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Die Wahrheit · 1902-03-28 · Heft 13 (28.3.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 13 (28.3.1902)
Date
1902-03-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Vre Wahrheit. Seite 7 Verhältnißen jedoch insoweit Rechnung trägt, als er hinterher auch Efrajim ausdrücklich einfügt. Man hat darin bald eine Unbeholfenheit, bald eine Schwerfälligkeit, oder wer weiß was sonst noch, erkennen wollen. Wir brauchen den Propheten derartigen Stümpern gegenüber nicht erst zu vertheidigen. Für denjenigen, der denken will, ist die Sache ohne weiteres klar. Der Prophet will sagen, dass Efrajim nicht blos die Spaltung des Reiches hervorgerufen, sondern später noch absichtlich die Kluft zu einer unüberbrückbaren dadurch erweiterte, dass er einestheils auf den Abfall von Gott und seiner Lehre hingearbeitet und anderntheils die Einführung des Götzendienstes mit aller Macht gefordert hatte. War auch Efrajim im Besitze der größten Macht gewesen, er hat sie zum Unheile der Gesammtheit mißbraucht. Aus diesem Grunde widerstrebte es dem Propheten, ihn in einer führen-! den Rolle auftreten zu lassen. Mag sich auch die äußere j Macht eine solche anmaßen, berechtigt ist hierzu nur die j moralische Ueberlegenheit.! Besondere Schwierigkeiten verursacht jedoch der n un | folgende 17. Vers. In der voranstchenden Uebersetzung er- / scheinen dieselben bereits behoben. So jedoch, wie der trockene! Wortlaut im hebräischen Text dasteht und von den meisten Uebersctzern wiedergegeben unrb, scheint er nichts denn eine eine bloße Plattheit zu enthalten, die er dazu noch in dreifacher Wiederholung breittritt. Die Sache zeigt sich jedoch sofort in einem andere» Lichte, wenn der Ausdruck vnnrr richtig erfasst wird. Der grammatischen Form nach die Mehrzahl darstellend, kann er dies schon um deswegen nicht sein, weil ins. keine solche zulässt Mittels der Mehrzahlendung soll hier, wie dies auch in zahlreichen anderen Fällen geschieht, der abstrakte Begriff bezeichnet werden. Denselben Gebrauch der Mehrzahlform finden wir auch in den Ausdrücken jarrbw ,o»apT .o^nn .d'vt ,DTiö (Bergt, hiezu Ewald hebr. Grammatik S. 179a.) Der Prophet will demnach sagen, die beiden gespaltenen Reiche Juda und Efrajim sollen nun fürderhin wieder aneinander gefügt werden. Die Annäherung soll jedoch nicht blos eine äußerliche sein, welche den eingetretenen Riss an der Oberfläche allenfalls verkittet, sondern es muffe ein lebendiges Jneinanderwachsen bewirkt werden durch eine innerliche, geistige Zusammenschmelzung der vorhandenen Volkselemente. Diese Aufgabe soll der Prophet vollbringen. In seiner Hand sollen die abgespaltenen Hälften wieder zusammenwachsen, um eine Einheit zu bilden. Wie fällt damit zugleich ein so helles Streiflicht auf die inneren Zustände beider Reichshälften, die in den überlieferten Quellen nur in ganz groben Umrissen gezeichnet sind! Nach der hier dargelegten Ansicht des Propheten wäre die Kluft zwischen den beiden Bruderreichen Efrajim und Juda niemals eine so furchtbare und unüberbrückbare geworden. Hatten äußerliche Mißstände und Gegensätze eine Spaltung herbeigeführt, erstere hätten im Lause der Zeit beseitigt, und die letzteren überwunden werden können. Das Verhängnis ward jedoch zu einem unabwendbaren, nachdem von Anbeginn an auf eine innere Entfremdung hingearbeitet worden war. Von diesen Absichten waren sämmtliche politischen Maßnahmen des Jerobeam bald nach Antritt seiner Regierung eingegeben. Aber auch bei seinen religiösen Neuerungen, die ihn bis zur Einführung des krassesten Götzendienstes fortrissen, war nur dies und nichts anderes der leitende Gesichtspunkt. Vollends unüberbrückbar wurde jedoch die Spaltung, als man auch späterhin die Propheten nicht mehr im Lande duldete. In so recht greifbarer Anschaulichkeit wird uns dies von Amos Ep. 7, 10—17 geschildert. Unter Jerobeam II. trat derselbe auch im Zehnstämmereich aus. Das ging jedoch dem Oberpriester des Götzenkultus zu Bethel wider den Strich. Er berichtete daher an den König, dass Amos Verschwörungen gegen denselben anzettele und das Land in Aufruhr bringe. Bevor jedoch die königlichen Maßregeln gegen! Amos erfolgten, gab derselbe Denunziator von Hohepriester dem Propheten den „freundschaftlichen" Rath, das Weitere lieber nicht erst abzuwarten, sondern rechtzeitig in das Land Juda zu flüchten, dort „sein Brot zu suchen" und dort den Propheten zu spielen. Bethel jedoch möge er mit seiner Prophetie verschonen, denn es sei der Sitz sowohl der königlichen Regierung wie des „königlichen" Cultus. — Beide Institute sind gleichmäßig gegen die Grundsätze, wie sie ein Amos verkündet, höchst empfindlich. Hatten sie doch für die Gefahr, die der schlichte Hirte heraufbeschwören konnte, ein sehr richtiges Witterungsvermögen. Wie groß, wie erhaben war diesem Thatbestande gegenüber die Aufgabe, die dem Propheten hier übertragen wurde! t Fortsetzung folgt.) Gemeinde- und Lereinsbole. Wien. (Zehnjähriges Vereins - Jubiläum.) Der Verein „Ferienheim*. welcher -,n ven segensreichsten Institutionen gehört, die der jüdische Wohlthätigkeirssinn geschaffen, versendet soeben den Bericht über das abgelanfene zehnte Vereinsjahr. Wie bekannt, stellt sich dieser Verein die Aufgabe, arme, kranke Kinder in Heilbäder, Curorte und Feriencolonien;u entsenden. Welch edle, bedeutsame Aufgabe für die Heranwachsende Generation dies ist, bedarf wohl keiner Erläuterung. Wir erfahren aus dem Jahresberichte, dass der Verein „Ferienheim" im Jahre l£92 seine Thätigkeit mit der Entsendung .von 42 Kindern begonnen und im Jahre 1901 bereits 546 Schützlinge in seine Eolonien untergebracht hatte. Jnsgesammt fanden in den ersten zehn Jahren 3457 Kinder in den Eolonien des ..Ferienheim" Aufnahme und mehr als K. 250.000 wurden für den edlen Zweck verausgabt. Leider findet diese Humanitäts-Institution noch nicht allseits jene Würdigitng, die ihrer eminenten Bedeiltung entspricht. Zu unserem Bedauern ersehen wir aus der statistischen Darstellung über die zehnjährige Vereinsthätigkeit, dass infolge der verminderten Einnahmen im letzten Vereinsjahre ein ziemlich bedeutendes Gebarungsdesicit für das Jahr 1901 resultirt. Die Ansprüche, die au den Verein gestellt werden, sind mit Rücksicht auf die immer größer werdende Roth unter unseren Glaubensgenossen alljährlich höhere. Viele hundert Kinder, die des Landaufenthaltes dringend bedürftig wären, müssen zurückgewiesen werden, weil die Mittel des Vereines nicht nur eine Erhöhung der Zahl seiner Schützlinge unmöglich machen, sondern geradezu eine Verminderung derselben erfordern. Wir wollen der Erwartung Ausdruck geben, dass unsere Glaubensgenossen einen Verein mit solch edlen Tendenzen nicht in seinem Wirken zurückgehen lassen werden und dass die Besitzenden gerne ihr Scherflein für die armen kranken Schützlinge des „Ferienheim" beitragen werden. Der in jeder Beziehung interessante Bericht des ,,Ferienheim" schließt mit einem Appell, dem wir uns aus vollem Herzen anschließen. Es heißt: Fördern Sie unsere Feriencolonien, Sie werden das Bewusstsein haben, erfolgreich ein schönes und großes Ziel zu fördern, zum Wohle des Heranwachsenden ^Geschlechtes und unseres Vaterlandes. Wien. Der Verein „Edelsinn'- zur Unterstützung dürftiger Wöchnerinnen im Xll. Bezirke veranstaltete am 24. d. einen Unterhaltungsabend, der in überaus animirter Stimmung verlief. Die Darbietungen des Coupletsängers Wollner, des Gesangskomikers Oser und der übrigen künstlerischen Kräfte wurden lebhaft acclamirt. Leider stand der materielle Erfolg nicht auf gleicher Höhe, wie der künstlerische. Da für das geringe Entreö allzuviel geboten wurde. Um das Gelingen des Abends haben sich nebst dem Obmanne, Herrn Karl Grünfeld, die Herren David Pollak, Mandl, Mandler. Weiß und Gerstl besonders verdient gemacht. Wie«. (Bethaus - Verein „Macha»ike Hadas*.) Montag, den 31. März 1902, 3 Uhr Nachmittags, findet im Bethause, I., Judengasse 12, die erste außerordentliche Generalversammlung des Vereines mit nachfolgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Vereines. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Anträge. Wie». (T o y n b e e - H a l 1 e.) Im Sommer-Semester beginnen die freien Curse zur Erlernung der hebräischen, deutschen, englischen und franzöfischen Sprache, die unentgeltlich 2-3mal der Woche stattfinden, ebenso ei» CursuS für Handarbeit. An diese» Cursen Theilnehmend« müssen fich rechtzeitig in der Jnspec tio» der Toyubrr»Halle anmelden.

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