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Die Wahrheit · 1902-05-02 · Heft 17 (2.5.1902) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 17 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Serie 8 Die Wahrheit. Nr. 17. dass die uns bekannte Naturordnung auch für das Geschlecht der Zukunft in Kraft bleiben werde. Die Geschlechter werden in der bekannten Weise auf einander folgen und in der Herrschaft dieser Welt einander ablösen. Wenn sie einen Vorzug uns gegenüber voraus haben, so kann er höchstens darin gefunden werden, dass der Gang der Natur auf eine friedliche Weise nach der von Gott gefetzten Ordnung bei ihnen sich abwickeln werde. In den vorangegangenen Zeitaltern dagegen ward ihm nicht selten auf gewaltsame Weise durch Verheerungen aller Art ein jähes Ende bereitet Dem Könige gegenüber scheint jedoch das alles bezwingende Gesetz des Todes aufgehoben. Denn nur unter solchen Bewandtnißen wäre es verständlich, dass David für alle Zeiten den König machen solle. Wir können jedoch unmöglich dem Propheten eine derartige Ungereimtheit zumuthen. Der Sinn des Verses weist vielmehr auf andere Erwägungen hin. Das uns bekannte menschliche Leben erscheint wesentlich von niedrigen Leidenschaften und ungebändigten rohen Trieben beherrscht. Die hieraus sich ergebenden Nachtheile sind in zwiefacher Richtung zu erkennen., Mehr als der zermalmende Zahn der Zelt sind sie es, die den Menschen vorzeitig aufreiben, ganz abgesehen von oeu überaus zahlreichen Fällen, in welchen sie auf gewaltsame Weise sein Leben vernichten. Unzertrennbar hiervon ist der andere Umstand, dass die höchste Aufgabe im Staate, deren Wahrnehmung doch entschieden dem Königthume obliegt, — dem Zufalle der Geburt anheimgegeben werden muß. Wollte mau, wie es Menschen einzig und allein geziemte, sie der höchsten Begabung und dem würdigsten Charakter übertragen, so würde das von Fall zu Fall die niedrigsten Leidenschaften in einer so unerhörten Weise in Aufruhr bringen, dass die Stimme der Vernunft schließlich gar nicht zur Geltung käme. Es ist daher als der glücklichste Ausweg zu betrachten, dass man das Königthum in dem einmal erkorenen Geschlechte sich forterben lässt. Die Erfahrungen der Vorgänger und die sich aus denselben ergebenden Ueberlieferungeu für die Zukunft bilden einen höchst werthvollen Besitz des erblichen Königthums, dessen Vortheile dann dem gesammten Volke zu Gute kommen. Soll jedoch das Geschlecht der Zukunft des Vorzuges einer ftiedlichen und ungehenunteu Abwickelung des Daseins theilhaftig werden, so ist das nur - dann denkbar, wenn die niederen Leidenschaften keine Gewalt mehr über dasselbe zu üben vermögen. In weiterer Folge des eingetretenen Wandels der Dinge wird das Königthum ebenfalls in eine bedeutsame Wendung eintreten müssen. Nicht das Erbrecht, sondern die freie Wahl wird über die Nachfolge entscheiden. Das Geschlecht jedoch, welches in seiner geläuterten Moral die einzige Bedingung seines Glückes erkennt, wird hierbei keinerlei Irrung verfallen. Es wird stets nur jenen erheben, derdessen erstem Ideale - David - ebenbürtig ist. Es ist mir von Seiten geweckter Schüler entgegen gehalten worden, dass der Prophet aber doch nur von einem einzigen Könige spricht. Nach den gegebenen Ausführungen hätte von einer Reihe solcher die Rede sein müssen. Der Eiuwand scheint mir indes nicht stichhältig. Näher betrachtet, ergab sich mir aus demselben sogar eine Bekräftigung meiner Auffassung. Es kam hierbei in erster Linie in Betracht, dass der Prophet in V. 25 David einen nennt, hier dagegen ihn ganz unvermuthete Weise als rrvi bezeichnet. Von ein und derselben Person wären beide Benennungen niemals gebraucht worden. Die mit denselben bezeichneten Würden sind ganz entgegengesetzter Art. *[f?a wird ursprünglich als der alleinige Inhaber aller Gewalt des Staates angesehen. Es steht demnach bei ihm, auch seine Nachfolger zu ernennen. Es ist selbstverständlich, dass er sie aus der Reihe seiner Nachsahrcn erwählt. Wenn das Volk unter der Regierung eines solchen sich eines gewissen Maßes von Rechten, oder der Theilnahme an der Staatsgewalt erfreut, so ist dies auf dem Wege der Uebertraguug von seiten des eigentlichen Machthabers erfolgt. Der treu dagegen wird von dem Volke erhoben. Der Umfang seiner Gerechtsame reicht nur so weit, als ihm derselbe von seiten des Volkes abgesteckt wurde. Diese Uebertraguug gilt nur der erwählten Person. Den Nachfolger sich selbst zu ernennen, kann dem Wesender Sache nach niemals zu den Befugnißen eines solchen gehören. Unser Prophet, der jedoch den Herrscher der Zukunft als K'tM bezeichnet, hat ohne Zweifel auch an Nachfolger, somit an eine Reihe von Herrschern gedacht. Wenn er sie jedoch durchgehends als Davide hinstellt, so kann das nur den Sinn haben, dass sie gleich diesem das höchste Ideal ihrer Zeit erreichen werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Umstand, dass der Prophet bei diesem Anlasse sö sehr die Abstammung von dem „Erzvater Jakob" und die Sesshaftigkeit in dem „Lande der Vorfahren" betont. Die Meinung geht ohne Zweifel dahin, dass nur jenes Israel, welches seinen Stammbaum rein, ohne fremde Beimischung, erhalten hat, den brauchbaren Stoff für das höhergestimmte Geschlecht der Zukunft abgeben könne. Ebenso scheint die Betonung der Vorfahren auf die Hervorkehrung des Gedankens abzuzielen, dass das Festhalten an den von diesen überkommenen Ueberlieferungen das wesentlichste Förderungsmittel auf dem Wege zur Höhe moralischer Vollendung bildet. (Fortsetzung folgt.) Cm jüdisches Dienstmädchen. In Jaffa, der Hafenstadt des heiligen Landes, lebt in einer schon seit Jahren daselbst ansässigen, frommen jüdischen Familie ein Dienstmädchen, das zu einer interessanten Feierlichkeit Veranlassung gab, über welche wir unseren geschätzten Lesern einen kleinen Bericht geben wollen. Wir führen dieses Mädchen als Gegenstück zu jenen zwei arischen Mägden an, die zum Danke für die freundliche Behandlung, die sie in einer jüdischen Familie fanden, mit einer albernen, gemeinen und rohen Verdächtigung ihres Brotgebers diesen ihren tiefempfundenen arischen Dank abstatteten. Frühzeitig verwaist, trat unsere Rebekka in den Dienst der Familie ein. in der sie noch heute rastlos arbeitet, und nur ein Wunsch erfüllte ihre Seele, von ihrem Lohne eine Thorarolle schreiben zu lassen, um sie, geschmückt mit schönem Mantel und prächtigen „Kl« Kaudesch", einer der Synagogen Jaffas zu spenden. Einige hundert Francs hatte das Mädchen schon erspart, der Realisirung ihres Wunsches war sie schon sehr nahegerückt, als ein Dieb bei Nacht im Hause einbrach und ihr das mühselig Ersparte bis auf den letzten Pfennig raubte. Rebekka weinte und jammerte wie ein Kind, sie war ganz untröstlich, aber bald gewann sie wieder ihre Fassung und begann von Neuem zu sparen. Diesmal wurden die Ersparniße fruchtbringend angelegt, und endlich hatte sie soviel — wieder nach einer langen Reihe von Jahren — beisammen, um die Thora schreiben zu lassen und den Schmuck für die fertige Rolle anzuschaffen. Endlich kam der ersehnte Tag der Einweihung der heiligen Gesetzesrolle. Aus allen Synagogen kamen die Vorsteher und die Rabbiner mit den „Sisre-Thora", um die neue Thorarolle.abzuholen. Einige Musikanten, zu dieser Feier ausgenommen, spielten im Zuge lustig darauf los, des Oefteren wurde halt gemacht, Gebete für den Landesvater, die Regierung und die Gemeinde verrichtet — der Spenderin der Thora wurde auch besonders gedacht — dann hebräische Hymnen angestimmt, und so ging es weiter, der Zug verstärkte sich zusehends, und als man bei der Synagoge anlangte, der das „Sepher" zugedacht war, staute sich dort eine schier unabsehbare Menschenmenge, und Alles war voller Anerkennung und Bewunderung für das Waisenmädchen, das, wie es sich stets treu und hänglich gegen seine Dienstgeber erwiesen, auch seinem Glauben und seinem Volke treu blieb. Ein Freudenmahl im Hause von Rebekka'S Dienstgebern beschloß diese an und für sich besonders interessante Feier. Moritz An . . . . l.

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