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Die Wahrheit · 1902-05-30 · Heft 21 (30.5.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 21 (30.5.1902)
Date
1902-05-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21. Die Wahrheit. Seite ö. Gebote stehenden Stiftungen als Kleinbauern selbständig gemacht werden. Die Modalitäten dieser Selbständigmachung sind bisher noch nicht festgestellt, aber es ist bereits ein aus erfahrenen Landwirthen bestehendes Comitö zur Erstattung von Vorschlägen exmittirt worden und werden überdies von anerkannten Fachmännern Gutachten eingeholt werden. Unter den Schwierigkeiten, die sich am Anfang der Thätigkeit auf diesem Gebiete zeigten, hat sich auch die Frage des geeigneten Kindermaterials bemerkbar gemacht. Aber das Beispiel der bisher bewährten Zöglinge wirkt aneifernd, und man darf daher mit Bestimmtheit erwarten, dass binnen kurzer Zeit kein Mangel an geeignetem Material fühlbar sein werde. Zur Aufnahme als Ackerbau-Zöglinge haben sich infolge des im Vorjahre vom Vereine wiederholt ausgeschriebenen Concurses an 30 Bewerber gemeldet, deren größter Theil jedoch wegen körperlicher und sonstiger Mängel den Anforderungen nicht entsprach, so dass nach der nothwendigen sorgsamen Auswahl blos 10 als aufnahmsfähig befunden wurden. Die Herren Oekonomiebesitzer: Gebrüder Bruck (Jasd), Dr.* Bernät Friedmann (Reziiek), Jgnacz Frankl (Nagy-Säro), Sigmund Groß (Pta-Gatlaj), Gustav Klär (Nyiregyhäza). Jakob Hoffmann de Lörincz (Lörinczi), Jgnacz Schwarcz (Fegyvernek), Jakob Schwarcz (Okäny), Michael Steiner (O'Gyaüa) und Arthur Sternthal (Pta-Alcsi), hatten die Güte, diese Ackerbauzöglinge in ihren Oekonomien aufzunehmen, und haben hiedurch den Verein zu besonderem Dank verpflichtet. Von den zur Probe aufgenommenen und plazirten 10 Knaben wurden 4 als nicht geeignet alsbald entlassen und 6, welche die Probe gut bestanden, behufs Ausbildung in Ackerbauschulen gegeben. Nur durch diese sorgfältige Auswahl und vorherige Erprobung des Kindermaterials wurde es ermöglicht, dass Vereins-Zöglinge in den Ackerbauschulen die Schwierigkeiten der ungewohnten Lebensverhältniße alsbald überwanden und nicht nur beim Lernen, fouberu auch bei der Arbeit wacker Stand hielten, so dass die Directoren der Ackerbanschulen dem Betragen, dem Fleiß und dem Fortschritte der Schützlinge des Vereines ihre Anerkennung nicht versagen konnten. Der zu den vorjährigen Schlussprüfungen entsendete Vereiussecretär hatte Gelegenheit, sich persönlich zu überzeugen, dass die Zöglinge, die sich während des zweijährigen Lehrkurses auch körperlich gut entwickelt haben, sowohl durch ihre theoretischen, als auch praktischen Kenntniße das günstige Urtheil verdient haben, welches in ihrer vorzüglichen Classificirung zum Ausdruck gelangte. Bei dieser Gelegenheit überzeugte sich auch der Secretär von der humanen und der wohlwollenden Behandlung, welche die Directoren und Lehrkörper der Ackerbauschulen den Schützlingen angedeihen lassen, wofür ihnen öffentliche und dankbare Anerkennung ausgedrückt wurde. Die im Jahre 1901 absolvirten vier Ackerbau-Zöglinge sind aus den Ackerbauschulen von Jäßbereny, Hodmezöväsarhely, Ada und Szabadka (Palics) hervorgegangen. Einer derselben ist zum activen Militärdienst eingerückt, die übrigen drei wurden in Oekonomien angestellt, wo man mit ihrem Verhalten und ihrer Verwendbarkeit vollkommen zufrieden ist. Von den mit Ende 1901 verbliebenen 10 Ackerbauzöglingen waren 9 zur Ausbildung in staatlichen Ackerbauschulen, u. zwar: in Ada (1), in Hodmezöväsärhely (3), in Jäßbereny (1), in Komorn (1), in Papa (2), in Szabadka (Palics) (1), untergebracht, während der Zehnte in einer Oekonomie seine Probezeit verbrachte. Eine besondere Gruppe der Ackerbauzöglinge bilden die Gärtnerbauzöglinge, gegenwärtig vier an Zahl. Von diesen besucht 1 nach einer in der Kolozs-Monoftorer landwirthschaftlichen Lehranstalt verbrachten 2jäh«gen Praxis die Budapester Gärtnerschule; 1 besucht nach einer in der Gärtnerei des Herrn Wilhelm Karsai verbrachten 1jährigen Praxis die Winzerschule in Preßburg; je einer ist in den Gärtnereien der Herren Sigmund und Adolf Kohner in Szaßberek und und der Herren Schlesinger und Pollakowits in Csepel untergebracht. In Bezug auf die Gärtnerei ist besonders hervorzuheben, dass bei dieser Beschäftigung in Ungarn sich für die productive Bethätigung der Arbeitskräfte noch ein weites Gebiet eröffnet und dass auf diesem Felde die der jüdischen Confeffion innewohnende intellektuelle Kraft auch für das Gemeinwohl besonders nützlich zu verwerthen wäre. Aber leider hindern den Verein auch nach dieser Richtung hin die Schwierigkeiten der Unterbringung der Gürtnerzöglinge, und auch auf diesem Gebiete werden keine größeren Resultate zu erzielen sein, bis der Verein nicht über eine eigene Gärtnereianlage verfügen wird. , Das Verdienst für die zielbewusste und überaus er- ' sprießliche Thätigkeit des Vereines gebührt in erster Reihe dem wackeren Vorstandscollegium, au dessen Spitze der Präsident Dr. Armin N e u m a n n steht, dem nimmermüden, für die Propaganda rüstig wirkenden Damencomite, unter der Leitung der Präsidentin, Frau Jakob Fürst de M a r o t h, und den zahlreichen im Berichte besonders erwähnten Gönnern des Vereines, die dem Vorstand in seinen culturellen und philanthropischen Bestrebungen erfolgreich zur Seite! stehen. Möge die Bedeutung dieser Thüthigkeii in die j weitesten Kreise des ungarischen - Judenthums dringen und daselbst gebührende Würdigung und allgemeine Unterstützung! finden! _ Die Entwicklung der lynagogalen Liturgie bis l nach der Reformation des 19. Jahrhunderts. Von P. Min kowsky, Obercantor der Brodyer Gemeinde zu Odessa ' V. j Wie wir gesehen haben, fehlten die beiden früher genannten; Elemente der musica saci*a, das Religiöse und das Nationale, j auch nicht den beiden Zweigen der Kirche, sie unterschieden sich; nur in ihren Stellungen zu einander. Nach der Auffassung der! Katholiken ist die Musik ein Organ der Concentration, in dein j sich alle Individualitäten, persönliche oder nationale, zu einem i höheren und mächtigeren Universallsmus verschmelzen. Und; darum betrachteten sie immer das Religiöse als Hauptziel, dem j das Nationale sich subordinkren muß, und das im Falle des! Widerspruches gänzlich aus dem Weg geräumt werden darf. Die j Lutheraner dagegen^ die in ihrem Proteste gegen Rom das Er-! wachen ihres Nationalismus bekundeten, sahen in ihrer Musik das Organ der Unabhängigkeit, der Separation und der Lostrennung von der Hegemonie der Curie, und darum musste in ihr das Nationale hervortreten, ohne dass es jedoch in ihrer Absicht lag, das Religiöse zu schädigen. Dass jedoch auch Luther den Gesang als göttliche Kunst betrachtet hat, geht es aus einem Briefe an seinen Freund, den berühmten Tondichter Ludwig Senfl, hervor. „Es unterliegt! keinem Zweifel" — so schreibt Luther an Senfl — „dass in den Herzen, welche von der Musik gerührt werden, viele Keime schöner Tugenden verborgen sind. Jene aber, welche die Musik i kalt lässt, scheinen mir die meiste Aehnlichkeit mit Steinblöcken zu haben. Ist doch auch den bösen Geistern die Musik ver-! hasst und unerträglich. Ich bin ganz der Ansicht und scheue i auch nicht, sie offen auszusprechen, dass es nach der Theologie i keine Kunst gibt, die der Musik gleich gestellt werden könnte, > weil sie allein nach der Theologie das uns gewährt, was sonst j die Theologie allein zu gewähren im Stande ist: Ruhe und > Freude des Herzens. Ein offenkundiger Beweis für diese Behauptung ist, dass der Teufel, der Urheber trauriger Sorgen > und ruheloser Kümmerniße, vor dem Klang der Musik säst eben so sehr fliehet, wie vor dem Worte Gottes. Das ist der Grund, weshalb die Propheten sich keiner Kunst so sehr bedienten, wie der Musik. Indem sie nämlich zu ihrer Theologie nicht die Geometrie, Arithmetik und Astronomie, sonder» die Musik hinzuzogen, verknüpften sie^Theologie und Musik auf das Engste mit einander und verkündeten die Wahrheit in Psalmen und Gesängen." *) 1) Emil Naumann, Illustrirte Musikgeschichte. Bd. I., S. 443.

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