfolgenden Hochzeits-! mahle brachte Herr Rabbiner Dr. Plaut den Toast auf das junge Paar aus, indem er ihm Glück für die Lebensfahrt wünschte, die es zunächst nach dem fermen Temesvar führen wird. Das Quartett von der Wiesbadener Oper, bei welcher der Bräutigam längere Zeit als Kapellmeister beschäftigt lvar, erfreute noch durch ein.schön gesungenes Ständchen und nahm den Dank für seine künstlerischen Darbietungen entgegen. Toaste, musikalische und deklamatorische Vorträge wechselten in bunter Reihe, und in überaus animirter Stimmung blieb die aus Freunden und Angehörigen beider Familien bestehende Hochzeitsgesellschaft bis nach Mitternacht beisammen. Leipzig. Herr Leo Wolf, II. Cantor in Königsberg, Schüler deS Obercantor Eduard Birnbaum, wurde als erster Cantor der hiesigen Gemeinde gewählt und dürfte vor den hohen Festtagen sein Amt antreten. Zkegensönrg. Zu der feierlichen Enthüllung des Denkmals des Königs Ludwigs I. hat auch Herr Bezirksrabbiner De. Mayer eine Einladung erhalten. Derselbe wurde von Sr. König!. Hoheit dem Prinz-Regenten und von dem Prinzen Ludwig mit Ansprachen ausgezeichnet. DanksaMg. Anlässlich der Vermählung unseres Lohnes Marco mit Frln. Emma Ullmann sind uns so zahlreiche Glückwünsche zugegangen, dass es uns unmöglich erscheine Jedem zu danken. Wir sagen daher auf diesem Wege allen Freunden und Bekannten, insbesondere den werthen Herren College» aus Oesterreich, unseren herzlichsten Dank. Franks u r t a. M., am 1. Juni 1902. Höercantor I. Kroßkopf und Iran. Die Religionsprüfungen für Mittelschüler finden im zweiten Semester dieses Schuljahres Montag, den lft. Juni von 4—6 Uhr Nachm, in der Religionschule der Israel. Cultusgemeinde (! Seitenstettengasse Nr. 2, II. Stock) durch den k. k. wirkl. Religionslehrer Herrn Dr. Pollak statt. Wien, im Juui 190-. Der Vorstand der Israel. Cultusgemeinde Wien. Kundmachung. Es wird hiermit zur Kenntnis gebracht, dass auschliesslich die nachbenannten Verkaufsstellen für Koscherfleisch unter der besonderen Aufsicht des Rabbinates der Cultusgemeinde stehen: Im 1. Bez. Ignatz Weinstein, Seitenstettengasse 3. „ 2. „ J Axelrad, Krummbaumgasse 2. „ 2. „ J. Re iss, Leopoldägassse 31. „ 3. „ J. Re iss, Custozzagasse 3. „ 5. „ Joh. Fleischh acker, Schönbrunnerstr. 15. „ 1". „ Bernhard Winter, Landgutgasse 21. „ 14. v Ernst Puchs, Schönbrunnerstrasse 35. „ 16. „ Karl K o h n, Neulerchenfelderstrasse 76. „ 16. „ Anna Willner vormals Weiss, Grundsteingasse 12. „ 16. „ Franz Schwadosch, Hofferplatz 10, „ 20. „ Eli Kalter, Jägerstrasse 18. Nur für die hiergenannten \ erkaufsstellen übernimmt das Rabbinat die Verantwortlichkeit in Betreff des Kaschrus. Wie n, im Juni 1902. Der Vorstand der Israel. Cultusgemeinde Wien. Israelitische Cultusgemeinde Wien. Aus der Fauny von Hofmannsthal-Dorraitzer-Stiftung gelangen die Erträgnisse pr. K. 900.— an höchstens 4 verarmte israelitische, der Unterstützung würdige in Wien domicilierende Witwen zur Yertheiiung. Die mit dem Todtenscheine des Gatten und einem Armutszeugnisse belegten Gesuche sind bis 30. Jnni 1902 im Einreichungs-Protokolle der Israel. Cultusgemeinde zu überreichen. Gesuchsblanquette werden im Einreichungsprotokolle unentgeltlich ausgefolgt. Auszüge aus den Matriken der Israel. Cultusgemeinde sind als Gesuchsbeilagen nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Verspätet überreichte oder nicht entsprechend belegte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Wien, 1. Juui 1902. Der Vorstand der ixrat l. Cultusgemeinde Wien.