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Die Wahrheit · 1902-05-16 · Heft 19 (16.5.1902) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 19 (16.5.1902)
Date
1902-05-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." Nr. 19 22. Iahrg. Zur Organisation. In der am 13. d. unter dem Vorsitze des Präsidenten I. Singer stattgehabten Sitzung im österr. ungar. Cantoren- Vereine, au welcher die Herren Schorr, Zellnik,Jurberger, Hirsch, Löwit, Bauer, Blatt, Schiller theilnahmen, erstattete Vereinssecrelär Dr. Löwy Bericht über die während seiner jüngsten Anwesenheit in Budapest mit den Herren Obercantor Lazarus und Obercantor Bachmann gepstogenen Berathungen, bebnfs Förderung der Organisation in Ungarn, und wurde vom Vorstände mit 'Befriedigung die Miltheilung zur Kenntnis geiwnmien, dass demnächst zu diesem Behnse eine Versammlung der Budapester Cantoren einberusen werden wird. Hieraus wurde die Berathung der Statuten fortgesetzt, die bereits in nächster Sitzung zur zweiten Lesung gelangen. „Schlkjischrr Cautorenoerem". Montag, den 12. d. fand in Beutheu O. S. in Anwesenheit der Herren Beer-Beuthen, Davidsohn-Gleiwitz, Singer- Kattowitz, Spandau-Myslowitz eine Cantoren-Sitzung statt, die folgenden Verlauf nahm: College David sohn eröffnete die Sitzung und erstattete einen Bericht über seine Thätigkeit für den Verband seit der letzten Zusammenkunft. Nach Verlesung der eiugegangenen Schriftstücke stellt College Spandau den Alttrag, für die demnächst zu entwerfenden Statuten sich die des Rabbiner Verbandes, des Oesterr.:Ungar. Canloren-Bereines, des Lehrer-Verbandes und der Berliner Hilfscassa für Cultnsbeamte zu verschaffen, zwecks Ueberprüsung der einzelnen Satzungen und wurde College Beer ersucht, an diese Vereinigungen behufs Zusendung ihrer Statuten hkranzutreten. Hierauf folgte eine Debatte bezüglich Anschluss an die Berliner Hilss-Cassa für Cultnsbeamte. Von Seiten der Berliner Hilss-Cassa wurden die drei Vorstandsmitglieder Davidsohn, Singer, Beer durch den Haupt- Cantor A. Friedmann-Berlin verständigt, dass sie zu Vertrauensmännern für Schlesien gewählt sind. College Singer theilte mir, dass er diese Miltheilung dankend zur Kenntnis genommen habe, eine definitive Entscheidung jedoch erst nach dem nächsten „Schlesischen Cantorentag" treffen könne; jedenfalls steht der „Schlesische Cantorenbund" den Bestrebungen der Hilsscassa in Berlin sehr sympathisch gegenüber. Ueber Alttrag des Collegen Spandau, wie der „Schlesische Cairtorcubund" sich der Hilfscassa anschließen sollte, ob er, da ja in der Berliner Hilfscassa auch andere Cultnsbeamte Mitglieder sind, den Characier einer Cantoren. Vereinigung verlieren soll, bittet College Singer, diesen wichtigen Punkt der General-Versammlung in Breslau zur Entscheidung zu überlassen. Als Tag derselben wird Sonntag, der 15. Juni bestimmt, und zwar in der Lessing- Loge zu BreSlau; die nähere» Bestimmungen werden in der nächsten Sitzung am 27. Mai in Kattowitz berathen. Nach Kenntnisnahme der eingegangenen Postanweisungen wird die Sitzung geschlossen. Neuer Cantorat und Kirschner's TrammgsgesSuge. Von Eugen Dawison-Teplitz. Frühlingsblüthen — in Schönheit erstanden, von dem Sonnen bl ick einer poesiebegnadeten Künstlerphantasie zum Blühen erweckt, hat unserem Berufskreise der Mai gebracht. Wir halten den Liederstrauß in Händen, blicken von Blatt zu Blatt und fühlen Frühlingsfreude im Herzen, dass sich auch uns Berufsgenoffen ein Hain schmückt, in dem das Jung- Cantorenthum seine neuen Weisen erschallen lässt. Das bedrängte, verachtete, geschmähte Israel fand die Lieder seines- Elends. Das geistige Elend ist heute aber gebrochen, und ob rohes Schelten fanatischer Parteien auch über die' Gaffen tönt, der geistige Entwicklungsgang Israels führt parallel mit dem anderer Völker zur Höhe. Und dieses nicht im Schlamm der Vergangenheit kauernde' Israel braucht' neue Lieder, und zwar Lieder, die den Geist des gebildeten, vornehm denkenden und ästhetisch empfindenden Judenlhums athmen. So sehr wir von Ehrfurcht für das Ueberlreferte im Gottesdienste erfüllt sein müssen, so w'euig dürfen wir es an Aufmerksamkeit für etwas fehlen lassen, was geeignet ist, aus Ueberliesertem und neu Geschaffenem dem modernen Israeliten zur Erbauung und Andacht durch religiöse musikalische Kunst im Tempel zu dienen. Wo der Gottesdienst noch so wenig veredelt ist, dass das Hernnterleiern des üblichen Gebetpensums, vom Vorsänger in der gewünschten Manier seiner Auftraggeber abgewickelt, das Andachtsbedürfnis befriedigt, wo die geistesträge Gewohnheit des Herunterdawenens noch florirt, da wird das Wort „religiöse musikalische K u n st" wie ein Weckruf aus trägem Schlafe wirken. Von religiöser Kunst wollen solche Gemeinden nichts wissen, und ihre Cantoren wagen sich nicht über das geistige Niveau ihrer Auftraggeber zu erheben. Ja wir leb.cn, man kann mir's glauben, noch in einer Zeit, wo unter Berussgenoffen, ich meine unter Cantoren, einer den andern verketzert, wenn der andere aus seinen paar Dutzend Nigunim kein Handwerk schmiedet, sondern semen Besitzstand au jüdisch musikalischer Uebcrlieferuug mit G e i st, Vernunft und Schön heitsgesühl verwaltet. Der gebildete Cantor ist den Bocherim-Chasonim und ihrem.Anhänge bald und halb immer noch eine komische Figur. Zur Anerkennung reicht das spärlich eingekapselte Gehirn nicht ans, ergo wird das Unverständliche ins Lächerliche gezogen. Gemach, gemach, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ein anders geartetes Geschlecht wächst heran, in der Schule wird vom einfachsten christlichen Dorflehrer das Gehör der Jugend gebildet. Dann wehe den Feinden des gebildeten Cantors! Von der Anerkennung der Leistungen ist die so zia l e Stellung abhängig. Wehe, wenn mit der Unmöglichkeit der zu erringenden Anerkennung auch die Unmöglichkeit der ganzen Existenz des Cantors sich einftellt. Ein Bravo daher noch nachträglich jenen Wortführern beim Wiener Cantorentage, die-es laut und offen anssprachen, dass die Vervollko m nin n g rein fachmännisch und intellectuell m i t ein Hebel sein muß, um dem Cantor zu jener Würde und Bedeutung zu verhelfen, die ihm kraft seines Antheils am Gottesdienste von rechtswegen zusteht. Alle Berufsstande schreiten vorwärts, nur leider in unfern Reihen gibt es sehr viele Nachzügler und Leute, die dasjenige, zu dem sie au fseh en sollten,despectirlich behandeln. Wir können es nicht verschweigen, dass viel Unglück, das aus unseren Kreisen heraus in letzter Zeit an die Oeffentlichkeit drang, aus einem inner« Conflict entstand, der sich aus dem geistigen T i e f st a n d des Cantoratsverwesers im Gegensätze zu den Forderungen einer gebildeten Gemeinde ergab. Die Thatsachen geben also den Wortführern auf dem Wiener Cantorentag und obigen Ausführungen Recht. Wozu, wird der Leser fragen, diese Ausführungen einer Besprechung neu erschienener Compositionen an die Spitze stellen? Antwort: üm barzulhun, dass der Cantor der gebildeten jüdischen Gemeinde mit allen Merkmalen musikalisch künst

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