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Die Wahrheit · 1902-05-16 · Heft 19 (16.5.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 19 (16.5.1902)
Date
1902-05-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. Id. Die Wahrheit. Seite 5. Taufe entfchiedeu verweigerte, angeblich zur Ehre Gottes, erdrosselten. Der edle und wackere Erzbischof Hermann III. lieg dann die Juden heimlich aus der Stadt führen und auf sieben Orte feines Erzstiftes vertheilen, da er dachte, dass sie dort von den ruchlosen Horden verschont bleiben würden. Drei volle Wochen verweilten die armen Fflüchtlinge in den Ortschaften Mors, Stewlinghosen, Alldenahr, Korpe K. mit betrübtem Herzen und aufgeregtem Gemüthe. Allein die frommen Wallbrüder, die sichs zur Aufgabe gemacht, die Bekenner des Judenthums auszurotten, ruhten nicht eher, bis sie die Spur der ihnen entronnenen Opfer aufgesunden hatten, und das Schlachten und Morden wurde aufs Nene begonnen. Im Ganzen sollen während des Zeitraumes von zwei Monaten, Mai—Juni, in der Nheingegend 12.000 Juden den Märtyrertod erlitten haben. Daher kam es, dass gerade der Mai, der so vielfach besungene und verherrlichte Wonnemonat, in Israel als Trauerzeit gefeiert wurde. Auch das tragische Ende der Schüler des berühmten Rabbi Akiba soll dazu deigetragen haben, die Sesirazeit als eine Zeit der Trauer zu betrachten. Dr. Fr i e d l ä u d e r, Pisek. ÄIIS der Wiener Cnltnsgemeinde. In der am 8. d. M. unter dem Vorsitze des Präsidenten, kaif. Rath Heinrich Klinge r, abgehaltenen öffentlichen Plenarsitzung des Eultusvorstandes wurde die Koscherfleisch-Frage, welche schon längere Zeit sowohl den Eultusvorstand als auch weitere Kreise der jüdischen Oesfentlichkeit beschäftigte, in ihren wesentlichsten Punkten endgiltig erledigt, und die Lösung, die sich nach der in unserem Blatte gleich vom Anfang an angedenteten Richtung bewegte, must unbedingt als eine allseits befriedigende bezeichnet werden. Einerseits hat der Vorstand dein in derlei Sachen^ von jeder jüdischen Eultusgemeiude zu respectirenden rituellen Standpunkt des Nabbinats die gebührende Würdigung zu Theil werden lassen und andererseits auch sden Bedürfnisten des consumirenden Publikums und der interessirten Kreise vollauf Rechnung getragen. Besonders wird es anerkannt werden, dass wohl gegenwärtig die thnnlichste Rücksicht geübt wurde, um ilicht jüdische Geschäftsleute in ihrer Existenz zu bedrohen, dass aber auch für die Zukunft dem Weitergreifen der bisher zu Tage getretenen Uebelstände vorgebengt wurde. Hoffentlich wird der Vorstand auch bei dem weiteren, in nahe Aussicht gestellten Theile der Regelung die gleiche Vorsicht und Gerechtigkeit wallen lassen. Im Nachfolgenden der Bericht: Kirrkauf. Aus dem Einlaufe werden zur Kenntnis gebracht: An Spenden: von Herrn Heinrich M. Elias s. A., als Legat für wohlthätige Zwecke 2000 Frcs. in Gold; von Herrn Jakob S. Straßberg, anlässlich der Vermählung seiner Tochter, für wohlthätige Zwecke K. 200. Ein Schreiben des Herrn S. Wölfler, namens des Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Brustkranker auf dem Lande, unter Ueberweisuug von K. 4000 für den Stammfond des Vereines. Eine Zuschrift der Firma Gebrüder Gutmann, betreffend Errichtung zweier Stiftplätze^ im Hospiz in Karlsbad mit einem Betrage von K. 20.000, wobei der Wiener Eultusgemeinde das Besetzungsrecht Vorbehalten wird. Die Zustimmung der n.-ö. Statthalterei zu der vom Vorstande über Anregung des Vicepräsidentell Dr. Stern angesuchten Verwendung des Erträgnißesj der „Ignaz Ritter von Liebenberg'fchen Grabesstiftuug", insoweit diese nicht für die Kosten der stiftbriefgemäßen Erhaltung der Grabstätten des Stifters und seiner Gattin in Anspruch genommen werden, zur würdigen Erhaltung des Währinger Friedhofes, bezw. zur Berasung und Bepslanzuttg der Gratisgräber auf der israelitischen Abtheilung des Eeutralfriedhofes. H>räsidialöericht Im Prasidialberichte theilt der Vorsitzende mit, dass die vom Herrn Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern aus dem' Nachlasse seines verewigten Bruders, Herrn Julius Stern, gewidmete Kunstsammlung über seinerzeitigen Bertreterbefchluss nunmehr veräußert wurde und dass der hierbei erzielte Erlös im Betrage von K. 20.000 über Verfügung des Herrn Dr. Stern für Zwecke des Siechenhauses, deren nähere Bestimmung er sich noch^ Vorbehalten habe, Verwendung finden werde. Der Vorsitzende spricht Herrn Vicepräsidenten Dr. Stern hiefür den Dank des Eultusvorstandes aus. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident bringt hierauf zur Kenntnis, dass Herr- Dr. Rosanes, Director des Kronprinzessin Stephanie-Spitales. der durch 12 Jahre die chirurgischen Fälle im israelitischen Spitale behandelt hat, nunmehr ans demselben scheiden werde^ und erbittet sich die Zustimmung, Herrn Dr. Rofanes für feilt anerkennenswerthes, langjähriges Wirken im israelitischen Spitale den Dank des Eultusvorstandes schriftlich auszusprechen. (Zustimmung.) Hlechnungsabfchkülfe pro 1001. Zum ersten Punkte der Tagesordnung —- Rechnuugs-- abschlüsse für das Jahr 1901 — übergehend, bemerkt der Vorsitzende, dass diesbezüglich alle statutarischen Bedingungen erfüllt wurden, und ertheilt hierauf Herrn kais. Rath Hirsch das Wort zur Erstattung seines Referates. Kais. Rath H l r s ch legt namens des Vertreker-Eollegiums den Rechnungsabschluss pro 1901 vor, der nach den einzelnen Sectionen geordnet sich in folgenden Endziffern präfentirt: Section I: Einnahmen. . Kr. 240.865-84 Ausgaben. . Kr. 390.535 71 Zuschuß . . Kr. 150.069*87 Section II: Einnahmen... . Kr. 43.070*98 Ausgaben. . Kr. 236.441*06 Zuschuß . 193.370'— Sectio» III: Einnahmen. . Kr. 147.591-82 Ausgaben. . Kr. 632 013-52 Zuschuß . . Kr. 484.421*70 Section IVr: Einnahmen. . Kr. 1,150.52055 Ausgaben. . Kr. 429.099*73 Ueberfchujs. . Kr. 721.429*82 Section V : Einnahmen. .Kr. 11.096-— Ausgaben. . Kr. 27.853*06 Zuschuss. . Kr. 16 757-06 Section "VI: Einnahmen. 412.926*34 Ausgaben. . Kr. 250.124-80 Ueberschuss. .. Kr. 162.801-45> Rach Besprechung der einzelnen Details der Einnahmen und Ausgaben sowie der Actio- und Passivposten des Bilanz- Eouto, das am 31. December 1901 mit einem Activsaldo von 15.445*61 Kr. abschlost, gelaugt Referent;u folgendem Resume : „Wie aus dieser meiner Darstellung hervorgeht, bedürfen wir allerdings auch fernerhin Ihrer eifrigen gewissenhaften Unterstützung, sowie des rastlosen Fortschreirens auf der als richtig anerkannten und erprobten Bahn umsichtiger Ersparungen im Haushalte. Wenngleich manche wichtige Aufgaben bereits erfüllt sind, wenn wir auch Spital, Altersversorgungs- und- Siechenhaus nach unseren Kräften ausgestattet haben, so bleibt für die nächste Zeit uns doch noch Vieles zu thun übrig. Die Erweiterung der genannten Humanitätsanstalteu wird selbstverständlich mit einer beträchtlichen Erhöhung der Betriebsanslagen! verbunden sein, und weiters verweise ich darauf, dass wir uns | auch zu Tage tretenden Ansprüchen unserer Steuerträger nicht > werden verschließen dürfen. Angesichts der uns auch fernerhin obliegenden Aufgaben, deren Wichtigkeit und Dringlichkeit nicht zu unterschätzen ist, wäre es verfehlt, ans der allerdings erfreulichen Besserung unserer finanziellen Verhältuiße allzu optimistische Schlüsse zu ziehen. Gegen eine derartige Ueberschätzung des Budgets muß ich heute schon laut und eindringlich meine warnende Stimme erheben. Unser Streben nach vollständiger Gesundung und Eonsolidirung unseres Budgets wird nur daun von Erfolg

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