Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 17 (2.5.1902)
- Date
- 1902-05-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Die Wahrheit. Seite 7. bekundet, es kämpfend m behaupten. Immer wieder und ohne Äuterlass rufen wir alle österreichischen Juden zur Sicherung und Festigung aller staatsbürgerlichen Rechte auf! Niemand darf abseits stehen, wo es sich um der Erhaltung unserer kostbarsten Güter handelt. - Und somit überantwortet der abtretende Vorstand seine Wirksamkeit dem Urtheile der geehrten Generalversammlung." An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Thätigkeitsbeucht knüpfte Herr Controllor Albert Winterberg den Cafsabericht. Der Präsident der Wiener Cultusgemeinve, Herr kais. Rach Heinrich K l i n g e r, erbat sich sodann das Wort, um nicht als Präsident der Cultu'sgemeinde, sondern als Vereinsmitglied zu dem eben Gehörten eilte Bemerkung zu machen. Die österr. Israel. Union habe sich feil ihrem Bestände zu einer derart bedeutenden Corporation entwickelt, dass mau ihren Bestrebungen allerorts zu folgen bemüssigt sei. Wenn man nun die Details der Vereinsthätigkeit gehört habe, so gewinne man die Ueberzeugung, dass dies nur durch den Pflichteifer und die Rührigkeit des Vorstandes möglich war. Deshalb stelle er den Antrag, nicht nur die Berichte genehmigend zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch durch Erheben von den Sitzen dem Präsidenten und Vorstände den Dank auszudrücken. (Unterlebhaftem Beifall wird diesem Anträge Folge geleistet.) Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurde über Antrag des Herrn kais. Rath Ruzicka der bisherige Präsident, Herr Maximilian n l - S ch i f s, mit Acclamation und einstimmig wiedergewählt. Nachdem sich der durch das Wahlresultat hervorgerufene Beifall gelegt hatte, gab der Leiter des Scrutiniums, Herr Fuchs, bekannt,‘ dass in den Vorstand einstimmig die Herren kais. Rath Wilhelm A n n i n g e r, Professor Dr. S. -Eh r m a n n, Julius G r a n i s ch st ä d t e n, Jacob I a i t e l e s, B. K a n i tz, Sigmund M a y e r, Dr. Philipp Meitner, Adolf R o s e n b a u m unb Albert Winterberg gewählt wurden. Präsident, Herr Maximilian Paul-Schiff, dankte zunächst für das ihm bewiesene Vertrauen, begrüßte die neugewählten Vorstandsmitglieder, von denen kais. Rath Anninger schon früher dem Vorstande angehört und in rühmlicher Weife das Präsidium geführt habe. Ebenso sei das Eintreten des Herrn Granischstädten als eines Mannes, der sich für die Interessen des Judenthums und der österr. israel. Union als werthvoll ei wiesen habe, freudig zu begrüßen. Mit Bedauern sehe der Vorstand zwei seiner tüchtigsten Mitdlieger, die Herren S. Sigmund Zins und Dr. Oscar H e i u, aus seiner Mitte ausscheiden. Da es nur anderweitige berufliche Agenden seien, welche dies veranlassen, haben die Herren in daukenswerther Bereitwilligkeit ihre Geneigtheit ausgesprochen, auch weiterhin dem Vereine als Beiräthe ihre reichen Erfahrungen zur Beringung zu stellen. (Beifall.) Zum letzten Punkte der Tagesordnung, Anträge und Interpellationen, ergriff Herr Ehrlich das Wort, um an den Präsidenten die Anfrage zu stellen, in welchem Maße unter den Wiener Vereinsmitgliedern die Höchstbesteuerteu vertreten seien. Der Präsident Herr Paul-Schiff beantwortet die Interpellation dahin, dass leider in dieser Hinsicht wenig Erfreuliches zu berichten sei. Er habe selbst eine briefliche Agitation eingeleitet und die zur Versendling gelangten Schreiben eigenhändig unterzeichnet, doch sei der Erfolg derart gewesen, dass knapp die Kosten der Action gedeckt wurden. Der Präsident hofft, dass auf einem anderen Wege der gewünschte Erfolg erzielt werde, und gibt die Versicherung, dass er persönlich dieser Angelegenheit sein volles Augenmerk zuwenden werde. (Lebhafter Beifall.) Herr Baum wünscht, dass die Vereinsversammlungen häußger stattfinden und auch Gelegenheit zur Discussion über, allgemeine jüdische-Fragen bieten mögen. Herr Architekt Mar.ryo rek stellt die Anfrage, ob und in chelcher Form die österr. isrqel. Union zu der Verfolgung ber rumänischen Juden Stellung nehmen wolle und könne.! Vicepräfivent Prof. Dr. Ehr mann antwortet hierauf, dass die österr. israel. Union als politischer Verein durch das Bereiusgesetz behindert sei, sich mit auswärtigen Angelegenheiten : zu befassen. Ueber diese Frage entwickelte sich eine längere 'und lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Ehrlich, kais. Rath i Ruz ic k a, Markus. B au m,^Architekt M ar m orek, kais. j Rath A nninge r, D r. S ch a l i t, D r. Hei u und Dr. , Elias betheiligten. Damit wurde die Versammlung ge-! fchloffetl. j Das Zndenthnm in seine» Grimdzügen und nach seinen geschichtlichen Grnndlngen?) Die religiösen Urkunden des jüdischen Volkes sind feit mehr als zweitausend Jahren, seitdem sie ius Griechische, die damalige Weltsprache, übersetzt wurden,- allen Gebildeten zugänglich, und doch herrschen noch jetzt über das Jndeuthum die,sonderbarsten Vorstellungen, und das nicht etwa beim unwissenden Volk. Selbst Leute, die auf der Höhe der Zeitbildung stehen, werden auf die Frage: Was ist das Judenlhum? entweder eine durchaus falsche Antwort geben, oder, wenn sie ehrlich sind, sich mit > der Heine'scheu Antwort begnügen: es ist ein Unglück — natüri lich für seine Bekenner, denn jeder Schandbube darf auf sie! von oben herab sehen und nach Herzenslust an ihnen sein i Müthchen kühlen. Aber es ist auch ein Unglück für das Juden-; thum, dass es so wenig gekannt wird von Nichtjuden und von Juden! Erstere haben wenigstens ihre guten Gründe, die Religion ihres Heilands zu verkennen und herabzusetzen, aber letztere tragen durch diese Verkennung und Herabsetzung den grüßten Schaden davon in materieller und moralischer Beziehung. Und doch ist ihnen die geistloseste litterarische Erscheinung viel wichtiger als der fruchtbarste Factor der Weltgeschichte, als das viel geschmähte, weil viel verkannte Judenthum. Und so hat Dr. M. Güdemanu „das Bedürfnis gefühlt, auszusprechen, was das Judenthum ist", und hat es in geistvoller und fesselnder Weise gethan. Er verwahrt sich zwar dagegen, dass seine Schrift eine Streitschrift sei — sie trägt auch mehr einen apologetischen Charakter — aber wer das Jndeuthum vertheidigt, muß sich mit dessen unwissenden oder gewissenlosen Entstellern auseinandersetzeu, und das hat Dr. Güdemanu in feiner, oft herzerquickender Weise gethan. Die Hiebe, die er Ad. H a r n a ck anstheilt, könnten vielleicht schärfer fein, aber sie sitzen gut, ebenso diejenigen, welche gegen eine Religion geführt wurden, die den Staatsanwalt zum Bertheidiger hat. — Allerdings dürfte die feine und elegante Schreibweise von dem großen Publikum kaum verstanden und gewürdigt werden, aber desto größer der Genuss, wenn man dem geistvollen Verfasser folgen kann. Uebrigens werden wir auf den Inhalt dieser Schrift noch einmal zurückkommen, sie verdient es, dass die breiteste Oesfentlichkeit von ihr Kenntnis erhält. D r. K a h a n - Znaim. lieber den hebräischen Unterricht an den Gbereiajsen der Gymnasien »nd kealschnle». Von Rabbiner Dr. Daniel Fink. XVI. „Sie werden in dem Lande wohnen, welches ich meinem Knechte Jacob gegeben habe, in welchem eure Vorfahren gewohnt, — sowohl sie als auch ihre Kinder und Kindeskinder werden darin wohnen bis in die Ewigkeit. Mein Knecht David aber wird ihr Fürst sein für immer." (B. 25.) So wie der Vers dasteht, scheint er sich gewissermaßen in einem Widerspruch zu bewegen. Der erste Theil, welcher von dem wiedererstandenen Volke Israel handelt, setzt voraus, *) „DaS Judenthuiit“ in seinen Grundzügen kund nach seinen geschichtliche» Grundlagen, dargestellt von Dr. M. Güdemann, Ober- Rabbiner in Wien. 110 Seite», elegant broschirt 3 Kronen 50 Heller — 3 Mark. Verlag R. Löwit, Wien, 1. Bez., Rothenthrrrmstraße 23.