Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1902-05-09 · Heft 18 (9.5.1902) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 18 (9.5.1902)
Date
1902-05-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3062972-3063113-3063131--01904-3068534
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 18 Die Wahrheit. Seile 7. Wirke» des Verbandes, an dessen Spitze die durch ihre vielseitige philanthropische Thätigkeit hervorragende Frau Baronin Charlotte Königswarter steht, in der jüdischen Oeffentlichkeit noch immer viel zu wenig Würdigung und materielle Unterstützung. Es ist darum eine Pflicht der jüdischen Publicistik, die bemittelte» Kreise der Glaubensgenossen aus diesen Verband immer vom Neuen wieder aufmerksam zu machen, und es war auch ein guter und lobene weither Gedanke, dass gelegentlich der am vergangenen Pessach-Feste abgehaltenen Predigten von mehreren Gemeinde-Nabbinern dieser überaus segensreich wirkenden Institution rühmlichst Erwähnung gethan wurde. Im Gemeinde-Tempel der Inneren Stadt liest Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann am ersten Pessach-Tage dem Verbände eine auszeichnende Würdigung zutheil werden, indem er dieses Gebiet des Wohlthnns den Andächtigen in erhebender Weise vor Angen führte und so deren Herzen für die gute Sache gewann. Eine Reihe von Wohlthätern hat dem Verbände bereits Spenden zugehen lassen. Der Herr Oberrabbiner selbst widmete, Muster gebend, eine»» namhaften Betrag. Am 2. December 1900 a'.s dem Jahrestage des Regierungsantrittes Sr. Majestät des Kaisers hat der Verband seine Thätigkeit eröffnet, die schon nach den bisherigen Ergebnisten sich als höchst ersprießlich erwiesen hat. Während vordem die armen Wöchnerinnen Geldunterstütznngen erbaten und günstigen Falles geringfügige Gaben erhielten, daher erklärlicherweise möglichst viele Wohlthäter und Wohlthätigkeits-Jnstitnte anriefen, wirken jetzt die Frauen-Wohtthätigkelts-Vereine in gemeinsamer, planmästiger, von einer Centralstelle ans geleiteter Action zusammen. Die Vorstands-Damen der Franen- Vereine theilen sich in die mühevolle Aufgabe, in allen Stadt- Bezirken arme jüdische Frauen, die ihrer Entbindung entgegensehen, persönlich aufzusttchen, um durch unmittelbare Wahrnehmung deren besondere Verhältniste und Bedürfniste zu erforschen, und tragen Sorge, dass der für arme Frauen doppelt schwere Zeitpunkt gröstler Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit dieselbett nicht ganz unvorbereitet und verlassen finde. Die Hilfeleistung des Verbandes ist vorwiegend eine Naturalhilfe. Die Wöchnerin erhalt eine Geldunterstütznng, Wäsche, für sich und das Neugeborene, Wochenbett-Utensilien, Kohle, Milch, weiters den Beistand einer Hebamme und, wenn nöthig, ärztliche Behandlung, eventuell auch Pflege durch eine Wartperson. Durch den präventiven Charakter der Hilfeleistung, sowie durch die den individuellen Verhältniste» angepasste Obsorge wird in jedem einzelnen Falle jene Unterstützung geboten, welche am rationellsten erscheint. Durch genaue Einhaltung der Vorschriften der Hygiene können die im Gefolge eines Wochenbettes häufig entstehenden langwierigen Leiden, oder gar bleibendes Siechthnm verhütet werden, so dass die armen Frauen vor Erwerbsunfähigkeit bewahrt und nicht der öffentlichen Mildthätigkeit dauernd anheimgegeben sind. Bis einschliestlich Dezember 1901 hat der Verband 700 armen jüdischen Wöchnerinnen in den verschiedenen Stadtbezirken durch Naturalhilfe in ausgedehntem Maste, wie auch durch Geldunterstützungen in erfolgreicher, den normalen Verlauf des Wochenbettes sichernder Weise Beistand geleistet. Die hierdurch insbesondere in hygienischer Hinsicht bewirkte Verbesserung der Wöchneriunen-Pflege hat sich als von glücklichen Ergebnisten begleitet erwiesen. Es ist sehr zu wünschen, dass dieser höchst zweckdienlichen Institution, der einzigen jüdischconfessionellen ihrer Art in Wien, die nachhaltige materielle Förderung weiter Kreise zutheil werde. Das Bureau des Verbandes, woselbst gütige Spendenleistungen dankend entgegengenommen werden, befindet sich im Gemeindehause, 1., Seitenstetteugasse 4. Der Leitung desselben gehören nebst der Präsidentin, Frau Baronin Charlotte Königswarter, die beiden Vieepräsidentinnen, Frau Bertha Kohn und Frau Rosa Zifferer, die Schriftführerin, Frau Johanna Fröhlich, und der Delegirte des 'Cultusvorstandes, Herr Theodor Ritter von Goldschmidt, an. Ä«- der wiener Cultnsgemeinde. Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien vom 4. Mai 1902, unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinger. Aus dem Einlaute wird nebst den Spenden aus verschiedenen Anlässen und den Tenrpelspenden anlässlich des Pessach-Festes bekanntgegeben : ein Dankschreiben der Präsidentin des Mädchen'Unterstütznngsvereines in Wien für die aus dem Dr. H. S. Goldschmidt'schen Legate gewährte Subvention; des Weiteren die seitens der Herren Arthur Flaschner, Isidor Gewitsch, Theodor Ritter v. Goldschmidt. Adolf Rosenbaum und Albert Winterber., erfolgten Erklärungen, betreffend die Annahme des Mandates in den Bethausoori'tand für die Bezirke l und II. Im Präsidialberichte widmet. der Vorsitzende dem jüngst verstorbenen Rabbiner Herrn;öwy unter besonderer Betonung der verdienstlichen Wirksamkeit desselben aus culturellem und humanitärem Gebiete einen ehrenden Nachruf. (Die Trauerknndgebung, welche die Versammlung stehend angehört hat. wird über Antrag des Präsidenten dem Protokolle einverleibt.) Der Präsident gibt ferner bekannt, dass aus der Verlaffenschast des verewigten Herrn Dr. H. S. Goldschmidt, dessen Andenken die Eultnsgeineinde seinerzeit durch Aufnahme in die Haskara geehrt hat, ein Restbetrag von Mk. 11.006 liquid geworden ist. Endlich theilte der Vorsitzende mit, dass Herr Regierungsrath Professor Dr Oser ihm den Dank für leine Ernennung zum Director des Spitales der israelitischen Cultusgemeinde ausgedrückt hat, welchen er, dem an ihn gestell'en Ersuchen entsprechend, dem Cultusvorstande hiemit zur Kenntnis bringe. Von den zur Berathuug gelangenden oregensländeu der Tagesordnung finden Erledigung die Michael Cohen da Silva-Stiftung ^sür Handwerker und die Elise Herz'sche Heirarsausstattungs-Stistung. Baurath Theodor Ritter von Goldschmidt reserirt namens des Vertretercollegiums über die Fortdauer des Vertragsverhältnißes, betreffend die Blumenausschmückung, die Jnstandhalrnng der Wege und die Deichgräberarbeiten aus dem Cenrralsricdbose. Nach durchgeiührter Debatte, an welcher sich die Herren Bicepräsidenr Dr. Stern, Salo Cohn, Gewitich und Eltbogen betheiligen, werden die Am rage des Vertretercollegiums angenommen. Bei diesem Anlässe verweist Herr Vorsteher Salo Cohn darauf, dass die israelitische Abtheilung des Eentralsriedhofes voraussichtlich in nicht ferner Zeit voll belegt sein werde. Der Vorsitzende bemerkt, dass der vom Vorredner bezeichnete Umstand sozusagen eine stehende Erwägung des Vertreter-Collegiums bildet, was ja auch, soweit es thuulich, in der Bilanzausstellmrg der Gemeinde zum Ausdruck gelangt. Im Sinne des von Herrn Vorsteher Salo Cohn gestellten Antrages wird die Friedhosscommissiou ersucht, in Angelegenheit der Ausnützung der vorha, denen Plätze binnen vier Wochen eingehenden Bericht zu erstatten. Bicepräsident Dr. Kohn reserirr über das Ansuchen eines Bethausvereines im 2. Bezirke um Bewilligung zur Errichtung eines ständigen Bethauses. Im Sinne res Anträgedes Vertretercollegiums wird dieses Ansuchen mangels der zur Errichtung eines ständigen Betbauses nothwendigen Voraussetzungen abgelehnt. Auf Grund der Anträge des Vertretercollegiums lReferent Vice- Präsident Dr. Gustav Kohn) werden Subventionen bewilligt an den Bethausverein ,,ChassidinL-. II.. Kleine Prarrgasse 12, den Berhausverein im HI. Bezirke, Erdbergerstrasze 1.3. den Bethausverein .,Bet» Hachneteth'" im III. Bezirke, den Tempelverein ..Schomer Zsrael" im III. Bezirke, den Bethausverein „Oßeh-Thow" im III. Bezirke, den Tempel-, verein für den I V. und V. Bezirk, den israelitischen Tempel oerein für den X. Gemeindebezirk. X., Humboldtgasse, den israelitischen Bethansverein .,Emunas Awes' im XlV. Bezirke, ferner an die Talmud-Thora- Schule, II., Malzgasse 16, zur Beköstigung armer Schüler dieser Anstalt. Eine längere Berathuug ersordercen die Anträge des Vertretercollegiums (Referent Herr Ober-Zngenieur v Mises), betreffend 1 die Honorirung d^r mit Leichenwachen betrauten Organe. Zu dieser Angelegenheit ergriffen das Wort die Herren Vorsteher Auspitz, Gewitsch, Wilhelm Kuffner, kaiserl. Rath Wilhelm Vollak. Tr. Rappavort, Dr. Spitzer, Baurath Stiaßny. Die Anträge des Vertretercollegiums gelangten hierauf zur Annnahme und erklärt der Präsident, eine diesbetreffende Anregung des kais. Rath Wilhelm Pollak oer Friedhos-Cornmission mit dem Austrage, das Referat binnen 4 Wochen zu erstatten, zuzuweisen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung, nachdem über Vorschlag des Präsidenten die Herren Eltbogen und Oberingenieur von Mises zu Verisicatoren des Protokolls bestellt wurden, um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. In der Donnertsag. den 8. d. unter dem Vorsitz.' des Präsidenten, Herrn kais. Rath Heinrich Klinger, stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung wurde nach Genehmigung der Rechnungsabschlüsse pro 1901 über die „Regelung der Koscherfleisch-Frage" Bericht erstattet und erhielten die vom Referenten, Herrn Oberingenieur v. Mises, gestellten Anträge die Zustimmung des Vorstandes. Die Regelung erstreckt sich vorläufig aus das Schlachten von Groß- und Kleinvieh und den Verkauf des Koschersleifches. Eine Vorlage über Geflügelschlachtung und die Angelegenheit der Koschre» Fleischselcher wurde in baldigste Aussicht gestellt. Ausführlicher Bericht folgt in nächster Nummer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.