Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 19 (16.5.1902)
- Date
- 1902-05-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit. vir. 19. Valet sagend insbesondere aber muß es sich hüten, mit der -Zukunft der Jugend ein frevelhaftes Spiel zu treiben und Diesen zarten Pflanzen frühzeitig , jene verzehrenden Giftstoffe einzuimpfen, die sie für ein sicheres Renegatenthum präpariert. Und darum ihr ernsten und würdigen Träger des Namens Israel, Ihr treuen und zärtlichen Väter und Mütter und Oberhäupter der Familien, wenn Euch das Wohl Cuerer Kinder am Herzen liegt, wenn Ihr sie wahrhaft liebt And von ihnen geliebt werden und nicht den Vorwurf der Lerletzten Elternpflicht auf Euren Schultern lasten sehen wollet, daun lasset Euch bei der Erziehung derselben nicht von Der vorübergehenden Strömung der Zeit beeinflußen, von Profanen Sonderimereffen leiten, von trügerischen Phantasie- Lildern blenden und täuschen; bauet das jugendliche Gebäude -auf jenem Untergründe, auf jener Basis auf', die sich Religion, Glaubenstreue und Gottcsvertrauen nennt, und wenn die Zeit der Berufswahl heranrückt und an Euch die Frage herantritt: Was sollen unsere Kinder werden? Dann laute die Parole: Glaubenstreue, unerschütterliche Anhänger des Jude nt hu ms, loyale Bürger und Patrioten des Landes und nützliche, würdige Mitglieder der Gesellschaft. D aniel Skutez ky. Warum dürfen iu den Leüratagen keine Freudenfeste gefeiert werden? Als Peter von Amiens sich bei seiner Anwesenheit in Jerusalem von den Misshandlungen, denen die Pilger dort -ausgesetzt waren, überzeugt hatte, eilte er sofort nach Europa zurück und forderte die Völker und die Fürsten aus, die den -Christen angethane Schmach ritterlich mit den Waffen au den Türken zu rächen. Barfuß und mit .entblößtem Haupte ritt er auf seinem Esel von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt und predigte den Kreuzzug. In der Kirchenversammlung zu Clermont in Frankreich schilderte Peter iu Gegenwart Tausender und abermals Tausender von Menschen in sehr ergreifender Weise das Eleitd der Christen im heiligen Laude. Auch der Papst Urbau hielt bei dieser Gelegenheit eine die Menge zum Kreuzzuge aneiserude Ansprache. Und die ganze Versammlung ries einstimmig aus: „Gott will es! Gott will es!" Im Frühjahre 1095 rüstete sich Alles zur Wallfahrt nach Jerusalem. Von gewisser Seite war mau bemüht, den Eifer der Kreuzfahrer durch allerlei sabelhalte Erzählungen von Zeichen und Wundern auzuseueru. Bei hellem Tageslichte wollte man am Himmel zwei Männer aus bäumenden Rossen im heißen Kampfe miteinander gesehen haben, von denen der eine mit einem leuchtenden Kreuze bewaffnet, nach mehreren Stunden den anderen überwand. Hirten gaben wieder vor, dass sie in der Nacht die Stadt Jerusalem im Strahlenglanze des Sieges am Himmel gesehen hätten re. Diese und viele ähnliche Erzählungen von Wundern, die man verbreitet hatte, waren darnach augethau und geeignet, das rohe, ungebildete Volk zu sanatisiren. Wie einst den Israeliten bei ihrem Anszuge ans Egypten, schloss sich auch den Kreuzfahrern ein schamloses, raubsüchtiges, -entsittlichtes Gesindel an, Lrsxv ran, das nichts Geringeres im Schilde führte, als dem Judenthum den Garaus zu machen. Das Losungswort dieser geweihten Brüder lautete: „Die Juden haben unseren Heiland gekreuzigt, sie müssen sich jetzt zll ihm bekehren, oder sterben." In Frankreich, wo die Fürsten und die Geistlichen damals von dem Geiste der Humanität beseelt «ud durchdrungen waren, wurde die Mordsucht und Raublust der frommen Wallbrüder weniger befriedigt als im deutschen Reiche. Äugst, Furcht, Bangen und Grauen bemächtigten sich der Juden Deutschlands, als jene entfesselten Furien den deutschen Boden ^betreten hatte». Das größte Märtyrerthum erlitten die Juden in den Gemeinden am Rhein und au der Mosel. In Trier haben viele Juden sich selbst entleibt, nachdem sie ihre Kinder erstochen hatten, um nur nicht in die Hände Der Blutmensche» gerathen zu müssen. Man sah, wie Frauen und Mädchen sich mit Steinen beschwerten und in die Mose^ stürzten, da sie lieber in den Wellen des Flusses ihre Gräber finden wollten, als von den entmenschten Ungethümen zur Taufe gezwungen oder geschändet zu werden. Viele flüchteten in die Burg des Bischofs Engelbert. Dieser war jedoch engherzig genug, die verzweifelte Lage der wehr- und schutzlosen Juden zu missbrauchen und sie zur Annahme des Christenthums zu zwingen. Es sollen auch tatsächlich Viele aus Allregung eines ihrer gelehrten Mitglieder, Micha, die Taufe zum Scheine angenommen haben, damit sie mit das nackte Leben retten konnten. Von Trier zog die Horde (am 3. Mai 1096) nach Speier und schleppte gleich bei ihrer Anknnft viele Inden in die Kirche, um sie dort gewaltsamer Weise zu taufen. Da jene aber di/Annahme entschieden verweigerten, wurden sie schonungslos niedergemetzelt. Viele Juden nahmen zum Bischof Johannsen ihre Zuflucht. Dieser edle Kirchensürst, dessen Name von der Nachwelt mit Achtung genannt zu werden verdient, nahm sich ihrer freundlich an und ließ sogar gegen die frommen und geweihten Mörder eiuschreiten und viele derselben hinrichten. Vierzehn Tage später kam diese Horde nach Worms, um hier das heilige Werk der Menschenschlächterei aufs Nene zu beginnen. Die armen Inden setzten sich wohl anfangs zur Wehr, mussten aber bald der allzugroßen Uebermacht unterliegen. Nur wenige nahmen zur Taufe ihre Zuflucht. Die meisten entleibten sich selbst, ehe noch die Blutmenschen an. sie herankamen. Viele Juden haben im Palast des Bischofs Allebrandus eine Zufluchtsstätte gesunden, allein als dieser ihnen beim Herannahen der Wallbrüder bedeutete, dass er sie nicht länger schützen könne, es sei denn, sie entschließen sich zur Annahme der Taufe, baten sie um kurze Bedenkzeit. Kaum aber verließ sie der Bischof, als sie sich selbst im Palaste entleibten. Als die geweihten Kreuzfahrer, die sehnsuchtsvoll vor dem Palaste den Beschluss . ihrer Opfer abwarleten, erfuhren, dass die Inden sich selbst das Leben genommen, wurden sie noch rasender denn zuvor und schlachteten, mordeten und raubten nach Herzenslust. In ihrer Bestialität haben sie selbit die heiligen Schriften, die sie in den Synagogen und in den Privathäuseru gefunden, zertreten und geschändet. Von Worms verfügten sich die frommen Wallfahrer nach Mainz. Auch diese fromme, würdige Gemeinde musste den Kelch der Leiden bis zur Neige leeren. Bischof Nnthard forderte die Juden aui, in seinem Palaste sich wohnlich einzurichten und daselbst zu verbleiben, bis die Wallbrüder die Stadt verlassen haben werden. Die Armen, nichts Böses ahnend, machten mit Freuden von dieser scheinbaren Güte Gebrauch, übergaben ihre Schätze und Habseligkeiten dem Bischof zur Aufbewahrung und zogen in den Palast ein. Ungefähr 1300 Inden fanden in dem großen bischöflichen Palaste ihre Unterkunft. Allein als die Kreuzfahrer am 27. Mai vor dem bischöflichen Gebäude erschienen, wollten die vom Bischof zum Schutze der Juden aufgestellten Soldaten gegen die Wallbrüder durchaus nicht die Waffen gebrauchen. Mit Ungestüm erbrachen die Blutmenscheu die Thüren des Palastes und mordeten iu gewohnter Weise nach Herzenslust. Dreizehnhundert Glaubensgenossen erlitten theils durch das Schwert der Wütherichc und theils durch das ihrer eigenen Brüder den Märlyrenod. Der Anführer dieser Horde, Graf Emerich, und der Bischof Ruthard theilten sich die Schätze der ermordeten Inden. Das Andenken dieser Märtyrer wurde von einem zeitmäßigen Dichter Kalonimos den Jehuda in einer ergreiseuden Elegie gefeiert. Wenige Tage nach dem grausamen Gemetzel in Mainz erschienen die Kreuzfahrer unter dem Anführer Hermann, dem! Zimmermann, in Köln. Die braven Köllner Bürger nahmen s sich der tief gebeugten und schwer heiwgesuchten Juden brüderlich! au und bargen sie in ihren Häusern. Das rasende Gesindel! rvar tief entrüstet, als es die jüdischen Häuser leer fand, zertrümmerte in seiner Wuth, was es an Holz und Stein vorgefunden hatte. Die Synagogen wurden vollends zerstört und die heilige» Thorarollen ans die scheußlichste Weise geschändet. Den jüdischen Gelehrten Max Jsak, der sich nicht geflüchtet hatte, schleppten sie in die Kirche, wo sie ihn, da er die Annahme der