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Die Wahrheit · 1902-05-23 · Heft 20 (23.5.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 20 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Die Wahrheit. Seite 7. bauen" und dass ihm die Töchter vom König Zedekiah, dem letzten von Juda, anvertraut wurden, mit denen er, begleitet vom Schreiber Baruch, in Tahponhes in Egypten verschwindet. Dies ist das letzte, was uns die heiligeil Allszeichnungen sagen. Ein langes und tbätiges Leben war ihm beschielten. In seinen tiespoetischen Klageliedern trauert er über die Leidendes irdischen Daseins, findet aber Trost, weil er mit dem Auge des Glaubens das ganze Geschick Israels überschaut und sieht, dass es bestimmt ist, ein Segen für alle Völker zu werden. (Jerem. 3, 31.) Er ist jener Ollam Folla, der „Wunderbare Alte der irischen Geschichte, dessen Bildnis an der Decke des Capitols gleichsam Wache hält über die Ausübung der Gesetze, welche seiner Weisheit zu verdanken sind. Die irischen Chroniken sind voller Hinweise aus Jeremias, den Propheten, und seit grauen Leiten wird sein Grab aus der Jrisel Davenish, County Earne gezeigt. Eine weit verbreitete Tradition erzählt, dass einer der grössten Könige von Irland, Fin Mc Coyle, die Schule des Propheten Jeremias besuchte, und ein wohlbekanntes irisches Volkslied singt: There’s not a but Isle around / But where a Jery (Jeromias) may be found. Wenn nun Jeremias nie in Irland war, wie kommt denn sein Name so häufig in der irischen Tradition und Geschichte vor? Verschiedene Nachrichten.! Wien. Vor Kurzem erhielten wir eine aus Ersekujvar (Neu-! Häusel, Ung.) datirte und mit W. Bandler gezeichnete Korrespondenz-! karte, worin das plötzliche Ableben des Cantors M. B a l o g h angezeigt! wurde. Wie sich nun herausstellt, befindet sich der Todtgesagte derzeit j in Wien und erfreut sich des besten Wohlseins. Wir bitten unsere gej schätzten Leser, uns beider Feststellung der Identität des böswilligen Einj senders behilflich zu sein. j Wien. Herr Dr. Spitzer, Religionslehrer an der Religionsschule | des hiesigen ÄAdass-Jisrcelu-33erewe§, wurde am 21. d. M. einstimmig! als Bezirksrabbiner der Cultusgemeinde Amstetten acceptirt. Wien. Sonntag, den 25. d. Uhr Nachmittags, findet im türk. Tempel, II., Circusgasse 22, die Trauung des Herrn Leon Asriel ' mit Fräulein Alice Lewy statt. F'iksen. Fräulein Gertrud Breslauer, Tochter des Herrn Gustav! Breslauer, Bergwerksbesitzer in Pilsen, hat sich mit Herrn Leo Freisinger,! Beamten der Firma D. G. Fischet Söhne in Niemes, Sohn des Herrn! Armin Freisinger, Obercantors in Pilsen, verlobt. St. gölten. Sonntag, den 25. d. 2 Uhr Nachmittags findet hier : die Trauung des Fräulein Amalie Neumann, Tochter des verstorbenen; langjährigen Cantors I. Neumann, mit dem gegenwärtig hier angestellten i Cantor, Herrn Philipp Wilhelm Rabinowitsch. statt. Z'rag. Der Kindergartencurs des Prager Deutschen Frauen-; erwerbvereines hielt am 14. d. seine Schlussfeier und gleichzeitig die : Feier seines 30jährigen Bestehens ab. Der Director der Anstalt, Herr kais. Rath Ernst Kaulich, richtete eine ergreifende Ansprache an die aus- ' tretenden Mädchen und legte denselben die Wichtigkeit des Berufes einer Kindergärtnerin dar, gedachte des großen Pädagogen Friedrich Fröbel, der diese Institution auf deutscher Grundlage erbaute und der ganzen Mensch-; heit einen großen Dienst damit geleistet hat. Im Namen der Schülerinnen i dankte Frl. Paula Singer der Präsidentin Nora v. Görner, welche als Gründerin sich ganz besonders um diese Schule verdient gemacht hat,! sowie den Damen, welche ihre Unterstützung dem edlen Zwecke widmeten. i (Sin hiezu von Obereantor Singer aus Jungbunzlau componirter Schluss-; chor mit Solo wurde mit Clavierbegleitung von 34 Schülerinnen exact . vorgetragen, dessen Text die langbewährte Lehrerin dieser Anstalt, Frau ^ichra, lieferte, die auch die Liebe ihrer Zöglinge seit 30 Jahren in ungeheurem Maße erworben, und welche ohne confessionelle Voreingenommenheit dem Talente manches israel. Mädchens und dem Familiensinn im jüdischen Hause stets Worte der Anerkennung widmet. Netovar. Am 8. d. M. fand im hiesigen Tempel die Trauung des Herrn Julius Hugo Tauber, Redacteur der „Reichswehr" mit Frl. Julka Rosenberg, Tochter der hiesigen Privatiers, Herrn Leopold Rosenerg, statt. Die Trauung vollzog der Vater des Bräutigams, der hiesige Bezirksrabbiner Herr I. D. Tauber, der an das Brautpaar eine erhebende Ansprache richtete. Den gesanglichen Theil der Feier executirte der Schwager des Bräutigams, Herr Leo Mirsky, 1. Cantor am neuen Tempel in Prag, unter Assistenz des Tempelchores und des Obercantors Herrn M. Faust. Dent feierlichen Akte wohnte ein sehr zahlreiches, distinguirtes Publikum bei. Mudapek. Das Testament Josef Wahrmann's wurde vor der 6. Bezirksvorstehung im Beisein des Rechtsvertreters der Erben Advocat Dr. Soma Perl publicirt. Der Nachlass Josef Wahrmann's beläuft sich aus etwa eine Million Krone». Als Haupterben sind der Bruder des Verblichenen, Dr. Sigmund Wahrmaun, praktischer Arzt in Wien, und Frau Rudolf Goldstein, geb. Rosa Wahrmann nominirt. Vom Edelsinn und der Menschenfreundlichkeit des Verblichenen zeugt die testamentarische Verfügung, wonach culturellen Zwecken 100,000 K.. Wohlthätigkeitsvereinen 60,000 K., den Budapester Spitälern 40,000 Kr. bestimmt sind. Am Tage des Begräbnißes wurden 2000 K. unter Arme vertheilt. Die Hälfte der den Spitälern und Wohlthätigkeitsvereinen zugedachten Beträge hat der Verblichene der Pester isr. Religionsgemeinde zur Verfügung gestellt. Josef Wahrmann hat schließlich mehrere Verwandte bedacht. Zu Testanrentsvollstreckern sind Karl Eötvös, Kronanwalt-Suöstitut Dr. Bela Katona, Ludwig Egyedv, Louis Fuchs und Dr. Josef Gruber bestellt. Audapek. .Aach zweijährigem Kampfe wird es der »Ungarischen Wochenschrift^, die mit ihrer stehenden Rubrik »Der 8oböm-tla'wajob ..“ die Welt allamirte, endlich gelingen, einem unjüdisch''n Treiben ein Ende zu machen. Die Herren Rabbiner Dr. Kohn, Dr. Kayserling, Feldmann, aber hauptsächlich der neugewählte Schulpräses, der kön. Notar Herr Dr. Weimnann, der seine Ehrenstelle als wahrer Jude bekleidet, verlangen es energisch, dass in allen konfessionellen und communalen Schulen Budapests das Daw'nen und die Bibel-Uebersetzung mit bedecktem Haupte geschehe. Budapest. (Stich ins Gelbliche.) Da gab vor einigen Tagen in Budapest irgend eine (Gentry-Gesellschaft ein Wohlthätigkeits-Matinv. Da man viel Geld einbringen wollte, mußte man, so unangenehm es auch war, auch die reichen Leopoldstädter Juden einladen. Es fiel Niemandem aus, dass die Farbe der Einladungen der Juden zufällig von der an Christen ergangenen ein wenig abstach; die letzteren hatten nämlich einen „Stich ins Gelbliche". Ebensowenig konnte man die Ver» merkung anstößig finden, dass die Eintrittskarten zur Matirw nur gegen Vorweisung der Einladung verabfolgt werden. Die Levpoldstädter Großjuden fühlten sich durch diese Ehrung der Gentry sehr geschmeichelt, sollten doch die Ueberzahlungen öffentlich quittirt werden. Der große Tag kam. In langen Reihen brachten »Unnumerirte^ die geladenen Gäste. Der Saal war voll. Als aber Alles Platz genommen hatte und man Muße fand, sich im Saale zu orientiren, da schien es, als hörte man auf der linken Seite einen durch iämmtliche Sesselreihen sich hinziehenden Aufschrei der Enttäuschung. Die Ursache des Schmerzes war bald klargestellt. Die Großjuden, alle sammt und sonders Vollblut- Assimilanten und Antizionisten, mußten nämlich die traurige Wahrnehmung machen, dass sie ganz unter sich geblieben, denn die Christen erhielten ausnahmslos die Sitze auf der rechten, während die zzuden auf der linken Seite des Saales placirt wurden, oo hatte sich auch das Geheimnis vom „Stich ins Gelbliche" und die Bemerkung, dass die Karten nttr nach Vorweisung der Einladungen erhältlich seien, aufgeklärt. Seßprim. Der Veßpri.ner israelitischer Frauenverein, der seit fünfzig Jahren eine segensreiche Thätigkeit entfaltet, beging dieser Tage das Jubiläum seines halbhundertjährigen Bestandes. Nach einem Psalm und einem Dankgebet, das vom Obereantor Moser unter Begleitung des Tempelchors vorgetragen wurde, hielt der Ofener Oberrabbiner Dr Arnold Kiss die Festpredigt. Karlsruhe. Aus Anlass des 50jährigen Regierungs-Jubiläums des Großherzogs von Baden, wurden u. A. mit Ordensverleihungen bedacht: das Ritterkreuz erster Classe Rabbbiner Pikard in Randegg, Bez. Rabbiner Dr. Schlesinger in Breiten; die kleine goldene Verdienst, medaille Cantor Wolf Schuster in Mannheim, Cantor Sommer in Freiburg, Cultusbeamter Leopold Mayer in Mannheim; die silberne Verdienst» medaille Synagogendiener Heinrich Hirsch in Karlsruhe.

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