Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 21 (30.5.1902)
- Date
- 1902-05-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3062972-3063113-3063134--01937-3068570- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 21 Lite Wahrheit. Seite 7. Weiters werden mitgetheilt: Beileidskundgebungen mehrerer Körperschaften anlässlich des Ablebens des Rabbiners der Cnltnsgemeiude, Herrn Dr. Jonathan Wolf. Die k. k. nieberöslerreichische 'Statthalterei gibt^ Kenntnis Don der erfolgten Genebmigung des Statutes für das israelitische Spital, ferner der k. k. niederösterreichische Landesschnlrath von der Genehmigung der Instructionen für den israelitischen Religionsunterricht an Mittelschulen und von der Hinuusgabe dieser Instructionen an die Mittelschuldirectionen. Im Prasidialberichte gedenkt der Vorsitzende in ehrenden Worten des verewigten Herrn Rabbiners Dr. Jonathan Wolf und würdigt seine durch 30 Jahre entwickelte hervorragend mnstergiltige Thätigkeit als Lehrer und Inspektor des israelitischen Neligionsmüerrichtes, sowie als Rabbiner. Der Verblichene habe sich ein ehrendes Andenken in der Gemeinde gesichert. Die Versammlung beschließt über Antrag des Präsidenten, drese Tranerknndgebung dem Protokolle einznverleiben. Der Vorsitzende theilt hierauf mit, dass Herr Docent Dr. Grünfeld, welcher die Absicht, ans dem Cnltusvorstande zu scheiden, bekannt gegeben habe, trotz mehrfacher Bemühungen, Ihn zur Abstandnahme von seinem Entschlüsse zu bewegen, officiell erklärt habe, bei demselben beharren zu müssen Diese Demission sei umsomehr zu bedauern, als der Cnltnsvorstand in Dr. Grünseld eines seiner geschütztesten Mitglieder verliere, welches sich insbesondere in Schul- und Spitalaugelegeuheiten namhafte Verdienste um die Gemeinde erworben habe. (Oie nunmehr defiiritive Demission des Herrn Dr. Grünseld wird mit lebhaftem BedauetN zur Kenntnis genommen.) Weiters gibt der Präsident bekannt, dass, wie erhoben wurde, die Ertheilung des Benützungsconsenies. betreffend die Belegung des chirurgischen und gynäkologischen Pavillons des Spirales der Cnltnsgemeiude, in naher Ausncht stehe und dass, nachdem gegen'die Eröffnung des Ambulatoriums ein Anstand nicht erhoben wurde, dasselbe seine Thätigkeit bereits ausgenommen habe. Der Vorsitzende bringt hierauf zur Kenntnis, dass das Verlreter-Eotlegium über eine von einem Gemeindemiigliede ansgegangene Anregung beschlossen habe, die Herren Prediger der Enltnsgemeinde zu ersuchen, an den hohen Festtagen in den Gemeindebethäusern ans das wodlthätige, der besonderen Unterstützung würdige Wirken der „Allianz", und ans eine nothweudige Erhöhung ihrer itgliederzahl hiuzuweisen. Ettdlich gibt der Präsident bekannt, dass in der Zusammensetzung des Curatoriums der von den Freiherren v. Rothschild begründeten Künstlerstiftuug. deren Vorsitzender stiftbriefgemäg der jeweilige Präsident der Cnltnsgemeiude ist, iusoferne eine Aenderung eingetreten sei, als an Stelle des von dem Stifter -Herrn Baron Rathauiel von Rothschild gewählten Herrn Alexander Blum, welcher sein Amt als Curator zurückgelegt hat, nunmehr über Vorschlag des genannten Stifters Herr Professor Dr. Guido »Adler in das Curalorium berufen wurde, und bezeichnet der Vorsitzende den Eintritt dieses hervorragenden, dein Judenthume zur Ehre gereichenden Gelehrten in das Curatorium als geeignet, besonderer Befriedigung zu begegnen. Im Anschlüsse an den Präsioialbericht theilt über Ersuchen des Vorsitzenden der Obmann des Bnch-Revffions-Comitss, Herr Cultusvorsteher Leopold v. Lieben mit, dass unter Theilmahme des Herrn Vizepräsidenten Dr. Stern und der Herren Vorsteher Eltbogen, Wilhelm Knffner und Leopold Pollack vor wenigen Tagen eine Buch- und Eassenrevision stattgefunden habe; das Ergebnis derselben sei ein vollkommen befriedigendes gewesen. (Wird zur Kenntnis genommen.) In Angelegenheit der Vergebung von Restauriruugsarbeiten auf dem Centralfriedhote erstattet Herr Ober-Baurath Taußig das Referat und beantragt, die Arbeiten, für »Mche ein Concurs ausgeschrieben war, dem billigsten Offerenten. Herrn Rudolf Hermann, zu übertragen, unter der vom Vertreter-Collegium gestellten Zusatzbedingung, dass der Unternehmer sich ^protokollarisch veipflichie, au Sabbachen und jüdischen Feiertagen jegliche Arbeit auf dem Centralfriedhofe zu unterlassen. (Dem Äutrage wird zugesrimmt.) An Stiftungen gelangen zur Verleihung: Die Kaiser Franz Josef Jubiläums.Waisenstiftung, zwei sreigewordene Plätze im Betrage von je K. 300.—, an zwei Waisenkinder; die Ignaz Blumenfeld Widmung, 1 Platz im Betrage von K. I960, an einen Maler über einstimmigen Vorschlag der Juroren, und zwar der Herren Jsivor Kaufmann, David Kohn und Professor Pochwalski. Dem L. D. Königsberg'schen Mädchen-Erziehuugsinstitlüe wird über Antrag des Vertreter-Collegiums (Referent Baurath v. Goldschmidt) für das Jahr 1902 eine Rachtragssubvention, und zwar der restlich zur Verfügung stehende Betrag von K 480.— aus dem Zinsenerträgniße des Dr. H. S. Goldschmidt'schen Legates bewilligt. Vertreter Qberingeuieur v. M (s e s berichtet namens des Vertreter-Collegiums, dass sich dasselbe im Altftrage des Plenums mit der Frage der Anschaffung von Dienftkleidern für die Schemira-Männer befasst habe, und beantragt die Einführung der Dienstkleioer und die Bewilligung des hiefür erforderlichen Betrages. (Die Referentenanträge werden angenommen.) Vicepräfident Dr. Stern referirt namens des Vertreter- Collegiums über das Ansuchen des Brigittenaner Bethansvereines um Zustimmung zu den vom Vereine beschlossenen Statutenänderungen. Referent beantragt, diesen Aenoernugen unter der Voraussetzung zuzustimmen, dass in das Statut ergänzende Bestimmungen, betreffend die Jngerenz des Cnltnsvorstandes aus die Bestellung, Discipliuirnng und Entlassung des Vereinsrabbiners und der Vereinscantore», aufgenommen werden. (Der Reserentenaukrag wurde angenommen.) Vicepräsideut Dr. Kohn beantragt namens der S.hulcommission und des VertreterCollegiums, gemäß dem schriftlichen. Referate des Herrn Directocs Simon Den Leh'vlan für den israelitischen Religionsunterricht an Mädchen-Gymnasium conform dem Lehrplane für den israelitischen Religionsunterricht au Ooergymnasien zu gestalten. Rach durchgeführter Debatte, au welcher st h insbesondere die Herren Dr. Spitzer und kais. Rath Wilhelm Pollak betheilige >, wird der Antrag des Vertreter-Collegiums genehmigt. Des Weiteren reserirr Vicepräfident Dr. Kohn namens der Commiffion für Cnltus- und rituelle Angelegenheiren und des Vertreter-Collegiums betreffend eine Anzeigepfilcht der Bel- Hausvereine bei Bestellung von Vereinsrabdinern. Das Vertreter-Collegium beannagt, eine Verständigung an alle Berhansvereine des Inhaltes zu erlassen, dass neu bestellende Vereinsrabbiner in Hinkunft dem Enltnsoorfta-ide anzuzeigen feien, deren Beftellling aber insbesondere im Hinblicke aus die Eoeutualität der Berufung als Gemeinderabdiner im Falle einer vom Cnltusvorstande erhobenen Einsprache zu unterbleiben habe. Ueber Antrag des Herrn Vice.Präsidenten Dr. Stern wird beschlossen: In Betreff der Bestellung eines VereinsrabbiueiS haben die Bereinsvorstä >de vor Fassung eines Beschlusses das Einvernehmen mit dem Vorstände der Eultnsgemeiube zu pflegen und die Zustimmung desselben bezüglich des zu Ernennenden einznholen. Als Verisicatoren der Protokolle vom 8. Mai und vom 25. Mar 1902 werden über Vorschlag des Präsidenten die Herren Dr. Felix Katzan und Dr. Markus Spitzer berufen, und erfolgt nach Erledigung von Stenerangelegenheiten uni» Persoualsragen der Schluss der Sitzung um */,l Uhr Mittags. „X>le Kkeiderfchwemm'". Selten hat ein Wort so rasch in dem Sprachschätze des Wiener Dialektes das Bürgerrecht erhalten, als der Ausdruck «Kleiderschwemm*. Das Wort fließt dem Wiener geläufig von den Lippen. Er fieht den behaglichen Raum vor sich, in dem er um Billiges auch ein gutes, solides »Gewandgulyas* zu kaufen vermag. Und so ist's auch. Die Kleiderschwemm' des Hoflieferanten Rothbecger ist ein solch' behagliches Plätzchen, in dem Jedermann, dessen Lebensweg nicht mit goldenen Kronenstücken gepflastert ist, um staunend billige Preise ein gutes Kleid erhält. Zur Saison füllt sich die Kleiderschwemm' stets mit neuen Borräthen, da die Einrichtung, das getragene Gewand gegen ein neues, der Saiso ' entsprechendes umzutauschen, immer neue Freunde gewinnt, und die Einsicht überall durchdringt, dass diese Einsü^uyg deS Umtausches die praktischste Art der Kleiderbeschaffung ist.