Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 20 (23.5.1902)
- Date
- 1902-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Vie Wahrheit. Nr. 20. suchten die Apostel ihre Predigten und Lehren gerade unter den Armen des Geldes und noch mehr des Geistes zu verbreiten. Za Kurzem, das Christenthnm, im Ganzen genommen, war am Anfänge eine sociale und noch mehr religiöse Revolution des Pöbels gegen seine Patrizier, eine Auflehnung des Volkes gegen seine Goldes- und Geistesaristokratie. Undjdarum zog die Kirche, nachdem ihr die erste Ruhe gegönnt worden war, das Volkslied der alten reiferen Musik in ihrer Liturgie vor. Die Musik musste so volksthümlich wie ihre Religion werden und als Barometer der demokratischen Basis des neuen Credo dienen. Dieser demokratische Geist hielt jedoch verhältnismäßig nicht sehr lange in der christlichen Kirche an. Die unerhörten Triumphe, die das Evangelium über Fürsten und Völker errungen hat, verwirrten die Köpfe der Kirchenväter so sehr, dass sie vom Hauptziele des Evangeliums nach und nach abgingen. Eine neue und sprödere Titulatur, welche die der Juden in den Schatten stellte, sing auch in der Kirche zu blühen an. Ein Clericalismus mit allen seinen Abstufungen, ein Sectenwesen von klingenden Namen, himmlische Staathalter, Heilige und Märtyrer rc. rivalisirten unter einander über die Hegemonie im Himmelreich. Und während sie ganz und gar in dem Antagonismus des Jenseits versunken waren, entfernten sie sich nicht nur nach und nach vom Volke, sondern gaben sich alle Mühe, den Obskurantismus im Volke, als dessen einziges Mittel zur Seligkeit, zu pflegen und zu conserviren. Diese Aristokratomanie wüthete in der Kirche schlimmer als einst bei den Juden, und dies schon daraum, weil unter der Maske der Scheinheiligkeit und des Religiouseifers gar dunkle Leidenschäften, lvie politische Macht, Geldgier und dergleichen versteckt waren, was man bei den Juden nie in einer und derselben Person zusammengepaart fand. Auch ist der „ Talmud chacham" der Synagoge nie als unfehlbar wie der „Talmud chadiam“ aus dem Vatikan declarirt worden. Während dem Ersten blos des Prestiges wegen die Reue (rapn) für sein Vergehen selbst überlasten worden war, enthob die Jnsallibilität der Kirche den Zwesten aller Sünden überhaupt. Nie gab es einen Absolutionsschacher zwischen den Phärisäeru und den „Amhoorez" der Synagoge, wie er so officiell auf religiösem Boden zwischen den Pharisäern und den „Amhoorez" der Kirche ftaltgefuuden hat. Ter jüdische Pöbel war zwar einigermaßen verstoßen, aber nicht betrogen; eilt Tetzel, Beruardin, Samson rc. waren und sind im Jndenthum unmöglich. Die Erniedrigung des christlichen Pöbels war eine viel tiefere, nD einst beim Judenthum, lveil er hier blos von seiner Lehre, aber nicht auch von seiner Liturgie im Tempel, deren Sprache er verstanden und an dessen antiphonischem Gesäuge er sich betheiligtc, verstoßen war. Das Beth-Hamidrasch war zwar für den Pöbel gesperrt, in Beth Hakneseth dagegen fühlte er sich ganz wie zu Hause, so dass letzteres gar Volks - haus genannt wurde. In der Kirche jedoch wurde Alles ohne Ausnahme für den Pöbel in Mizraimfinsterniß gehüllt; die Lehre, der Glaube, die Sprache der Liturgie, wie auch der Gesang, nachdem bas Volkslied und die Betheiligung der Leienam Gottesdienste beseitigt worden war, wurden eine „terra InooAnita" für den Mann des Volkes, bis die Luft schwül ward und das verstoßene Volk sich für eine zweite religiöse Revolution reif zeigte. Und wie einst die Fehler des Judenthums zur Gründung des Christenthums beigetragt» haben, so gaben auch jetzt die noch schlimmeren Mängel des morfchgewordenen Christenthums Anstoß, ein Neues ins Leben zu rufen. Der Gottmeusch musste aus der Monopolisatiou des Vatikans befreit und der Menschheit in ganz anderem Lichte dargestellt werden. Ein demokratischer Geist durchdrang den Glauben, die Lehre und Liturgie, und im Namen des Volkes und der allgemeinen Menschheit haben Humanisten und Lutheraner der Kirchenaristokratie den Krieg erklärt. Die beiden Testamente wurden abermals zum Eigenthume des gemeinen Volkes gemacht, die Liturgie;i« die Volkssprache übersetzt, und der Volkschoral als wesentlicher Theil des geistlichen Gesanges, an dem sich das Volk auch betheiligen sollte, eingesührt. (Fortsetzung folgt.) Ist der Prophet Jeremias in Irland gewesen? Ueber diese Frage lesen wir in der» Cölner „Israeli Gemdbl." folgende überaus interessante Ausführungen: Unter den britischen Inseln ist Irland wohl diejenige, deren Legenden die ältesten fiiib von und deren emgewanderten.. Stämmen viele ihren Ursprung aus dem fernen Osten nach-! weisen können. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, dassdie Stadt Tara mehrere Jahrhunderte vor der christlichen Aera. die königliche Residenz von Irland war. Der Psalter von. Tara war eine Chronik des irischen Königreichs, welche ihren Ursprung einem Manne verdankt, den man in Irland unter dem Namen „Ollam Fola von Tara" kennt. Dieser berief daselbst, zum erstenmal in der irischen Geschichte, eine Versammlung de^ Häupter des Volkes, welche wohl das früheste Beispiel eines- Parlamentes darstellt. Indessen, waren Parlamente im Westen unbekannt, so kannte der Osten dieselben doch längst; denn irr der Wüste richtete Moses ein solches für sein Volk zu richter-- lichen Zwecken ein, und Saul wurde von einer Versammlung, seiner Mitbrüder gewählt. Außer jener trionalen Versammlung scheint Ollam Fola auch andere weise Einrichtungen getroffen zu haben. Je über Hunderte setzte er einen Häuptling und über jede Stadt einen Beamten, welche alle unter, dem König von Irland standen -~ eine durchaus hebräische Einrichtung. Dieser Ollam Fola wird in der alten Geschichte als Gesetzgeber und großer Weiser gefeiert und sein historischer Ruhm hat eine öffentliche Anerkennung gefunden durch :die Thatsache, dass sein Bildnis mit denen von anderen Gesetzgebern das Innere des Capitols in Dublin schmückt. Es steht fest, dass er kein König war. obgleich die Chronisten diesen Propheten häufig mit dem König verwechseln, der ihm bei seinen Reformen zur Seite stände Dieser hieß Gochaiv Hereman oder der Reiter-König. Ollam Fola gründete auch in Tara „einen schönen Palast für die Gelehrten des Reiches"; dieses Gebäude hieß Mur-Ollamhan, d. h. „Haus der weisen Männer", oder „Prophetenschule", von welchen er selbst der „Ard-Ollam" oder Erzprophet war. Daraus ergibt sich Ollamals sein Titel und nicht als eigentlicher Name. Nun ist aber Ollam ein hebräisches Wort, welches- Ewigkeit und Unsichtbarkeit Gottes in sich schließt. „Dieses auf einen Menschen ungewendet, würde bedeuten", so meint ein gelehrter Jude, „dass er im Besitze verborgener, nicht Allen zugänglicher Wissenschaft war." Fola erinnert an das hebräische Fla und wird für alles Wunderbare gebraucht. Darum könnte man den Titel des irischen Gesetzgebers etwa übersetzen: „Der wunderbare Seher". Mur-Ollamhan, der Name des Collegiums, heißt im Hebräischen sehr bedeutungsvoll „die Vorhöfe der. Seher". Tara selbst, der Hügel, welcher seit jenen Tagen mit aller legendären Größe Irlands in Verbindung steht, ist identisch mit dem hebräischen Thora, Gesetz. Ueber das Datum jener Ereigniße herrschte lange Streit. Dr. Kelly, Professor in Magnort, sagte, dass nach leidenschaftslosen Untersuchungen in Bezug auf die Existenz des so berühmten Ollam Fola, der Zeitpunkt auf das Jahr 583 v. Ehr. annähend bestimmt werden kann. Um dieselbe Zeit etwa, so erzählt die älteste irische Tradition, landete an der Küste von Irland ein Schiff, welches, aus dem Orient kommend, eben jenen Ollam Fola an Bord hatte, unter dessen Obhut eine orientalische Fürstentochter stand, deren hebräischer und nicht irischer Name Tea Teßlü lautete; auch begleitete "sie. der Schreiber Baruch, wie wir ihn in Jerem. 43, 6 erwähnen hören; in Irland wurde er „Breig" genannt. Das Schiff war bemannt von der Fuatta de Danraus, welches Wort in irischer Sprache der Stamm Dan bedeutet. Auch führten sie einen Stein mit sich, welcher „Lia Fall" hieß, der Stein Wunderbar oder der Stein des Geschickes. Derselbe ruht bis aus den heutigen Tag im Thronseffel der Westminster Abtei und wurden aus ihm die Könige von Irland, Schottland und England seit unvordenklichen Zeiten gekrönt. Aus der heiligen Schrift wissen wir nun aber, dass Jeremias von Gott den Auftrag bekam, „umznstürzen, sowohl als zu