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Die Wahrheit · 1902-05-09 · Heft 18 (9.5.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 18 (9.5.1902)
Date
1902-05-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18. Oie Wahrheit. Seile 5. Ein ähnlicher Kniff wurde auch vom Ministerpräsidenten Sturdza selbst ausgeführt, der jüngst den Bukarester Rabbiner Dr. Beck zu sich berufen hat, um ihm zu erklären, dass die rumänische Regierung gar nicht daran denke, den einheimischen ] Juden wehe zu thun. Ueber den Verlauf der diesbezüglichen! Unterredung wird folgendes bekannt: > Als Dr. Beck bei Sturdza erschien, empfing ihn dieser! mit den Worten: „Es liegt ein Missverständnis vor. Ich i wMe Sie morgen empfangen, heute bin ich sehr beschäftigt. s Ich bin ein toleranter Mann; um Sie nicht am Sonnabend zu stören, hatte ich angeordnet, dass man Sie für morgen > berufe." Als Dr. Beck sich zurückziehen wollte, hielt ihn! Sturdza zurück:." „Ich werde offenherzig sein. Die Solidarität! ihrer Glaubensgenossen ist für mich immer ein Gegenstand des; Erstaunens gewesen. Das ist ein sehr lobeuswerthes, ein sehr i schönes Gefühl, aber ihre Solidarität schadet den Interessen; Rumäniens." Dr. Beck antwortete, dass die Solidarität der! Juden eine Folge der Unterdrückung sei. Herr Sturdza bemerkte daraus, die Juden dürsten es den Rumänen nicht! übel nehmen, wenn diese ihrerseis sich solidarisch zeigen und sich -zu bertheidigen suchen. Die Rumänen seien auf allen Seiten von Völkern verschiedener Rasse und Sprachen umgeben, sie wollen ein Eindringen fremden Elements hindern uub, was die Sache erschwere, sei, dass die Juden des Landes sich nicht assimilireu wollen. Gegen diese Behauptung protestirte Dr. Beck mit der Bemerkung, dass man alles thue, um sie zu hindern, sich zu assimilireu. „Und trotzdem/ fügte Sturdza! hinzu, „sind wir ein außerordentlich tolerantes Volk. Was mich betrifft, so treibe ich bisweilen die Toleranz bis zum Aeußersten. Habe ich Ihnen nicht soeben gesagt, dass ich Sie j nicht heule am Sonnabend nicht stören lassen wollte? Dieje- ' nigen, die mich für einen Antisemiten halten, täuschen sich. Ich bin mit der Familie Daniel in Jassy eng verbunden, in Bonn habe ich einen Israeliten zum Professor gehabt. Möge man uns Nur glauben, der Instinkt der Erhaltung zwingt uns,; Maßregeln gegen das Eindringen fremder Elemente zu ergreifen. Das letzte Gesetz über die Handwerker ist ein Gegenzug; unsererseits gegen die Verbindung der Opposition mit Bratescn (dem bekannten Demagogen). Ich zögere nicht, Ihnen die Veri sicherung zu geben, dass dieses Gesetz nicht gegen die im Lande ' geborenen Juden gerichtet ist. Der Bewejs hierfür ist, dass im j Reglement, tvelches rvir vorbereiteten, und das in zwei oder drei Wochen erscheinen wird, nur die Fremden in Betracht gezogen werden. Wir werden eine formelle Unterscheidung machen zwischen den eigentlichen Fremden und den Juden des; Landes. Es liegt nicht unserer Absicht, ihre Rechte zu verletzen." j — Und das Versammlnngsrecht? warf Dr. Beck ein. — „Ah, j das ist ein politisches Recht!" — Warum hat der Missir nicht! die Gemüther der Juden beruhigt, indem er die Interpellation! Milles wegen der Reciprocität beanwtortete? — „Ich habe ihn! daran gehindert", bemerkte Herr Sturdza. „Wenn Herr Missir! geantwortet hätte, würden die Antisemiten des Parlaments die j Debatten abgelenkt und die Gelegenheit benutzt haberr, feindliche! Aeußerungen gegen die Juden zu machen. Das Schicksal der! letzteren beschäftigt mich mehr als »na»» glaubt. Ich habe da alle Dokumente. Ich werde die Frage studiren, sobald meine Arbeiten es erlauben." Die schönen Worte und Versprechungen des Premierministers entsprechen aber durchaus nicht seinen Thaten, und am wenigsten wird ihnen seitens der rumänischen Inden Glauben geschenkt. Dass die letzteren von der Doppelzürrgigkeit der 'Regierung überzeugt sind, beweist unter Anderem das vor Kurzem vom „Comits der vereinigten jüdischen Handwerker" in Bukarest unter dem Titel „Zur Aufklärung über die Judenfrage in Rumänieir" erlassene Manifest, das einzig nnd allein in der Masserrauswaderung eine gedeihliche Lösung der Frage erblickt. „Der gesunde Menschenverstand", so heißt es in demlelben, zeigt uns, dass tvir uns über unsere Lage keine Illusionen machen dürfen. Ohne politische Rechte tvurden wir von ^llen Regierungen, die einander am Ruder dieses Staates gefolgt sind, unablässig mit immer empörenderen Gesetze»» heimgesucht, als Fremde behandelt, obgleich »vir seit Generatiorren im Lande geboren und erzogen und den gleichen Pflichte»» u»»d Abgaben »vie alle Bürger »»»»terworfen sind, dafür aber aus den Dörfern, a»»s de»» Schulen des Lairdes verjagt, mit der Ausweisung bedroht und verhindert, Versain»nl»»ugen abzuhalten, als .ein Unheil, als ein Verhängnis des Landes, als eine nationale Gefahr, als eilte Pest betrachtet. Damit »vir also das Land vom Unheil, vorn Verhängnis, von der Pest u»»d von de»» Gefahren aller Art befreien, damit das La»»d nicht mehr im Auslande verleumdet »verde, damit das Land unseretlvsge»» nicht mehr in Unruhe gerathe, haben »vir als gute Patrioten die LösUllg der rumänischen J»»denfrage in der Masse»»austvanderu»g erkannt .... Anderseits fürchten sie sich aber, dass »vir a»»s- »vaudern, »veil sie dann niemand mehr haben, den sie ausbe»lten können. Aber tvir haben von dieser Liebe genug und genug a»»ch der Erniedrigungen. Wir »vollen als Menschen leben, und »venu »vir das hier nicht können, so »vecden wir es audertvärts th»»u, und »vir könne»» es auch. Keine Freiheit und kein Brod! Wir aber »vollen beides. Das ist der wahre Grund der A u s »v a n d e r u u g der in Rumällien geborenen Israeliten!" In Folge des Pessachsestes. ist die Aus»vanderul»g in den letzten 14 Tage»» eil» »venig stille gestanden, aber immerhin sind doch in dieser Zeit ca 300 Personen zumeist nach Kanada ausgelvaildert. AuS der soeben veröffentlichten amtlichen Statistik über die A»»s»vanderung in den letzten 7 Monaten des Jahres 1901 uub den erste»» 3 Monaten des heurigen Jahres versuchen die Regierungsblätter den Nacheis zu fuhren, dass das Halldtverkergesetz die Austvallderungsbewegung nicht beeinflusst habe. Aber gerade das Gegentheil gebt aus derselben hervor. Im Mär; 1902, als das Gesetz tu Kraft trat, stellte sich die Zahl der Auswanderer selbst nach der osficiellen Statistik am höchsten, abgesehen davon, dass Viele ohne Dokumente »über die Grenze gegangen sind. Die Zeitung „Echo de Roumauie14, das Organ des früheren Millisterpräsidenten Carp, conftatirt gleichfalls im Gegensatz zu der Regiernngspresse, dass die Auswanderung der jüdischen Arbeiter sehr stark ist und dass speciell Maurer, Zimmerlente und landwirrhschastliche Arbeiter aus der Moldau daran betheiligt sind. Dasselbe Blatt theilt mit, dass trotz des neuen Gesetzes in vielen Städten der Moldau keine Korporation gebildet werde,» könne, denn nach dem Gesetz muß der Vorstand aus rumänischen Staatsbürgern gebildet »verden, nnd es gibt nicht einmal die hiefür erforderliche Zahl rl»inä»»ischer Handwerker, »veil beinahe sämmtliche Handwerker in de»» Städten der Moldau Jaoeir sind. »lieber de» hebräischen tlnterrichi an den Oberrlalsen der Gymnasien und Nealschale». Von Rabbiner Dr. Daniel Fink. XVII. (Schluss.) „Einen Bund des Friedens »verde ich mit ihnen schließen der ein erviger Bund für sie sein soll; spenden »vill ich ihnen, und »vill sie zahlreich machen und mei»» Heiligthllin in ihr Innerstes verlegen, — dann wird meine Wohnung über sie sein, ich »verde ihr Gatt sein »»nd sie »verden mir als Volk angehören. (D. 26—27.) Der Gedaukenbau, den der Prophet in unserem Eapitel aufgeführt hat, erhalt mit den Verheißungen dieser beide»» Verse seine Vollend»»ng, man rnöchte fast sagen — seine Krönung. Der Prophet verheißt hier z»»nächst einen Bund des Friedens. Als äußerer Art kann er keinestvegs gemeint sein. Ein solcher ist bereits in dem unmittelbar vorhergehenden Verse verheißen »vordeu. Wie wäre denn anders eine durch »»ichts beeinträchtigte Abtvickelung des Lebens »»»öglich. Infolge dessen »vird auch der hier verheißene Friede zwischen Gott u»»d den Menschen geschlossen. Darunter kann nur der Einklang zwischen dem Menschen u»»d seine»» Schöpfer verstanden »verden. Dieser

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