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Die Wahrheit · 1902-04-18 · Heft 16 (18.4.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 Die Dahrhett. Seite 5. sich auf die große Zahl jüdischer und protestantischer! Mitglieder in der InZus oontrs atstviaius, aus den Enthusiast! mns, mit welchem Lnigi Luzzati, Italiens hervorragendster Finanzpolitiker und Staatsmann, für die Gottesidee streitet. Mit viel Geschick widerlegt Leroy die Anschauungen der Rassenpolitiker aus der Vergangenheit wie aus der Gegenwart. Den \ gelbes Fleck, die gelbe Mütze mußten die Juden tragen, weil, i wie die Verordnungen sagen, es in sehr vielen Fällen unmöglich! war, sie zu erkennen, und dies zu höchst unliebsamen, ja traurigen Verwechselungen führte: das ist der Fluch des Antisemitismus, dass er in erster Linie zur Ausuahmsgesetzgebung führen muß, diese könnte wiederum nur religiöse Motive zur Grundlage haben — und davor schaudert der Christ und der Franzose zurück. Man kann von arischen und semitischen Sprachen reden, uichl von Rassen; sür die unausgesetzte Veränderung der ^letzteren bietet die Wissenschaft Beispiele in großer Zahl. Und wie putzt sich der sogenanute Arier heraus als ein nobles, tugendhaftes, ideales Wesen! Wie kann ein Christ das Blut Israels für ein unreines erklären, und doch sind aus diesem Blute der Gründer des Christenthums, seine Mutter, feine Schüler, die Apostel entsprossen! So kommt man zu dem Resultat, der Antisemitismus steht im Gegensätze zur Geschichte und zu den Traditionen des Christenthums, wie zu dem Geiste des Evangeliums. An einzelnen Beispielen zeigt Leroy, dass die Juden ihre staatsbürgerliche Freiheit mit der Hingebung an das Vaterland gelohnt haben. Eine parasitäre Rasse? Sie lebt nur auf Kosten der Anderen — lautet die Anklage. Dasselbe sagt man von den nichtsemitischen armenischen Christen, dasselbe sagen Socialisten von den Bourgeois, die nicht von ihrer Hände Arbeit leben. Man müsste in jedem Lande, in jeder Stadt Erhebungen anstellen und man würde sehen, wie verschieden die Resultate sind. Wären nicht den Juden alle Handwerke und der Grundbesitz durch Jahrhunderte versagt, sie hätten nicht den Handel ausschließlich betrieben. In Frankreich, lehrt die Statistik, ist die Zahl der jüdischen Bankhäuser eine sehr geringe, weitaus größer die der protestantischen. In England und Amerika hat man vergleichende Tabellen angelegt und gefunden, dass in England von zwanzig größten Vermögen nur eins bis zwei auf Juden kamen, von fünfzehn nordamerikauischen nicht ein einziges in den Händen eines Juden war. Und doch genießen sie in England und Amerika die größte Freiheit (to make monney — ist Sache des Aankee). Hingegen ist der Pauperismus im Osten von London, in Rußland, Rumänien und Polen bei den Juden ge« radezu entsetzenerregend. Wer die lidsrt« und «Aalitä ernst nimmt, wird keine Schranken ziehen zwischen Bürgern desselben Landes. Eine Mahnung an die Franzosen beschließt das Capitel über den Antisemitismus. Was diese Judaisirung Frankreichs nennen, das ist die Vorherrschaft der materiellen Jntereffen, des Handels und der Industrie, die Herrschaft des Geldes, die Tyrannei des Goldes. Wenn auch nicht ein einziger Jude in Frankreich sein wird, der Zustand, der eine Folge politischer urd ökonomischer Bedingungen ist, muß derselbe bleiben. .Wir Franzosen müssen arbeiten, uns reformiren, unsere Gedanken, Gefüble und Sitten, uns von sinnlosem Luxus losfagen und zum Geiste des Evangeliums zurückkehren!" Arber den hebräischen Unterricht an den Gberrtassen der Gymnasien nnd Realschulen. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink. XV*). „Mein Knecht David wird König über sie sein, nur einen Hirten werben sie alle haben, und in meinen Rechtsordnungen *) Der letzte Artikel XIV zeigt einige sinnentstellende Druckfehler, und zwar: Seite 4, Spalte 1, Zeile 20 von oben statt „Leider" lies „Beides". Seite 5, Spalte 1, Zeile u von oben statt „edler" lies „edlerer". Seite 5, Spalte l, Zeile 23 von oben statt „Völker" lies „Israels". wandeln und meine Satzungen werden sie in Acht haben und sie auch bethätigen". (V. 24.) Das Auftreten des Königs David muthet hier seltsam an und verursacht den Auslegern keine geringen Schwierigkeiten. Der König David ist seit fast dreitausend Jahren todt uni» soll nun in der fernen Zltkunft gar wieder das Regiment führen! Man versuchte über das Uuvollziehbare derSache sich dadurch hiuwegzuhelfeu, dass man hier eine Bezugnahme auf den Gedankengang der ersten Hälfte unseres Kapitels anuahm. Der Prophet schildert dorr, wie die auf eitlem Acker zerstreuten Todtengebeine auf Gottes Wort wieder sich aneinanderfügten und schließlich vollständig lebendig wurden. Unter jenen zum Leben erweckten Todten müsse sich auch David befunden haben, den in strenger Folgerichtigkeit der Prophet nun auch den Thron besteigen lässt. Es ist selbstverständlich, dass derartige Kunststücke moderner Bibelauslegung nur dazu dienen können, den Gedanken des Propheten ins Ungereimte zu verlegen. Das Endergebnis läuft darauf hinaus, dass er dem denkeltden Leser lächerlich erscheinen muß. Was hier in Wirklichkeit dem Propheten unterstellt wird, ist nichts, denn ein unbeholfener Versuch, ein Missverständnis durch das andere zu decken. Wie bei der Auslegung des ersten Theiles Schritt für Schritt gezeigt worden, und wie dort schon die Eingangsworte 'i nro 'jsrsm .er führte mich im Geiste Gottes hinaus" gar keinen Zweifel zulassen, handelt es sich um eine prophetische Erleuchtung. Es war also keineswegs die äußere, greifbare Wirklichkeit, die der Prophet gesehen, sondern einen innerer geistiger Vorgang. An Deutlichkeit zwar den Sinneswahrnehmungen um nichts nachstehend, waren die geschilderten Erscheinungen und Vorgänge jedoch nur dem Propheten und sollst keinem Menschen erreichbar. Wenn also die früher ausgeführten Gedanken dazu dienen sollen, den Sinn unseres Verses zu beleuchten, so kann es nur dahin führen, dass wir nicht den einstigen Köllig, sondern einen solchen von der Art Davids hier erkennen. Dies wird auch von dem gesammten Gang der Ideen, die bisher auseinandergesetzt wurden, geradezu mit Norhwendigkeit gefordert. Der Prophet sprach von der Wirderaufrichtung der beiden israelitischen Reiche und ihrem innigen Zttsammenfchluss. Wem ist denn dieses Werk zum ersten male, ja überhaupt einzig und allein nur gelungen? Keinem sonst, als David. Mit den vielseitigsten Vorzügen des Geistes und Herzens in einem erstaunlich hohen Maße ausgerüstet, dazu noch von einer unwiderstehlichen Thatkraft beseelt, war David wohl das höchste Genie, welches aus unserem Stamme je hervorgegangen war. Die Eigenschaften, welche zu den höchsten Leistullgen in ihm sich vereinigten, waren so eulgegeugesetzter Natur, dass, soweit wir die Geschichte kennen, sie bisher noch nie in einem Menschen, selbst in Alexander dem Großen nicht, in Erscheinung getreten sind. Seinen überlegenen Geistes- und Herrschergaben gelang es, die bis dahin auseinauderstrebelldeu Elemente des Volkes Israel zu einem einheitlichen Staate zufammenzuschweißen. Das ist bisher nur von ihm allein erreicht worden. Schon sein Nach» folger Salamo konnte das Errungene nicht e-nmal behaupten. In seinen letzten Jahre»» begannen die Zügel der Regierung seinen Händen zu entgleiten. Unter seinem Nachfolger ward der Bruch offenkundig. Wem dieses Werk aufs neue gelingen soll der muß dem David ebenbürtig sein. Dieser Gedanke beleuchtet aber auch den unmittelbar darauf folgenden Satz, der auf den ersten Blick uns nich minder als ein Räthfel anmuthel. Was für eine Bewandtnis hat es denn mit dem .einen Hirten", der sie alle leiten werde? Wer soll den darunter gemeint sein? Jedenfalls kein anderer, als Moses. Denn was David für die äußere weltliche Seite der israelitischen Geschichte bedeutet, das Moses für ihre innere.. Wohl hatten im Laufe der Zeit nicht wenig.- große Mann« sich in unserer Mitte erhoben. Es hat uns auch an P opheten, die von Gott mit den Gaben seines Geistes ausgerüstet wurden, nicht gefehlt. Deren hat es nach allgemeiner Annahm 48 in» Ganzen gegeben. Aber keiner unter ihnen vermochte so aus

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