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Die Wahrheit · 1902-05-02 · Heft 17 (2.5.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 17 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17. Oie Vahrheu. Seite 5. früher bewilligten Unterstützungen in den letzten Jahren entzogen, l Wenn diese Vereine gar nichts leisteten, als dass ihre Mit-! glieder das nationale Band um die Brust schlingen und sich i offen als Inden bekennen, so sei dies eine nationale That, die! weitgehendste Förderung seitens der Allianz verdient. Redner 1 beantragt gleichfalls die Annahme einer Resolution, dass den jüdischen Studentenvereinen, besonders den farbentragenden jüdischen Verbindungen, eine würdige Unterstützung zutheil werde. Die weitere Motivirung der Resulution, die heftige Angriffe aus die Leitung der Allianz enthält, findet bei der Majorität der Versammlung lebhaften Widerspruch. Dr. Marcell Hoffmann bezeichnet die voll den zionistischen Rednern geübte Kritik nicht als objectiv und sachlich. Wenn man auf der einen Seite die strammen, lebenssrischen jüdischen Turner sehe und auf der Seite die bejammernswerthen Gestalten der rumänischen Auswanderer, so könne man, besonders bei dem großen Deficit, mit dem die Allianz in den letzten Jahren zu kämpfen hatte, keinen Moment darüber im Zweifel sein, aus welcher Seite die Unterstützung nothwendiger sei. Von lautem Widerspruche seitens der Zionisten begleitet, erklärt sich Dr. Hoffmann in gewissem Sinne selbst als Zionist, jedoch huldige er nicht den atheistischen Anschauungen, die in den Kreisen des Zionismus zahlreiche Vertreter finden.- Wenn die Zionisten mit den Erfolgen der Allianz nicht zufrieden sind, mögen sie, die doch einen nach vielen Millionen zählenden Fond haben, der gewinnbringende Geschäfte macht, selbst in die Tasche greisen und zlir Linderung der rumänischen Roth etwas beitragen. (Redner wird durch stürmische Unterbrechungen seitens der Zionisten an der Fortsetzung seiner Ausführungen gehindert, und zur Wiederherstellung der Ruhe muß die Sitzung unterbrochen werden.) Dr. M in tz, der durch die Eleganz seiner Rede sympaihische Wirkung erzielt, spricht über die Unzulänglichkeit der rumänischen Action und die mannigfachen Vexationen, denen die Inden in Rumänien durch bereits promulgirte und bevorstehende gesetzliche Bestimmungen ailsgesetzt sind. Dr. M a r m o r e k protestirt energisch gegen den durch Dr. Hoffmann gegen die Zionisten erhobenen Vorwurf des Atheismus, wie gegen die Unterstellung, als ob die Zionisten die Unterstützung der Turner der Unterstützung der rumänischen Auswanderer vorzögeit. Die vom Redner gestellte Forderung, der Vorstand möge eine Erklärung abgeben, dass Dr. Hoffmann nicht im Namen und Aufträge desselben gesprochen habe, wird seitens der Majorität und vom Vorstandstische aus als ungeziemend zurückgewiesen. I. Vicepräsident Dr. Alfred Stern erklärt sich aus formellen Gründen gegen die Zulassung der Resolutionen zur Abstimmung. Sie können nur als Anregung zur inneren Berathung im Schoße des Vorstandes betrachtet werden. Bezüglich der an den Vereinssubventionen geübten Kritik bemerkt er, dass der Vorstand immer sehr genaue Informationen einhole. Ein einzelner Jrrthum sei wohl möglich, aber im allgemeinen ist die Behauptung, .dass alle angeführten Vereine antisemitisch seien, nicht richtig. Was die jüdischen Studentenvereine betrifft, habe er in verschiedenen Körperschaften für ihre Unterstützung plaidirt. Nachdem es sich aber gezeigt habe, dass einzelne derselben Zwistigkeiten unter die jüdische Bevölkerung tragen, sei er selbst für die Streichung der Subventionen eingetreten. Viel zu fragen, sei manchmal ein Vortheil, man würde aber den rumänischen Juden und den Juden im Allgemeinen einen sehr schlechten Dienst erweisen, wollte man aus die Fragen des Herrn Dr. Herzl all das antworten, was man könnte. , Präsident Ritter von G u t m a n n erinnert an die vor 30 Jahren erfolgte Gründung der „Israel. Allianz". Damals sei auch eine Verfolgung der Juden in Rumänien, die sich dann nach Russland hinüberzog, der Anlass zur Gründung gewesen. Tag und Nacht haben Ritter von Wertheimstein, Dr. Kuranda und Dr. Kompert gearbeitet und */4 Millionen Gulden wurden zur Unterstützung der russischen Juden aufgebracht. Die Verfolgungen haben dann periodisch geruht, um jetzt neuerdings in Rumänien zum Vorschein zu kommen. Wie kläglich erscheint aber die jetzige Betheiligung der Glaubensgenosfenschaft au den Sammlungen gegenüber der früher bewiesenen Opferwilligkeit. Die Allianz habe im Ganzen 3000 Mitglieder, das sei doch wirklich eine schrecklich geringe Anzahl. Dr. Herzl habe die Frage gestellt, was der Vorstand gerhan hat. Ja woher hat er denn die Mittel für die Unterstützung der rumänischen Hilfsaetion genommen? Haben etwa die Zionisten mit ihren 3 fl.-Beiträgen dieselben bestritten? Die weiteren Anfragen des Dr. Herzl können tu öffentlicher Versammlung nicht beantwortet werden, das wäre für diejenigen, denen man Helsen will, gewiss von Nachtheil. Doch möge der Fragesteller versichert sein, dass nichts verabsäumt wurde. Die Allianz ist kein Institut, das mit Reclame arbeitet, sie entwickelt eine stille aber intensive Thätigkeir. Was sie für die Juden in Bulgarien gethau, habe sie auch nicht an die große Glocke gehängt. Wenn übrigens Herr Dr. Herzl im Bureau der Allianz vorsvrechen, oder irgend eine andere Bertrauensperson daselbst erscheinen? wollte, würden sie auf alle Fragen entsprechende Aufklärung erhalten. Die angedeutete Conferenz habe über Anregung der Pariser Allianz in Köln stattgefunden und seien daselbst Paris, London, Berlin. Franksurt a. M., Wien und Budapest vertreten gewesen. Den Inhalt der Berathungen, die streng vertraulich waren, öffentlich mitzutheilen, fei er nicht in der Lage. Die beantragten Resulutiouen betreffend würden wohl die jüdischen Studentenvereine nach Möglichkeit unterstützt werden, bingegen halte er die Subventionirung der Turner angesichts der prekären Finanzen der Allianz nicht für opportun. (Allgemeiner Beifall.) Dr. Herzl macht Herrn Dr. Hoffmann für die erregte Stimmung, die in der heutigen Versammlung herrscht, verantwortlich; er hat durch seine Provocationen die Stimmung vergiftet. Znm Theile habe er bereits gebührende Antwort erhalten und was die falschen Darstellungen über den Nationalfond betrifft, werde Aufklärung hierüber demnächst an anderer Stelle erfolgen. Hier sei nicht der Platz hiefür; denn der Nationalfond ist 'feine Sache der Allianz. (Allgemeine Zustimmung.) Zum Gegenstand der Debatte selbst übergehend, tritt Redner für die Abstimmung über die Resolutionen ein, da Resolutionen die Sprache der Versammlungen sind Nach den Aufklärungen des Präsidenten verzichtetet er auf weitere vertrauliche Mittheilungen. Dass die Allianz nicht über die nöthigen Mittel verfügt, nehme ihn nicht Wunder. Daran sei die mangelhafte Organisation schuld. Sie müsse die breiten Volksschichten erobern, dazu fehle es ihr aber an allgemein verständlichen Ideen. Die rumänische Action müsse als misslungen betrachtet werden, da über 600 Auswanderer nach Rumänien zilrückgeschickt werden mussten. Nicht ein einziger hätte bei planmäßiger Acrion von diesem Schicksale betroffen werde» sollen. Die 3 Gulden-Männer, zu denen Redner gleichfalls zu gehören erklärt, sind bei der rumänischen Hilfsaetion sehr viel werth. Sie stehen der Armuth näher und verstünden sie besser. Diese Kreise für die Allianz gewinnen zu helfen, sind die Zionisten gerne bereit. Man möge die dargeboteue Hand nicht wieder zurückweisen und dies um so weniger, als sich die Allianz für die ihr gestellte Aufgabe zu schwach erwiesen hat und den rumänischen Nothstand sich über den Kopf wachsen ließ. Präsident Ritter v. G u t m a n n reagirt auf die Bemerkungen des Vorredners und richtet an ihn die Auffdrderung, wenn er die Organisation der Allianz für unzureichend halte, so mögen die Zionisten die ganze rumänische Aktion übernehmen — der Vorstand werde ihnen hiefür überaus dankbar fein. Wir sind, schließt der Redner seine Ausführungen, sehr zufrieden, denn jeder ist von dem Bewusssein erfüllt, das Beste gewollt und, was in seinen Kräften lag, geleistet zu haben. Nach dem mit allseitigem Beifalle aufgenommenen Schlussworte des Präsidenten wurden der Thätigkeitsberichtjund Cassabericht nahezu einstimmig zur Kenntnis genommen, und hierauf wählte die Versammlung per Acclamation die ausgelosten fünf Bostandsmitglieder Sigmund Ritter v. B a u er. Dr. Felix

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