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Die Wahrheit · 1902-04-04 · Heft 14 (4.4.1902) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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atzrOeit Redaction und Administration: Wien, II/,. Novaragafse 27. K. k. österr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 846.251. Inserate 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und Jnserationsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. Erscheint jeden Freitag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit l“ | Bezugspreis. j ' Ganzjährig. ... ff. 12.— j j Halbjährig .... ff. 6.— I j Für Cultusbeamte: j \ Ganzjährig.... ff. 10.— I Für Ausland: , Ganzjährig . . . 8 Mark.! 6 Rubel oder 16 FcS. j Nr. 14. Wien, 4. April IM Anhalt: Die letzten Schlupfwinkel des Ritualmord-Aberglaubens. — Ueber den hebräischen Unterricht an den Oberclaffen der Gymnasien «n Realschulen. — Aus dem jüdischen Vereinsleben Prags. — Jüdischer Volksbildungsverein in Teplitz. — Reisebriese aus Holland. — Commentar und Glossen zum Organisationsplan. — Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten um Einsendung der laufenden Abomrementsgebühr für das am 1. April brgonnrneNuartal» damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Abonnement: 3 Kronen vierteljährig. _Me Administration. Die letzten Schlupfwinkel des kitualmord- Äberglnubens. in. Die ausgezeichnete, im Vorjahre veröffeutlichle Arbeit des Herrn Pfarrers Dr. Frank: „Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen der Wahrheit und Gerechtigkeit" hat der Fabel vom jüdischln Ritualmord den Todesstoß versetzt und in den wissenschaftlichen und gebildeten Kreisen Deutschlands einen tiefgehenden und nachhaltigen Eindruck Hervorgerufe». Dadurch drohte dem Antisemitismus ein überaus wirksames Agitatlüns- und Hetzmiltel gegen die Juden zu entschlüpfen, und über das wiffeuschafilkche Verenden des Ritualmord- Aberglaubens untröstlich, sann sein publicistischer Heerbann auf neue Schliche, um denselben wieder zum Leben zu erwecken und wenigstens die gedankenlose Masse auch fernerhin irre zu führen. Zu diesenl Behufs veranstaltete der „Germanische Volksbund Berlin" eine Umfrage über den Ritualmord bei „hervorragenden Männern des Lebens und der praktischen Wissenschaft", deren Ergebniße in der „Staatsbürger-Zeitung^ veröffentlicht wurden. All diesen Gutachten geht nun Pfarrer Dr. Frank mit der Fackel der Wahrheit und der Geißel der Ironie hart zu Leibe und weist nach, wie fast jedes einzelne seinem Zwecke eurgegeuarbeitet und zu einer veritablen Leichenrede des Ritualmord-Aberglaubens wird. Der Mangel an Raum gestattet uns leider nicht, zur Erheiterung unserer Leser einige Proben dieser Gutachten vorzuführen, jedoch können wir es uns nicht versagen, wenigstens das treffliche Schlusswort des Pfarrers Dr. Frank wiederzugeben, das in folgender Weise resumirt: „Ihrem Inhalte nach sind die Antworten so voneinander verschieden, dass die Staatsbürger-Zeitung daraus den Schluss zieht, es sei in der That dringend erforderlich gewesen, durch eine solche Umfrage die Geister anzuregen und zur Klärung zu zwingen, die sie jedoch vergeblich hofft. Der Wirrwarr ist zu groß. Schon gleich in den Antworten ans die erste Frage, ob es überhaupt eine» jüdischen Ritualmord gibt, sehen wir, wie die Ansichten weit auseinandergehen, ja geradezu einander widersprechen. Während die einen die Existenz des jüdischen Ritualmords unbedingt behaupten, erklären die anderen, mau könne nur mit Wahrscheinlichkeit von einem solchen sprechen, oder es sei blos die Möglichkeit eines solchen zuzugeben, und einer antwortet sogar mit einem unbedingten „Nein". Eben so verschieden lauten die Antworten ans die Frage, wann der Ritualmord in der Geschichte zum erstenmal Erwähnung finde, oder wann der Ritualmord aufgekommen sei. In der einen Antwort werden wir belehrt, dass der Ritualmord erst von der Mitte des 17. Jahrhunderts an sich Nachweisen lasse, eine andere Antwort meint, es gebe schon Ritualmorde vom 8. Jahrhundert an, während wieder andere die Einführung des Ritualmords dem Moses zuschreiben oder ihn gar schon lange vor Moses im grauen Alterthum entdeckt haben wollen. Auch darüber herrscht große Uneinigkeit, ob der Blutmord bei allen Juden und in allen Ländern, oder nur in bestimmten Ländern und bei einzelnen Juden oder Judenstämuien gefunden werde. Die einen sagen, dass die Juden aller Länder von den Stimmen aller Völker des Blutmords beschuldigt würden, während andere wenigstens die deutschen Juden von dieser Beschuldigung ausnehmeu; wieder andere behaupten, nur die Aschkeuasim oder die Breitschädel unter den Juden übten den Ritualmord, während die Sephardim oder Langschädel unter den Juden des Ritualmords sich nicht schuldig machten; manche sagen auch, nur bei den Juden in Rußland, Polen und Galizien sei der Ritualmord in U.bung, während er sich bei den übrigen Juden nicht finde, und andere hinwiederum behaupten, nur die Mitglieder der zwei Stämme Juda und Levi seien die Ritualmörder, dagegen seien die Mitglieder der übrigen zehn Stämme von der Beschuldigung des Ritualmords auszunehmen. Fragt man, ob der Ritualmord sich aus der Heiligen

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