Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1902-05-02 · Heft 17 (2.5.1902) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 17 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063113-3063130--01893-3068522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 17 Die Ivakrkeil Seite 9. Generalversammlung des Ferienheim."_ Im Sitzungssaal,: bet Wiener israelitischen Cultusgemeinhe fand Dienstag, . Heu 8. April die diesjährige G eneralv et sammluug des „Ferienheim" stattwelcher zahlreicheDätgDeder und Gönner des Vereines'beiwohnten. Die Präsidentin Frau Sofie Grünseld erössnete die Versammlung, constatirte deren Beschlußfähigkeit und begrüßte die Erschienenem Auf den Bericht über die zwei letzten Bereinsjahre -übergehend, wies die Präsidentin daraus hin, daß sich der Verein nicht darauf beschränkt habe, illnersalb der, bei der vor zehn Jahren erfolgten Gründung gezogenen Grenzen seine Thätigkeit auszuüben. So hat der Verein nebst seinen Feriencoloniell auch eine Eolonie für scrophulose Kinder in Bad Hall und eine Eolonie für herzkranke Kinder ins Leben gerufen. — Die Präsidentin dankte allen Förderern und Mitgliedern für die Unterstützung, die sie dem Vereine angedeihen ließen, so auch den Mädchen- Comites in Wien und Brünn, welche dem Vereine eine wackere Hilfstruppe bedeuten. Nunmehr gedachte die Präsidentin jener Gönner, die der Tod im letzten Jahre hinweggerafst hatte. Nach Genehmigung des Thätigkeitsberichtes ergriff die Cassierin Frau Adele Neumann das Wort zur Erstattung des Cassaberichtes und gab ein klares Bild der Gebahrung und des momentanen Vermögensstandes des „Ferienheim". Zum erstenmale während seines nun 10jährigen Bestandes musste der Verein im abgelaufenen Jahre die geringe Capitalsreserve, welche er besitzt, angreisen, um die Auslagen für die Colonien decken zu können. Es ist bedauerlich, wenn ein Verein, der sich die Aufgabe stellt, dem teuersteir Gute jüdischer Eltern, den armen Kinderir, Gesundullg und Erholung zu bringen, wenn ein solcher Verein einen Rückgang in den Einnahmen zu verzeichnen hat. Der Cassabericht schloss mit dem Appell, dem Vereinsvorstand die nöthige Unterstützung angedeihen zu lassen, zum Wachsen und Gedeihen der schönen Institution. Namens der Revisoren erstattete nun Herr Wilhelm Freyberg den Revisionsbericht, in welchem die Correctheit der Cassa-Gebahrung constatirt und dem Vereins-Secretär Herrn Fuchsgelb für die sachgemäße, correcte und sorgfältige Führung der Bücher die Anerkennung ausgesprochen wurde. Der Antrag des Herrn Freyberg, dem Vereinsvorstande das Absolutorium zu ertheilen, wurde einstimmig angenommen. Im Sinne der Statuten wurden gemäß dem Vorschläge des Vorstandes die Damen: Clara Berger, Antonie Gras und Antonie Passauer welche sich große Verdienste um den Verein erworben haben, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Herr Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger reserirte als juridischer Beirath des Vereines über die Aenderuug eines Punctes der Statuten und es wurde gemäß dem Reserentenantrage beschlossen, die Zahl der Vorstandsmitglieder von 18 auf 22 zu vermehren. Die Revisoren, Herren Kais. Rath N. Schefftel, Wilhelm Freyberg und Friedrich Fanto, wurden einstimmig wiedergewählt. Bei den Ergänzungswahlen für die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder wurden wieder gewählt die Damen: Caroline Deutsch, Adele Friedmann und Caroline Roseubaum, neu gewählt die Damen: Käthe Kauders, Sofie Lieben, Melissa Nobel und Frau Louise Pechkranz. Die Präsidenten dankte nun den aus dem Vorstande scheidenden Damen, Frau Viceprästdentin Julie Fialla und Frau I. Schnabel, für die dem Vereine geleisteten Dienste und gab der Erwartung Ausdruck, dass die Scheidenden dem Vereine auch weiterhin ihre Sympathie bewahren werden. Insbesondere würdigte die Präsidentin die Verdienste der seit seinem Bestehen dem Vereine treu zur Sene gestandenen Vicepräsidentiu Frau Fialla. Namens des Vorstandes der israelitische» Cultusgemeiude •ergriff nun Herr Baurath Ritter von Goldschmidt das Wort, um dem Vereinsvorstande die tvärmste Anerkennung auszusprechen. Herr Freyberg wies auf die ganz außerordentliche» Leistungen der Vereinspräfidentin, Frau Sofie Grünfeld, hin und beantragt, dieser nimmermüden, wackeren Menschensreundin den Dank durch Erheben von den Sitzen zu be zeugen. Nachdem dies unter lebhafter Acclamation für die allseits verehrte Präsidentin geschehen, dankte dieselbe, für diese Auszeichn üng. und-damit fand die Versammlung ihren Abschluss. Da« Laddilchgrbet. Bon Bernhard Loewenthat. (22. Fortsetzung.) Else schwieg und starrte sinnend in die fast erloschene Glut des Kaminfeuers. Alice konnte kein Wort der Erwiderung sagen. Das was „die Munk" ihr hier eben erzählt hatte, hatte sie ja hundert mal schon gehört, in sich selbst vernommen und jetzt wieder schien es ihr, als ob David Reguns Stimme neben ihr sagte: „Lass ab von dem Schimmer, Du hast noch ein anderes Talent, es gibt noch einen anderen Wirkungskreis für Dich, denke an Deine Voreltern, die wussten auch das Glück und den Frieden sich zu erwerben, den Frieden des Hauses". „Sie haben mich wieder wankend gemacht, Fräulein Munk — ich weiß nicht — ich muß noch viel — sehr viel darüber Nachdenken." Else blickte freudig in das erglühende Antlitz des jungen Mädchens. „O, wenn sie schon darüber Nachdenken wollen, wenn meine Worte Sie schon ins Wanken gebracht haben, dann wären Sie auch später in der Kunst nie glücklich geworden!- „Ich danke Ihnen!" Alice erhob sich und reichte der Künstlerin die Hand, dann, bevor sie ging, fragte sie leise aber bestimmt: „Ich darf mir wohl wieder das Vergnügen machen, nicht wahr?" Else sah freudig lächelnd die Sympathie, die in dieser reinen Mädchenseele für sie lebte, und in innigem Ton erwiderte sie: „Wenn sie mich erfreuen wollen, so bitte ich recht sehr darum." Dann schieden sie. Vierzehn Tagen darauf sah man Alice Gntkind an der Seite der „Munk" durch den Thiergarten fahren. Die Beiden waren Freundinnen geworden. Für Frau Erna Gntkind war die neue Bekanntschaft ihrer Tochter wieder eine „Errungenschaft" mehr. War es doch ein neuer Stern, den sie am Himmel ihrer Mittwoch-Abende glänzen lassen konnte. Z»t diesen Abenden nun Vers ammelte sich wirklich die Elite der Kunst und Wissenschaft, und manch' großer Dichter hatte in den Salons des Hauses S. Gntkind ssn. auf der Wasserstraße seine ersten dramatischen Erzeugniße schlecht vorgetragen, und manch' später berühmt gewordener Musiker hier zuerst seine Compositionen vor die Oeffemlichkeit gebracht. Leon Wild hatte die Künstlerin seit jenem Ballabend nicht mehr gesprochen. Er hatte wenig Gelegenheit dazu und jetzt, da er durch Alice dazu hätte kommen können, Else Munk näher zu treten, wich er der Sängerin absichtlich aus. In seinem Innern verzehrte ihn die Sehnsucht nach einem Blick von ihr, aber ein unbestimmtes Etwas hielt ihn ab, ihr zu begegnen. Alice beobachtete ihn scharf und es entgieng ihr nicht die große Veränderung in seinem Wesen, Er arbeitete mehr und länger wie sonst, und wenn er componierte, so waren es nur schwermütige Melodien, die er dem Instrument entlockte. Eines Tages fand sie für Alles eine einfache, aber um so überraschendere Erklärung. Es war damals, als sie ihm von ihrer Freundschaft mit Else Munk erzählte. Er war abwechselnd blass und roth geworden, dann strich er sich, wie es. se ine Glwohnheit war, einige mal über die Stirn und sagte in sch ein bar ruhigem Tone: -(Fortsetzung folgt.) >

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.