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Die Wahrheit · 1902-04-04 · Heft 14 (4.4.1902) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 14. Schrift oder aus anderen religiösen Bekenntnisschriften der Juden erweisen lasse, so stehen sich auch hier wieder die Meinungen gegenüber, indem die einen es behaupten, die anderen aber leugnen, und wieder andere eine geheime Ueberlieferung annehmcu, durch welche der Ritualmord empfohlen oder geboten werde. Fragt man jedoch, von wem diese Ueberliescrung stamme und durch wenn sie verbreitet werde, so erhält man auf diese Frage keine Antwort. Am meisten gehen die Ansichten auseinander, wenn man nach den Beweggründen des Ritualmords fragt. Da sagen manche, bei den Juden herrsche noch immer der uralte Aberglaube, dass Gott in wichtigen Fällen, wenn er um eine große Gnade gebeten, oder um Abwendung eines großen Uebels angeflehl werde, ein Menschenopfer verlange, und durch den Ritualmord werde ihm dasselbe dargebracht. Andere behaupten, es gebe Eiferer oder Fanatiker unter den Juden, welche mit den gewöhnlichen Mitteln zur Entsündigung nicht zufrieden seien, sondern außergewöhnliche und schärfere verlangten; deswegen verschafften sie sich um große Geldsummen von feilen Subjekten Menschenblut, und diese schlechten Subjekte seien es, welche zu diesem Zwecke bald da, bald dort einen Ritualniord ausführten. Wieder andere sind der Meinung, die Juden hätten Christenblut nöthig, um es zu Heilzwecken zu benützen, um sich mittels desselben vor Krankheiten zu bewahren, oder um die Rassereinheit zu schützen, und zu diesem Zwecke werde es in homöopatischen Dosen in die Osterkuchen gebacken oder in den Osterwein gemischt, weshalb die Ritualmorde besonders zur österlichen Zeit vorzukommen pllegten. Man beruft sich dabei auf die eigenen Aussagen von Juden, welche dieselben vor Gericht abgelegt haben. Ich habe jedoch schon darauf hingewiesen, dass diese Aussagen nicht den mindesten Glauben verdienen, und dass auch überhaupt bis jetzt nicht ein einziger Fall von Ritualmord gerichtlich nachgcwiesen werden konnte. Ich brauche das nicht zu wiederholen, möchte vielmehr auf einen anderen Punkt hier besonders aufmerksam machen. Es ist geschichtlich sestgestellt, dass der Ritualmord- Abcrglaube zu derselben Zeit in Europa auftauchte, in welcher auch der Hexeu-Aberglaube seine Opfer zu fordern anfing, und dass in der nämlichen Zeit Tausende von Juden wegen angeblichen Ritualmords den Tod in den Flammen fanden, in welcher Christen wegen angeblichen Bündnißes mit dem Teufel auf dem Scheiterhaufen starben. In diese Zeiten sind wir, wie ein „hervorragender Mann der Wissenschaft und des praktischen Lebens", nebenbei technischer Beamter und alter Judenforscher, uns belehrt, wieder zurückgelangt. Er sagt uns ja, dass derjenige, welcher in unseren Tagen noch Ritualmorde verübt, ganz der nämliche ist, welcher die Hexen auf dem Blocksberge um sich versammelte und sie nachher dem Scheiterhaufen überlieferte. Der alte Judenforscher hat damit, wenn auch gegen seinen Willen, ein Zeugnis für die Wahrheit abgelegt, dass es ganz derselbe Aberglaube ist, der früher die Christen der Hexerei beschuldigte und heute noch die Juden wegen Ritualmords anklagt. Das sollte denn doch Herrn Dr. Bachler und die ganze Redaktion der Staatsbürger Zeitung zu erstem Nachdenken stimmen uitb sie wieder ■an die schöne, erhabene, segensreiche Aufgabe der Presse erinnern, auf die sie vergessen zu haben scheinen. Die Presse soll mithelfen zur Erziehung und Veredelung des Volkes, zur Ausrottung des Aberglaubens und Verbreitung nützlicher Kenntniße, zur Pflege der sittlichen und bürgerlichen Tugenden, und wenn sie dieser hohen, heiligen Mission treu und eifrig Hient, kann sie unendlich viel Gutes wirken. Sie kann aber auch unsäglich viel Böses schaffen, wenn sie den Leidenschaften schmeichelt und dem Aberglauben dient, von dem man in Wahrheit sagen kann, dass er den Lügner und Mörder von Anbeginn zum Vater hat. Um der Staatsbürger-Zeitung zu zeigen, wie sie in der Ritualmord-Frage ihrer hohen Aufgabe gerecht werden kann, will ich ihr das Gutachten mittheilen, das ein in der That hervorragender Mann der Wissenschaft und des praktischen Lebens vor kurzem in der Ritualmord-Frage abgegeben hat. Es ist der erste Staatsanwalt a. D. am obersten Verwaltungsgerichtshofe in Bayern, Dr. v. Hanck, ein Volksfreund im wahrsten Sinne des Wortes, langjähriger Verwaliungsbeamter und auch viele Jahre Mitglied der bayerischen Kammer und des Deutschen Reichstags, hochangesehen bei allen Parteien wegen seiner juristischen und verwaltungsrechtlichen Kenntniße und seines reichen Schatzes von Erfahrungen, sowie seines vortrefflichen lauteren Charakters; er hat nach gründlichem Studium der Ritualmord-Frage am 30. Juli v. I. folgendes Urtheil abgegeben: „Dass es einen Ritualmord nicht gibt, ist von Dr. Frank schlagend nachgewiesen, der Antisemitismus ist damit aber vorerst noch nicht beseitigt, weil die Hauptakteure ihn nur vorwenden, um das Volk aufzuhetzen. Beim Volke wurzelt der Antisemitismus in guten und schlechten Eigenschaften der Juden. Die guten sind Fleiß, Genügsamkeit und Sparsamkeit, und der dadurch bedingte Wohlstand, der vielfältig Neid erregt. Die schlechten, welche leider auch bei Christen sich mehren, sind Wucher und Unbarmherzigkeit gegen die Opfer des Wuchers. Nach meiner Ueberzengung wird der Antisemitismus durch gute Wuchergesetze, mit denen man im Deutschen Reiche den Anfang gemacht hat, durch deren energische Durchführung sowie durch Aufklärung des Volkes beseitigt werden können." Das glaube und wünsche ich anch, und hoffe es noch zu erleben, dass das christliche Volk sich ebenso des unchristlichen Antisemitismus wie des schmachvollen Ritualmord- Aberglaubens schämt, und dass beide, der Antisemitismus und der Ritualmord-Aberglaube, dort bei einander liegen, wohin sie schon längst gehörten, — im Grabe der Vergessenheit/' Den Wünschen und Hoffnungen des Autors schließen wir uns aus vollem Herzen an und zur baldigen Verwirklichung derselben sei die Verbreitung der Broschüre Dr. Frank's*) in den weitesten christlichen und jüdischen Kreisen wärmstens empfohlen. _ Arber den hebräischen Unterricht im den Oberrlassen der Giummsirn und Realschulen. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink. XIII. „Wenn die Söhne Deines Volkes zu Dir sprechen, wie folgt: „Möchtest Du uns nicht sagen, was Dir diese (Dinge) bedeuten?" — so rede zu ihnen: „so spricht Gott der Herr: siehe, ich nehme den Ast Josess — der in der Hand Efrajims und der Stämme Israels, die seine Bundesgenossen, lege diese ans ihn — zusammen mit dem Aste Judas und mache sie zu einem Baume, dass sie eine Einheit in meiner Hand bilden. Solcher Maßen sollen die Aeste, die Du beschrieben hast, in Deiner Hand vor ihren Augen sein." (V. 18—20.) Die Aeste, welche der Prophet aneinanderfügen soll, tragen eine Aufschrift. Mit dem Sinnbilde zusammengenommen — sollte man denken — müssten sie. deutlich genug das sagen, was der Prophet zur Erkenntnis bringen wollte. Demnach geht hier die Voraussetzung dahin, dass das Volk den gesammteu Vorgang wie ein unerschlossenes Räthsel ansehen werde. Das kommt einestheils daher, weil es nicht in dessen Art liegt, den Blick aus das Große und Ganze zu lenken, und anderentheils, weil es aus eben diesem Grunde sich zu der Einsicht nicht durchzuringen vermag, dass nur in dem Wohlergehen der Gesammtheit die beste Bürgschaft für das Gedeihen jedes Einzelnen gelegen. Seine Interessen auf den engen Kreis der eigenen Person beschränkend, verengert sich bei ihm auch bald der Sinn. Wären diese Schäden nicht gar zu tief in jenem Geschlechte eingeriffen, es hätte nicht so rauh von der Hand widriger Geschicke erfasst werden können. *) Nachträge zu „Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen der Wahrheit und Gerechtigkeit" von Pfarrer Dr. Frank, Regensburg 1902. Verlag vorm. G. I. Manz.

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